Diese schriftliche Arbeit im Rahmen der zweiten Staatsprüfung beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Konzepts zur Einrichtung eines Raums der Stille in der Geschwister-Scholl-Schule.
Viele Schülerinnen und Schüler kennen die Stille gar nicht. Geht man in die Schule, versteht man auch warum. Zum einen herrscht dort dauernd eine große Geräuschkulisse vor. In einem Raum lassen sich Schüler schwer beruhigen und rufen laut durcheinander, in einem anderen wird mit lauten Geräten gearbeitet und zur Pause laufen viele Kinder lärmend aus ihren Klassen. Dieser Lautstärke sind die Schüler täglich ausgesetzt, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Aber nicht nur der Lärm stellt eine große Belastung dar, sondern besonders auch der Leistungsdruck, dem die Kinder beinahe dauerhaft ausgesetzt sind sowie die Hektik im Schulalltag. Durch Beobachtungen während des gesamten Schultags, habe ich festgestellt, dass viele Kinder an der Geschwister- Scholl- Schule unter diesen Bedingungen leiden. Je weiter der Schultag fortgeschritten ist, umso erschöpfter sind sie. Besonders auf die Schüler im neu eingerichteten Ganztagsbereich treffen diese Beobachtungen zu. Bisher besteht für die Kinder keine Rückzugsmöglichkeit, in der sie einen Moment für sich sind, sich entspannen oder das Erlebte verarbeiten können. Ein Raum der Stille mit entsprechenden Angeboten würde einen solchen Ort darstellen und den Schülern die Chance geben, im Schulalltag eine Atempause einzulegen, der Schnelllebigkeit entgegenzutreten und einen Zugang zu sich und ihren Gefühlen zu finden. Besonders unter dem Aspekt, dass der Ganztagsbetrieb in den kommenden Jahren ausgebaut und sich damit der Bedarf nach Rückzugmöglichkeiten erhöhen wird, erscheint mir die Einrichtung eines solchen Ortes als sinnvoll und notwendig[...]Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst die Berechtigung eines Raums der Stille in der Schule erläutert werden.Im zweiten Teil erfolgt die Entwicklung des Konzept. Hier soll erläutert werden, welche Voraussetzungen zur Realisierung des Konzepts an der Schule erfüllt werden müssen und wie eine Finanzierung aussehen könnte. Außerdem soll auf die Gestaltungsmöglichkeiten sowie auf die Organisation des Raums, den ich ausgewählt habe, eingegangen werden.
Stilleübungen, deren Durchführung und Wirkung werden in dieser Arbeit nicht thematisiert, mit Ausnahme des praktischen Beispiels im Ausblick. Gemeinsam mit der Möglichkeit zur Evaluation bildet dieses den letzten Teil der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist ein Raum der Stille?
3. Berechtigung eines Raums der Stille in der Schule
3.1 Die veränderte Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen
3.2 Was ist Stille?
3.3 Stille im Schulalltag
4. Die Lehrerfunktionen
4.1 Innovieren
4.2 Organisieren
5. Der Raum der Stille
5.1 Voraussetzungen zur Realisierung des Konzepts
5.2 Kriterien eines geeigneten Raums
5.3 Beschreibung des Raums
5.4 Überlegungen zur Gestaltung des Raums
5.4.1 Die mediale Ausstattung
5.5 Finanzierung des Konzepts
5.6 Die Nutzung des Raums
5.7 Regeln im Raum der Stille
5.8 Die Organisation des Raums
6. Ausblick
6.1 Die Einbindung des Raums in den Schulalltag am Beispiel von stillen Pausen
6.1.1 Beispielhafter Ablauf einer stillen Pause
6.2 Möglichkeit zur Evaluation des Raums
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit entwickelt ein pädagogisches Konzept zur Einrichtung eines „Raums der Stille“ an der Geschwister-Scholl-Schule, um Schülern inmitten eines hektischen Ganztagsbetriebs Rückzugsmöglichkeiten zur Entspannung und Selbstfindung zu bieten.
- Analyse der veränderten Lebensbedingungen von Kindern (Medien, Lärm, Leistungsdruck).
- Begründung der Notwendigkeit von Stille im schulischen Alltag.
- Planung der räumlichen und materiellen Ausstattung unter Berücksichtigung pädagogischer Kriterien.
- Konzeption von Organisation, Finanzierung und Nutzungsregeln.
- Praktische Integration durch „stille Pausen“ zur Förderung ganzheitlicher Erziehung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die veränderte Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen
Kindheit verläuft in unserer heutigen Zeit anders als in den Jahrzehnten und Jahrhunderten zuvor. Die Veränderungen umfassen viele Bereiche, auf die im Folgenden eingegangen werden soll.
Bis zu Beginn der 1950er Jahre waren Großfamilien und eine oftmals enge Bindung unter den einzelnen Mitgliedern Normalität. Dieses Bild hat sich einhergehend mit dem Stellenwert der Familie in den vergangenen 40 Jahren jedoch stark gewandelt. Nie zuvor gab es eine so große Anzahl von allein lebenden Menschen. Ebenso ist auch die Zahl der kinderlosen Paare in den letzten Jahren gestiegen.
Insgesamt werden die Familien immer kleiner - heute gilt man bereits mit drei Kindern als kinderreich. Außerdem gibt es dazu noch eine Vielzahl von allein erziehenden Eltern. Alle diese Veränderungen innerhalb der Familie haben zur Folge, dass die Kinder in der heutigen Zeit im familiären Bereich weniger Bezugspersonen haben, an die sie sich wenden können. Verschärft wird dies laut Maschwitz durch die Berufstätigkeit beider Elternteile. Denn hier bestehe eine erhöhte Gefahr, dass die Kinder aufgrund des fehlenden Ansprechpartners mit ihren Erfahrungen, Fragen und Bedürfnissen allein bleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit begründet die Notwendigkeit eines Ruheraums aufgrund der hohen Belastung von Schülern im modernen Ganztagsschulbetrieb.
2. Was ist ein Raum der Stille?: Der Raum wird als Ort definiert, der einen Kontrast zur Hektik bildet und Möglichkeiten zur bewussten Körper- und Selbstwahrnehmung eröffnet.
3. Berechtigung eines Raums der Stille in der Schule: Es wird analysiert, wie sich veränderte Lebenswelten und steigender Lärmpegel negativ auf die Lernfähigkeit und das Wohlbefinden von Schülern auswirken.
4. Die Lehrerfunktionen: Die Rolle der Lehrkraft bei der Innovation und Organisation eines solchen Projekts wird in den Kontext der professionellen Schulentwicklung gestellt.
5. Der Raum der Stille: Dieser zentrale Abschnitt behandelt alle praktischen Aspekte von der Standortsuche und Raumgestaltung über Finanzierungsmodelle bis hin zu Nutzungsregeln.
6. Ausblick: Hier wird die praktische Implementierung anhand von "stillen Pausen" veranschaulicht und die Notwendigkeit einer späteren Evaluation des Konzepts betont.
Schlüsselwörter
Raum der Stille, Stilleübungen, Schulentwicklung, Ganztagsschule, Entspannung, Selbstfindung, Lebenswelt von Kindern, Schulalltag, Ganzheitliche Erziehung, Leistungsdruck, Reizüberflutung, Achtsamkeit, Schulklima, Pädagogisches Konzept, Regeneration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Planung eines Konzepts zur Einrichtung eines „Raums der Stille“ an der Geschwister-Scholl-Schule, um den Schülern einen geschützten Ort für Entspannung und Rückzug zu bieten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die veränderte Lebenswelt von Kindern, die Notwendigkeit von Stille im Schulalltag, die räumliche Planung sowie organisatorische und finanzielle Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein konkretes Konzept zu erstellen, das als Grundlage für die praktische Umsetzung der Raumeinrichtung dienen kann, um den zunehmenden psychischen Belastungen im Schulalltag entgegenzuwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine konzeptionelle Arbeit, die auf Literaturanalyse, pädagogischer Begründung und eigenen Beobachtungen im schulischen Umfeld basiert.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Realisierung: Voraussetzungen, Kriterien für den Raum, Gestaltung, Finanzierung, Nutzungsregeln und die Organisation der Belegung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Raum der Stille, Ganztagsschule, ganzheitliche Erziehung, Entspannung, Lebenswelt, Schulentwicklung und Achtsamkeit.
Warum ist das Projekt gerade für die Geschwister-Scholl-Schule relevant?
Durch den Ausbau zum Ganztagsbetrieb und die damit verbundenen langen Schultage steigt der Bedarf der Schüler an Rückzugsmöglichkeiten massiv an.
Wie soll die Finanzierung des Projekts sichergestellt werden?
Die Finanzierung soll über ein Bündel von Mitteln erfolgen, darunter Gelder der Schulleitung (Ganztagsbudget), Zuschüsse des Fördervereins, Spenden und Erlöse aus Schulveranstaltungen.
Wie soll die weltanschauliche Neutralität gewährleistet werden?
Aufgrund der religiösen Vielfalt an der Schule wird explizit auf eine religiös neutrale Gestaltung des Raumes geachtet, um allen Schülern – unabhängig von ihrer Konfession oder Weltanschauung – den Zugang zu ermöglichen.
- Citation du texte
- Nathalie Echterling (Auteur), 2007, „Stille in der Schule erleben“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140184