Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, die Erklärung und Vorhersage der Erfolgsvarianz von HIT Implementierungsverläufen in eine übergeordnete Theorie einzubinden. Der Einsatz von Health Information Technology (HIT) birgt hohe Potenziale zur Erreichung der Versorgungsziele von Krankenhäusern. Mit Blick auf den Erfolg der HIT-Implementierung zeigt die Studienlage jedoch ein differenziertes Bild. Vor diesem Hintergrund wächst die Forderung, HIT-Implementierungsverläufe im Rahmen theoriegeleiteter Untersuchungsdesigns zu beobachten und somit Erklärungs- und Vorhersageansätze für die Erfolgsvarianz bieten zu können. Darauf aufbauend ist das Ziel der vorliegenden Masterarbeit die Konzeption und Validierung eines theoriegestützten Modells zur Erklärung von HIT-Implementierungsverläufen in Krankenhäusern. Hierfür wurde ein Hypothesenmodell unter Rückgriff auf die Pfadkonstitutionstheorie (PKT) entwickelt.
Mittels webbasierter Fragebögen wurden sechs Professionen innerhalb eines idealtypischen Top-Management-Teams (TMT) von Krankenhäusern befragt, deren Aussagen aggregiert wurden. Ergänzt wurden die quantitativen Daten um qualitative Aussagen, die mithilfe eines Freitextfeldes erhoben wurden. Um die IT-Performance von Krankenhäusern zu erfassen, wurde in der Datenerhebung Einrichtungen priorisiert, bei denen Sekundärdaten des Workflow Composite Scores vorlagen. Mithilfe einer konfirmatorischen Faktorenanalyse wurde die theoretischen Vorüberlegungen überprüft. Abschließend wurde das konzipierte Hypothesenmodell durch ein nonrekursives Strukturgleichungsmodell getestet.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG UND MOTIVATION
1.1 DIGITATION, DIGITALISATION, DIGITALE TRANSFORMATION - EINE BEGRIFFSBESTIMMUNG
1.2 STRATEGISCHE GRUNDRICHTUNGEN DER DIGITALISIERUNG
1.3 POTENZIALE DER DIGITALISIERUNG
1.4 STATUS QUO DER DIGITALISIERUNG IN KRANKENHÄUSERN
1.5 ERKLÄRUNGSANSÄTZE VON HIT-IMPLEMENTIERUNGEN IN KRANKENHÄUSERN — STAND DER FORSCHUNG
1.6 FORSCHUNGSBEDARF UND -FRAGEN
1.7 WEITERE VORGEHENSWEISE DER ARBEIT
2 THEORETISCHER HINTERGRUND UND KONZEPTUALISIERUNG DES FORSCHUNGSMODELLS
2.1 DAS KLASSISCHE PFADABHÄNGIGKEITSKONZEPT
2.2 PFADABHÄNGIGKEIT AUS ORGANISATIONSTHEORETISCHER PERSPEKTIVE
2.3 PFADKREATION
2.4 PFADKONSTITUTION
2.5 PFADABHÄNGIGKEIT UND PFADKREATION AUS EINER STRUKTURATIONSTHEORETISCHEN PERSPEKTIVE
2.6 PFADKONSTITUTION IM KONTEXT ORGANISATORISCHER TRÄGHEIT
2.7 HYPOTHESENMODELL
3 METHODE
3.1 FORSCHUNGSDESIGN
3.2 UNTERSUCHUNGSEINHEIT
3.3 KONZEPTUALISIERUNG UND OPERATIONALISIERUNG DER ITEMS
3.4 AUFBAU UND DESIGN DES FRAGEBOGENS
3.5 DATENZUGANG UND -ERHEBUNG
3.6 RÜCKLÄUFE UND ENTSCHEIDUNGEN FÜR DAS WEITERE VORGEHEN
3.7 STICHPROBE
3.8 DATENANALYSE
3.8.1 Datenaggregation
3.8.2 Konfirmatorische Faktorenanalyse
3.8.3 Strukturgleichungsmodell
4 ERGEBNISSE
4.1 ÜBERPRÜFUNG DER ÜBEREINSTIMMUNG INNERHALB DER TOP-MANAGEMENT-TEAMS
4.2 ERGEBNISSE DER DATENAGGREGATION
4.3 ERGEBNISSE DER SUB-SCORES DES WORKFLOW COMPOSITE SCORES
4.4 ERGEBNISSE DER KONFIRMATORISCHEN FAKTORENANALYSE
4.5 ERGEBNISSE DES NON-REKURSIVEN STRUKTURGLEICHUNGSMODELLS
5 DISKUSSION
5.1 ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION
5.2 ERKLÄRUNG DER GERINGEN ÜBEREINSTIMMUNGSWERTE INNERHALB DER TOP-MANAGEMENT-TEAMS
5.3 PRAKTISCHE IMPLIKATIONEN
5.4 LIMITATIONEN
5.5 DISKUSSION DER METHODIK
5.6 METHODISCHE HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN FÜR ZUKÜNFTIGE FORSCHUNGSARBEITEN
5.7 FAZIT UND AUSBLICK
Zielsetzung und Themen
Ziel der Arbeit ist die Konzeption und empirische Validierung eines theoriegeleiteten Modells zur Erklärung von Health Information Technology (HIT)-Implementierungserfolgen in Krankenhäusern, wobei insbesondere die Rolle von Pfaddynamiken (Pfadabhängigkeit und Pfadkreation) im Kontext der Krankenhausstrategie untersucht wird.
- Pfadkonstitutionstheorie als Erklärungsmodell für Digitalisierungsprozesse
- Wechselwirkung zwischen organisationalen Strukturen und dem Handeln der Akteure
- Strateigsche IT-Performance von Krankenhäusern durch Digitalisierung
- Methodik der Strukturgleichungsmodellierung (SGM) zur Erfolgsmessung
- Analyse der Top-Management-Teams (TMT) in klinischen Einrichtungen
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung und Motivation
„The implementation of an information system in clinical practice is not a linear process with a defined starting point, clearly delineated goals, and readily identifiable stages. By most accounts, the implementation of the system was a failure (although the system is still in place). [...] The outcome was [...] the result of a series of events and contingencies that were not planned for or whose impact was not anticipated.“
Aarts et al. (2004) (1)
„This [...] implementation plan succeeded by leaving as little as possible to chance.“ Smith (2003) (2)
Mit diesen beiden Zitaten aus zwei unterschiedlichen Fallstudien soll die vorliegende Arbeit eingeleitet werden. Sie geben einen ersten Einblick in die Frage, wie sich Auswirkungen in der Verwendung von Gesundheitsinformationstechnologien in Krankenhäusern erklären lassen. Können die Effekte auf ein bewusstes Planen strategisch agierender Krankenhausakteure zurückgeführt werden? Sind sie auch das Ergebnis zufälliger Entwicklungen, die sich jeder strategischen Gestaltung entziehen? Lassen sich diese Gegensätze womöglich in ein umfassendes Modell zur Erklärung von HIT-Implementierungen in Krankenhäusern überführen?
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Motivation: Dieses Kapitel motiviert die Arbeit durch das Problem linearer, oft scheiternder HIT-Implementierungen und führt die Forschungsfragen sowie das Ziel der Arbeit ein.
2 Theoretischer Hintergrund und Konzeptualisierung des Forschungsmodells: Hier werden die Konzepte der Pfadabhängigkeit, Pfadkreation und Pfadkonstitution sowie die Strukturationstheorie theoretisch fundiert und in ein hypothesengesteuertes Modell überführt.
3 Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das quasi-experimentelle Forschungsdesign mit webbasierten Fragebögen an Top-Management-Teams und die Anwendung der Strukturgleichungsmodellierung sowie der konfirmatorischen Faktorenanalyse zur Modellvalidierung.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die empirische Überprüfung der Hypothesen, die Modellgüte des SGM sowie die spezifischen Zusammenhänge zwischen Struktur, Handeln, Pfadkreation und IT-Performance.
5 Diskussion: Dieses Kapitel interpretiert die Ergebnisse, reflektiert über die geringe Übereinstimmung innerhalb der Management-Teams, leitet praktische Implikationen für Krankenhäuser ab und benennt Limitationen sowie zukünftige Forschungsnotwendigkeiten.
Schlüsselwörter
Digitalisierung, Krankenhaus, Health Information Technology (HIT), Pfadabhängigkeit, Pfadkreation, Pfadkonstitution, Strukturationstheorie, IT-Performance, Top-Management-Team, Implementierungsforschung, Strukturgleichungsmodell, Organisationsentwicklung, Krankenhausstrategie
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, warum HIT-Implementierungsprozesse in Krankenhäusern unterschiedlich erfolgreich verlaufen und entwickelt hierfür ein Erklärungsmodell auf Basis der Pfadkonstitutionstheorie.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Mittelpunkt stehen die gegenseitigen Abhängigkeiten zwischen strategischer Krankenhausführung, der Digitalisierung technischer Prozesse und der organisationalen Trägheit bzw. Anpassungsfähigkeit.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist die Konzeption und empirische Validierung eines umfassenden Erklärungsmodells, das aufzeigt, wie Akteure durch bewusstes oder unbewusstes Handeln digitale Entwicklungspfade in Kliniken steuern oder behindern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit nutzt ein quantitatives Querschnittsdesign mit webbasierten Fragebögen, die an Top-Management-Teams (TMTs) deutscher Krankenhäuser gerichtet wurden, kombiniert mit einer komplexen statistischen Auswertung mittels Strukturgleichungsmodellen.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil erstreckt sich von der theoretischen Herleitung der Pfadkonstitutionstheorie im organisatorischen Kontext über die detaillierte Beschreibung der empirischen Datenerhebung bis hin zur statistischen Auswertung und Interpretation der Studienergebnisse.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Pfadabhängigkeit, Pfadkreation, HIT-Implementierungserfolg, strategische IT-Performance, TMT-Übereinstimmung und Strukturationstheorie.
Warum spielt die Pfadkonstitutionstheorie eine so zentrale Rolle?
Die Theorie ermöglicht es, Digitalisierung nicht als statisches Projekt, sondern als dynamischen Prozess zu verstehen, der sowohl historisch gewachsene Strukturen als auch neue strategische Intentionen von Führungskräften integriert.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Management-Ebene?
Das Fazit betont, dass Digitalisierung im Krankenhaus kein Zufallsprodukt sein darf, sondern eine bewusste strategische Planung und Koordination der unterschiedlichen Professionen im Top-Management erfordert.
- Arbeit zitieren
- Timo Neunaber (Autor:in), 2020, HIT-Implementierung in Krankenhäusern. Digitalisierung und strategische IT-Performance komplexer Gesundheitseinrichtungen unter Berücksichtigung des erweiterten Top-Management-Teams, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1402140