Die vorliegende Hausarbeit widmet sich der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit. Es wird anhand einer Quellenkritik und mit Hilfe von Sekundärliteratur versucht die Hexenverfolgung in das Rechtswesen der frühen Neuzeit zu kontextualisieren.
Die Hexenverfolgungen der frühen Neuzeit stellen einen düsteren und faszinierenden Abschnitt der europäischen Geschichte dar. In diesem Kontext offenbart sich nicht nur die Tragödie individueller Schicksale, sondern auch die komplexe Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen, religiösen und rechtlichen Strukturen. Die systematische Verfolgung vermeintlicher Hexen, die zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert auf dem europäischen Kontinent ihren Höhepunkt erreichte, wirft zahlreiche Fragen auf, die weit über das rein historische Interesse hinausgehen. Sie berühren grundlegende Aspekte des Rechtswesens, der religiösen Toleranz und der sozialen Dynamiken jener Epoche.
Diese Hausarbeit hat zum Ziel, das Rechtswesen der frühen Neuzeit im spezifischen Kontext der Hexenverfolgungen zu untersuchen und herauszufinden in welcher Art und Weise Hexenprozesse als eine rechtlich positivistische Praxis innerhalb der Legislative verinnerlicht war. Dabei werde ich den Fokus auf die juristischen Mechanismen, welche der Hexenprozesse zu Grunde hatten, legen. Hierbei ist es unerlässlich, die historischen Entwicklungen in ihrer Komplexität zu erfassen, um ein umfassendes Verständnis für die Beweggründe, die Prozessführung und die Konsequenzen dieser Ereignisse zu erlangen. Dabei kann ich allerdings nicht auf die Komplexität des Rechtswesens der gesamten frühen Neuzeit eingehen, da dies den Umfang der Arbeit übersteigen würde.
Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich daher eine Rechtsakte aus dem 17. Jahrhundert als Quelle heranziehen, die aus dem bayrischen Raum entstammt. Ich werde diese daraufhin kritisch untersuchen und interpretieren, um diese Quelle in dem Kontext, des Rechtswesens der Hexenverfolgung, zur damaligen Zeit, einzugliedern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Quellenkritik
2.1 Quellenbeschreibung und äußere Quellenkritik
2.2 Innere Quellenkritik
3 Quelleninterpretation
3.1 Die rechtlichen Grundvoraussetzungen der Hexereiprozesse
3.1.1 Der Inquisitionsprozess
3.1.2 Der Hexereiprozess als Unterform der Inquisitionsprozesse
3.2 Die Gründe der Hexereiprozesse
3.3 Hexenverfolgung als geheimer Femizid?
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das Rechtswesen der frühen Neuzeit anhand konkreter Hexenprozesse, wobei der Fokus auf den juristischen Mechanismen und der Verinnerlichung rechtspositivistischer Praxen innerhalb der Legislative liegt. Ziel ist es, durch die Analyse einer historischen Rechtsakte aus dem 17. Jahrhundert zu verstehen, wie Hexereiprozesse strukturell geführt wurden und welche sozialen sowie rechtlichen Dynamiken diesen zugrunde lagen.
- Rechtliche Rahmenbedingungen von Hexereiprozessen in der frühen Neuzeit
- Die Funktion und Praxis des Inquisitionsprozesses als Grundlage der Verfolgung
- Sozio-ökonomische Faktoren und Machtstrukturen in dörflichen Gesellschaften
- Die Rolle der Geschlechterrollen und Misogynie im gerichtlichen Kontext
- Kritische Analyse von Primärquellen (Verhörprotokollen) unter Anwendung der Paläographie
Auszug aus dem Buch
2.2 Innere Quellenkritik
Transkription:
„1 Actum Lohr, in beisein herrn Kellers, 2 amptschreibers, zentgravens, Johann 3 Sendelbachen unnd Merten Kesslers, beider 4 hiesigen rathspersonen, den 29ten 5 augusti anno 1626.
6 Uff ferner der gestrengen, woledlen und vesten, 7 auch ehrnvesten unnd hochgelahrten herrn churfürstlichen 8 mäintzischen weltlichen räthe bevelch, ist die noch 9 in hafft begrieffener gefengnuß Margretha, Jörg 10 Nicklesen wittib alhie, vorgefordert und waß sie 11 sich die zeit über der vergifftung halb besönnen, auch 12 ob sie ihrer voriger, so güethlih bekanter zauberischen 13 unthaten gestendig, unnd waß ihr weiterß wiessent 14 seÿe, dißfalß die warheit zu sagen unnd ihr selbsten 15 fur pein und schmertzena) zu sein, zu gnügen erinert 16 unnd zue runder bekantnus vermanet worden.
17 Entschüldigt sich verhafftin der vergifftung halb, so ihr 18 sohn Barthel an ihrer schnur seeligen verübt und sagt, 19 wie nehrmahlig, daß sie damit nihts zu schiekhen oder 20 zu schaffen gehabt. Dan in gleihem auch ihrer 21 güetlihen bekanter zauberischen unthaten wegen, 22 nichts gestendig sein wollen, sondern sich mit hin 23 und wieder schweifenden händen und zimlihen ver- 24 dechtigen geberten erzeigt, mit vermelden, hette doch 25 ihr leben lang nichts übelß gethan, keme so unschüldig 26 dorein, daß sie wieder ihr gewiessen also geredt, [...] 27 17“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der frühen Neuzeit ein und definiert das Ziel der Arbeit, die juristischen Mechanismen der Hexenverfolgung anhand einer Rechtsakte zu untersuchen.
2 Quellenkritik: In diesem Kapitel erfolgt die Vorstellung der gewählten Primärquelle, eines Verhörprotokolls, sowie eine äußere und innere Quellenkritik hinsichtlich Authentizität und inhaltlicher Struktur.
3 Quelleninterpretation: Dieses Hauptkapitel kontextualisiert die Aussagen der Quelle innerhalb der rechtlichen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Machtstrukturen der damaligen Zeit.
3.1 Die rechtlichen Grundvoraussetzungen der Hexereiprozesse: Dieses Kapitel erläutert die dogmatischen Grundlagen der Hexenverfolgung, insbesondere die Differenzierung des Strafrechts im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit.
3.1.1 Der Inquisitionsprozess: Hier wird die spezielle Verfahrensmethode des Inquisitionsprozesses als systemisches Gegenstück zum Akkusationsverfahren und deren Rolle in der gerichtlichen Ermittlung dargelegt.
3.1.2 Der Hexereiprozess als Unterform der Inquisitionsprozesse: Dieser Abschnitt analysiert die spezifische Fehleranfälligkeit und die Willkür bei der Beweisfindung innerhalb von Hexereiprozessen unter Anwendung von Gewaltandrohung.
3.2 Die Gründe der Hexereiprozesse: Dieses Kapitel untersucht die sozialen Voraussetzungen und Dynamiken, wie etwa den sozialen Wandel und Machtverschiebungen, die zu Verfolgungshandlungen führten.
3.3 Hexenverfolgung als geheimer Femizid?: Hier wird die geschlechtsspezifische Dimension der Hexenverfolgung problematisiert und die Diskriminierung sowie systemische Benachteiligung von Frauen vor Gericht aufgezeigt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Hexenverfolgung als radikalen Ausdruck patriarchalisch geprägter Strukturen und eklatanter Mängel im damaligen Rechtssystem.
Schlüsselwörter
Hexenverfolgung, Frühe Neuzeit, Inquisitionsprozess, Rechtsgeschichte, Verhörprotokoll, Quellenkritik, Strafrecht, Femizid, Machtgefälle, soziale Kontrolle, Misogynie, Rechtspositivismus, Beweisführung, Margaretha, Hexenprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse eines konkreten Verhörprotokolls aus dem 17. Jahrhundert und untersucht vor diesem Hintergrund die rechtliche und gesellschaftliche Praxis der Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Entwicklung des frühneuzeitlichen Strafrechts, die Anwendung des Inquisitionsprozesses, sozio-ökonomische Krisenphänomene sowie die geschlechtsspezifische Diskriminierung innerhalb der Gerichtsbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie Hexenprozesse als rechtlich legitimierte, jedoch faktisch willkürliche Praxis fungierten und welche juristischen Mechanismen zur Unterdrückung insbesondere von Frauen eingesetzt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der historischen Quellenkritik, bestehend aus äußerer und innerer Quellenkritik, sowie die Einbettung der Erkenntnisse in den Kontext der aktuellen Forschungsliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden neben den rechtlichen Grundvoraussetzungen die Verfahrensabläufe des Inquisitionsprozesses, die lokalen Ursachen für Anklagen und die Rolle der Frau als strukturelles Ziel der Verfolgung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Begriffen wie Hexenverfolgung und Inquisitionsprozess prägen Schlüsselwörter wie Rechtsgeschichte, Quellenkritik, Misogynie und Femizid die wissenschaftliche Auseinandersetzung.
Warum spielt das Verhörprotokoll der "Margaretha" eine so zentrale Rolle?
Das Dokument dient als Paradebeispiel für die Fehleranfälligkeit und die inhärente Ungerechtigkeit des damaligen Strafrechts, da es die Diskrepanz zwischen beweisbasierter Wahrheitsfindung und erzwungenen Geständnissen verdeutlicht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der "Hexenverfolgung als Femizid"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die systemische Verfolgung, die misogynen Strukturen der Gerichte und die Vorverurteilung von Frauen als teuflische Wesen die Bewertung dieser Prozesse als Femizide der Frühen Neuzeit rechtfertigen.
- Citation du texte
- Paul Simon (Auteur), 2023, Die Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit. Eine Quellenkritik einer Rechtsquelle aus dem 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1402802