Entsprechend der Grundsatzstellungnahme des MDS, dient „… der Pflegeprozess … der systematischen Feststellung der Kompetenz des Pflegebedürftigen, seinen alltäglichen Bedürfnissen und Anforderungen nachzukommen, dem Aushandeln von Pflegebedarfen und Pflegezielen, dem Festlegen von Verantwortlichkeiten für die Durchführung einzelner Unterstützungsleistungen und der Überprüfung von der Angemessenheit von Maßnahmen und Zielsetzungen“ (MEDIZINISCHER DIENST DER SPITZENVERBÄNDE DER KRANKENKASSEN E. V. 2005: 10). Folglich antizipiert die Abbildung des Pflegeprozesses in der Pflege- und Behandlungsdokumentation das pflegerische Leistungsgeschehen und stellt somit ein Steuerungsinstrument dar, welches eine systematisch geplante und zielorientierte Verwendung pflegerischer Ressourcen ermöglicht. Die kontinuierliche Dokumentation und Überprüfung pflegerischer Interventionen auf den Grad ihrer Zielerreichung sowie die Beschreibung der prozessualen Auswirkungen auf die ursprüngliche Problemlage bildet dieses Leistungsgeschehen in seiner Erfolgswirkung transparent ab und macht es einer pflegewissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Überprüfung zugänglich.
Um nach KISTNER diesem Zweck als Informationsspeicher und Kommunikationsmedium zu genügen, muss die Pflege- und Behandlungsdokumentation die grundlegenden Funktionen der Informationserfassung, Informationsspeicherung, Informationsbearbeitung und Informationsweiterleitung erfüllen. Damit die praktische Anwendbarkeit gewährleistet wird, sollte das System übersichtlich gegliedert sein und nicht mehr Arbeit verursachen, als zur Erfüllung seines Zweckes erforderlich ist (vgl. KISTNER 1992: 183 – 185, 191 – 193).
Inhaltsverzeichnis
1 Der Pflegeprozess in der Pflegedokumentation
1.1 Pflegewissenschaftliche Aspekte der Dokumentation
1.2 Betriebswirtschaftliche Aspekte der Dokumentation
1.3 Rechtliche Aspekte der Dokumentation
1.4 Standortbestimmung
1.4.1 Pflegeanamnese
1.4.2 Pflegeplanung
1.4.3 Evaluation und Pflegebericht
2 Entwicklung des teilstandardisierten Pflegeplans
2.1 Projektauftrag
2.2 Vorannahme und Projektziel
2.3 Projektorganisation und Ablaufplanung
2.4 Der teilstandardisierte Pflegeplan
3 Konzept zur Projektauswertung
3.1 Forschungsfrage und Hypothesenbildung
3.2 Operationalisierung des Auswertungskonzeptes
3.2.1 Auswertungskategorien Abbildung Pflegeprozess
3.2.2 Auswertungskategorien Abbildung Patientenbedürfnisse
3.3 Gütekriterien der Auswertungskategorien
4 Inhaltsanalyse der Pflegedokumentation
4.1 Durchführung der Datenerhebung
4.2 Auswahl der Stichprobe und Ausschlusskriterien
4.3 Vergleichende Darstellung der Pflegeplanungsinstrumente
4.3.1 Prozessverlauf Pflegeanamnese und Pflegeplanung
4.3.2 Anpassung an individuelle Patientenbedürfnisse
4.3.3 Prozessverlauf Evaluation und Pflegebericht
5 Resümee
6 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen eines teilstandardisierten Pflegeplans auf die Abbildung des Pflegeprozesses und die Berücksichtigung individueller Patientenbedürfnisse in der Pflegedokumentation. Ziel ist es, zu analysieren, ob standardisierte Formulare eine Barriere für die vollständige Dokumentation des pflegerischen Leistungsgeschehens darstellen.
- Analyse des Pflegeprozesses in der Pflegedokumentation
- Entwicklung und Implementierung eines teilstandardisierten Pflegeplans
- Konzeption einer empirischen Inhaltsanalyse zur Projektauswertung
- Vergleichende Untersuchung der Pflegeplanungsinstrumente
- Evaluation der Abbildungsqualität des individuellen Pflegebedarfs
Auszug aus dem Buch
1.4 Standortbestimmung
Der Standard der Pflege – Anwendung der Pflegeprozessmethode – der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Freiburg, beschreibt den Pflegeprozess in sieben Schritten. Ausgehend vom Schritt eins, der Informationssammlung über Schritt zwei, der Ableitung der Pflegeprobleme und dem Stellen einer Pflegediagnose zu den Schritten drei bis fünf, dem Festlegen von Pflegezielen, dem Planen von Pflegemaßnahmen sowie deren Durchführung, zu Schritt sechs, der Auswertung des Pflegeplans und schließlich Schritt sieben, die Neuordnung der Prioritäten bzw. der Festlegung einer neuen oder geänderten Zielsetzung (vgl. UNIVERSITÄTSKLINIKUM FREIBURG; UNIVERSITÄTSKLINIK FÜR PSYCHIATRIE UND PSYCHOSOMATIK 1995: 1 – 3).
Dieses siebenschrittige Modell des Pflegeprozesses lässt sich in die drei Teilprozesse Pflegeanamnese, Pflegeplanung und Evaluation sowie Pflegebericht gegliedert, analog derer das Dokumentationssystem an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychosomatik aufgebaut ist. Dabei erfolgt die Abbildung dieser drei Teilprozesse, entsprechend den Vorgaben und Möglichkeiten des Dokumentationssystems, unterschiedlich. Während das Verfahren beim Erstellen der Pflegeanamnese und beim Verfassen der Pflegeberichte durch das digitale Dokumentationssystem – PROMe-theus® – einheitlich vorgegeben ist, ergeben sich bei der papiergebundenen Dokumentation der Pflegeplanung stations- und bereichsspezifisch Anpassungen an das Layout der Formulare und die Struktur der Prozesse.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Pflegeprozess in der Pflegedokumentation: Dieses Kapitel erläutert die pflegewissenschaftlichen, betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen sowie die Struktur des Pflegeprozesses in der Dokumentation.
2 Entwicklung des teilstandardisierten Pflegeplans: Hier wird der Projektauftrag zur Erarbeitung eines standardisierten Instruments für den Bereich der Patientensicherheit beschrieben.
3 Konzept zur Projektauswertung: In diesem Teil werden die Forschungsfragen, Hypothesen und die methodische Operationalisierung durch eine Inhaltsanalyse hergeleitet.
4 Inhaltsanalyse der Pflegedokumentation: Dieses Kapitel präsentiert die Durchführung der Datenerhebung sowie die detaillierte, vergleichende Analyse der verschiedenen Planungsinstrumente.
5 Resümee: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Erkenntnisse bezüglich der Barrieren in der Dokumentationsabbildung reflektiert.
6 Ausblick: Hier werden Empfehlungen für eine zukünftige, integrierte digitale Dokumentationslösung gegeben.
Schlüsselwörter
Pflegeprozess, Pflegedokumentation, teilstandardisierter Pflegeplan, Pflegeplanung, Pflegeanamnese, Patientensicherheit, Inhaltsanalyse, Qualitätssicherung, Evaluation, individuelle Patientenbedürfnisse, Pflegemanagement, Prozessverlauf, Psychiatrische Pflege, Dokumentationssystem, Evidenzbasierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Es geht um die Analyse der Auswirkungen eines teilstandardisierten Pflegeplans auf die Qualität der Dokumentation des Pflegeprozesses in der stationären Psychiatrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Pflegedokumentation, dem Pflegeprozess, der Standardisierung von Pflegeplänen und der Abbildung individueller Patientenbedürfnisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Nutzung eines teilstandardisierten Instruments die Dokumentation des Pflegeprozesses oder die Abbildung individueller Patientenbedürfnisse beeinträchtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse von Pflegedokumentationen angewendet, um die Merkmalsausprägungen verschiedener Planungsinstrumente messbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Entwicklung des Pflegeplans, das methodische Konzept zur Projektauswertung sowie die detaillierte Analyse und Interpretation der erhobenen Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Pflegeprozess, Pflegedokumentation, teilstandardisierter Pflegeplan und Patientensicherheit definieren.
Welche Rolle spielt das Verhaltensmuster Nr. 9 in der Untersuchung?
Das VHM 9 (Bewältigungsverhalten und Stresstoleranz / Eigen- und Fremdgefährdung) dient als fachlicher Ankerpunkt für den teilstandardisierten Pflegeplan.
Welches Ergebnis liefert die Studie bezüglich des Informationsverlusts?
Die Studie zeigt einen signifikanten Rückgang erfasster Pflegeprobleme beim Übergang von der Anamnese zur Planung, wobei hierbei systemimmanente Schnittstellen als Ursache vermutet werden.
Warum wird der Einsatz eines rein digitalen Systems empfohlen?
Ein digitales System wird empfohlen, um die Schnittstellenproblematik zwischen digitalen und papiergebundenen Dokumenten zu überwinden und eine einheitliche Prozessabbildung zu ermöglichen.
- Quote paper
- Christian Ackermann (Author), 2008, Analyse und Interpretation der Auswirkungen eines teilstandardisierten Pflegeplans als Instrument der Pflegeplanung auf die Abbildung des Pflegeprozesses in der Pflegedokumentation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140062