Franz Kafkas Werke zählen bis zum heutigen Tage zum Kanon der Weltliteratur und geben somit Anlass, diese innerhalb einer Korpusanalyse zu untersuchen. Dabei basiert diese Hausarbeit auf einem eigen erstellten Korpus der bekanntesten Werke Kafkas ("Das Urteil", "Die Verwandlung", "In der Strafkolonie", "Der Proceß", "Das Schloss", "Amerika", "Ein Landarzt", "Brief an den Vater"), in welchem diese auf den kafkaesken Sprachstil untersucht werden. Anschließend wird analysiert, wie dieser Sprachstil in den spanischen Übersetzungen übertragen wurde. Dabei stellt sich insbesondere die Frage, welche Wortfelder und wiederkehrenden Themen vorkommen.
Anlass dieser Arbeit ist der sprachgewandte, eloquente und insgesamt sehr eigene Sprachstil Kafkas. Somit bot es sich im Kurs „Sprachtechnologie und elektronische Korpora“ an, einen Korpus zu Kafka zu erstellen, um genauer zu untersuchen, was es mit dem „kafkaesken“ Sprachstil auf sich hat. Es ist ein weitverbreiteter Standpunkt unter Literaturwissenschaftlern und Übersetzern, dass die Übersetzung der Werke Kafkas mit einer großen Schwierigkeit einhergehen, also stellt sich hier die Frage, wie mit diesen umgegangen wurde. Aus diesem Grund werden die Übersetzungen seiner Werke genauer analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Forschungsfrage
1.1 Struktur und Statistiken
1.2 Beschreibung
1.3 Definition: „Kafkaesk“
2 Quantitative Analyse
2.1 Deutscher Subkorpus
2.2 Spanischer Subkorpus
2.3 Zwischenergebnis
3 Qualitative Analyse
3.1 Deutscher Subkorpus
3.2 Spanischer Subkorpus
4 Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der kontrastiven Korpusanalyse des kafkaesken Sprachstils, indem sie untersucht, wie zentrale sprachliche Merkmale aus ausgewählten Werken Franz Kafkas in spanische Übersetzungen übertragen werden. Ziel ist es, mithilfe computergestützter Methoden zu ermitteln, ob die für Kafka typische Atmosphäre von Ausweglosigkeit und Entfremdung auch in der fremdsprachigen Fassung äquivalent abgebildet wird.
- Kontrastive Analyse eines selbst erstellten bilingualen Korpus (Deutsch-Spanisch)
- Identifikation und Vergleich von Schlüsselnominagruppen (Familie, Bürokratie)
- Untersuchung von Personalpronomen als Indikatoren für Selbstzuschreibungen
- Analyse der Übertragung von Verzweiflung und melancholischer Konnotation
- Einsatz der Software AntConc für quantitative und qualitative Auswertungen
Auszug aus dem Buch
Deutscher Subkorpus
Wie in Kapitel 2.1 festgestellt, ist die Kategorie der Personalpronomen sehr prominent im Hochfrequenzbereich des deutschen Subkorpus.
Dementsprechend bietet es sich an das Personalpronomen „ich“, welches 4382-mal vorkommt, als Repräsentanten der Kategorie qualitativ zu analysieren.
Wirft man einen Blick in die Konkordanzen so fällt zunächst einmal nichts besonderes auf. Scrollt man allerdings einige Konkordanzlinien hinunter, so kann man ein eindeutiges Muster erkennen. Das Personalpronomen „ich“ kommt in Kafkas Werken oft in einem negativen Kontext vor und taucht oft in Bezug auf andere Charaktere auf. So steht das „ich“ in Verbindung mit negativ konnotierten Verben, wie „vernachlässigt“, „verleugnet“ und „mißbraucht“, sowie negativ konnotierten Kollokationen wie „bin dessen nicht wert“ oder „habe niemand anderen“. Adjektive, wie beispielsweise „unglücklich“, „ungeduldig“ oder „verloren“, die direkten Bezug auf das „ich“ nehmen, betonen diese fast schon verzweifelte Atmosphäre hinsichtlich der Charaktere in Kafkas Werken.
Ein Blick in die Kollokate bestätigt uns erneut, dass das Personalpronomen „ich“ tatsächlich oft in einem negativen Kontext enthalten ist. So zeigen uns die Ergebnisse, dass „fürchte“ insgesamt 18-mal, „bezweifle“ 4-mal und „leide“ 4-mal in direkter Verbindung mit „ich“ vorkommen. Auch die Tatsache, dass „allein“ 16-mal auftaucht, bekräftigt die Beobachtung einer düsteren, verzweifelten Stimmung des „Ich[s]“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung und Forschungsfrage: Einführung in das Thema, Vorstellung des Korpus-Aufbaus sowie Definition der zentralen Begriffe und der verwendeten methodischen Ansätze.
2 Quantitative Analyse: Untersuchung der Worthäufigkeiten im deutschen und spanischen Subkorpus, unterteilt in Kategorien wie Familiennomina, Bürokratiebegriffe und Wörter der Verzweiflung.
3 Qualitative Analyse: Detaillierte Untersuchung spezifischer Repräsentanten der Kategorien mittels KWIC-, Kollokaten- und Cluster-Funktionen, um Kontext und Bedeutung zu vertiefen.
4 Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussbemerkung: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse sowie kritische Reflexion über die intersprachliche Übertragung des kafkaesken Sprachstils.
Schlüsselwörter
Kafkaesk, Korpusanalyse, Kontrastive Linguistik, Franz Kafka, Übersetzungsanalyse, AntConc, Wortfelder, Literaturwissenschaft, Personalpronomen, Behörden, Verzweiflung, Deutsch, Spanisch, Sprachstil, Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Sprachstil von Franz Kafka und wie dieser durch kontrastive Korpusanalyse in spanischen Übersetzungen nachweisbar beibehalten wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die Kategorien Personalpronomen, Nomina der Familie, Nomina der Bürokratie sowie Begriffe für Verzweiflung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob die spezifische „kafkaeske“ Atmosphäre der Ausweglosigkeit auch in den spanischen Versionen durch entsprechende Wortwahl und Kontextualisierung erhalten bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine kontrastive Korpusanalyse mit der Software AntConc, wobei quantitative Häufigkeitsanalysen durch qualitative Konkordanz- und Kollokaten-Analysen ergänzt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Statistiken zu den Subkorpora erstellt und anschließend einzelne Repräsentanten für jede Wortkategorie qualitativ analysiert.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie „Kafkaesk“, „Korpusanalyse“, „Übersetzungsanalyse“ und „Sprachstil“ charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Personalpronomen zwischen Deutsch und Spanisch?
Während im Deutschen die explizite Nennung von Pronomen häufig ist, neigt das Spanische aufgrund grammatischer Konventionen eher zum Auslassen, was beim Vergleich zu Frequenzunterschieden führt.
Welche Rolle spielt der „Vater“ in Kafkas Werken laut der Analyse?
Der „Vater“ (bzw. „padre“) ist ein zentrales, konfliktreiches Thema, das häufig von negativ konnotierten Attributen oder Verben begleitet wird, was auf eine problematische Vater-Kind-Beziehung hindeutet.
- Arbeit zitieren
- Julia Antunović (Autor:in), 2022, Kafkaesker Sprachstil in Kafkas Hauptwerken. Kontrastive Korpusanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1402459