Das Factoringinstitut wurde erstmalig in den USA umgesetzt und ist in der Folge der Zeit nach Deutschland übergewandert. Es steht mit Unternehmen in Geschäftsverbindung, in deren Geschäftsbetrieb laufend Forderungen aus Warenlieferung und/oder Dienstleistungen gegen ihre Abnehmer oder Auftraggeber entstehen. Im Verhältnis zum Factor (das Factoringinstitut) bezeichnet man das Unternehmen als Kunden. Den Abnehmer des Anschlusskunden bezeichnet man häufig als Drittschuldner. Zwischen Factor und Kunde wird bei Beginn der Zusammenarbeit der Factoringvertrag abgeschlossen. Der Factor (Kreditor) erwirbt die Forderung seines Factoringkunden gegen dessen Abnehmer (Debitor). Als Gegenleistung für die Abtretung der Forderung zahlt der Factor an den Factoring-Kunden umgehend den Forderungspreis. Dieser Kaufpreis entspricht dem Betrag der tatsächlich bestehenden Forderung abzüglich eines Diskonts für die Leistungen des Factors (Finanzierung, Delkredere1, Debitorenmanagement). Einen Teil des Kaufpreises behält der Factor auf einem Sperrkonto ein, um das Veritätsrisiko2 bis zur endgültigen Zahlung durch den Debitor abzusichern. Factoring ist eine vielseitige Finanzdienstleistung, die von mittelständischen Unternehmen aus Industrie, Großhandel und Dienstleistungssektor in wachsendem Umfang zur Umsatzfinanzierung genutzt wird und zum hundertprozentigen Schutz vor Forderungsausfällen und Debitorenmanagement dient. Der Factor prüft vor Vertragsabschluss und fortlaufend die Bonität der Abnehmer und übernimmt im Rahmen eines vereinbarten Limits das volle Ausfallrisiko.
Der Factorkunde informiert seine Abnehmer darüber, dass die Forderungen an den Factor verkauft wurden und der Rechnungsbetrag an diesen zu begleichen ist. Der Factor kauft die Forderungen an und schreibt den Factoringerlös (Forderungskaufpreis) sofort dem Abrechnungskonto des Factoringkunden gut. Lediglich 10% bis 15% des Kaufpreises behält der Factor zunächst als Sicherheit für Skontoabzüge oder Mängelrügen ein. Dieser Sicherheitsbehalt wird dem Kunden bei Zahlung durch den Debitor oder bei Fälligkeit gutgeschrieben3
1 Delkredere: Haftung für den Eingang von Forderungen
2 Veritätsrisiko: Risiko der andersartigen Beschaffenheit
3 Dr. Klaus Bette, Das Factoring-Geschäft, Forkel-Verlag, 1971, S.21
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Factoring
3 Formen von Factoring
3.1 Factoringsformen nach dem Leistungsumfang
3.1.1 Echtes und unechtes Factoring
3.1.2 Fälligkeits-Factoring (Maturity Factoring)
3.1.3 Eigenservice-Factoring (Bulk Factoring / Inhouse Factoring)
3.2 Factoringsformen nach der Art der Forderungsabtretung
3.2.1 Offenes Factoring (Notifaction Factoring)
3.2.2 Stilles Factoring
3.2.3 Halb offenes Factoring
3.3 Sonderformen
3.3.1 Einzelfactoring
3.3.2 Mietfactoring
3.3.3 Export/Importfactoring
3.3.4 Reverse-Factoring
4 Entwicklung des Factoring
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Finanzierungsinstrument Factoring mit dem primären Ziel, dessen Funktionsweise, vielfältige Ausprägungsformen sowie die historische Entwicklung auf dem deutschen Markt darzustellen und dessen Nutzen für Unternehmen zu analysieren.
- Grundlagen des Factorings und Begriffsdefinitionen
- Differenzierung der verschiedenen Factoring-Formen (Leistungsumfang, Abtretungsart, Sonderformen)
- Analyse der historischen Entwicklung und wirtschaftlichen Bedeutung in Deutschland
- Bewertung der Eignung und Grenzen des Factorings als Finanzierungsalternative
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Echtes und unechtes Factoring
Das heutige „echte Factoring“ ist ein Verfahren, bei dem der Factor das Delkredererisiko übernimmt. Hingegen bezeichnet man ohne die Übernahme dieses Risikos als „unechtes Factoring“. Grundsätzlich wird das unechte Factoring in der Rechtsprechung als Darlehen angesehen. Die Abtretung der Forderung erfolgt zur Sicherung des Kredits (also der bezahlten Summe für die Forderung) und zugleich erfüllungshalber (sofern die Forderung tatsächlich eingeholt werden kann). Überwiegend wird in Deutschland echtes Factoring praktiziert. Problematisch ist es beim unechten Factoring, wenn sich häufig beim Zusammentreffen andere Sicherungsmittel ergeben. Laut § 138 BGB kann dies zu einer Sittenwidrigkeit des Factorings führen.
Wenn das unechte Factoring mit einer Forderung eines Lieferanten kollidiert, der unter branchenüblichem verlängertem Eigentumsvorbehalt geliefert hat, wird entsprechend die Vertragsbruchtheorie angewandt. Anders als beim echten Factoring erlangt der Vorbehaltsverkäufer dann nicht den Wert der Forderung gegenüber seinem Kunden, sondern er muss den möglichen Forderungsausfall vollständig selbst tragen. Der Factoring-Kunde muss dem Vorbehaltsverkäufer (also seinem Lieferanten) die Abtretung an das Factoringinstitut mitteilen, da dessen verlängerter Eigentumsvorbehalt in diesem Falle ins Leere gehen würde (daher der Vertragsbruch), und um dadurch dem Risiko entgegenzuwirken, sich wegen Betrugs nach § 263 StGB strafbar zu machen.
Andernfalls kann demzufolge eine Täuschung entstehen, da ihm die Forderung aufgrund des Factorings nicht mehr zusteht. Diese Situation wird durch die Rechtsprechung als nicht hinnehmbar und infolgedessen sittenwidrig empfunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die zunehmende Bedeutung von Factoring zur Minimierung von Außenständen und zur Liquiditätssicherung in deutschen Unternehmen.
2 Factoring: Dieses Kapitel definiert den Begriff Factoring, beschreibt den Entstehungshintergrund in den USA und erläutert die Rollen der beteiligten Akteure sowie den grundlegenden Prozess der Forderungsabtretung.
3 Formen von Factoring: Hier werden die verschiedenen Varianten des Factorings systematisch unterteilt, angefangen bei Leistungsumfang und Abtretungsart bis hin zu speziellen Sonderformen wie Einzel- oder Reverse-Factoring.
4 Entwicklung des Factoring: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Aufstieg der Branche in Deutschland seit 1958, unterstützt durch wichtige Grundsatzurteile des Bundesgerichtshofs und statistische Wachstumsdaten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Eignung des Factorings als Finanzierungsbaustein zusammen und betont die Notwendigkeit einer sorgfältigen Kosten-Nutzen-Analyse bei der Implementierung.
Schlüsselwörter
Factoring, Finanzierung, Forderungsabtretung, Delkredererisiko, Liquidität, Debitorenmanagement, Einzelfactoring, Mietfactoring, Exportfactoring, Importfactoring, Reverse-Factoring, Forderungsausfall, Finanzdienstleistung, Bonitätsprüfung, Unternehmensfinanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Factoring als einem Finanzierungsinstrument, bei dem Unternehmen ihre offenen Forderungen an einen Factor verkaufen, um ihre Liquidität zu optimieren.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit deckt die Definition des Instruments, die verschiedenen Ausprägungsformen (nach Leistung, Abtretung und Spezialanwendungen), die historische Entwicklung in Deutschland sowie die Chancen und Grenzen für Unternehmen ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung von Factoring als Sonderform der Finanzierung, um Lesern ein Verständnis für die Systematik und die Einsatzmöglichkeiten dieses Instruments zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse und der Auswertung bestehender Fachliteratur sowie rechtlicher Grundlagen, um den aktuellen Stand und die Struktur des Factorings darzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition, die detaillierte Klassifizierung der Factoring-Formen – inklusive technischer Unterscheidungen wie echtes/unechtes Factoring oder Export-Factoring – sowie eine historische Betrachtung des Marktwachstums.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Factoring, Liquiditätssicherung, Delkredererisiko, Forderungsabtretung, Debitorenmanagement und verschiedene spezialisierte Factoring-Varianten.
Worin liegt der Hauptunterschied zwischen echtem und unechtem Factoring?
Beim echten Factoring übernimmt der Factor das volle Delkredererisiko (Ausfallrisiko), während beim unechten Factoring dieses Risiko beim ursprünglichen Forderungsinhaber verbleibt, weshalb es rechtlich eher als Darlehen eingestuft wird.
Was ist die Besonderheit beim Reverse-Factoring?
Beim Reverse-Factoring steht nicht der Lieferant, sondern der Abnehmer im Mittelpunkt; eine Finanzierungsgesellschaft zahlt die Lieferanten unter Skontoausnutzung, wovon beide Seiten durch Vorzugskonditionen und Ausfallsicherheit profitieren.
Warum wird beim Mietfactoring von einer Sonderform gesprochen?
Mietfactoring ist eine spezielle Anwendung des Einzelfactorings, bei der Vermieter ihre Mietforderungen an eine Factoringgesellschaft abtreten, um sich gegen Mietausfälle und die Kosten eventueller Zwangsräumungen abzusichern.
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- Zeynep Varlioglu (Author), 2009, Finanzierung - Factoring als Sonderform der Finanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140055