In dieser Arbeit sollen vornehmlich zwei Fragestellungen behandelt werden:
1.Im ersten Teil wird der Frage nachgegangen, in wie weit die Theosophische Gesellschaft, einzelne Theosophen oder theosophisches Gedankengut Einflüsse auf die frühe Phase des Sanatoriums Monte Verità in Ascona hatten.
2.Im zweiten Teil wird überprüft, ob die lebensreformerische Gemeinschaft MV Einfluss auf Theosophen, bzw. okkult-freimaurerische Gruppen hatte, die sozusagen als Nachfolgeorganisationen der TG gesehen werden können.
Die behandelten Personen sind vorrangig Vertreter sozial höherer Schichten wie Intellektuelle, Doktoren, Adlige und wohlhabende Bürger. Ihre Zahl ist relativ begrenzt, sie stellen selbst innerhalb ihrer sozialen Schicht eine kleine Minderheit dar. Die gegenseitige Beeinflussung der zum Teil befreundeten Akteure – aber auch ihre persönlichen Vorbehalte gegeneinander mit daraus resultierender starker gegenseitiger Ablehnung – ergeben ein kaum zu überblickendes Beziehungsgeflecht. In ihren Kreisen und Gruppen vertraten sie neben freimaurerischen und okkulten Programmen auch (radikales) sozialistisches bzw. anarchistisches, zumindest größtenteils pazifistisches Gedankengut. Besonders deutlich wird die sehr enge Verbindung zwischen theosophisch-geprägten Gruppen, die auf den ersten Blick völlig verschiedene Wurzeln und Ausrichtungen haben an einzelnen Personen bzw. ihren Individualbiographien.
Inhaltsverzeichnis
1. Konzept
2. Erster Teil
2.1. Historischer Kontext
2.2. Die Fraternitas-AG: theosophische Aktivitäten in Ascona vor 1900
2.3. Zwischenfazit
3. Zweiter Teil
3.1. Okkultismus, Freimaurerei und Theosophie um 1900
3.2. Annie Besant
3.3. Theodor Reuß alias Merlin Peregrinus
3.4. Der Orientalische Templerorden - O.T.O.
3.5. Labans Tänze auf dem „anationalen Kongress“ des O.T.O.
4. Fazit
5. Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wechselseitigen Einflüsse zwischen der Theosophischen Gesellschaft und dem Sanatorium Monte Verità in Ascona sowie deren Verbindung zu okkult-freimaurerischen Nachfolgeorganisationen im Zeitraum von 1880 bis 1920. Das primäre Ziel ist es, die ideellen und personellen Verflechtungen zwischen diesen lebensreformerischen, theosophischen und okkulten Milieus aufzuzeigen.
- Historischer Kontext der Region Ascona und Anarchismus
- Die Rolle der „Fraternitas“-AG als theosophisches Projekt
- Netzwerkbildung maurerisch-okkulter Gruppen durch Schlüsselfiguren
- Die Bedeutung von Annie Besant und Theodor Reuß für den O.T.O.
- Einfluss theosophischer Ideen auf Kunst und Kultur am Beispiel von Labans Ausdruckstanz
Auszug aus dem Buch
3.5. Der Orientalische Templerorden - O.T.O.
Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem O.T.O. ist aus verschiedenen Gründen schwierig. Problematisch ist vor allem der Punkt, dass die Quellen verstreut (und zudem teils wenig glaubwürdig) sind und die Quellenlage überhaupt schwer zu durchschauen ist; dadurch kursieren zahllose Mythen und Gerüchte rund um den Orden. So bestand diversen Legenden zufolge angeblich der „innere Kreis“ des O.T.O. aus Hartmanns „Orden der esoterischen Rosenkreuzer“, der entscheidenden Einflüsse auf Crowley und Reuß gehabt haben soll. Andere Quellen sprechen von einer sogenannten „hermetischen Bruderschaft des Lichts“, von Kellner und Reuß, der O.T.O. sei lediglich eine Fortführung unter neuem Namen. Ob eine solche Bruderschaft allerdings überhaupt jemals existierte, bleibt selbst unter Spezialisten auf dem Gebiet bis heute strittig. Pasi fasst die Schwierigkeiten in Bezug auf die Geschichte des O.T.O. treffend zusammen:
„It is extremely difficult to assess the history, structure and doctrinal content of the OTO: in fact, practically all the major events in its complex history […] have been a matter of dispute and remain controversial”.
Pasi führt weiter aus, dass der O.T.O. eine eigene Historie, vor allem in Bezug auf ihre Ursprünge, Wurzeln und Gründungsumstände, entwickelt hat. Gerade dies ist jedoch ein typisches Charakteristikum freimaurerisch-okkulter Gruppierungen theosophischer Prägung um 1900, daher ist ein Blick auf diesen Orden exemplarisch für ähnliche Verbindungen der Zeit zu sehen. Der O.T.O. hat zudem direkten Bezug zum MV und lohnt daher der genaueren Betrachtung im Rahmen dieser Arbeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konzept: Einführung in die Forschungsfragen bezüglich der gegenseitigen Beeinflussung von Theosophischer Gesellschaft und dem Sanatorium Monte Verità.
2. Erster Teil: Untersuchung des historischen Kontexts in Ascona und der gescheiterten Gründung der theosophischen Aktiengesellschaft „Fraternitas“.
2.1. Historischer Kontext: Darstellung des Umfelds im Tessin, das als Anlaufpunkt für Anarchisten und Pazifisten diente.
2.2. Die Fraternitas-AG: theosophische Aktivitäten in Ascona vor 1900: Vorstellung der vier theosophischen Initiatoren des geplanten Laienklosters.
2.3. Zwischenfazit: Analyse der Bedeutung des Monte Verità als Treffpunkt für Vertreter intellektueller Eliten.
3. Zweiter Teil: Analyse der Kontakte zwischen den Lebensreformern und okkult-freimaurerischen Nachfolgeorganisationen der Theosophischen Gesellschaft.
3.1. Okkultismus, Freimaurerei und Theosophie um 1900: Klärung der begrifflichen Schwierigkeiten und der Netzwerkbildung zwischen den Gruppierungen.
3.2. Annie Besant: Darstellung der Rolle von Annie Besant als Leiterin der Theosophischen Gesellschaft und ihrer persönlichen Verbindungen zum Monte Verità.
3.3. Theodor Reuß alias Merlin Peregrinus: Analyse der schillernden Figur Theodor Reuß als zentrale Kraft bei der Gründung okkulter Zirkel.
3.4. Der Orientalische Templerorden - O.T.O.: Beleuchtung der komplexen Geschichte und der ideologischen Ausrichtung des Orientalischen Templerordens.
3.5. Labans Tänze auf dem „anationalen Kongress“ des O.T.O.: Untersuchung der Integration von Kunst, insbesondere des Ausdruckstanzes, in die kultischen Praktiken des O.T.O.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der engen persönlichen Verflechtungen und der wechselseitigen Einflüsse zwischen den behandelten Akteuren.
5. Anhang: Auflistung der verwendeten Abkürzungen und Literaturquellen.
Schlüsselwörter
Monte Verità, Theosophische Gesellschaft, Okkultismus, Fraternitas-AG, O.T.O., Freimaurerei, Ascona, Lebensreform, Annie Besant, Theodor Reuß, Rudolf von Laban, Ausdruckstanz, Franz Hartmann, Esoterik, Netzwerkbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen und persönlichen Verflechtungen zwischen der Theosophischen Gesellschaft und der lebensreformerischen Gemeinschaft auf dem Monte Verità sowie deren Verbindung zu okkulten Gruppen wie dem O.T.O.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des Monte Verità, theosophische Gesellschaftsmodelle, die Entwicklung okkult-freimaurerischer Zirkel und die Bedeutung dieser Milieus für die Kunst der Moderne.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt einerseits nach dem Einfluss der Theosophie auf die Frühphase des Sanatoriums Monte Verità und andererseits nach dem Einfluss der dortigen Gemeinschaft auf okkult-freimaurerische Nachfolgeorganisationen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-biographische Analyse verfolgt, die persönliche Netzwerke, Korrespondenzen und den Einfluss einzelner Akteure als Bindeglied zwischen den verschiedenen Organisationen herausstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den historischen Kontext Asconas, die Rolle der „Fraternitas“-Initiatoren, die Wirken von Annie Besant und Theodor Reuß sowie den O.T.O.-Kongress von 1917.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Monte Verità, Theosophie, O.T.O., Okkultismus, Freimaurerei und Lebensreform.
Welchen Einfluss hatte der O.T.O. auf den Monte Verità?
Der O.T.O. war durch die Gründung einer Loge vor Ort und die Veranstaltung des „anationalen Kongresses“ im Jahr 1917 präsent und verband okkulte Praktiken mit dem künstlerischen Leben am Berg.
Welche Rolle spielt der Ausdruckstanz in der Arbeit?
Der Tanz, insbesondere durch Rudolf von Laban, wird als eine „theosophisch geprägte Kunstform“ analysiert, die in den kultischen Kontext der O.T.O.-Maurerei integriert wurde.
- Citation du texte
- Florian Illerhaus (Auteur), 2009, Gegenseitige Beeinflussungen von Theosophie und Monte Verità, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139741