Nicht selten wird immer wieder von Gewalttaten berichtet, die von Jugendlichen begangen worden sind. Auch die Kriminalstatistiken zeigen einen Anstieg von jugendlichen Tatverdächtigen in Bezug auf Körperverletzung. Doch welche Ursachen, Gründe und Umstände führen dazu, dass Jugendliche Gewalt als einziges Mittel zur Lösung ihrer Probleme sehen? In dieser Arbeit soll ein möglicher Erklärungsansatz auf diese Frage präsentiert werden. Dabei setzt sich diese Arbeit mit der konkreten Frage auseinander, ob Gewalterfahrungen in der Entwicklungsphase von Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit für eine gewalttätige Verhaltensweise steigern? Außerdem geht es hierbei auch um die Frage, ob man von einem Kreislauf der Gewalt sprechen oder ob gewalttätiges Verhalten erlernt werden kann.
Im ersten Teil der Arbeit wird aus diesen Gründen zuerst, der bisherige Forschungsstand zu Studien über Jugendgewalt präsentiert. Dabei soll gezeigt werden, welche Forschungen für einen Kreislauf Gewalt sprechen. Im nächsten Abschnitt wird der Gewaltbegriff, mit welchem in dieser Arbeit gearbeitet wird, erklärt. Außerdem wird der Begriff der Jugend kurz erläutert, um darzustellen, warum der Fokus auf Jugendgewalt gelegt wird und weshalb diese eine entscheidende Rolle zur Beantwortung der Forschungsfrage spielt. Anschließend wird ein theoretischer Überblick über die bisherigen Theorien zum Kreislauf der Gewalt bzw. spezifisch zu Lerntheorien und zu Lernprozessen innerhalb der Familie gegeben. Dadurch kann im darauffolgenden Teil der Arbeit die Gewaltentwicklung innerhalb der Jugend dargestellt werden. Hier sollen die Folgen der Gewalterfahrungen und die Ursachen der Gewaltausübung verdeutlicht werden. In der anschließenden Schlussfolgerung wird eine mögliche Antwort zur Forschungsfrage gegeben. Es werden außerdem weitere mögliche Forschungsansätze präsentiert, um eine bessere und präzisere Antwort der Fragestellung zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Begriffsdefinition
3.1. Der Gewaltbegriff
3.2. Der Jugendbegriff
4. Der Kreislauf der Gewalt
4.1. Die Lerntheorie
4.2. Die Familie
5. Die Gewaltentwicklung
5.1. Folgen der Gewalterfahrung
5.2. Ursachen zur Gewaltausübung
6. Schlussfolgerung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob Gewalterfahrungen in der Entwicklungsphase von Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit für späteres gewalttätiges Verhalten signifikant steigern. Dabei steht die Analyse des "Kreislaufs der Gewalt" sowie die Hypothese im Fokus, dass gewalttätiges Verhalten als erlernbares Handlungsmuster in familiären Kontexten verstanden werden kann.
- Zusammenhang zwischen familiären Gewalterfahrungen und Jugendgewalt
- Lerntheoretische Erklärungsansätze für die Übertragung von Gewalt
- Identitätsbildung und Übernahmen von Opfer-Täter-Rollen
- Rolle der Familie bei der Entwicklung von Konfliktlösungsstrategien
- Der Einfluss von Entgrenzung und Gewaltvorstellungen
Auszug aus dem Buch
3. Der Kreislauf der Gewalt
„Das Ineinandergreifen struktureller und personaler Gewalterfahrung lässt oft familiäre Kreisläufe der Gewalt über Generationen fortdauern, die schwer zu durchbrechen sind“ (Strasser 2003: 45). Auch Bender und Lösel sprechen vom „Cycle of Violence“ (Bender und Lösel 2005: 322). Dieser besagt, dass eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit und im Jugendalter wiederum zu einem gewalttätigen Verhalten gegenüber den eigenen Kindern führen kann (ebd.: 322 f.). Solch ein gewalttätiges Verhalten kommt nicht nur gegenüber den eigenen Kindern zum Vorschein, sondern auch gegen jede andere Person, welche den Betroffenen entsprechend reizt. Des Weiteren kann daraus geschlussfolgert werden, dass die Kinder die gewalttätigen Verhaltensweisen der Eltern imitieren, da sie es nicht anders gelernt haben (Sutterlüty 2020: 99).
„Die mittlerweile weitverzweigte Literatur zum »Kreislauf der Gewalt« (Steinmetz 1977: 98 ff.) hat gezeigt, dass nicht nur eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit, sondern auch die Zeugenschaft unmittelbaren von Gewalthandlungen zwischen den Eltern häufig neue Gewalt bei den Kindern erzeugt - aus Opfer werden also Täter. Sowohl in ihrem Erfahrungsgehalt als auch in ihren langfristigen Folgen ist das Miterleben elterlicher Gewalt mit der direkten Viktimisierung vergleichbar“ (ebd.).
Darüber hinaus versucht die gewalttätige Person bei ihren Handlungen ihren Willen ihren Opfern aufzuzwingen (Denzin 1984: 489). Da sie dies aber niemals ganz erreichen können, geraten die Personen immer wieder in den Kreislauf der Gewalt (ebd.).
Der Kreislauf der Gewalt wird oft mit Hilfe von lerntheoretischen Ansätzen erklärt (Bender und Lösel 2005: 323). Dabei geht es vor allem, um das Lernen am Modell (ebd.). Durch das Lernen am Modell eigenen sich die Jugendlichen Verhaltensweisen, zu denen auch aggressive und gewalttätige Handlungen zählen (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problematik steigender Jugendgewalt und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Erlernbarkeit von Gewalt durch familiäre Erfahrungen.
2. Forschungsstand: Überblick über existierende Studien zu Jugendgewalt, Gewaltkarrieren und mikrosoziologische Analysen von Gewaltszenarien.
3. Begriffsdefinition: Klärung der theoretischen Basis, indem die Gewalt- und Jugendbegriffe als zentrale Analysekriterien definiert werden.
4. Der Kreislauf der Gewalt: Untersuchung lerntheoretischer Ansätze und der spezifischen Dynamiken innerhalb von Familien, die Gewalt als Erziehungsmittel oder Verhaltensnorm transportieren.
5. Die Gewaltentwicklung: Analyse der Folgen von Gewalterfahrungen (Selbstbild, Vertrauensverlust) sowie der psychologischen Ursachen, die zur Ausübung von Gewalt führen.
6. Schlussfolgerung: Synthese der Erkenntnisse mit einem Ausblick auf Präventionsmöglichkeiten und den Bedarf an weiterer Forschung außerhalb familiärer Strukturen.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten einschlägigen Fachpublikationen.
Schlüsselwörter
Jugendgewalt, Kreislauf der Gewalt, Lerntheorie, familiäre Gewalt, Sozialisation, Identitätsfindung, Gewaltkarriere, Opfer-Täter-Dynamik, Gewaltprävention, Identitätssuche, mikrosoziologische Analyse, kindliche Misshandlung, Verhaltensmuster, Erziehungsgewalt, Gewaltspirale.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem „Kreislauf der Gewalt“ und untersucht, inwiefern Jugendliche, die in familiären Kontexten Gewalt erfahren, diese als erlerntes Verhaltensmuster in ihr eigenes Leben übernehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Lerntheorie, der familiären Sozialisation, der Entwicklung von Gewaltkarrieren sowie den psychologischen Prozessen der Identitätsbildung im Adoleszenzalter.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Primäres Ziel ist es, zu klären, ob Gewalterfahrungen in der Kindheit die Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges Verhalten erhöhen und ob diese Gewalt als gelerntes Handlungsmuster verstanden werden kann.
Welche wissenschaftliche Methodik kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert und verschiedene soziologische sowie kriminologische Fachbeiträge und Ansätze (u.a. von Sutterlüty, Collins und Popitz) systematisch zueinander in Bezug setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinitionen, die lerntheoretische Herleitung des Gewaltkreislaufs, die Analyse der familiären Bedingungen sowie eine detaillierte Betrachtung der psychischen Folgen der Gewaltexposition.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Fachbegriffe wie „Jugendgewalt“, „Lerntheorie“, „Opfer-Täter-Dynamik“ und „Gewaltkarriere“ geprägt.
Was besagt die Theorie der „Hinter- und Vorbühne“ in Bezug auf Gewalt?
Dieser Ansatz erklärt, dass Jugendliche ihre Gewalttaten zunächst in einer privaten „Hinterbühne“ der Vorstellung ausarbeiten und planen, bevor diese als reale Handlungen auf der „Vorbühne“ bzw. in der Gesellschaft manifest werden.
Welche Bedeutung hat der „Vater-Sohn-Zyklus“ innerhalb der Untersuchungen?
Das Konzept verdeutlicht, wie insbesondere männliche Jugendliche durch die Identifikation mit einem gewalttätigen Vater diese Rollenmuster imitieren und somit dazu beitragen, die Gewaltspirale über Generationen hinweg aufrechtzuerhalten.
- Arbeit zitieren
- Hanin Abou Jarad (Autor:in), 2020, Das Phänomen der erlernten Gewalt am Beispiel der Jugendgewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1401348