In nachfolgender Arbeit steht der Vergleich zweier Berichterstattungen aus dem literarischen Bereich der captivity narrative im Fokus, welche aus der femininen Sichtweise von gefangenen Frauen zur Zeit des Puritanismus in Amerika geschrieben worden sind. Zum einen handelt es sich um den Gefangenschaftsbericht von Mary Rowlandson (1676) und zum anderen um den Reisebericht von Sarah Kemble Knight (1704). Obwohl zwischen beiden Berichten eine geringe Zeitspanne von dreißig Jahren liegt, unterscheiden sich die Darstellungen in ihrer Erlebniswelt fundamental. Beide Reportagen ermöglichen dem Leser einen Einblick in die Anfangszeit Amerikas. In wie fern sich dieses Leben in Bezug auf den Einzelnen unterschied und in gewissen Punkten glich, stellt einen Grund für den unternommenen Vergleich dar. Wie das alltägliche Leben in Amerika um 1700 n.Chr. präzise aussah, wovon es beeinflusst wurde, ist anhand ausgewählter Beispiele gleichfalls Gegenstand der Untersuchung.
Begonnen wird mit der näheren Vorstellung von Sarah Kemble Knights Erzählstil. Dieser spielt eine tragende Rolle in der Art ihrer Berichterstattung. Dem folgt die direkte inhaltliche Gegenüberstellung beider Texte. Im Anschluss daran folgt die intensive Beschäftigung mit ausgewählten Themen; namentlich der Darstellung der Wildnis in beiden Berichten und deren Hervorhebung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Gegenstand der weiteren Analyse ist die Präsenz und Rezeption indianischer Völker. Da die Rezeption der Ureinwohner Amerikas mit der damaligen puritanischen Sichtweise auf dieses Volk unabdingbar verknüpft ist, wird auf diesen Glauben, insbesondere dessen Manifestation in den Berichterstattungen von Rowlandson und Knight, gleichfalls eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Sarah Kemble Knights pikareske Erzählweise
3) Rowlandsons Gefangenschaftsbericht im Vergleich zu Knights Reisebericht
3.1) Darstellung der Wildnis in Knight und Rowlandson Berichten
4) Die Puritanische Sichtweise auf Indianer
4.1) Rezeption der Indianer in Rowlandsons Gefangenschaftsbericht
4.2) Rezeption der Indianer in Knights Reisebericht
5) Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die Berichte von Mary Rowlandson (1676) und Sarah Kemble Knight (1704), um anhand dieser frühen amerikanischen Erzählungen die unterschiedlichen weiblichen Perspektiven, Lebenswirklichkeiten und die puritanische Wahrnehmung von Wildnis und Indigenen im 17. und frühen 18. Jahrhundert zu beleuchten.
- Der Einfluss puritanischer Glaubenssätze auf die Wahrnehmung der Welt.
- Unterschiede in der literarischen Gestaltung (pikareske Erzählweise vs. religiöser Gefangenschaftsbericht).
- Die symbolische und reale Bedeutung der "Wildnis" in der frühen Kolonialzeit.
- Die Konstruktion und Rezeption von indianischen Völkern durch europäische Siedler.
- Soziale Hierarchien und das Selbstverständnis der Frauen im Kontext ihrer Zeit.
Auszug aus dem Buch
3.1) Darstellung der Wildnis in Rowlandsons und Knights Berichten
Rowlandson lebte während ihrer Gefangenschaft mit den Indianern in der Wildnis. Dabei verharrten sie nicht an einem Ort, sondern zogen in kurzen Abständen stetig an neue Lagerplätze. Dabei waren sie der Natur schutzlos ausgesetzt.
Die Rezeption der Wildnis durch Rowlandson ist stark durch puritanischen Glauben geprägt und beeinflusst. Die Puritaner sahen weniger die Natur in ihrer Pracht und Vielfalt. Für sie stellte das Ausmaß der Natur und dessen Vielfalt eine Bedrohung dar. Zusätzlich war die so genannte Wildnis von den Indianern, welche von den Neuengländern savages oder wild men genannt wurden, bewohnt. Diese Tatsache trug zum gefährlichen, unzivilisierten Eindruck der Natur bei, welche dann auch nur noch wilderness betitelt wurde.
So beschreibt Ulrike Brunotte treffend in ihrem Buch:
Dieser Ort suggeriert einen chaotischen, ungeformten Raum mit Wald, Sümpfen und Felsen, von wilden und oft dämonischen Wesen bewohnt. Menschen, die diesen Raum betreten, laufen Gefahr, selbst in einen wilden, unkontrollierten Zustand zu verfallen, verzaubert, wirr oder monströs zu werden. (5)
Ein weiterer Grund für die feindlich gesinnte puritanische Auffassung gegenüber der Wildnis lag im Glauben begründet, Adam und Eva behausten einst das sichere Paradies, welches dem christlichen Glauben gleich durch einen Garten versinnbildlicht wurde. Dieser Naturzustand, vor dem Fall aus dem Paradies, stand daher im Puritanismus für Reinheit und Unschuld und so symbolisierten ihre Siedlungen gemäß dem Glauben diesen sicheren Garten- den hortus conclusus-.
Die außerhalb dieses Gartens liegende Natur bezeichneten die Puritaner als unwirtliche Gegend. Sie symbolisierte den Ort nach dem Fall aus dem Paradies. Folglich war dieser böse, schlecht und zu meiden. Unter anderem bezeichneten deshalb Puritaner ihre Siedlungen als auch city upon a hill. Sie sollten nicht in der gefährlichen Wildnis leben, sondern erhaben über ihr thronen.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der "captivity narratives" ein und umreißt den Vergleich zwischen Mary Rowlandsons Bericht und dem Reisebericht von Sarah Kemble Knight.
2) Sarah Kemble Knights pikareske Erzählweise: Dieses Kapitel analysiert den speziellen Erzählstil von Knight, der sich durch pikareske Elemente, Humor und satirische Beobachtungen auszeichnet.
3) Rowlandsons Gefangenschaftsbericht im Vergleich zu Knights Reisebericht: Hier werden die beiden unterschiedlichen Lebenserfahrungen und der religiöse Hintergrund der Autorinnen gegenübergestellt.
3.1) Darstellung der Wildnis in Knight und Rowlandson Berichten: Dieses Kapitel untersucht, wie beide Frauen die Natur und die Wildnis durch ihre jeweiligen ideologischen Brillen wahrnehmen und beschreiben.
4) Die Puritanische Sichtweise auf Indianer: Das Kapitel erläutert den puritanischen Glaubenskontext, der die indigene Bevölkerung als heidnisch und minderwertig einordnete.
4.1) Rezeption der Indianer in Rowlandsons Gefangenschaftsbericht: Es wird analysiert, wie Rowlandson die Indianer durch ihre extremen Gefangenschaftserfahrungen und ihren Glauben als "Wilde" oder "Teufel" wahrnimmt.
4.2) Rezeption der Indianer in Knights Reisebericht: Dieses Kapitel beleuchtet, wie Knight trotz weniger intensiven Kontakts dennoch den damals gängigen sozialen und ethnischen Hierarchien verhaftet bleibt.
5) Zusammenfassung: Diese Zusammenfassung resümiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Autorinnen in Bezug auf ihren Glauben und ihre gesellschaftliche Weltanschauung.
Schlüsselwörter
Captivity Narrative, Sarah Kemble Knight, Mary Rowlandson, Puritanismus, Wildnis, Wilderness, Indianer, Kolonialzeit, Reisebericht, Gefangenschaft, Weltbild, Literaturvergleich, Sozialhierarchie, Amerika, puritanischer Glaube
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit vergleicht zwei literarische Zeugnisse aus der frühen amerikanischen Kolonialzeit: den Gefangenschaftsbericht von Mary Rowlandson und den Reisebericht von Sarah Kemble Knight.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die puritanische Weltsicht, die Wahrnehmung von Natur als lebensfeindliche "Wildnis" und das soziale Bild, das man sich damals von der indigenen Bevölkerung machte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der femininen Sichtweise der beiden Autorinnen aufzuzeigen, obwohl sie unterschiedliche soziale Rollen einnahmen und ihre Texte verschiedene Genres bedienen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende Literaturanalyse durchgeführt, die den Erzählstil, die religiöse Prägung und die soziokulturelle Einordnung der Texte untersucht.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die unterschiedliche literarische Verarbeitung von Erlebnissen – von der pikaresken Art bei Knight bis hin zur religiös-didaktischen Deutung bei Rowlandson.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Captivity Narrative, Puritanismus, Wildnis-Wahrnehmung, koloniale Identität und die Rezeption der Ureinwohner Amerikas.
Wie unterscheidet sich die Wahrnehmung der Wildnis zwischen den beiden Frauen?
Während Rowlandson die Wildnis als eine von Gott gesandte Prüfung und gottlose Gegend begreift, empfindet Knight die Natur eher als bedrohliche, aber irrtümlich profan zu bewältigende Gefahr ohne religiöse Deutung.
Welche Rolle spielt der puritanische Glaube für die Autorinnen?
Für Rowlandson ist der Glaube das zentrale Gerüst zur Deutung ihres Leids, während Knight weniger religiös und rationaler agiert, sich aber dennoch innerhalb der damaligen sozialen Normen bewegt.
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- M.A. Eva Steinbrecher (Author), 2004, Sarah Kemble Knights Reisebeschreibungen im Vergleich zu Mary Rowlandsons Gefangenschaftsbericht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139678