Das Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Hervorhebung der Relevanz der Forschungsethik in der empirischen Sozialforschung. Die Einhaltung ethischer Prinzipien und Standards ist von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass nicht nur valide und zuverlässige Ergebnisse erzielt werden, sondern auch die Würde und die Rechte der beteiligten Menschen respektiert werden.
In den kommenden Kapiteln wird die Betrachtung verschiedener Aspekte der Forschungsethik in der empirischen Sozialforschung erfolgen. Zunächst werden die ethischen Prinzipien beleuchtet, die als Leitfaden für ethisch verantwortungsvolle Forschung dienen. Hierbei stehen die Grundsätze der Wohlwollenheit, der Autonomie, der Gerechtigkeit und der Nicht-Schädigung im Fokus.
Des Weiteren wird die Auseinandersetzung mit ethisch bedenklichen Experimenten erfolgen, wobei analysiert wird, wie Forschung vermieden werden kann, die die Integrität und das Wohlergehen der Teilnehmer gefährdet. Dieses Thema ist von großer Relevanz, da es eine Schlüsselrolle bei der Gewährleistung der ethischen Integrität von Forschungsprojekten spielt.
Im Verlauf dieser Arbeit wird auch der Deutsche Ethikrat genauer untersucht, eine Institution, die in Deutschland für die ethische Bewertung von Forschung und anderen gesellschaftlichen Fragen verantwortlich ist. Die Rolle des Ethikantrags, der bei der Genehmigung von Forschungsprojekten eine wichtige Funktion einnimmt, wird ebenfalls erörtert.
Schließlich werden in einem Fazit die zentralen Erkenntnisse zusammengefasst und die herausragende Bedeutung der Forschungsethik in der empirischen Sozialforschung hervorgehoben. Diese Arbeit trägt dazu bei, das Bewusstsein für ethische Prinzipien und Standards in der Forschung zu schärfen und betont die Notwendigkeit, diese Prinzipien in der Praxis zu respektieren und umzusetzen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsethik
2.1 Die ethischen Prinzipien
2.2 Ethisch bedenkliche Experimente
3. Der deutsche Ethikrat
4. Der Ethikantrag
5. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Bedeutung der Forschungsethik in der empirischen Sozialforschung und beleuchtet, welche ethischen Standards zum Schutz von Probanden bei der Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen unverzichtbar sind.
- Die ethischen Prinzipien in der psychologischen Forschung
- Analyse historisch ethisch bedenklicher Experimente
- Die Rolle und Zuständigkeit des Deutschen Ethikrates
- Struktur und Anforderungen eines formalen Ethikantrags
- Gewährleistung von Datenschutz und Probandenschutz
Auszug aus dem Buch
2.2 Ethisch bedenkliche Experimente
Das Little Albert Experiment von John B. Watson und Rosalie Rayner ist eines der Experimente, welches heutzutage aufgrund der unberücksichtigten Ethik, die in den vorherigen Punkten dargestellt wurde, so nicht mehr umgesetzt werden würde. Das Experiment sollte zeigen, dass emotionale Reaktionen konditionierbar und nicht wie damals angenommen, angeboren sind (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2018). Albert war zum Zeitpunkt des Experimentes ein elf Monate altes Kind. In einer Vorstudie mit Albert zeigte sich bereits, dass dieser sehr neugierig auf neue Reize wie z.B. eine weiße Ratte reagierte, jedoch mit Angst bei lauten Geräuschen (Hobbs, 2010). Im eigentlichen Experiment wurde Albert immer wieder eine weiße Ratte präsentiert, als Albert die Ratte jedoch berühren wollte oder berührte, wurde hinter seinem Rücken mit einem Hammer auf eine Eisenstange geschlagen (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2018). Bereits nach sieben Durchgängen begann Albert bereits zu weinen und Angst zu zeigen als er die Ratte bloß sah, ohne dass das Geräusch der Eisenstange ertönte (Hobbs, 2010). Seine Angst wurde auf andere Objekte generalisiert, bedeutet er zeigte die Angstreaktion auch bei anderen Tieren oder Gegenständen die fellähnlich und weiß waren, wie z.B. ein Hase, Hund, Weihnachtsmann-Maske oder ein Stück Baumwolle (Hobbs, 2010). Nach vier Wochen zeigte Albert noch immer bei jeglichen Objekten Angst (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2018).
Die Studie ist ethisch bedenklich allein wegen des Alters des Kindes. Albert gehört mit seinen elf Monaten zur Gruppe der schutzbedürftigen Personen, die selbst keine Entscheidungsfähigkeit besitzen, er kann sich keine Teilnehmerinformation durchlesen oder Fragen bzgl. des Experiments stellen und kann damit auch nicht freiwillig entscheiden, ob er daran teilnehmen möchte oder nicht. Bei einem solchen Experiment würde heutzutage vom Ethikrat ein Veto eingelegt werden (Deutsche Gesellschaft für Psychologie, 2018). Ein weiterer ethisch bedenklicher Aspekt ist, dass Albert aversiven Reizen ausgesetzt wurde, um eine Angstreaktion in ihm hervorzurufen, welche dann noch auf weitere Objekte generalisiert und über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Ethik in der Forschung ein und gibt einen Überblick über die nachfolgenden Kapitel zur Forschungsethik, dem Ethikrat und dem Ethikantrag.
2. Forschungsethik: Dieses Kapitel definiert Forschungsethik als Schutzmechanismus für Probanden und erläutert zentrale Prinzipien wie Selbstbestimmung, Nichtschädigung, Fürsorge und Gerechtigkeit, ergänzt durch Beispiele problematisch gewordener Studien.
3. Der deutsche Ethikrat: Hier wird die unterstützende und beratende Funktion des Deutschen Ethikrates für die Wissenschaft beschrieben, insbesondere im Hinblick auf ethische und gesellschaftliche Folgen der Forschung am Menschen.
4. Der Ethikantrag: Dieses Kapitel erläutert die Komponenten eines Ethikantrags, einschließlich Studienprotokoll und Einwilligungserklärung, sowie die Bedeutung von Transparenz und Datenschutz für eine Genehmigung.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Forschungsethik heute essenziell ist, um Probanden vor psychischen Belastungen zu schützen, während gleichzeitig die Schwierigkeiten moderner Täuschungsszenarien kritisch reflektiert werden.
Schlüsselwörter
Forschungsethik, Psychologie, Probandenschutz, Ethikrat, Ethikantrag, Einwilligungserklärung, Täuschung, Datensicherheit, Milgram-Experiment, Little-Albert-Experiment, Selbstbestimmung, Nichtschädigung, Fürsorge, Gerechtigkeit, Forschungsstandards
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ethischen Richtlinien und Standards, die in der empirischen Sozialforschung und Psychologie zwingend eingehalten werden müssen, um das Wohl und die Rechte von Probanden zu schützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition ethischer Prinzipien, die Analyse historischer Fälle wie das Milgram-Experiment, die Rolle des Ethikrates und die formalen Anforderungen an einen Genehmigungsantrag für Forschungsvorhaben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Notwendigkeit und Anwendung der Forschungsethik zu verdeutlichen, um sicherzustellen, dass moderne wissenschaftliche Studien ethisch vertretbar und transparent durchgeführt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für diese Ausarbeitung verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse und der Aufarbeitung bestehender ethischer Standards sowie der Auswertung prominenter historischer Fallbeispiele basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung ethischer Prinzipien, die kritische Betrachtung historischer Experimente, die Funktion des deutschen Ethikrates und die Erläuterung der notwendigen Komponenten eines Ethikantrages.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Forschungsethik, Probandenschutz, Ethikrat, Einwilligungserklärung, Täuschung in der Forschung und wissenschaftliche Verantwortung.
Warum wird das Milgram-Experiment als Negativbeispiel genannt?
Das Milgram-Experiment wird aufgeführt, da es die psychische Belastung der Teilnehmer sowie die gravierenden Probleme durch Täuschung offenlegt, weshalb es nach heutigem Stand der Forschungsethik in dieser Form nicht mehr genehmigungsfähig wäre.
Welche Rolle spielt die Einwilligungserklärung bei wissenschaftlichen Studien?
Die Einwilligungserklärung ist ein zentraler Baustein, der sicherstellt, dass die Teilnehmenden umfassend über Ziele, Gefahren und Abläufe informiert sind und ihre Teilnahme auf Basis der Selbstbestimmung freiwillig erfolgt.
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- Annemarie Schirner (Author), 2022, Empirische Sozialforschung. Die Relevanz der Forschungsethik bei Untersuchungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1400235