Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine der unter Laien bekanntesten
psychischen Störungen überhaupt. Jede Beobachtung selbstverletzenden Verhaltens wie zum
Beispiel das Ritzen der Arme mit einer Rasierklinge wird ohne Zögern mit der Diagnostik
Borderline in Verbindung gebracht. Selbstverletzendes Verhalten ist jedoch nur eines von
vielen schwerwiegenden Symptomen der BPS.
Die Behandlung von BPS galt lange Zeit als äußerst schwierig und wenig
erfolgsversprechend. Die Suizidrate der Patienten galt als hoch und Therapien wurden von
den Patienten schnell und häufig abgebrochen. Die in den 1980er Jahren von Marsha
Linehan entwickelte Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT), welche bewährte Methoden
der Verhaltenstherapie mit Ansätzen der Achtsamkeit und Akzeptanz verbindet, hat jedoch
entscheidende Veränderungen und Erkenntnisse bezüglich der Behandlung von BPSPatienten
hervorgebracht. Im Gegensatz zu allen anderen störungsspezifischen
Behandlungskonzepten konnte die Wirksamkeit der DBT empirisch nachgewiesen werden
(Bohus, 2009). Besonders hervorzuheben ist das Konzept des psychosozialen
Fertigkeitentrainings, welches fester Bestandteil der DBT ist. In diesem Behandlungsmodul
werden gezielt Fertigkeiten trainiert, welche den Patienten ermöglichen sollen, akute Krisen
zu bewältigen und funktionale Verhaltensweisen zu erlernen, mit deren Hilfe sie ihren Alltag
meistern können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
2.1 Definition der Störung
3. Was ist die Borderline – Persönlichkeitsstörung (BPS)?
3.1 Geschichte des Borderline-Begriffes
3.2 Definition der Störung
3.3 Epidemiologie
3.4 Komorbidität
4. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)
4.1 Therapiegeschichtlicher Hintergrund der DBT
4.2 Grundannahmen und Rahmenbedingungen der DBT
4.3 Die Behandlungsmodule der DBT
5. Das psychosoziale Fertigkeitentraining in der Gruppe
5.1 Psychosoziale Fertigkeiten
5.2 Rahmenbedingungen
5.3 Behandlungsmodule und Struktur
5.4 Wirksamkeit
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung mit einem besonderen Fokus auf das psychosoziale Fertigkeitentraining in der Gruppe als zentrales Behandlungsmodul.
- Klinische Symptomatik und Diagnostik der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)
- Entwicklung und therapeutische Prinzipien der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT)
- Struktur und Module des psychosozialen Fertigkeitentrainings
- Empirische Evidenz und Wirksamkeit der DBT-Methodik
Auszug aus dem Buch
3.1 Geschichte des Borderline-Begriffes
Der Begriff Borderline wurde im Jahre 1938 von dem Psychoanalytiker Adolf Stern geprägt. Er fußt auf der Annahme eines Kontinuums zwischen neurotischen und psychotischen Störungen, welches von Freud als Grundverständnis der Psychoanalyse postuliert wurde. „Der Terminus „Borderline“ meint eine unscharfe und fluktuierende „Grenzlinie“ zwischen diesen beiden Zuständen, also eine Art Übergangsbereich von der Neurose zur Psychose.“ (Bohus, 2002, S. 3). Nach Linehan (1996a) war der Begriff viele Jahre in psychoanalytischen Kreisen verbreitet, um Patienten mit erheblichen Problemen in ihrer Lebensführung zu beschreiben, welche weder eindeutig diagnostisch klassifiziert werden konnten, noch auf konventionelle psychoanalytische Behandlungsmethoden adäquat ansprachen.
In das Klassifikationssystem der American Psychiatric Assoziation wurde die BPS erst mit der dritten Auflage des DSM im Jahr 1980 aufgenommen. (Linehan, 1996a)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bekanntheit der Borderline-Störung, die Schwierigkeiten der Behandlung und die Bedeutung der DBT als empirisch fundiertes Therapiekonzept.
2. Was ist eine Persönlichkeitsstörung?: Dieses Kapitel definiert Persönlichkeitsstörungen anhand des ICD-10 und erläutert die Charakteristika im Sinne von starren Verhaltensmustern.
3. Was ist die Borderline – Persönlichkeitsstörung (BPS)?: Hier werden die historische Begriffsbildung, die Diagnosekriterien nach DSM-IV, epidemiologische Daten sowie häufige komorbide Störungen dargestellt.
4. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT): Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der DBT im Kontext der Verhaltenstherapie, ihre dialektische Weltanschauung und die grundlegenden therapeutischen Module.
5. Das psychosoziale Fertigkeitentraining in der Gruppe: Das Kapitel beschreibt den Aufbau, die Rahmenbedingungen und die einzelnen Module des Fertigkeitentrainings zur Verbesserung der psychosozialen Kompetenzen.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der DBT-Methodik zusammen und reflektiert die aktuelle wissenschaftliche Diskussion zur Klassifikation der Borderline-Störung.
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung, Dialektisch-Behaviorale Therapie, DBT, Psychosoziales Fertigkeitentraining, Achtsamkeit, Akzeptanz, Affektregulation, Stresstoleranz, Verhaltenstherapie, Borderline, Psychische Störungen, Therapiecompliance, Klinische Symptomatik, Fertigkeiten, Selbstbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) als spezifischem Behandlungsansatz für die Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Symptomatik der Borderline-Störung, die therapeutischen Prinzipien der DBT sowie die praktische Anwendung und Struktur des Fertigkeitentrainings.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, das Konzept des psychosozialen Fertigkeitentrainings innerhalb der DBT detailliert darzustellen und dessen Stellenwert in der Behandlung von Borderline-Patienten zu erläutern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer wissenschaftlichen Literaturanalyse bestehender psychologischer Konzepte und empirischer Studien zur Wirksamkeit der DBT.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Borderline-Störung, die Entwicklung und Grundlagen der DBT sowie eine umfassende Erläuterung des Fertigkeitentrainings in der Gruppe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Borderline-Persönlichkeitsstörung, DBT, Achtsamkeit, Fertigkeitentraining, Affektregulation und Stresstoleranz geprägt.
Warum ist die Trennung von Einzeltherapie und Gruppentraining für die DBT wichtig?
Eine Trennung ist notwendig, um den Fokus im Gruppentraining explizit auf die Erlernung neuer Fertigkeiten zu halten und zu verhindern, dass die Sitzungen von spezifischen Themen aus der Einzeltherapie überlagert werden.
Was ist mit dem Begriff „aktive Passivität“ bei BPS-Patienten gemeint?
Dies beschreibt die Tendenz von Betroffenen, Probleme passiv anzugehen und von ihrer Umgebung oder dem Therapeuten Lösungen zu fordern, während sie bei eigenen Lösungsversuchen passiv bleiben.
Warum hat das Modul „Innere Achtsamkeit“ einen so hohen Stellenwert?
Achtsamkeit dient als grundlegende Voraussetzung für alle anderen Module, da sie den Patienten befähigt, Emotionen und Situationen wertfrei wahrzunehmen, statt auf sie mit dysfunktionalen Mustern zu reagieren.
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- Stephan Polowinski (Author), 2009, Die Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139719