Die vorliegende Arbeit soll sich mit dem konzipierten Orientbild im Europa der Neuzeit beschäftigen, dabei soll ein besonderes Augenmerk auf die Sicht der orientalischen Frauen seitens europäischer Männer, als auch europäischer Frauen gelegt werden. Ist das Bild über die „kulturell andere Frau“ das Gleiche, oder gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung der orientalischen Frau. Welche Vorstellungen hatten die Europäer über die Harems, welche die Privaträume der orientalischen Frauen sind und wie sah die Wirklichkeit aus? Wie gingen Schriftsteller und Philosophen mit der Fremde um und dem Image des Orients und wer prägte dieses? Die unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Orient sollen anhand exemplarischer Vergleiche kurz geschildert werden, um auch die unterschiedlichen Voraussetzungen aufzuzeigen, unter denen sich Europäer in den Orient begaben.
Das Hauptarbeitsmittel und die Grundlage dieser Arbeit stellt dabei das Buch „Europa und der Orient 800-1900“ herausgegeben von Gereon Sievernich und Hendrik Budde im Rahmen einer Ausstellung des vierten Festivals der Weltkulturen Horizonte 1889 in Berlin dar.
Auch das Thema „Reiseberichte“ soll näher beleuchtet und untersucht werden, ob sich Unterschiede in den verschiedenen Berichten über den Orient aus männlicher Sicht, weiblicher sowie ein Vergleich zwischen den weiblichen Berichten erkennen lassen.
Wie sich bestimmte Vorurteile und Images bis in unsere heutige Zeit gehalten haben und in wie weit wir heute von einem veränderten oder stagnierten Orientbild sprechen können, soll nun im Folgenden geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das konzipierte Orientbild im Europa des 18.,19. und 20. Jahrhunderts
3. Femme Fatal und Tausendundeine Nacht – Das Bild der orientalischen Frau aus der Sicht europäischer Männer anhand ausgewählter Beispiele
3.1. Carsten Niebuhr und Helmuth Graf von Moltke
3.2. Gérard de Nerval und Gustave Flaubert
3.3. Montesquieu und Voltaire – Die orientalische Frau aus der Sicht der Philosophen
3.4. Die orientalische Frau in der Kunst
4. Das Bild der orientalischen Frau aus der Sicht europäischer Frauen anhand ausgewählter Beispiele zur Sicht des Harems
4.1. Reiseberichte von Frauen. Ihre Glaubwürdigkeit und ihre Besonderheiten
4.2. Lady Mary Montagu, Lady Elisabeth Craven und Jemima Kindersley – drei Haremsberichte im Vergleich
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das konzipierte Orientbild im Europa der Neuzeit mit einem spezifischen Fokus auf die Wahrnehmung orientalischer Frauen durch europäische Männer und Frauen. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen imaginierten Klischees – geprägt durch Literatur und Kunst – und den tatsächlichen, in Reiseberichten dokumentierten Erfahrungen aufzuzeigen sowie den Einfluss von Geschlecht und sozialer Herkunft auf diese Wahrnehmung zu analysieren.
- Analyse des europäischen Orientbildes im 18., 19. und 20. Jahrhundert.
- Gegenüberstellung männlicher und weiblicher Perspektiven auf den Harem und die Rolle der orientalischen Frau.
- Untersuchung literarischer und künstlerischer Projektionen (femme fatale, Exotik).
- Vergleichende Analyse von Reiseberichten (u.a. Montagu, Niebuhr, Flaubert).
- Reflektion über die Beständigkeit von Vorurteilen und das Verhältnis von Realität und Imagination.
Auszug aus dem Buch
3.1. Carsten Niebuhr und Helmuth Graf von Moltke
Der Forschungsreisende Carsten Niebuhr (1733-1815) bereiste für 7 Jahre die Länder des Orients und beobachtete sehr detailgetreu und meist ganz nüchtern-objektiv die Gebräuche und Sitten sowie die Architektur der Morgenländer. Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Beschreibung von Arabien“ (1772) und „Reisebeschreibungen nach Arabien und anderen umliegenden Ländern“ (1774-1778). Der Deutsche widmete sich in seinen Arbeiten oft nur kurz dem orientalisch weiblichen Geschlecht. Meist ging es um Beobachtungen zur Kleidung der Frauen:
[…] „Kein Kleidungsstück scheint den Morgenländerinnen so wichtig zu sein wie das Tuch, mit dem sie ihr Gesicht bedecken können, wenn sich ihnen ein Mann nähert. Ein Engländer überraschte einmal in Basra eine Frau, die gerade im Euphrat badete. Die Frau schlug sofort die Hände vors Gesicht, ohne sich darum zu kümmern, was der Fremde sonst sehen konnte.“ […]
Durch die Anekdote Niebuhrs wird deutlich, wie wichtig den orientalischen Frauen das Tuch vor ihrem Gesicht ist. Niebuhr wertet allerdings nicht, er gibt nur wieder, was er gesehen/ bzw. gehört hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Fragestellung bezüglich der Wahrnehmung der „orientalischen Frau“ durch europäische Beobachter und stellt den methodischen Ansatz sowie die primäre Quellenbasis vor.
2. Das konzipierte Orientbild im Europa des 18.,19. und 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung und Persistenz eines vorgefertigten, ästhetischen Orientbildes, das trotz historischer und politischer Veränderungen in Europa dominierend blieb.
3. Femme Fatal und Tausendundeine Nacht – Das Bild der orientalischen Frau aus der Sicht europäischer Männer anhand ausgewählter Beispiele: Hier werden männliche Reiseerfahrungen und philosophische Ansichten analysiert, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen Wunschbild und der enttäuschten Realität bei Autoren wie Nerval, Flaubert und Montesquieu liegt.
4. Das Bild der orientalischen Frau aus der Sicht europäischer Frauen anhand ausgewählter Beispiele zur Sicht des Harems: Das Kapitel untersucht die abweichenden Reisebedingungen und Perspektiven europäischer Frauen, die durch exklusiven Zugang zu Harems ein differenzierteres Bild zeichnen konnten.
5. Schluss: Der Schluss resümiert, dass trotz einzelner Entzauberungsversuche das Bild des Orients als erfundene, exotische Traumwelt in den europäischen Köpfen fortbesteht, auch wenn heute ein besseres Verständnis für die realen Umstände existiert.
Schlüsselwörter
Orient, Abendland, Orientalismus, Harem, Reiseberichte, Geschlechterrollen, Exotismus, Kulturvergleich, Wahrnehmung, Klischees, Fremdbild, Europa, Literaturgeschichte, Despotie, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konstruktion des Orientbildes im Europa der Neuzeit und wie dieses Bild durch die Wahrnehmung der orientalischen Frau geprägt wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die literarische und künstlerische Imagination des Orients, die Rolle des Harems, der Vergleich männlicher und weiblicher Reiseberichte sowie die soziokulturelle Spiegelung europäischer Identität durch das „Fremde“.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Europäer die Rolle der Frau im Orient wahrgenommen haben und inwieweit diese Wahrnehmung eher von subjektiven Erwartungshaltungen als von der tatsächlichen Lebenswirklichkeit beeinflusst war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse von Primärquellen (Reiseberichte) und vergleicht diese mit zeitgenössischer Literatur, Malerei und philosophischen Diskursen, um die Entwicklung des Orient-Images nachzuzeichnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Reisende und Denker (wie Niebuhr, Moltke, Nerval, Flaubert, Montesquieu, Voltaire) und stellt deren Berichte den Erfahrungen europäischer Reisender gegenüber, um Unterschiede in der Wahrnehmung durch Männer und Frauen herauszuarbeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Orientalismus, Harem, Fremdwahrnehmung, Exotik und Kulturvergleich charakterisiert.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Verschleierung im Harem bei?
Am Beispiel von Lady Mary Montagu wird dargelegt, dass Verschleierung von den betroffenen Frauen nicht zwingend als Unterdrückung, sondern als Mittel zur Wahrung des privaten Raums und sogar als gewisses Freiheitsmoment interpretiert werden kann.
Warum unterscheiden sich die Reiseberichte von Frauen grundlegend von denen der Männer?
Frauen hatten aufgrund ihres Geschlechts Zutritt zu Harems, die Männern verwehrt blieben. Dies ermöglichte ihnen einen weniger von Phantasien und mehr von der Realität geprägten Einblick in die sozialen Verhältnisse vor Ort.
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- Anke Schulz (Author), 2007, Die Imagination des Orients, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139938