Geschichtsbücher „(…) sind die wertvollsten (…) Bücher. Sie veralten nie.“ Dieses wertvolle Gut der Menschheit bildet die Grundlage der vorliegenden Arbeit, welche sich mit der deutschen Außenhandelspolitik von 1876 bis 1913 beschäftigt. Ziel dieser Arbeit ist es daher, einen prägnanten Überblick über die politischen als auch die wirtschaftlichen Ereignisse des betrachteten Zeitraums zu schaffen. Darüber hinaus soll eine Verknüpfung zur Geschichte der Globalisierung geschaffen werden. Globalisierung kann als „[e]ine mehr oder weniger rasch zunehmende Verflechtung zuvor räumlich weit entfernter Wirtschaften“ bezeichnet werden. Des Weiteren soll der
Beitrag aufgezeigt werden, welcher die Geschehnisse in Politik und Wirtschaft der bearbeiteten Zeitspanne zur Geschichte der Globalisierung leistet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Politische und wirtschaftliche Situation in den 1870er Jahren
2.2 Vom Freihandel zum Protektionismus unter Otto von Bismarck
2.3 Die neuen Handelsverträge unter Graf Leo von Caprivi (1890-1894) und ihre Auswirkungen auf In- und Ausland
2.4 Der Bülow-Tarif und die Frage nach protektionistischem Agrarstaat oder exportabhängigem Industriestaat
2.5 Außenhandelspolitik und das Handelsvertragssystem um 1900
3. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die deutsche Außenhandelspolitik zwischen 1876 und 1913 und setzt diese in den Kontext der frühen Globalisierung. Dabei wird analysiert, wie politische Entscheidungen, insbesondere der Übergang vom Freihandel zum Protektionismus unter Bismarck, sowie spätere Handelsverträge unter Caprivi und Bülow, auf die ökonomische Entwicklung und den Strukturwandel zwischen Industrie und Landwirtschaft wirkten.
- Die politische und wirtschaftliche Ausgangslage des Deutschen Reiches in den 1870er Jahren.
- Der Wandel der deutschen Außenhandelspolitik vom Freihandel hin zum Schutzzoll unter Bismarck.
- Die Auswirkungen der Handelsverträge der Ära Caprivi auf die deutsche Wirtschaft.
- Der Konflikt zwischen Agrarprotektionismus und den Interessen des exportorientierten Industriestaates.
- Die Rolle Deutschlands im Prozess der fortschreitenden Weltwirtschaftsverflechtung bis 1913.
Auszug aus dem Buch
2.2 Vom Freihandel zum Protektionismus unter Otto von Bismarck
Die Nachwehen der Kursverluste waren noch überall zu spüren und sollten folglich schon bald zu einem Wandel in der Wirtschaftspolitik des Reiches führen. Forciert wurde dieser Wandel, vom bis dahin herrschenden Freihandel hin zum Protektionismus durch den amtierenden Reichskanzler Otto von Bismarck.
Die Freihandelsära brach bereits am 23.Januar 1860 mit dem Abschluss des Cobden-Vertrags zwischen Frankreich und England an. Dieser Vertrag beinhaltete neben vielen Zollermäßigungen auch eine so genannte Meistbegünstigungsklausel. Diese besagt, dass alle Zollsenkungen und anderen Vergünstigungen, die einem Land gewährt werden, auch automatische allen weiteren Vertragspartner dieses Landes zugute kommen sollen. Innerhalb kürzester Zeit schlossen neben Frankreich und England fast alle europäischen Länder Meistbegünstigungsverträge ab und somit entstand ein regelrechtes Netzwerk an Handelsverträgen. Preußen schloss sich diesem Vertragssystem in Form eines Handelsvertrags mit Frankreich am 2. August 1862 an.
Schließlich wurde am 1. Januar 1877 die deutschen Zölle für alle Stahl- und Eisenwaren, Maschinen und anderen Güter komplett erlassen. Getreide dagegen war bereits seit dem 1. Januar 1865 zollfrei. „Zum letzten Mal schlug die Wage nach der Seite des Freihandels aus; dann aber fielen neue Gewichte in die Wagschale des Schutzzolles.“ Eines der Schwersten der neuen Gewichte, war wohl die konjunkturelle Lage. Mitte der 1870er Jahre brach die Konjunktur, wie oben gezeigt, ein und das Wachstum stagnierte oder schrumpfte in fast allen Sektoren. „Krisenstimmung lastete (…) schwer auf weiten Kreisen.“ Durch fortschreitenden technischen Fortschritt und den in den Gründerjahren aufgebauten Angebotsüberschuss fielen die Preise. Schon wurden in den Reihen der traditionell schutzzollorientierten Wirtschaftszweige protektionistische Forderungen gestellt. Doch woher kamen diese Forderungen?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand der deutschen Außenhandelspolitik zwischen 1876 und 1913 und verknüpft diesen mit dem Phänomen der beginnenden Globalisierung.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert chronologisch die politische und ökonomische Entwicklung, den Umschwung zum Protektionismus, die Ära der Handelsverträge unter Caprivi sowie die kontroversen Debatten um den Bülow-Tarif.
2.1 Politische und wirtschaftliche Situation in den 1870er Jahren: Dieses Kapitel skizziert die Gründung des Deutschen Reiches, den wirtschaftlichen Aufschwung der Gründerjahre und den darauf folgenden wirtschaftlichen Einbruch 1873.
2.2 Vom Freihandel zum Protektionismus unter Otto von Bismarck: Hier wird der historische Übergang von der Ära des Freihandels zur Schutzzollpolitik unter Bismarck sowie die Einflussnahme verschiedener Wirtschaftsverbände beschrieben.
2.3 Die neuen Handelsverträge unter Graf Leo von Caprivi (1890-1894) und ihre Auswirkungen auf In- und Ausland: Dieses Kapitel befasst sich mit der neuen Handelspolitik nach Bismarck, dem Aufbau eines neuen Vertragssystems und den daraus resultierenden Spannungen zwischen Agrar- und Industriesektor.
2.4 Der Bülow-Tarif und die Frage nach protektionistischem Agrarstaat oder exportabhängigem Industriestaat: Die Untersuchung konzentriert sich auf die innenpolitischen Spannungen bei der Neugestaltung des Zolltarifs um die Jahrhundertwende und den sogenannten Kardoff-Kompromiss.
2.5 Außenhandelspolitik und das Handelsvertragssystem um 1900: Es werden die Bemühungen zur Sicherung der deutschen Handelsinteressen kurz vor dem Ersten Weltkrieg und die Einbettung in das europäische Vertragsnetz behandelt.
3. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die betrachtete Periode trotz der handelspolitischen Umbrüche eine Zeit des Aufstiegs und der zunehmenden globalen wirtschaftlichen Vernetzung war.
Schlüsselwörter
Außenhandelspolitik, Globalisierung, Protektionismus, Freihandel, Deutsches Kaiserreich, Otto von Bismarck, Leo von Caprivi, Bülow-Tarif, Handelsverträge, Agrarwirtschaft, Industriestaat, Meistbegünstigungsklausel, Zollpolitik, Weltwirtschaft, Gründerkrise.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der deutschen Außenhandelspolitik im Zeitraum zwischen 1876 und 1913.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Übergang vom Freihandel zum Protektionismus, die Rolle politischer Akteure wie Bismarck, Caprivi und Bülow sowie die wirtschaftlichen Spannungen zwischen Agrar- und Industriegruppen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die politische und wirtschaftliche Entwicklung dieser Zeit zu geben und den Zusammenhang zur Geschichte der Globalisierung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-ökonomische Analyse, die auf der chronologischen Auswertung wirtschaftshistorischer Ereignisse und zeitgenössischer Entwicklungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet detailliert die verschiedenen Etappen der Handelspolitik, beginnend bei den 1870er Jahren über die Ära Caprivi bis hin zum Bülow-Tarif um 1900.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Protektionismus, Globalisierung, Außenhandelspolitik und industrielle Entwicklung geprägt.
Was war der "Kardoff-Kompromiss" und warum war er nötig?
Der Kardoff-Kompromiss war ein politischer Ausgleich, der unter Reichskanzler Bülow erzielt wurde, um die Interessen von Agrariern (Schutz durch Zölle) und Industrie (Wettbewerbsfähigkeit) bei der Einführung eines neuen Zolltarifs zu vereinen.
Wie wirkte sich die Globalisierung auf das Verhältnis zwischen Landwirtschaft und Industrie aus?
Die Globalisierung verschärfte den Wettbewerbsdruck, was zu einer Interessenkollision führte: Während die Industrie von der Weltmarktöffnung profitierte, forderte die Landwirtschaft protektionistische Maßnahmen gegen ausländische Konkurrenz.
- Citation du texte
- Diplom Volkswirt Moritz Weiher (Auteur), 1997, Die deutsche Außenhandelspolitik von 1876 bis 1913, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140084