Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem Thema der Nachkriegsentwicklung
des deutschen Sports in der Amerikanischen Besatzungszone
(ABZ). Dabei gilt es zum einen, die allgemeine Situation nach
der Diktatur darzustellen und zum anderen, mit welchen Mitteln die USAmerikaner
das besiegte und zerstörte Dritte Reich in die Demokratie zu
führen versuchten.
Vom Allgemeinen dann zum Speziellen, d.h., es soll der sportliche Fragenkatalog
beantwortet werden. Wie packt man den Sport und sein System
an? Neu- oder Wiederaufbau? Zersplitterung oder Einheitssportbewegung?
Vorweg kann schon gesagt werden, dass dabei die Rolle der ehemaligen
Arbeitersportler eine beachtenswerte war und somit auch Berücksichtigung
in dieser Hausarbeit finden muss.
Die Sekundärliteraturlage kann durchaus als schlecht bezeichnet werden.
Eine gesamt süddeutsche Sportbetrachtung sucht man vergebens. So
muss von einzelnen Landessportbünden auf die gesamte ABZ geschlossen
werden.
„Um den Einfluß der Besatzungsmächte in ihrer realen Wirkung einschätzen zu
können, muß man dabei die Sportentwicklung in dieser Zeit bis zumindest auf die
Kreisebene zurückverfolgen. Dies ist meines Wissens bisher nirgendwo geschehen,
so daß auf diesem Gebiet bislang mehr Thesen als gesicherte Erkenntnisse
die Diskussion bestimmen.“ (Nitsch 1985, S. 41)
Nichtsdestotrotz muss das Ziel dieser Arbeit sein, eine möglichst umfassende
Darstellung über Situation und Problematik des Sportaufbaus in
der ABZ zu liefern und kritische Fragezeichen hinter Kohärenzlücken in
der Sekundärliteratur zu setzen. Wo möglich, sollen diese Lücken plausibel
geschlossen werden. Die Hausarbeit basiert auf der Referatsleistung in dem Hauptseminar „Die
Nachkriegsentwicklung des deutschen Sports (1945-1957)“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungen nach dem 2. Weltkrieg
2.1 Die allgemeine politische Situation
2.2 Kontrollierter Aufschwung durch die Militärregierung in der ABZ?
2.3 Die Konsequenzen für den Sport in der ABZ
2.4 Die Rolle des Arbeitersports
3. Zusammenfassende Bewertung
4. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Nachkriegsentwicklung des deutschen Sports in der Amerikanischen Besatzungszone (ABZ) und analysiert, wie der Sport nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches in demokratische Strukturen überführt wurde, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle der ehemaligen Arbeitersportler und deren Einfluss auf den Sportaufbau liegt.
- Politische Rahmenbedingungen und Umerziehung (Re-education) durch die US-Militärregierung.
- Herausforderungen beim Sportaufbau unter den Bedingungen des zerstörten Deutschlands.
- Die Entwicklung von lokalen Sportaktivitäten hin zu einheitlichen Organisationsstrukturen.
- Die historische Bedeutung und das Erbe der ehemaligen Arbeitersportbewegung im neuen Sportsystem.
- Die Debatte um den Übergang von einem pluralistischen System zu einer Einheitssportbewegung.
Auszug aus dem Buch
2.4 Die Rolle des Arbeitersports
Charakteristisch an der Sportentwicklung in der ABZ war, dass besonders einzelne Personen, die dem Arbeitersport nahe standen, die Initiative übernahmen und Sportverbände aufbauten. Die Führungsrolle der Arbeitersportler im Aufbau des Sportwesens ist nicht überraschend, stand doch ihre Ideologie seit jeher im krassen Gegensatz zu der des Nazi-Regimes. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ging auch die Auflösung der Arbeitersportbewegung einher. Und dies betraf nicht wenige Sportfreunde. Über 1,5 Millionen Arbeiter trieben am Ende der Weimarer Republik Sport (vgl. Nitsch, 1976, S. 98). Die Arbeitersportbewegung wurde sogar zur mitgliederstärksten Einzelorganisation innerhalb der gesamten Arbeiterkulturbewegung.
Nach der organisatorischen Liquidierung im April 1933 kämpften viele Arbeiter im Untergrund gegen die Schreckensherrschaft. Darum ist es letztendlich nicht verwunderlich, dass die Amerikaner nach dem 2. Weltkrieg die Initiativen dieser Menschen begrüßten.
„Zudem kamen ihre ideologischen Vorstellungen über den Sport den Zielsetzungen der amerikanischen Besatzungsmacht zur Demokratisierung Deutschlands durchaus entgegen. Sie waren somit für die Aufgabe, einen echten Neuaufbau des Sportwesens in Deutschland zu leisten, geradezu prädestiniert.“ (Gissel 1988, S. 153)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Nachkriegsentwicklung des Sports in der ABZ ein, benennt die Problematik der Quellenlage und formuliert das Ziel einer umfassenden Darstellung der Sportentwicklung.
2. Entwicklungen nach dem 2. Weltkrieg: Dieses Kapitel beschreibt die sozioökonomische und politische Lage im besetzten Deutschland und beleuchtet die Rolle der US-Militärregierung bei der Neuordnung gesellschaftlicher Bereiche.
2.1 Die allgemeine politische Situation: Hier wird der desolate Zustand Deutschlands unmittelbar nach Kriegsende dargelegt, insbesondere hinsichtlich der Zerstörung von Infrastruktur und der schwierigen Ernährungslage.
2.2 Kontrollierter Aufschwung durch die Militärregierung in der ABZ?: Dieses Kapitel analysiert die Entnazifizierungsmaßnahmen der US-Besatzungsmacht, deren Probleme durch Personalmangel sowie den Übergang zur "Re-education"-Politik.
2.3 Die Konsequenzen für den Sport in der ABZ: Es wird untersucht, wie Sportvereine trotz schwieriger Rahmenbedingungen und bürokratischer Hürden den Spielbetrieb wieder aufnahmen und welche Bedeutung die Direktive 23 für diese Entwicklungen hatte.
2.4 Die Rolle des Arbeitersports: Das Kapitel beleuchtet den bedeutenden Einfluss ehemaliger Arbeitersportler beim Aufbau neuer Sportstrukturen und die Debatte um die Einheitssportbewegung.
3. Zusammenfassende Bewertung: Diese abschließende Bewertung reflektiert die Ergebnisse zur Frage nach Neu- oder Wiederaufbau und kritisiert die Inkonsequenz der politischen Säuberung.
4. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die für die Untersuchung herangezogene Fachliteratur und Quellen auf.
Schlüsselwörter
Nachkriegsentwicklung, Amerikanische Besatzungszone, Sportaufbau, Arbeitersport, Einheitssportbewegung, Entnazifizierung, Re-education, Sportpolitik, Sozialisationsfaktor, US-Militärregierung, Sportorganisation, Vereinswesen, Antifaschismus, Demokratisierung, Sportgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Wiederaufnahme und Neugestaltung des Sports in der amerikanischen Besatzungszone zwischen 1945 und den frühen Nachkriegsjahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Entnazifizierung, der Einfluss der US-Militärregierung auf den Sport, die Rolle der ehemaligen Arbeitersportler und die Debatte um die Etablierung eines Einheitssportsystems.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine umfassende Darstellung der Situation und Problematik des Sportaufbaus in der ABZ sowie die kritische Aufarbeitung der Rolle der Arbeitersportler in diesem Prozess.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine sportgeschichtliche Analyse, die auf der Auswertung von Sekundärliteratur und zeitgenössischen Dokumenten basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die politische Situation, die Kontrollmechanismen der US-Militärbehörden, die Konsequenzen für den Sportbetrieb sowie die spezifische Funktion der ehemaligen Arbeitersportler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Nachkriegsentwicklung, ABZ, Sportaufbau, Arbeitersport und Einheitssportbewegung charakterisiert.
Warum war der Einfluss der Arbeitersportler für die US-Militärregierung von Interesse?
Aufgrund ihrer antifaschistischen Grundhaltung und ihrer Ideologie, die im Gegensatz zum NS-Regime stand, wurden ihre Initiativen zum Aufbau eines demokratischen Sportwesens von den Amerikanern als förderlich und prädestiniert angesehen.
Wie bewertet der Autor den Übergang zum neuen Sportsystem?
Der Autor bewertet diesen Prozess ambivalent: Einerseits gelang ein Neuanfang im Sportsystem durch die Einheitssportbewegung, andererseits kritisiert er die Inkonsequenz der Entnazifizierung, durch die viele alte Funktionäre ihre Machtpositionen behalten konnten.
- Citation du texte
- Sebastian Krüger (Auteur), 2002, Die Nachkriegsentwicklung des Sports in der Amerikanischen Besatzungszone unter Berücksichtigung der Rolle des Arbeitersports, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14031