In dieser Arbeit geht es mir um die Kinder, die nicht zu Hause gepflegt werden können, sondern ins Krankenhaus müssen. Gerade weil sie in dieser Situation aus ihrem gewohnten Lebensumfeld herausgerissen und in eine, für sie fremde, Institution hinein gesetzt werden, ist es wichtig zu sehen, wie diese Institution sich auf die Bedürfnisse der Kinder einstellt.
Man könnte meinen, dass im Krankenhaus alle Kinder gleich sind. Aber stimmt das auch?
Um diese Frage beantworten zu können, ist es hilfreich, die Entwicklungsschritte hin zum modernen Kinderkrankenhaus zu verdeutlichen.
Für alle Menschen, besonders aber für Kinder, ist die ganzheitliche Behandlung sehr wichtig.
Dabei spielen besonders auch die Eltern für das Kind eine wichtige Rolle. Wie Eltern mit der Erkrankung des Kindes umgehen, ihre eigene Rolle definieren und diese leben stellt ein weiteres Feld dar, welches aber ebenfalls eingeschränkt werden muss.
Für meine Arbeit geschehen diese Einschränkungen fast automatisch durch den begrenzten Zeitrahmen, den ich zur Hospitation zur Verfügung hatte und die begrenzte Bereitschaft zu Interviews.
Dies führt dazu, dass besonders der zweite Teil dieser Arbeit einen subjektiven Charakter innehat. Dies kann in dem Kontext meiner Arbeit kein Nachteil sein, geht es doch bei der Betrachtung des Kindes als ganzheitlichen Patienten ganz massiv um seine subjektive Wahrnehmung des Krank-Seins und des Umgangs damit.
Beginnen möchte ich mich mit einem historischen Einstieg der gefolgt wird von den Übernachtungsmöglichkeiten, die den Eltern zur Verfügung stehen. Als Ergänzung dazu werde ich kurz die rechtliche Grundlage skizzieren, auf der diese Übernachtungen stattfinden können.
Im Anschluss daran werde ich auf die Betreuungsmöglichkeiten im Kinderkrankenhaus eingehen. Besonders um Kinder, die gar keinen oder keinen regelmäßigen Besuch bekommen, muss sich gekümmert werden, weil keine Eltern da sind, die sich um das seelische Wohl der Kinder kümmern.
Nach diesem literarischen Teil möchte ich auf Anspruch und Wirklichkeit eingehen. Dafür habe ich vom 26.06. bis zum 06.07.2009 am Universitätsklinikum in G. hospitiert und auch mehrere Interviews geführt. Ich möchte untersuchen, welche Aspekte aus meiner literarischen Arbeit dort umgesetzt werden und in wie weit weiterer Handlungsbedarf besteht.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Charta für Kinder im Krankenhaus
1 Definition des Begriffes „Ganzheitlichkeit“
2 Geschichte der Kindheit
3 Geschichte des Krankenhauses
3.1 Geschichte der Krankenhäuser
3.2 Geschichte der Kinderkrankenhäuser
4 Übernachtungsmöglichkeitn für Eltern
4.1 „rooming-in“
4.2 Klinikeigene Wohnungen
4.3 Eltern-Häuser
4.4 Rechtliche Grundlagen
5 Betreuungsmöglichkeiten im Kinderkrankenhaus
5.1 Grüne Damen und Herren
5.2 Krankenhaus-Clowns
5.3 Sozialarbeiter und Erzieher
5.4 Krankenhausschule
6 Anspruch und Wirklichkeit
6.1 Zu den Interviews
6.2 Grüne Damen und Herren
6.3 Interview mit Familie Weber
6.4 Interview mit Familie Schmidt
7 Unterbringungsmöglichkeiten im Klinikum in G.
7.1 Das Elternhaus
8 Die Tätigkeit der Sozialpädagogin und der Erzieherinnen
9 Umgang mit den Eltern
10 Die Stationen im Überblick
11 Das Personal
12 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie moderne Kinderkrankenhäuser dem Anspruch einer ganzheitlichen Patientenversorgung gerecht werden, und analysiert dabei insbesondere die Bedeutung der Einbindung von Eltern sowie ergänzende Betreuungsangebote für das Wohlbefinden kranker Kinder.
- Historische Entwicklung der Kindheit und des Kinderkrankenhauses
- Möglichkeiten der elterlichen Mitaufnahme („rooming-in“ und Elternhäuser)
- Betreuungskonzepte wie Klinik-Clowns und pädagogische Fachkräfte
- Empirische Analyse der Versorgungspraxis mittels Experteninterviews und Hospitationen
Auszug aus dem Buch
1 Definition des Begriffes „Ganzheitlichkeit“
In den letzten Jahren hat der Begriff der "Ganzheitlichkeit" im Zusammenhang mit zu beobachtenden Veränderungen des allgemeinen Lebensgefühls an Bedeutung gewonnen. Auffallend ist dabei das gleichzeitige Fehlen einer allgemein verbindlichen Definition. Für meinen Untersuchungsgegenstand scheint mir das Folgende eine praktikable Definition zu sein:
Im Sinne Platons ist ein Ding mehr als die Summe seiner Teile. Die ganzheitliche Betrachtung des Menschen sieht in ihm mehr als nur eine hochorganisierte Zellstruktur, deren reibungslose Funktion zur Not durch medzinische Eingriffe sicher zu stellen wäre. Der Mensch ist auch mehr als ein Individuum; er steht als "zoon politikon", vor allem im Sinne von Aristoteles teleologischem Denken, in einem gesellschaftlichen Kontext; er bildet aber auch eine individuelle Einheit aus Körper, Geist und Seele. Krankheit ist demnach mehr als nur eine Funktionsstörung, man denke an alles, was im Zusammenhang mit Psychosomatik gesagt wird.
In der ganzheitlichen Medizin steht das Wohlbefinden von Geist und Seele im Mittelpunkt. Dabei sind Patient und Arzt gemeinsam für die Heilung verantwortlich, denn der Patient soll mehr tun, als bloß passiv eine Therapie über sich ergehen lassen. Jede Erkrankung muss in Zusammenhang mit der persönlichen Biographie des Patienten untersucht und in deren Komplexität betrachtet werden.
Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern und dem Patienten zu helfen, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Zudem soll dem Patienten geholfen werden, mit seiner Erkrankung besser umzugehen. Dafür sind manchmal langfristige Veränderungen nötig, die aus Sicht der ganzheitlichen Medizin begleitet werden müssen. In der Regel geschieht die gesamte Behandlung ohne Nebenwirkungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definition des Begriffes „Ganzheitlichkeit“: Dieses Kapitel erörtert das Verständnis von Ganzheitlichkeit als Einheit aus Körper, Geist und Seele und deren Bedeutung für die medizinische Behandlung.
2 Geschichte der Kindheit: Der historische Wandel der Sichtweise auf Kinder, von der Rolle als „kleine Erwachsene“ bis zur Anerkennung als eigenständige Lebensphase, wird hier skizziert.
3 Geschichte des Krankenhauses: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung der Krankenversorgung von mittelalterlichen Hospitälern bis hin zur Spezialisierung der modernen Kinderheilkunde.
4 Übernachtungsmöglichkeitn für Eltern: Das Kapitel behandelt die verschiedenen Formen der Mitaufnahme von Eltern, wie „rooming-in“ und kliniknahe Wohnmöglichkeiten.
5 Betreuungsmöglichkeiten im Kinderkrankenhaus: Hier werden institutionalisierte Hilfsangebote wie Ehrenamtliche, Krankenhaus-Clowns und pädagogisches Fachpersonal vorgestellt.
6 Anspruch und Wirklichkeit: Anhand von Interviews und Hospitationen wird der theoretische Anspruch der Ganzheitlichkeit mit dem Klinikalltag verglichen.
7 Unterbringungsmöglichkeiten im Klinikum in G.: Ein detaillierter Einblick in die Praxis der Elternunterbringung und die Arbeit der Elternstiftung am untersuchten Klinikum.
8 Die Tätigkeit der Sozialpädagogin und der Erzieherinnen: Dieses Kapitel beleuchtet das vielfältige Aufgabenspektrum der pädagogischen Fachkräfte auf den Stationen.
9 Umgang mit den Eltern: Die Bedeutung einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen dem Klinikpersonal und den Angehörigen wird hier hervorgehoben.
10 Die Stationen im Überblick: Eine Beschreibung der verschiedenen fachspezifischen Stationen und ihrer unterschiedlichen Ausstattungen.
11 Das Personal: Das Kapitel analysiert die „Formel“: Zufriedene Eltern + zufriedenes Personal = zufriedene Kinder.
12 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Umsetzung ganzheitlicher Betreuungsansätze im untersuchten Klinikum.
Schlüsselwörter
Ganzheitlichkeit, Kinderkrankenhaus, Pädiatrie, Rooming-in, Elternhaus, Krankenhaus-Clowns, Sozialarbeit, Kinderheilkunde, Krankheitsbewältigung, Familienentlastung, Patientenwohl, Gesundheitswesen, Hospitation, Betreuungskonzept, Psychosoziale Unterstützung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Ansatz der „Ganzheitlichkeit“ in der medizinischen und psychosozialen Versorgung kranker Kinder im Krankenhaus umgesetzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entwicklung der Kinderheilkunde, Möglichkeiten der elterlichen Mitaufnahme sowie vielfältige Betreuungsangebote zur Förderung der kindlichen Entwicklung während des Klinikaufenthalts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Anspruch einer ganzheitlichen Patientenversorgung dem Klinikalltag gegenüberzustellen und Handlungsbedarfe sowie Best-Practice-Beispiele aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus literarischer Aufarbeitung und einer empirischen Analyse, die auf einer einwöchigen Hospitation und qualitativen Interviews mit betroffenen Familien und Fachpersonal basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zur Geschichte der Kindheit und des Krankenhauses sowie in die detaillierte Darstellung von Unterstützungsangeboten wie „rooming-in“, Klinik-Clowns und Elternhäusern.
Welche Rolle spielen die im Anhang dokumentierten Interviews?
Die Interviews dienen dazu, die subjektiven Erfahrungen von Eltern und Patienten widerzuspiegeln und die Praxistauglichkeit der theoretischen Versorgungsansätze kritisch zu beleuchten.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der „Grünen Damen“?
Sie wertet das Engagement der „Grünen Damen“ als sehr positiv und stellt fest, dass diese eine wichtige Entlastung für das Klinikpersonal und eine wertvolle Unterstützung für die Kinder darstellen.
Was ist das „Elternhaus“ in der Untersuchung?
Das Elternhaus fungiert als eine „Oase“ zwischen Klinik und Zuhause, die Eltern nicht nur unterbringt, sondern auch psychosozial stärkt und entlastet.
Welchen Einfluss hat die „Ganzheitlichkeit“ auf die Behandlung?
Ganzheitlichkeit bedeutet in diesem Kontext, das Kind nicht nur als Träger eines Krankheitsbildes zu sehen, sondern als Menschen in seiner individuellen Entwicklung, der emotionale Stabilität und Geborgenheit benötigt.
Welche finanzielle Problematik wird im Zusammenhang mit Eltern aufgezeigt?
Die Arbeit thematisiert die doppelte Belastung durch die Erkrankung des Kindes und die häufig entstehenden finanziellen Verluste für Eltern, etwa durch unbezahlten Urlaub oder unzureichende Kostenerstattung seitens der Versicherer.
- Quote paper
- Sarah Elisabeth Wirkner (Author), 2009, Das Kind als ganzheitlicher Patient, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139707