Dieses Exposé soll die ökonomische Vorteilhaftigkeit der beiden Modelle, lizenzierte Shops und Non-Profit Cannabis-Social-Clubs, analysieren und vergleichen. Verglichen werden soll hier das im Jahr 2023 geplante deutsche Modell, der Non-Profit Cannabis-Social-Clubs mit dem alternativen Modell der lizenzierten Shops. Als Vergleichsmaßstab für das deutsche Modell der Non-Profit Cannabis-Social-Clubs wird das spanische Modell gewählt, da sowohl Spanien als auch Deutschland das Legalisierungsmodell der Non-Profit Cannabis-Social-Clubs gewählt haben und diese ähnliche Rahmenbedingungen aufweisen. Für die Untersuchung wird des Weiteren das seit 2012 geregelte niederländische Modell mit den lizenzierten Shops herangezogen. Dieses Modell wurde mit den Gründen der verwandten westlichen Werten, als Vergleichsmaßstab gewählt. Darüber hinaus befindet sich sowohl Deutschland, Niederlande als auch Spanien in der europäischen Union, welche die identischen Grundlage der EU-Gesetze aufweisen. Ebenfalls werden Vergleiche mit dem Modell der lizenzierten Shops aus dem US-Bundesstaat Colorado verwendet. Dieses Modell wird als Vergleichsmaßstab verwendet, da Colorado einer der Vorreiter bei der Legalisierung von Cannabis für den Freizeitgebrauch ist. Des Weiteren haben die lizenzierten Cannabis-Shops in Colorado seit der Legalisierung im Jahr 2012 erheblichen wirtschaftlichen Erfolg erzielt. Eine Untersuchung des niederländischen Modells vor 2012 findet nicht statt, da aus Gründen der zu untersuchenden ökonomischen Faktoren nur die Zeitzone seit der Abschaffung des Weed-Pass in Betrachtung kommt. Bei der Analyse wird der Fokus auf die Auswirkung des Wohlstandes, den Tourismus, den Arbeitsmarkt, den Bestand des Schwarzmarkts, die Justiz, den Jugendschutz, den Reinheitsgrad und die Generierung von Steuereinnahmen gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ausgangsituation der Drogenpolitik in Deutschland
3. Ökonomische Auswirkungen unter Non-Profit Cannabis-Social-Clubs
4. Ökonomische Auswirkungen unter lizenzierten Cannabisshops
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomische Vorteilhaftigkeit zweier verschiedener Legalisierungsmodelle für Cannabis – Non-Profit Cannabis-Social-Clubs und lizenzierte Cannabisshops – und analysiert, wie diese Modelle die Wohlfahrt in Deutschland im Vergleich zum aktuellen Prohibitionsstatus steigern können.
- Vergleich der ökonomischen Effekte von Non-Profit Cannabis-Social-Clubs und lizenzierten Cannabisshops.
- Analyse der Auswirkungen auf den Schwarzmarkt durch Marktversagen und asymmetrische Informationen.
- Evaluierung der fiskalischen und touristischen Potenziale sowie der Arbeitsmarktauswirkungen.
- Untersuchung der gesundheitspolitischen Dimensionen im Rahmen der Cannabisprohibition.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die deutsche Drogenpolitik basierend auf den Modellergebnissen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Literaturanalyse
Von der ökonomischen Perspektive aus betrachtet handelt es sich beim Drogenproblem um ein Drogenmarktproblem. Die Prohibition stellt einen Versuch dar, den Markt zu regulieren. (Fuchs et al. 1992: 62) Ein Grund, welcher gegen die derzeitige Prohibition in Deutschland spricht, ist der unter der Prohibition ansteigende Konsum von Cannabis. Die Prohibition hat nicht dazu geführt den Konsum effektiv einzudämmen. Dies belegt die Datenlage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Hier wurden Daten aus dem Jahr 2021 von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren analysiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Lebenszeit-Prävalenz der 12- bis 17-Jährigen seit 2011 angestiegen ist und nun einen Wert von 9,3 Prozent erreicht hat.
Die Prohibition hat einen blühenden Schwarzmarkt für Cannabis geschaffen, der mit illegalen Aktivitäten und organisiertem Verbrechen in Verbindung gebracht wird. Dieser Schwarzmarkt ist schwer zu kontrollieren und hat negative Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit. Die Strafverfolgung erfordert erhebliche finanzielle Ressourcen. Hier ist mit einer Summe von rund 1,1 Milliarden Euro zu rechnen. (vgl. Haucap/ Knoke 2021B: 984–986) Ein vergleichbares Ergebnis liefern Forscher aus dem Raum Frankreich und den USA. (vgl. Auriol et al. 2020: 6) Diese Ressourcen könnten in sinnvollere Bereiche, wie Prävention und Aufklärung investiert werden.
Ein weiterer Grund, welcher sich gegen die Fortführung der Prohibition ausspricht, ist der gesundheitliche Aspekt. Die illegale Natur des Cannabiskonsums erschwert die Umsetzung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards, da die Schwarzmarktverkäufer:innen aufgrund der illegalen Natur des Cannabishandels keinen Anreiz haben Verantwortung oder Haftung für die Qualität des Gutes zu übernehmen. Dies kann zu minderwertiger Qualität führen. Auf dem Markt für den illegalen Cannabishandel besteht das Problem der asymmetrischen Informationen, da die Schwarzmarktverkäufer:innen besser über die Qualität und die Reinheit des Gutes Bescheid wissen als die Konsumenten und Konsumentinnen. Genauer stellt der illegale Cannabishandel den "Market for Lemons" dar, was das Problem der Adversen Selektion beschreibt. Dabei wird das Gut mit der guten Qualität, von dem Gut mit der schlechten Qualität, von dem Markt verdrängt, was zu einer ineffizienten Allokation der Ressourcen führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Debatte der Cannabislegalisierung in Deutschland ein und formuliert die Ziele der ökonomischen Untersuchung beider Legalisierungsmodelle.
2. Ausgangsituation der Drogenpolitik in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die Problematik der aktuellen Cannabisprohibition, insbesondere hinsichtlich der Kosten für die Justiz sowie gesundheitlicher Risiken durch einen unregulierten Schwarzmarkt.
3. Ökonomische Auswirkungen unter Non-Profit Cannabis-Social-Clubs: Hier wird das Modell der Non-Profit Cannabis-Social-Clubs als spezifisches Legalisierungskonzept detailliert untersucht und hinsichtlich seiner Auswirkungen auf Wohlfahrt, Steuern und Schwarzmarkt bewertet.
4. Ökonomische Auswirkungen unter lizenzierten Cannabisshops: Dieses Kapitel prüft die Alternative der lizenzierten Verkaufsstellen und analysiert deren Potenzial zur Stärkung des Tourismus sowie der Beschäftigung im Cannabissektor.
5. Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, vergleicht beide Modelle kritisch und leitet auf Grundlage der Analyse politische Handlungsempfehlungen ab.
Schlüsselwörter
Cannabislegalisierung, Cannabis-Social-Clubs, lizenzierte Cannabisshops, Wohlfahrtsanalyse, Schwarzmarkt, Prohibition, asymmetrische Information, Marktversagen, Drogenpolitik, Steuereinnahmen, Arbeitsmarkt, Tourismus, Gesundheitsökonomie, Deutschland, Modellvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht ökonomisch zwei unterschiedliche Modelle zur Cannabislegalisierung in Deutschland: Non-Profit Cannabis-Social-Clubs und lizenzierte Cannabisshops.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Wohlfahrtsökonomie, die Funktionsweise des Schwarzmarktes, fiskalische Effekte wie Steuereinnahmen, Auswirkungen auf den Tourismus sowie Aspekte der Gesundheitspolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die ökonomische Vorteilhaftigkeit der beiden Modelle zu bewerten und zu ermitteln, welches Modell eine effizientere Steigerung der gesellschaftlichen Wohlfahrt gegenüber dem Status quo der Prohibition ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine modelltheoretische Wohlfahrtsanalyse unter Verwendung neoklassischer Mechanismen von Angebot und Nachfrage sowie eine Literaturanalyse des aktuellen Forschungsstandes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Probleme der aktuellen Drogenpolitik dargelegt und anschließend die beiden Legalisierungsmodelle einzeln hinsichtlich ihrer volkswirtschaftlichen Potenziale und Risiken durchleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Cannabislegalisierung, Wohlfahrtsökonomie, Marktversagen, Schwarzmarkt, Fiskalische Effekte und Drogenpolitik.
Warum wird das Modell der Non-Profit Cannabis-Social-Clubs gesondert betrachtet?
Dieses Modell soll das neue Konzept für Deutschland werden, wird jedoch kritisch hinsichtlich seiner Mitgliederbegrenzung und fehlender Steuereinnahmen analysiert.
Welche Herausforderungen identifiziert die Arbeit bei lizenzierten Cannabisshops?
Eine zentrale Herausforderung ist die Gefahr zu hoher Preise in legalen Shops, die dazu führen könnten, dass der Schwarzmarkt insbesondere für Dauerkonsumenten weiterhin attraktiv bleibt.
Wie unterscheidet sich der Ansatz der Wohlfahrtsanalyse bei den beiden Modellen?
Die Analysen vergleichen jeweils die Situation unter der Prohibition sowie nach der Liberalisierung unter Berücksichtigung etwaiger Qualitätsvorgaben und steuerlicher Belastungen.
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- Sarah Braun (Author), 2023, Wie lässt sich die Wohlfahrt durch eine Cannabislegalisierung steigern? Ein ökonomischer Vergleich zweier Legalisierungsmodelle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1403297