Nach mehr als 300 Jahren nach der Verfassung des französischen Romans Chretiens de Troye “Erec et Enide“ wurde der uns überlieferte „Erec“ handschriftlich geschrieben. Da dieser Roman immer wieder als Roman einer Partnerschaft aufgefasst wurde, sind die Frauengestalten ein sehr interessantes Thema für die Forschung. Trotzdem haben sich nur wenige Forscher mit dem Thema beschäftigt.
Der Protagonist ist in diesem Roman ein Mann, Erec. Nun kann man den Roman ohne Enite natürlich gar nicht betrachten. Ihr kommt eine hohe Bedeutung zu und sie begleitet Erec fast den ganzen Roman hindurch.
Welche Rolle spielen die weiblichen Figuren, besonders Enite, in diesem Roman? Wie sind sie gestaltet und in welchem Verhältnis stehen sie zu dem anderen Geschlecht und zu ihren Partnern? Wie sieht das Verständnis der Liebe aus und welche Rolle hat die Frau im Laufe des Romans?
Diese Arbeit versucht, auf diese Fragen Antworten zu finden und beschäftigt sich mit dem Frauenbild und der Frauenrolle im „Erec“ Hartmanns von Aue.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Enite am Artushof
2.1. Von der Schönheit und der Gefahr der Frau – Erec verlîgen
2.2. Enite als Erlöserin
2.3. Daz andere Paradise – Mabonagrin und seine amî
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Frauenbild und die Rolle der Frau in Hartmanns von Aue Roman „Erec“. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Figur Enite, deren Handlungen, Statusänderungen und Bedeutung für den Protagonisten Erec im Kontext der höfischen Welt und christlicher Ehevorstellungen analysiert werden, um ein tieferes Verständnis von Weiblichkeit in diesem Werk zu erlangen.
- Die Darstellung und Bedeutung der Enite in Bezug auf ihre Schönheit und deren ambivalente Wirkung.
- Das Verhältnis von Geschlechterrollen und Eheverständnis im Kontext des 12. Jahrhunderts.
- Die Analyse der „Minne“ und deren Einfluss auf das ritterliche Handeln.
- Die Gegenüberstellung von Enite und der Gefährtin Mabonagrins als Rollenmodelle.
Auszug aus dem Buch
2. Enite am Artushof
So wird Erec mit seiner Frau Enite am Artushof wie ein verlorener Sohn vom König Artus empfangen und Enite wird von der Königin herzlich in Empfang genommen und herrlich eingekleidet (V. 1537-1577). Hartmann betont die neue Pracht Enites durch die Personifizierung der armout, die tatsächlich nicht mehr da ist, weil Reichtum in ihr Haus einzog: rîcheit sich in ir gesæze zôch. Hartmann beschreibt Enites Scham ausführlich und das häufige Eingehen auf Schamgebärden zeichnet Hartmann aus, wobei bei ihm das Erröten die Scham am deutlichsten anzeigt. Also auch beim ersten Treffen Enites mit Erec errötet sie auch. Das Paar hat sich von den Eltern Enites verabschiedet und sich auf den Weg gemacht. Erec hat jede Begleitung abgelehnt und wollte mit Enite alleine zum Artushof reiten. Die Distanz bestimmt das Fürsichsein des Paares zum allerersten Mal auf dem Weg zum Artushof.
Alfred Adler sieht das Verhalten Erecs als Beweis, dass Erec seine Frau ganz von sich abhängig machen will.
Auch als Erec und Enite zum ersten Mal alleine zusammen auf dem Weg zum Artushof sind, fehlen bei Hartmann jede körperliche Nähe zwischen den beiden Liebenden und Erecs Küsse, obwohl die Sinnlichkeit in der frühen Phase der Beziehung zwischen den Beiden die größte Rolle spielt, denn sie können die Hochzeit kaum erwarten und sie geraten in die Macht der minne (V. 1858 f.).
Emotionale Annährung der beiden Protagonisten fällt kurz vor der Ankunft am Artushof auf (V. 1484-1494). Hier wird die Minnebeziehung zwischen Erec und Enite mittels ihrer Blicke hergestellt. Interessant ist, dass sich diese Beziehung erst in einem völlig gesellschaftsfreien Raum, also der heide, entwickelt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Forschungsrelevanz weiblicher Figuren in Hartmanns „Erec“ und stellt die leitenden Fragen nach deren Rollengestaltung, Liebesverständnis und Verhältnis zu den männlichen Partnern.
2. Enite am Artushof: Dieses Kapitel analysiert Enites Einführung am Artushof, die Bedeutung ihrer Schönheit und deren ambivalente gesellschaftliche Wirkung auf das höfische Umfeld.
2.1. Von der Schönheit und der Gefahr der Frau – Erec verlîgen: Hier wird untersucht, wie Enites Schönheit Erec in eine passive Rolle drängt, was zu seinem verlîgen und der Vernachlässigung seiner ritterlichen Pflichten führt.
2.2. Enite als Erlöserin: Das Kapitel betrachtet Enites Rolle als aktive Akteurin, die durch den Bruch des Redeverbots Erec aus einer Lebensgefahr und einer Vertrauenskrise rettet.
2.3. Daz andere Paradise – Mabonagrin und seine amî: Eine Analyse der Episode in Brandigan, in der die Figur der Gefährtin Mabonagrins als Kontrastmodell zu Enite und als Verkörperung gefährlicher Minne dargestellt wird.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Hartmann eine differenzierte Darstellung bietet, in der Schönheit sowohl motivierend als auch gefährlich wirken kann und Enite durch loyales Handeln ein neues Ideal der Ehefrau verkörpert.
Schlüsselwörter
Erec, Enite, Hartmann von Aue, Mittelalter, Minne, Ehe, Artushof, weibliche Rollenbilder, Schönheit, Mabonagrin, Brandigan, Erlösung, ritterliche Tugenden, Literatur des Mittelalters, Herrscherbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die Darstellung der Rolle der Frau im Epos „Erec“ von Hartmann von Aue, wobei der Schwerpunkt auf der Figur der Enite und ihrer Beziehung zu Erec liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Bedeutung weiblicher Charaktere, die Ambivalenz weiblicher Schönheit, höfische Minnekonzepte sowie Ehevorstellungen im mittelalterlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie weibliche Figuren gestaltet sind, in welchem Verhältnis sie zu ihren Partnern stehen und welche Rolle das Frauenbild im Verlauf des Romans einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, welche die Handlungsepisoden des Romans interpretiert und durch herangezogene Forschungsliteratur fundiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert Enites Einführung am Hofe, ihre Rolle als „Erlöserin“ in kritischen Situationen und den Vergleich mit der ambivalenten Minne-Beziehung von Mabonagrin und seiner Gefährtin.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Minne“, „verlîgen“, „Ehe“, „Schönheit“, „Ritterdasein“ und „Entehrung/Erlösung“ strukturiert.
Wie unterscheidet sich Enite von der Gefährtin Mabonagrins?
Während Enite eine loyale, unterstützende Gefährtin darstellt, die ihre Ängste zum Wohle der Ehe zurückstellt, verkörpert die Gefährtin Mabonagrins eine besitzergreifende Liebe, die ihren Partner in die Isolation treibt.
Warum wird Enites Schönheit im Roman als Gefahr thematisiert?
Ihre Schönheit löst bei anderen Rittern sinnliches Begehren und bei Erec eine solche Anziehung aus, dass dieser seine gesellschaftlichen Verpflichtungen als Landesherr vernachlässigt.
Welche Rolle spielt der Schauplatz „Brandigan“?
Brandigan dient als Ort einer parallelen Welt, in der eine paradiesähnliche, aber zugleich zerstörerische Form der Minne durch Mabonagrin und seine Partnerin kritisch gespiegelt wird.
Inwiefern beeinflusst Hartmanns Sicht die Interpretation des Frauenbilds?
Hartmann wird als „fortschrittlich“ eingestuft, da er Frauen nicht nur als passive Objekte, sondern als Akteurinnen darstellt, die durch ihre Wahlen und ihr Verhalten aktiv ihr Schicksal und das ihrer Partner mitgestalten.
- Arbeit zitieren
- Samer Najjar (Autor:in), 2019, Die Rolle der Frau im "Erec" Hartmanns von Aue. Die Rolle der Figur Enite, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1404800