Ausgelöst durch den Handel mit verbrieften Hypothekenkrediten entwickelte sich 2007 die so genannte Subprime-Krise, die den unmittelbaren Anlass, nicht jedoch die Ursache, für die Herausbildung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise darstellt. In Anlehnung an grundlegende Thesen der ökonomischen Blasenmodelle von Galbraith, Fischer-Minsky-Kindleberger sowie Hayek wurden mögliche Krisenursachen sozioökonomisch analysiert, wobei auf eine formale Darstellung verzichtet wurde. Anhand der Thesen aus den Modellen konnten systemische Risiken nachgewiesen werden. Als ursächlich erwiesen sich in differenzierter Ausprägung die (De-)regulierung der Finanzmärkte seit dem Ende des Systems von Bretton Woods, eine wachsende Einkommens- und Vermögensungleichheit in der Bevölkerung sowie die gestiegene Bedeutung des Leverage-Effekts bzw. der Fremdfinanzierung. Darüber hinaus haben jüngere „Finanzinnovationen“ einen erheblichen Beitrag für das Entstehen der Krise geleistet und auch die Politik der Zentralbanken scheint ex-post Schwächen aufzuweisen. Eine weiterführende Untersuchung sollte sich diesen Themenbereichen widmen, um mögliche Reformansätze prüfen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER FINANZMARKT
3 DER TERMINUS FINANZMARKT-KAPITALISMUS
4 ÖKONOMISCHE BLASENMODELLE
4.1 DER ERKLÄRUNGSVERSUCH SPEKULATIVER EUPHORIE VON GALBRAITH
4.2 DAS FISCHER-MINSKY-KINDLEBERGER-MODELL
4.3 KONJUNKTURELLE TURBULENZEN DURCH VERZERRTE ZINSSÄTZE NACH HAYEK
4.4 UNTERSCHIEDE DER ÖKONOMISCHEN BLASENMODELLE
4.5 ZWISCHENFAZIT
5 STRUKTURELLE KRISENURSACHEN
5.1 DIE (DE-)REGULIERUNG DER FINANZMÄRKTE
5.2 DIE SHAREHOLDER-VALUE-ORIENTIERUNG
5.3 ENTKOPPLUNG DES FINANZSEKTORS VON DER REALWIRTSCHAFT?
5.4 DER WACHSENDE REICHTUM BEI ZUNEHMENDER UNGLEICHHEIT?
5.5 PENSIONSFONDS UND DIE KAPITALGEDECKTE ALTERSVORSORGE
5.6 ZWISCHENFAZIT
6 UNMITTELBARE KRISENURSACHEN
6.1 VERSCHULDUNG ALS RENDITEHEBEL
6.1.1 Private-Equity-Fonds
6.1.2 Hedge-Fonds
6.1.3 Zwischenfazit
6.2 DIE PRAXIS DER KREDITVERBRIEFUNG
6.2.1 Pfandbriefe, Asset Backed Securities (ABS) und Mortgage Backed Securities (MBS)
6.2.2 Collateralized Debt Obligation (CDO) und weitere Finanzinnovationen
6.2.3 Zwischenfazit
6.3 DIE ROLLE DER ZENTRALBANKEN
6.3.1 Die Federal Reserve Bank und die Europäische Zentralbank
6.3.2 Zwischenfazit
7 DER VORLÄUFIGE VERLAUF DES FINANZMARKT-CRASHS
8 RESÜMEE
8.1 DIE ÖKONOMISCHEN BLASENMODELLE
8.2 AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Ursachen, Anlässe und sozioökonomischen Interdependenzen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu identifizieren und einer kritischen Analyse zu unterziehen, um ein tieferes Verständnis für die Krisenanfälligkeit des modernen Finanzsystems zu entwickeln.
- Analyse der ökonomischen Blasenmodelle (Galbraith, Fischer-Minsky-Kindleberger, Hayek)
- Untersuchung struktureller Krisenursachen wie Deregulierung und Shareholder-Value-Orientierung
- Bewertung unmittelbarer Auslöser wie Kreditverbriefungen und die Rolle von Finanzinvestoren
- Kritische Reflexion der Zentralbankpolitik und ihrer Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Auszug aus dem Buch
6.2.2 Collateralized Debt Obligation (CDO) und weitere Finanzinnovationen
Collateralized Debt Obligation (CDO) heißt soviel wie „besicherte Schuldverschreibung“ (Vgl. Münchau 2008: 98), wobei es sich um einzelne Kredite oder um Kreditportfolios handeln kann (Vgl. Sachverständigenrat 2007: 110). Ähnlich wie bei Hedge-Fonds oder Private-Equity-Fonds ist die CDO aus ökonomischer Perspektive ein Instrument und aus juristischer Sicht ein Unternehmen. Die Emittierung funktioniert mit dem gleichen Prinzip wie bei einem ABS/MBS. Eine Investmentbank gründet eine Zweckgesellschaft, mit dem Ziel Kredite in Wertpapiere zu verpacken und diese zu verkaufen. Die Erwerber der Wertpapiere erhalten als Gegenleistung eine Zinszahlung. Der grundlegende Unterschied besteht darin, dass eine CDO nicht mit z.B. Hypotheken oder Autokrediten abgesichert ist, sondern mit einem Bündel von zum Teil hunderten ABS-Papieren. Es erfolgt damit eine erneute Verbriefung bzw. Verpackung der ursprünglichen Kredite. Das gekaufte ABS-Portfolio wird bei der Emittierung wieder nach dem Wasserfallprinzip in unterschiedliche Risikoklassen tranchiert und jeweils als CDO-Papier verkauft (Vgl. Münchau 2008: 98f.; Sachverständigenrat 2007: 109ff., Wagenknecht 2008: 41f.).
Die CDO können auch nach Herkunft der Kredite unterschieden werden. Stammen die ursprünglichen Kredite überwiegend aus dem Hypothekenmarkt, spricht man von Collateralised Mortgage Obligation (CMO), handelt es sich weitgehend um Anleihen, dann ist von Collateralised Bond Obligation (CBO) die Rede und wenn die Herkunft dem originären Kreditgeschäft zuzuordnen ist, spricht man von einer Collateralised Loan Obligation (CLO) (Sachverständigenrat 2007: 112).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung des Phänomens spekulativer Krisen, Zielsetzung der Arbeit und Vorstellung des methodischen Vorgehens anhand ökonomischer Blasenmodelle.
2 DER FINANZMARKT: Erläuterung des Begriffs Finanzmarkt durch ökonomische Definitionen nach Fristigkeit und soziologische Beschreibung seiner Funktionssegmente.
3 DER TERMINUS FINANZMARKT-KAPITALISMUS: Analyse der Transformation des Kapitalismusbegriffs und des Wandels der Unternehmensfinanzierung hin zum Finanzmarkt-Kapitalismus.
4 ÖKONOMISCHE BLASENMODELLE: Vorstellung und Vergleich der theoretischen Modelle von Galbraith, Fischer-Minsky-Kindleberger und Hayek zur Erklärung spekulativer Blasen.
5 STRUKTURELLE KRISENURSACHEN: Untersuchung langfristiger Trends wie (De-)Regulierung, Shareholder-Value-Orientierung und Entkopplung von Finanz- und Realwirtschaft.
6 UNMITTELBARE KRISENURSACHEN: Detaillierte Analyse akuter Einflussfaktoren wie Kredithebelstrategien, Kreditverbriefungen und die Zinspolitik der Zentralbanken.
7 DER VORLÄUFIGE VERLAUF DES FINANZMARKT-CRASHS: Chronologische Aufarbeitung der Eskalation der Krise, beginnend bei der Subprime-Krise bis hin zu staatlichen Rettungsmaßnahmen.
8 RESÜMEE: Abschließende Synthese der theoretischen Erkenntnisse und Ausblick auf notwendige Reformansätze für ein stabileres Finanzsystem.
Schlüsselwörter
Finanzmarkt-Kapitalismus, Spekulative Blasen, Subprime-Krise, Kreditverbriefung, CDO, CDS, Hedge-Fonds, Private-Equity, Leverage-Effekt, Zentralbanken, Finanzinnovationen, Shareholder-Value, Vermögensungleichheit, Systemisches Risiko, Finanzregulierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 unter besonderer Berücksichtigung sozioökonomischer Zusammenhänge.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Kernpunkten zählen ökonomische Blasenmodelle, strukturelle Veränderungen an den Finanzmärkten sowie spezifische Finanzinstrumente wie Kreditverbriefungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die systemischen Ursachen der Krise offen zu legen und die Anwendbarkeit klassischer ökonomischer Blasenmodelle auf die aktuelle Krise zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive, sozioökonomische Ursachenanalyse, die sowohl sozialwissenschaftliche als auch wirtschaftswissenschaftliche Literatur synthetisiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen (Blasenmodelle), strukturelle Ursachen (Deregulierung, Shareholder-Value) und unmittelbare Krisenfaktoren (Fonds, Verbriefung, Zinspolitik).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Finanzmarkt-Kapitalismus, Leverage-Effekt, systemische Risiken, Kreditverbriefung, Zweckgesellschaften und Finanzinnovationen.
Wie spielt die „Wasserfall-Struktur“ bei Verbriefungen eine Rolle?
Die Wasserfall-Struktur beschreibt die Verteilung der Zahlungsströme aus einem Kreditpool, bei der Senior-Tranchen bevorzugt bedient werden, während untere Tranchen (Equity) das höchste Ausfallrisiko tragen.
Warum wird der Leverage-Effekt als kritisches Instrument angesehen?
Durch den Hebel der Fremdfinanzierung können zwar kurzfristig enorme Renditen erzielt werden, gleichzeitig erhöht er jedoch die systemische Instabilität bei steigenden Zinsen oder ausbleibenden Rückzahlungen massiv.
Welche Rolle spielten die Ratingagenturen in der Krise?
Ratingagenturen bewerteten komplexe Kredittranchen oft als sehr sicher (AAA), was deren Handelbarkeit erst ermöglichte, aber die tatsächlichen Kreditrisiken verschleierte.
- Citation du texte
- Raoul Weise (Auteur), 2009, Die globale Wirtschaftskrise. Ursachen, Verlauf und sozioökonomische Interdependenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140250