In der vorliegenden Masterarbeit zum Thema „Pflegekinder – ein Thema der Schule?!“ soll der Frage auf den Grund gegangen werden, ob Pflegekinder schlechtere Bildungschancen haben. Durch statistische Daten wird erhoben, in welchem Umfang Kinder betroffen und was die Gründe für eine Fremdplatzierung sind. Daraus entwickelt sich die Hypothese, dass Pflegekinder sowohl von sozial emotionalen Problemen als auch kognitiven Beeinträchtigungen in hohem Maße betroffen sind. Das wirft im Rahmen der Inklusion die Frage auf, inwieweit der aktuelle pädagogisch – wissenschaftliche Diskurs die schulische Situation von Pflegekindern abbildet? Es wird die Hypothese aufgestellt, dass in diesem Bereich wenig empirische Forschungsdaten zu finden sind.
Um diese Frage beantworten zu können wird eine systematische Literaturrecherche durchgeführt. In ausgewählten Datenbanken werden knapp 5.000 Datensätze überprüft, woraus sich sechs Studien identifizieren lassen. Die Auswertung der Ergebnisse der Studien bestätigt die Hypothese, dass Pflegekinder in hohem Maße von negativen Schulerfahrungen, geringeren schulischen Leistungen, eingeschränkter physischer und psychischer Gesundheit, einer retardierten sozial emotionalen Entwicklung und hohen Belastungserfahrungen betroffen sind. Risiko- und Schutzfaktoren lassen sich nur in geringem Maße in den Studien wiederfinden, doch können positive Schulerfahrungen, eine hohe Bildungsaspiration und die Vermeidung von schulischer Instabilität als Schutzfaktoren identifiziert werden.
Auch die zweite Hypothese wird bestätigt. Für den deutschsprachigen Raum konnten nur zwei Studien gefunden werden, die sich mit diesem Thema befassen. Es besteht großer Forschungsbedarf, sowohl was die Schulerfahrungen, Schulleistungen, Gesundheit und die sozial emotionale Entwicklung von Pflegekindern in Deutschland betrifft. Vor allem jedoch müssen Schutzfaktoren und Maßnahmen identifiziert werden, die Pflegekindern helfen, im Rahmen einer Bildungsgerechtigkeit, ihr Potenzial voll ausschöpfen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse der Situation von Pflegekindern in Deutschland
2.1 Definition
2.2 statistische Daten
2.3 Bedeutung für das Kind
3. Präzisierung der Forschungsfrage
3.1 Überlegungen zur Forschungsfrage
3.2 Formulierung der Forschungsfrage
3.3 Begründung
4. Methodisches Vorgehen
4.1 Auswahl der relevanten Datenbanken
4.2 Suchbegriffe
4.3 Suchstring
4.4 Ein- und Ausschlusskriterien
4.5 Identifizierte Arbeiten
5. Auswertung
5.1 Studie 1: Evans
5.2 Studie 2: Burley, Halpern
5.3 Studie 3: McMillen et.al.
5.4 Studie 4: Projektgruppe Pflegekinderhilfe
5.5 Studie 5: Shin
5.6 Studie 6: Wiesch
6. Ergebnisse der Auswertung
6.1 Formale Auswertung
6.2 Inhaltliche Auswertung
7. Diskussion
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwieweit Pflegekinder aufgrund ihrer Lebensgeschichte und Fremdplatzierung in ihren Bildungschancen gegenüber anderen Kindern benachteiligt sind und welche Rolle dabei soziale, emotionale und kognitive Faktoren spielen.
- Analyse der schulischen Situation von Pflegekindern
- Systematische Literaturrecherche zu empirischen Studien
- Evaluation von Risikofaktoren für den schulischen Erfolg
- Bedeutung von Bindung und Traumatisierung für die Lernvoraussetzungen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die hier vorliegende Masterarbeit zum Thema „Pflegekinder – ein Thema der Schule?!“ hat ihren Ursprung in einer Seminararbeit für eine Modulprüfung die 2021 der sonderpädagogischen Fachrichtung Lernen vorgelegt wurde. In dieser Seminararbeit wurde beleuchtet, welche besonderen Bedingungen und Bedürfnisse Pflegekinder in der Schule haben und wie Lehrende diesen gerecht werden können. So konnte herausgearbeitet werden, welche emotional-sozialen, aber auch welche Lernschwierigkeiten bei Pflegekindern häufig auftreten. Ein Teil der Erkenntnisse dieser Arbeit bildet die Basis für die hier vorliegende wissenschaftliche Arbeit. Es zeigte sich, dass immer wiederkehrende Problematiken bei Pflegekindern auftreten. Dies gab den Anlass für die folgende Masterarbeit, denn es stellte sich die Frage nach wissenschaftlichen Forschungsergebnissen darüber, ob und in welcher Form Kinder, die in Pflegefamilien aufwachsen in ihren Bildungschancen benachteiligt sind. Im Zuge der Inklusion und Chancengleichheit ist diese Frage von großer Bedeutung, denn sollte es so sein, wäre ein Anspruch auf sonderpädagogische Unterstützung zu prüfen, auch wenn die betroffenen Kinder nicht an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ), sondern in einer Regelschule unterrichtet werden.
Um den Forschungsgegenstand näher zu beleuchten, soll im ersten Teil dieser Arbeit eine Analyse der Situation von Pflegekindern erfolgen. Daraus wird die Forschungsfrage entwickelt, um im Anschluss daran mit einer systematischen Literaturrecherche der Frage auf den Grund zu gehen. Die Ergebnisse dieser Recherche bilden die Grundlage für eine Auswertung mit darauf folgender Diskussion und einem Fazit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert den Ursprung der Arbeit und führt in die Thematik der benachteiligten Bildungschancen von Pflegekindern ein.
2. Analyse der Situation von Pflegekindern in Deutschland: Hier werden Definitionen sowie statistische Daten zur Situation von Pflegekindern erläutert und die Bedeutung der Sozialisation für das Kind diskutiert.
3. Präzisierung der Forschungsfrage: In diesem Kapitel werden die Forschungsfragen auf Basis der vorherigen Analyse hergeleitet, formuliert und begründet.
4. Methodisches Vorgehen: Hier wird der systematische Ansatz der Literaturrecherche beschrieben, inklusive Datenbankwahl, Suchstrategien, Ein- und Ausschlusskriterien.
5. Auswertung: Dieses Kapitel stellt sechs relevante Studien einzeln vor und analysiert deren Forschungsdesign, Untersuchungsgegenstand und Ergebnisse.
6. Ergebnisse der Auswertung: Die identifizierten Studienergebnisse werden in eine formale Übersicht überführt und inhaltlich nach Kategorien wie Schulerfahrungen, Gesundheit und Entwicklung geordnet.
7. Diskussion: Hier findet die wissenschaftliche Reflexion und Interpretation der aggregierten Ergebnisse statt.
8. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die in der Einleitung aufgeworfene Forschungsfrage.
Schlüsselwörter
Pflegekinder, Bildungschancen, Schulische Leistung, Fremdplatzierung, Systematische Literaturrecherche, Sozial-emotionale Entwicklung, Bindung, Traumatisierung, Risikofaktoren, Schutzfaktoren, Inklusion, Schulerfolg, Sonderpädagogische Unterstützung, Lebensqualität, Kindeswohl
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Pflegekinder aufgrund ihrer biografischen Situation und Fremdplatzierung im schulischen Kontext benachteiligt sind und welche Unterstützung sie benötigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Schulerfahrungen, schulischen Leistungen, psychosozialer Gesundheit, sozial-emotionaler Entwicklung sowie der Identifikation von Risiko- und Schutzfaktoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zur schulischen Situation von Pflegekindern mittels einer systematischen Literaturrecherche abzubilden und Forschungslücken aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin führt eine systematische Literaturrecherche (Systematic Literature Review, SLR) durch, um bestehende empirische Studien systematisch zu identifizieren, auszuwerten und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Situationsanalyse, die methodische Darlegung der Suche, die Einzeldarstellung von sechs ausgewählten Studien sowie die nachfolgende inhaltliche Auswertung dieser Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Pflegekinder, Bildungschancen, Fremdplatzierung, Bindung, Traumatisierung, Schulerfolg und Inklusion.
Welche Rolle spielt die Bindungstheorie in dieser Arbeit?
Die Bindungstheorie dient als theoretische Basis, um zu erklären, warum Pflegekinder häufig Belastungen (wie Bindungsabbrüche) erfahren haben, die ihre Lernvoraussetzungen und ihr Verhalten in der Schule beeinflussen.
Welche Bedeutung hat der Vergleich zwischen verschiedenen Ländern?
Die Arbeit vergleicht Studien aus dem angloamerikanischen Raum mit der Situation in Deutschland, um aufzuzeigen, dass Forschungsergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Schulsysteme übertragbar sind.
- Arbeit zitieren
- Susan Ohms (Autor:in), 2022, Pflegekinder - ein Thema der Schule?!, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1399072