Bei der Aufstellung von Konzernabschlüssen tritt immer häufiger eine Fragestellung in den Mittelpunkt, welche „Art und Umfang der Einbeziehung der Einzelabschlüsse von Konzernunternehmen in den Konzernabschluss und die daraus resultierende Behandlung von Anteilen der an Tochterunternehmen beteiligten Minderheitengesellschafter“(von Klein (2003), S. 97) regeln soll.
In der Literatur werden „zwei Hauptansichten“ (sog. Konsolidierungskonzepte oder Konzerntheorien) diskutiert: Die Einheitstheorie und die Interessentheorie.
Legt man die Einheitstheorie zugrunde, werden die anderen Gesellschafter der Konzerntöchter (auch Minderheiten genannt) als Eigenkapitalgeber des Konzerns betrachtet. Dem gegenüber steht die Interessentheorie, die die Minderheiten als Gläubiger betrachtet, deren Anteile Verbindlichkeiten darstellen.
Die nationalen und internationalen Vorschriften aber auch die Literatur sind sich nicht einig, welche Konzerntheorie bei gegebenen Vorraussetzungen zu einer gewünschten Zielsetzung führt. Dabei kann die Wahl des Konsolidierungskonzeptes/ der Konzerntheorie zu erheblichen Unterschieden in der Bilanz und Erfolgsrechnung führen, z.B.: beim Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an einer Tochtergesellschaft, beim Ausweis von Minderheitsanteilen, bei der Bilanzierung des gesamten derivativen Goodwills oder bei einer Veränderung der Mehrheitsanteile an konsolidierten Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Die Rolle der Konsolidierungskonzepte im Konzernabschluss
3. Einheitstheorie
3.1. Grundlagen der Einheitstheorie
3.2. Einheitstheorie: Vollkonsolidierung
4. Interessentheorie
4.1. Grundlagen der Interessentheorie
4.2. Interessentheorie: Partielle Konsolidierung
4.3. Interessentheorie: Vollkonsolidierung
5. Einheitstheorie versus Interessentheorie
5.1. Nationale/ Internationale Vorschriften
5.2. Vergleich der Konsolidierungskonzepte
5.3. Kritik an den Konsolidierungskonzepten
5.4. Fallbeispiel
6. Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Auswirkungen der beiden dominierenden Konzernrechnungslegungstheorien – Einheitstheorie und Interessentheorie – auf die Erstellung von Konzernabschlüssen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Wahl des jeweiligen Konzepts die Bilanzierung und den Ausweis von Minderheitsanteilen sowie die Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Konzerns beeinflusst.
- Systematische Einordnung der Einheitstheorie und Interessentheorie
- Analyse der Konsolidierungsmethoden (Voll- vs. Quotenkonsolidierung)
- Gegenüberstellung nationaler (HGB) und internationaler (IFRS) Rechnungslegungsvorschriften
- Kritische Würdigung der theoretischen Konzepte hinsichtlich ihrer Informationsfunktion
- Praktische Veranschaulichung der theoretischen Unterschiede anhand eines Fallbeispiels
Auszug aus dem Buch
3.1. Grundlagen der Einheitstheorie
„Die Einheitstheorie betrachtet den Konzern trotz rechtlicher Selbstständigkeit der Einzelunternehmungen als wirtschaftliche und rechtliche Einheit, also als eine einzige [fiktive] Unternehmung.“ Der Konzernabschluss wird somit, durch die Gleichstellung der Konzernunternehmen mit unselbstständigen Betriebsabteilungen, zum „Quasi- Einzelabschluss“. Die rechtliche Selbständigkeit der Einzelunternehmungen wird dadurch ausgeblendet. „Diese Fiktion fußt auf dem Wesen des Konzerns, dass die in ihm zusammengefassten Einzelunternehmungen in der Regel durch eine Obergesellschaft einheitlich geleitet.“
Die vorrangige Aufgabe des Konzernabschlusses wird nach der Einheitstheorie in der Informationsfunktion aller Anspruchsgruppen gesehen. Als Grundgedanke der Einheitstheorie wird oft § 297 Abs. 2 S.2 HGB (sog. Einheitsgrundsatz) zitiert, welcher dem Konzernabschluss vorschreibt, ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz-, und Ertragslage zu vermitteln. Es stehen somit nicht die Vermögensinteressen der Gesellschafter im Fokus.
Nach der Einheitstheorie wird unterstellt, dass die Interessen der Minderheitsaktionäre (= Gesellschafter der abhängigen Konzernunternehmen) mit den Interessen der Mehrheitsaktionäre (= Aktionäre der Muttergesellschaft) übereinstimmen. Diese Interessenhomogenität wird dadurch begründet, dass „die Mehrheitsgesellschafter im Konzern ihre Interessen gegenüber den Minderheitsgesellschaftern aufgrund ihrer beherrschenden Stellung durchsetzten können.“ Dies erfordert eine gleichberechtigte Abbildung aller Gesellschafter im Eigenkapital, mit der Differenzierung zwischen Minderheitsaktionären und Mehrheitsaktionären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Die Einleitung führt in die Debatte um die Konsolidierungskonzepte ein und verdeutlicht deren Relevanz für den Konzernabschluss.
2. Die Rolle der Konsolidierungskonzepte im Konzernabschluss: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit konsolidierter Abschlüsse zur Befriedigung der Informationsinteressen von Anspruchsgruppen.
3. Einheitstheorie: Hier werden das Konzept des „Quasi-Einzelabschlusses“ sowie die Vollkonsolidierung als primäre Methode dieser Theorie erläutert.
4. Interessentheorie: Das Kapitel beschreibt den Blickwinkel der Anteilseigner des Mutterunternehmens und unterscheidet zwischen partieller und Vollkonsolidierung.
5. Einheitstheorie versus Interessentheorie: Dieser Abschnitt vergleicht die Theorien anhand von Rechtsnormen, bietet eine tabellarische Gegenüberstellung und diskutiert die Kritik an den Modellen.
6. Thesenförmige Zusammenfassung: Die Kernaussagen der Arbeit werden hier pointiert zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Konzernabschluss, Einheitstheorie, Interessentheorie, Konsolidierung, Vollkonsolidierung, Quotenkonsolidierung, Minderheitsanteile, HGB, IFRS, Konzernbilanz, Konzernrechnungslegung, Eigenkapital, Fremdkapital, Jahresabschluss, Bilanzierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die zwei maßgeblichen theoretischen Ansätze der Konzernrechnungslegung: die Einheits- und die Interessentheorie.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Dokument ab?
Zentrale Themen sind die Einbeziehung von Tochtergesellschaften, die Behandlung von Minderheitsanteilen sowie die unterschiedlichen Zielsetzungen bei der Konzernabschlusserstellung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie die Wahl des Konsolidierungskonzepts die Bilanzkennzahlen beeinflusst und welche theoretischen Schwächen diese Ansätze bei der Abbildung der Konzernwirklichkeit aufweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Untersuchung gewählt?
Der Autor wählt eine deskriptive und vergleichende Literaturanalyse, ergänzt durch ein konkretes rechnerisches Fallbeispiel zur Verdeutlichung der Unterschiede.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Einheitstheorie, der Interessentheorie sowie einen kritischen Vergleich der Konzepte unter Einbeziehung von HGB- und IFRS-Vorgaben.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Konsolidierung, Interessentheorie, Einheitstheorie, Minderheitsanteile und Konzernbilanz.
Wie unterscheidet die Einheitstheorie die Gesellschafterstellung?
Die Einheitstheorie betrachtet Minderheitsgesellschafter als Eigenkapitalgeber und unterstellt eine Homogenität der Interessen mit der Mehrheit.
Was ist der wesentliche Unterschied zwischen dem Proprietary-Konzept und dem Parent Company-Konzept?
Während das Proprietary-Konzept (partielle Konsolidierung) Minderheiten als Außenstehende betrachtet, zielt das Parent Company-Konzept (Vollkonsolidierung) auf die Sicht der Muttergesellschaft ab, auch wenn Minderheiten weiterhin als Fremdkapitalgeber geführt werden.
Wie bewertet der Autor den aktuellen IFRS-Standard im Vergleich zum HGB?
Der Autor ordnet das HGB primär der Einheitstheorie zu, während die IFRS als ein „Hybrid“ betrachtet werden, das zwischen beiden Ansätzen vermittelt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Eignung der Theorien?
Der Autor stellt fest, dass beide Theorien Schwachpunkte haben, wobei die Interessentheorie aufgrund der Abbildung vielfältiger Interessen für einen kapitalgeberorientierten Abschluss oft als geeigneter erachtet wird.
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- Jens Merkle (Author), 2008, Einheits- vs. Interessentheorie im Konzernabschluss, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139835