"Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen"

Essay über den Erkenntnisgewinn durch Dekonstruktion


Essay, 2008
10 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Jaques Derrida:
„Die Struktur, das Zeichen und das Spiel“

Jaques Derrida spricht im Text „Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen“ von S. 114 –S. 139 von der Geschichte der Begriffe, einem bestimmten Ereignis in dieser Geschichte, den Derrida als Bruch bezeichnet und welche Bedeutung dies für jede Kritik bestehender Gegebenheiten hat. Dazu setzt sich Derrida dekonstruktiv mit den Texten Claude Lévi-Strauss‘ auseinander.

Mit der Strukturalität verweist Derrida zu Beginn des Textes darauf, dass Begriffe keineswegs festgeschrieben und starr sind, sondern auch selbst veränderlich sind. Jeder Begriff hat eine gewisse Struktur, d.h. Ordnung der Elemente, welche den Begriff ausmachen bzw. den Sinn herstellen. Diese Elemente sind beweglich und führen zu der Veränderlichkeit der Begriffe. Strukturalität meint diese Veränderlichkeit der Begriffe.

Das Zentrum

Jene Strukturalität wurde seither begrenzt, indem der Struktur ein Zentrum zugedacht wurde, das als Ordnungsinstanz das Spiel der Elemente beherrschte. Paradoxerweise kann Derrida davon sprechen, dass es bei dieser Vorstellung von Begriff und Struktur zwei Zentren gäben müsse, weil sich das Zentrum innerhalb der Strukturalität befindet, in der sich alles verändert, sich aber dennoch dieser Veränderlichkeit entzieht. Bildhaft existiert demnach ein Zentrum innerhalb und außerhalb der Struktur.

Aus der Sicht der abendländischen Philosophie muss also jede Struktur ein Zentrum haben. Dieses Zentrum verleiht der Struktur einen Punkt der Präsenz, der einen festen Ursprung darstellt und letztlich die Aufgabe hat, die Elemente einer Struktur zu ordnen und so das Spiel der Elemente, also die Veränderlichkeit der Struktur einerseits zu ermöglichen, aber andererseits wieder zu begrenzen, indem es sich selbst diesem Spiel bzw. der Veränderlichkeit entzieht.
Die Dezentrierung der Struktur würde demnach das Denken eines Fehlens dieses Zentrums oder eines festen Ursprungspunktes bedeuten.

Das Signifikat ist das zu Bezeichnende und der Signifikant ist das Bezeichnende. Das Signifikat kann auch als der eigentlich Sinn und der Signifikant als Sinnträger verstanden werden. So ist z.B. das Wort Regenwolke ein Zeichen, der Signifikant und verweist auf das Signifikat, den Sinn, dass es schlechtes Wetter bzw. Regen geben wird. Jene zentrierten Begriffe werden von Derrida als Bedingung der abendländischen Philosophie angesehen.

Das Zentrum macht die Struktur unbeweglich und jede nachträgliche Deutung von Sinn findet über das Zentrum immer wieder zu einer vorigen Bedeutung zurück. Mit einem solchen Verständnis von Struktur werden Substitutionen, Transformationen und Permutationen immer wieder so verstrickt, dass Begriffe bzw. die Struktur auf etwas reduziert werden, von dem angenommen wird, es stelle den wahren Sinn dar, das Sein oder auch Präsenz. Eine Wissenschaft, die Derrida zufolge so verfährt, ist die Archäologie. Diese Wissenschaft dachte Struktur schon immer als eine aus dem Spiel enthobene Präsenz und versuchte durch genannte Verstrickungen auf die sich vorgestellte Präsenz zurückzukommen, weil in der Vorstellung von Struktur vor dem besagten Bruch oder Ereignis alles auf einen Ursprung oder Zentrum zurückzuführen sei. Wenn dem aber so tatsächlich wäre, dann müsste „... die ganze Geschichte des Begriffs der Struktur vor dem Bruch, von dem wir sprechen, als eine Reihe einander substituierender Zentren, als eine Verkettung von Bestimmungen des Zentrums gedacht werden“ (Derrida, S. 116). Dies würde bedeuten, dass Zentren in geregelter Abfolge lediglich andere Bezeichnungen bekommen würden, das Zentrum als Begründung, oder Prinzip von etwas an und für sich dasselbe bleibt, nämlich die Präsenz. Demnach beziehen sich alle unterschiedlichen Bezeichnungen davon auf dieselbe unveränderliche Größe einer Präsenz.

Das Ereignis, das für die nun dargestellte Vorstellung von Struktur und der Geschichte des Begriffs den Bruch darstellt, ist der Zeitpunkt, von welchem an man sich der Strukturalität vergegenwärtigte, indem man das Denken der Strukturalität wiederholte. Man begann also darüber nachzudenken, dass man der Struktur stets ein Zentrum zudachte und dass „…der Vorgang des Bezeichnens […] diesem Gesetz der Präsenz im Zentrum unterordnete“ (Derrida, S. 117). Die Existenz des Zentrums in Form eines Anwesenden wird von Derrida nun verneint, weil das Zentrum durch den Vorgang des Bezeichnens mit seinen Substitutionen und Verschiebungen über sich hinausgetrieben wurde. Das Zentrum ersetzte nichts, was es vorher gegeben hatte, sondern wurde bewegt, woraus Derrida schließt, dass das Zentrum keine feste Größe sein kann, sondern eine Funktion, in der sich ein unendlicher Austausch von Zeichen abspielt.

Die Sprache

Auf der Suche nach dem eigentlichen Sinn, das Signifikat, wird durch die Sprache, die durch ihre Zeichen, hier den Wörtern als Signifikanten, alles zu einem Diskurs. Der Diskurs meint in diesem Zusammenhang keine Diskussion, sondern einen Sinnzusammenhang, der erst durch die Sprache produziert wurde. Folgendes Beispiel soll dies leichter nachvollziehbar machen:

„Der Begriff ‚Ausländerflut‘ ist eine Konstante im ‚Immigrations-Diskurs‘ in der BRD, ein Begriff, der impliziert, Immigranten träten in ‚Fluten‘ und damit als Naturphänomen und Naturkatastrophe auf. Hier fließen mehrere Diskurse ineinander (Katastrophen und Einwanderung beispielsweise). In diesem Zusammenhang heißt dann ‚Diskurs‘ nicht mehr nur ‚Diskussion‘ sondern eher so etwas wie ‚sprachlich produzierter Sinnzusammenhang, der eine bestimmte Vorstellung forciert, die wiederum bestimmte Machtstrukturen und Interessen gleichzeitig zur Grundlage hat UND ERZEUGT‘.“[1]

Die Zeit, in welcher sich dieser dezentrierender Bruch vollzog, war die Epoche von Nietzsche und Sigmund Freud und später auch von Heidegger.
Alle drei kritisierten das starre Gegenwärtige. Nietzsche schrieb seine philosophischen Schriften, der bisherigen Methodik zum Trotz, vollkommen unsystematisch und romanhaft. Sigmund Freud suchte das Sein des Individuums nicht in dessen Identität, sondern im Unterbewusstsein und Heidegger wird als radikaler Dekonstrukteur der Metaphysik angeführt.

[...]


[1] Schmidt, Fabian (2002): Handbuch der Globalisierung. [online] Homepage. Url: http://www.handbuchderglobalisierung.de/ [Stand: 02.06.2008].

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
"Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen"
Untertitel
Essay über den Erkenntnisgewinn durch Dekonstruktion
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
10
Katalognummer
V139673
ISBN (eBook)
9783640499113
ISBN (Buch)
9783640499212
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Struktur, Zeichen, Spiel, Diskurs, Wissenschaften, Menschen, Essay, Erkenntnisgewinn, Dekonstruktion
Arbeit zitieren
Daniel Lennartz (Autor), 2008, "Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaften vom Menschen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139673

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