Max Scheler versuchte zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein umfängliches wissenssoziologisches Projekt zu verwirklichen, nämlich die Erarbeitung einer Soziologie des Wissens, welche sämtliche Kulturbereiche berücksichtigt.
Diese Wissenssoziologie soll nun im folgenden zu gegenwärtigen Phänomen in Wissenschaft und Bildung in Bezug gesetzt werden. Als erstes werden Schelers Wissenssoziologie und Bildungsbegriff vorgestellt. Darauf folgt ein Überblick über gesellschaftliche Zustände im Bezug auf die Bildung und Merkmale der so genannten Wissensgesellschaft. Die Ergebnisse dieser Darstellung werden dann auf Schelers Wissenssoziologie angewendet. Am Ende steht ein Ausblick auf etwaige Entwicklungen in Bezug auf das gesellschaftliche Wissensgut.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Max Schelers Wissenssoziologie
2.1 Der Wissensbegriff Schelers
2.1.1 Schelers Kritik an Comtes Dreistadiengesetz
2.2 Die drei Wissensarten
2.2.1 Soziologische Verortung der Wissensarten
3 Max Schelers Bildungsbegriff
4 Bildung in der heutigen »Wissensgesellschaft«
4.1 Über die so genannte »Wissensgesellschaft«
4.1.1 Wissensgenese in der »Wissensgesellschaft«
4.1.1.1 The new production of knowledge
4.2 Bildung
5 Max Scheler und die heutige »Wissensgesellschaft«
5.1 Hochtechnologien als Sonderfall des Leistungswissens
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt das wissenssoziologische Projekt von Max Scheler in Bezug zu den gegenwärtigen Phänomenen der modernen Wissensgesellschaft. Dabei wird untersucht, wie Schelers triadische Wissenslehre und sein humanistisch geprägter Bildungsbegriff als kritische Reflexionsfolie für die aktuelle Entwicklung dienen können, in der Wissen zunehmend zu einer marktorientierten Dienstleistung degradiert wird.
- Grundlagen der Wissenssoziologie nach Max Scheler
- Die kritische Auseinandersetzung mit dem positivistischen Fortschrittsglauben
- Differenzierung zwischen Erlösungswissen, metaphysischem Wissen und Leistungswissen
- Analyse der heutigen Wissensgesellschaft und ihrer ökonomischen Paradigmen
- Das Spannungsfeld zwischen technologischer Rationalität und individueller Bildung
Auszug aus dem Buch
3 Max Schelers Bildungsbegriff
»Nach Bildung streben heißt mit liebevoller Inbrunst eine ontische Teilnahme und Teilhabe an allem suchen, was in Natur und Historie weltwesentlich ist, und nicht nur zufälliges Dasein und Sosein. « Scheler drückt mit diesem Satz genau das aus, was in Goethes Faust unter »ein Mikrokosmos sein wollen« fällt. Der Mikrokosmosidee, so wie sie ebenfalls bei Thomas von Aquino, Nicolaus von Cuasa, Bruno und Leibnitz auftaucht liegt eine philosophische Metaphysik zugrunde, die die Natur und den menschlichen Geist als zwei getrennte Sphären betrachtet. Der Makrokosmos als Ganzes der Welt schneidet sich im Menschen und wird so zum Mikrokosmos, der Konzentration Welt in einem geistigen Zentrum.
Die Ursache dieses Prozesses liegt in der Liebe des Menschen zur Welt, welche aus einem Überschwang über die Triebbezogenheit zu allen Dingen resultiert. Während das Tier nämlich psychisch gleich einer Ekstase im Moment lebt, vermag der Mensch sich und sein Selbstbewusstsein der Welt gegenüberzustellen. Und während das Tier Objekte durch Triebe, Bedürfnisse oder sonstige Innenzustände des Organismus bestimmt und dabei kein Allgemeinheitsbewusstsein besitzt, kann der Mensch Objekte auch durch Wahrnehmungsinhalte verschiedener Sinne als dieselben erfassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit erläutert das Ziel, Schelers Wissenssoziologie auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene in Wissenschaft und Bildung anzuwenden.
2 Max Schelers Wissenssoziologie: In diesem Kapitel werden Schelers Wissensbegriff, die Kritik am Dreistadiengesetz sowie die drei Wissensarten (Erlösungswissen, metaphysisches Wissen, Leistungswissen) detailliert dargestellt.
3 Max Schelers Bildungsbegriff: Dieses Kapitel widmet sich der Definition von Bildung als Teilhabe an der Welt und der Idee des Menschen als Mikrokosmos.
4 Bildung in der heutigen »Wissensgesellschaft«: Hier wird der kritische Begriff der Wissensgesellschaft analysiert, inklusive der industriellen Produktion von Wissen und des Paradigmenwandels in der Forschung.
5 Max Scheler und die heutige »Wissensgesellschaft«: Das Fazit setzt Schelers Theorien in den Kontext moderner Hochtechnologien und diskutiert die Gefahr einer schleichenden Entmenschlichung durch die Dominanz des technischen Leistungswissens.
Schlüsselwörter
Max Scheler, Wissenssoziologie, Bildungsbegriff, Wissensgesellschaft, Leistungswissen, metaphysisches Wissen, Erlösungswissen, Triebtheorie, Humanisierung, Mikrokosmos, Positivismus, Transformation, technologische Rationalität, Wissensgenese, Entbildung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Max Schelers soziologische und philosophische Ansätze zur Wissensstruktur und verbindet diese mit der heutigen, als Wissensgesellschaft bezeichneten Ära.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Wissensarten nach Scheler, das Verhältnis von Mensch und Welt durch Bildung sowie die kritische Analyse moderner, durch ökonomische Interessen getriebener Wissensproduktion.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Schelers Erkenntnisse als kritische Perspektive zu nutzen, um die Auswirkungen einer reinen Leistungsorientierung auf den humanistischen Bildungsbegriff zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine systematische theoretische Auseinandersetzung, die Schelers Texte im Dialog mit zeitgenössischen Autoren wie Kübler, Liessmann und Gibbons interpretiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Schelers Wissenssoziologie und eine darauffolgende Analyse der aktuellen Wissensgesellschaft, ihrer Entstehungsbedingungen und ihrer Gefahren für die menschliche Bildung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Konzepte der Wissensarten, das Schleusentheorem und den Kontrast zwischen technischem Leistungswissen und existenzieller Bildung definiert.
Wie unterscheidet Scheler zwischen den drei Wissensarten?
Scheler differenziert zwischen Erlösungswissen (Sinnsuche), metaphysischem Wissen (Orientierung) und Leistungswissen (praktische Beherrschung der Welt), wobei er betont, dass keine Wissensart die anderen vollständig verdrängen sollte.
Welche Rolle spielt die moderne Technik in dieser Untersuchung?
Moderne Technik wird als Sonderfall des Leistungswissens betrachtet, das potenziell zu einem Teufelskreis führen kann, der den Menschen auf technische Funktionen reduziert und seine geistige Entfaltung hemmt.
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- Ann-Sophie Margan (Author), 2009, Max Schelers Bildungs- und Wissensbegriff im Kontext der gegenwärtigen Wissensgesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140241