Der Mediendiskurs bei Elfriede Jelinek


Seminararbeit, 2001
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Methodik

3. Mediendiskurs

4. Schlussbemerkung

1. Einleitung

Wenn man sich der Aufgabe hingibt, die Werke einer der pro­vo­kantesten Schriftstellerinnen der Gegenwartsliteratur,

Elfriede Jelinek, zu analysieren, wird man sofort von Horrorszena­rien, zahlreichen Diskursdurchstreifungen und geplantem Chaos verschlungen. Das dies aber Methode und gleichzeitig intentional gerichtet ist, ist beim erstmaligem Lesen schwer zu erkennen.

Ich möchte in dieser Arbeit die destruierende Verfahrensweise der Österreicherin Jelinek vorstellen. An „Michael. Jugendbuch für die Infantilgesellschaft“ und „Lust“ soll zum einen die Methodik ver­deut­licht und andererseits untersucht werden, inwiefern in diesen Wer­ken der mediale Diskurs aufgegriffen und thematisiert wird.

Die Grundlage stellt das Referat aus dem Seminar „Kunst als Pro­vokation: Die Autorin Elfriede Jelinek“ dar.

Die Arbeit kann schon deswegen keinen Anspruch der Vollständig­keit erheben, da die Medienkritik in vielen weiteren Werken der Elfriede Jelinek präsent erscheint. Die genannte Auswahl begründe ich damit, dass ich es sehr interessant finde, ein Frühwerk und ei­nen 17 Jahre später erschienenen Roman unter gleichen Unter­su­chungskriterien zu analysieren.

2. Methodik

„Es geht mir um ein politisches Anliegen im weitesten Sinne, um Entmythologisierungsvorgänge, darum, polemisch und aggressive Sachverhalte zu skelletieren.“ (Frauen-Literatur-Revolution 1992, S. 293), so die „Vorzeige-Monsterfrau“ (Stadtblatt 37 1989, S. 10) über ihre Intentionen. Doch wie kann der Welt der Zerrspiegel vor­gehal­ten werden, wie schafft man es, Schubladendenken und Au­tomati­sierungen vorgefertigter Mythen zu sprengen?

Destruierungsverfahren mit Hilfe der Satire wäre die richtige Ant­wort! Doch was steckt hinter der Methode, wie funktionieren sati­rische Texte?

Das Satirische ist eine militante Haltung, eine Angriffsstrategie auf verbaler Ebene, quasi Aggressivität vermittelt durch Zeichen.

Diese Kunstgattung übt Macht aus, indem sie die Dinge direkt beim Namen nennt. Dadurch werden Herrschaftsverhältnisse oder all­gemein anerkannte Mythen entschleiert. Aggressivität, sprachliche Verstümmlungen oder Übertreibungen dienen als sprachliche Mit­tel. Durch Ironie und Spott an Personen oder Zuständen wird Kritik geübt und sie werden der Lächerlichkeit preisgegeben. Und genau an dieser Stelle wird die Verbindung zu Jelinek transparent. Durch ihre ex­trem negative Textpraxis will sie nicht bloß den Mythos sichtbar machen, das wäre uneffektiv bzw. harmlos, nein, sie zer­stört, ent­leert und destruiert Selbigen. „Ich schlage sozusagen mit der Axt drein .“ (Jelinek In: Theaterzeitschrift 7 1984, S. 14). Das diese Axt gewetzt ist, werden die Textbeispiele zum späterem Zeit­punkt be­le­gen.

Satiriker verfahren wie Chirurgen. Vorfabrizierte Elemente werden aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst und in einen Ande­ren transplantiert. Dass Elfriede Jelinek dabei eine Axt benutzt, stieß einigen Lesern und Kritikern sauer auf.

Nach der „Verfremdungsoperation“ erscheinen dem Betrachter die alten, gewohnten Dinge in einem ganz neuen Licht. Die Wahrneh­mung verläuft bewusst gelenkt, nicht automatisch bzw. stereotyp ab. Unbeachtete Bedeutungsstrukturen und Zusammenhänge wer­den provoziert und „aufgeblasen“. Daraus resultiert, dass das uns Bekannte plötzlich „fremd“ erscheint, und somit bedarf es einer neuen Deutung. Diese erzwungene Interpretation löst den bekann­ten „Aha-Effekt“ aus (vgl. Rasper In: Frauen-Literatur-Revolution 1992, S. 291-294). Durch ungewohnte Perspektiven, Auffassungs- und Darstellungsweisen erzielt gerade Jelinek bei vielen Lesern Denkanstöße.

Als Beispiel könnte man neben vielen Anderen die Darstellung der Sexualität heranziehen. Explizit in dem Bestseller „Lust“ wird diese Thematik gnadenlos mit der Axt bearbeitet. In dem Roman wird Sexu­alität zum puren Geschlechtsakt degradiert, gleichzeitig wer­den Besitz- und Herrschaftsverhältnisse offengelegt. Die „Einverlei­bung“ der Frau durch den Mann und die Reduktion auf Ge­schlechtsteile werden durch parodistische Überspitzungen hervor­gehoben, aber gleichzeitig durch beispielsweise die zahlreichen, monotonen Wiederholungen ad absurdum geführt. Die Anspielung auf die Pornoindustrie, die diese Mythen am Fliessband produziert, ist unverkennbar und soll zerstört werden. Dies gelingt Jelinek unter anderem auch durch die unpersönliche Darstellung ihrer Charak­tere. Sie haben kein Eigenleben und können sich auch nicht wei­terentwickeln. Unbelebte Abziehbilder und Klischees werden, wie beschrieben, aufgeführt und destruiert.

Der Diskurs über die Sexualität soll hier nicht ausführlich beleuchtet werden, aber er verdeutlicht zum einen die Methodik, und zum an­deren bietet er eine hervorragende Überleitung zum Mediendiskurs. Denn gerade was die Mythenbildung und -forcierung angeht, sitzen Fernsehen & Co sicherlich in der ersten Reihe.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Mediendiskurs bei Elfriede Jelinek
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
15
Katalognummer
V13998
ISBN (eBook)
9783638195096
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediendiskurs, Elfriede, Jelinek
Arbeit zitieren
Sebastian Krüger (Autor), 2001, Der Mediendiskurs bei Elfriede Jelinek, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13998

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