Zu Beginn des 21. Jahrhunderts werden überall auf der Welt viele Milliarden Euro für Pflege, Erhalt und Förderung der Kultur ausgegeben. Kulturgüter genießen einen sehr hohen Stellenwert. Die Besucherzahlen öffentlicher Ausstellungen belegen diesen Trend. Die Städte überbieten sich mit umfangreichen Theater- und Konzert Aufführungen. Die Welt der Kultur scheint ein unentbehrliches Medium geworden zu sein. Doch obwohl Kultur für jede Gesellschaft unentbehrlich ist, sind ihre Institutionen im allgemeinen nicht in der Lage, unter ökonomischen Bedingungen zu überleben. Die ständig steigenden Produktionskosten können nicht ansatzweise über Erlöse aus dem Verkauf von Eintrittskarten gedeckt werden und die Möglichkeiten zur Rationalisierung sind sehr beschränkt (Toepler 1991: 2). An dieser Stelle tritt in vielen Gesellschaften der Staat als Garant der kulturellen Vielfalt auf. Doch die staatliche Förderung ist nicht die Regel. Nicht alle Gesellschaften haben sich nach dem gleichen Muster entwickelt.
In Deutschland konzentrieren sich kulturpolitische Entscheidungen des Staates in erster Linie auf den öffentlichen Kulturbetrieb. In den USA dagegen ist dies gerade umgekehrt; hier ist das Interesse des Staates sehr gering, bedingt durch die Entstehungsgeschichte des Landes. Der private Sektor übernimmt überwiegend die Aufgabe der Kulturfinanzierung. Und gerade weil sich die Kulturen, ihre politischen Systeme und ihre Geschichte so verschieden sind, möchte ich in meiner Arbeit nicht nur darauf eingehen, welche Situation aktuell in der jeweiligen Gesellschaft auf dem Gebiet der Kultur vorherrscht, welche Zielsetzungen sie anstreben, welche Aufgaben der Staat auf dem Gebiet der Kulturförderung wahrnimmt und welchen Ausmaß diese in der Gesellschaft eingenommen hat, sondern auch darauf eingehen wie sich die beiden Systeme ergänzen und von einander lernen können, um in der Zukunft ein hohes kulturelles Erbe noch weiter auszubauen und das bestehende zu erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Aufgaben staatlicher Kulturförderung in Deutschland und den USA
2.1. Staatliche Kulturförderung in Deutschland
2.2. Kulturförderung in den USA
3. Formen der staatlichen Kulturförderung
3.1. Direkte Kulturfinanzierung in Deutschland
3.1.1. Kulturpolitik des Bundes
3.1.2. Kulturpolitik der Länder und Gemeinden
3.2. Direkte Kulturfinanzierung in den USA
3.2.1. Kulturförderung des Bundestaates - Kulturelle Programme des Federal Departments
3.2.2. Finanzierungsmechanismen
3.2.3. Kulturförderung der Einzelstaaten und Kommunen
3.3. Indirekte Subventionen in Deutschland
3.4. Indirekte Subventionen in den USA
3.4.1. Privates Engagement - Ergänzung staatlicher Kulturförderung.
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Kulturpolitik sowie der Kulturfinanzierung in den USA und Deutschland. Dabei wird analysiert, wie historische Entstehungsgeschichten und politische Rahmenbedingungen die jeweilige Rolle des Staates und privater Akteure bei der Förderung kultureller Institutionen prägen, um daraus gegenseitige Lernpotenziale für eine zukunftsfähige Kulturförderung abzuleiten.
- Historische Herleitung und Begriffsverständnis von Kultur
- Staatliche Kulturförderungssysteme im Vergleich
- Direkte Finanzierung vs. indirekte steuerliche Subventionen
- Die Rolle privater Akteure und Stiftungen im Kulturbereich
- Herausforderungen der Ökonomisierung und Innovationsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
3.2. Direkte Kulturfinanzierung in den USA
Der Rückblick in die relativ kurze Geschichte der USA zeigt, dass Kulturpolitik im Sinne eines staatlichen Diskurses über Ziele und Handlungsinstrumente zur Förderung von Kultur bis in die sechziger Jahre des 20. Jh. nicht stattgefunden hat (Heinrichs 1997: 139). Diese kulturpolitische Zurückhaltung ist aber nur möglich, weil es für die US-Amerikaner eine große Tradition gibt, sich für gemeinnützige Aufgaben persönlich zu engagieren. Die für Kulturförderung aufgewandten Beträge blieben in absoluten Zahlen allerdings immer geringfügig. Zu beginn der 1980er Jahre gab der Bundesstaat pro Kopf lediglich 0,70 Dollar für Kunstförderung aus, für Verteidigung dagegen 600 Dollar und für Bildung 130 Dollar pro Kopf und Jahr (Toepler 1991, 18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die etymologische Herleitung des Kulturbegriffs und stellt die aktuelle Problematik der Kulturfinanzierung sowie die unterschiedlichen nationalen Ansätze von Deutschland und den USA dar.
2. Entstehung und Aufgaben staatlicher Kulturförderung in Deutschland und den USA: Dieses Kapitel vergleicht die historische Genese der Kulturförderung und verdeutlicht, wie nationale Identität und gesellschaftliche Werte die staatliche Kulturpolitik geformt haben.
3. Formen der staatlichen Kulturförderung: Hier werden detailliert die direkten und indirekten Finanzierungsmechanismen, wie staatliche Zuschüsse und steuerliche Anreize, in beiden Ländern gegenübergestellt und ihre Auswirkungen auf den Kulturbetrieb analysiert.
4. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Krise der Kulturfinanzierung in Deutschland, den Innovationsdruck durch Ökonomisierung und das wechselseitige Lernpotenzial zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Modell.
Schlüsselwörter
Kulturpolitik, Kulturfinanzierung, Deutschland, USA, Staatliche Förderung, Private Initiative, Steuerliche Subventionen, Stiftungswesen, Kulturinstitutionen, Kunstförderung, Ökonomisierung, Kulturelles Erbe, Kulturföderalismus, National Endowment for the Arts, Kulturmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem rechtsvergleichenden Essay über die Systeme der Kulturpolitik und -finanzierung in Deutschland und den USA.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle des Staates versus privater Akteure, historische Hintergründe der Kulturförderung sowie Instrumente wie direkte Subventionen und steuerliche Vergünstigungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede in den Fördersystemen herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie beide Nationen voneinander lernen können, um das kulturelle Erbe zu sichern und innovative Förderstrukturen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse politikwissenschaftlicher und kulturwissenschaftlicher Literatur, um historische Entwicklungen und aktuelle Finanzierungsmodi gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung staatlicher versus privater Kulturförderung, die Analyse direkter und indirekter Finanzierungsmechanismen (z.B. Steuerpolitik) sowie die Rolle von Stiftungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kulturpolitik, Kulturfinanzierung, Deutschland, USA, Privates Engagement, staatliche Subventionen, Stiftungen und Kulturmanagement.
Warum spielt die Geschichte der USA eine so große Rolle für die Kulturförderung dort?
Aufgrund der jungen Geschichte und des "Ursprungsmythos" der Eigenverantwortung blieb Kultur in den USA lange eine rein private Angelegenheit, was das heutige geringe staatliche Eingreifen erklärt.
Wie unterscheidet sich die deutsche Situation hinsichtlich der Stiftungsförderung?
Während Stiftungen in den USA eine zentrale Rolle bei der Kulturfinanzierung einnehmen, sind sie in Deutschland stärker auf andere Bereiche fokussiert und spielen für den Kunstsektor eine eher untergeordnete Rolle.
- Citation du texte
- Maxim Kimerling (Auteur), 2008, Kulturpolitik- internationaler Vergleich zwischen USA und Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139819