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Exegese von Mt 25, 1-13: Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen

Titel: Exegese von Mt 25, 1-13: Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2002 , 20 Seiten , Note: gut

Autor:in: Magnus Kerkloh (Autor:in)

Theologie - Biblische Theologie
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muß der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte“ (Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung „Dei Verbum“ (DV), 12).
Zur Erfüllung dieser Aufgabe dient den Exegeten v. a. die historisch-kritische Methode, deren Anwendung seit der Enzyklika Pius’ XII. ‚Divino afflante Spiritu’ vom Jahre 1943 dem katholischen Exegeten nicht nur erlaubt, sondern zur Pflicht gemacht wird.
Die Anwendung dieser Methode erlaubt es, „die heiligen Texte aus der scheinbaren Vertrautheit in jene Fremdheit zu rücken, die es erst möglich macht, die Stimme der Bibel und nicht immer nur die eigene zu hören“ und so „den Text vor der Vergewaltigung durch ein Verstehen, das im Text [...] nur die eigenen Lieblingsideen wiederfindet,“ zu bewahren.
Jedoch ist hiermit auch die Gefahr der Entfremdung zwischen Leser und Text verbunden, die bis zum Versinken der Texte in Bedeutungslosigkeit für den heutigen Leser führen kann: „Zu Gegenständen der Vergangenheit geworden, reden sie nur noch zu dieser und verstummen gegenüber den heutigen Fragen.“
Obwohl also die historisch-kritische Methode „sich als eine sachgerechte und den Texten angemessene Auslegungsform erwiesen“ hat, ist sie „weder vorraussetzungslos noch unveränderlich“ . Sie darf also nicht um ihrer selbst willen betrieben werden; ihr Ziel muß es vielmehr sein, „einen zuverlässigen Weg zu weisen, der zur Begegnung mit Jesus Christus im Neuen Testament führt.“
Mit diesem Ziel als Vorgabe soll in der vorliegenden Arbeit unter Verwendung der historisch-kritischen Methode das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, welches als drittes von vier Gleichnissen Bestandteil der fünften und letzten großen Rede des Matthäus-Evangeliums, nämlich der Rede über die Endzeit (Mt 24, 1 – 25, 46), ist, näher in den Blick genommen werden. Dabei kommen im einzelnen die sechs Schritte Textkritik, Literarkritik, Formkritik, Gattungskritik, Traditionskritik und Redaktions-kritik zur Anwendung. Die einzelnen Schritte werden dabei im folgenden kurz vorgestellt und dann anhand des Textes vollzogen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2. 1 Textkritik

2. 2 Literarkritik

2. 3 Form- und Gattungskritik (Formgeschichte)

2. 3. 1 Formkritik

2. 3. 2 Gattungskritik

2. 4 Traditionskritik

2. 5 Redaktionskritik

3. Schluß

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das primäre Ziel dieser Arbeit besteht in einer exegetischen Untersuchung des Gleichnisses von den zehn Jungfrauen (Mt 25, 1-13) unter Anwendung der historisch-kritischen Methode, um die Bedeutung und Intention des Textes innerhalb des Matthäus-Evangeliums zu erschließen.

  • Anwendung der sechs Schritte der historisch-kritischen Methode (Text-, Literatur-, Form-, Gattungs-, Traditions- und Redaktionskritik).
  • Untersuchung der Struktur, des Entstehungszusammenhangs und der Überlieferungsgeschichte des Textes.
  • Analyse der matthäischen Redaktion und deren spezifischer theologischer Ausrichtung.
  • Herausarbeitung der Hauptintention des Gleichnisses im Hinblick auf die parusiebezogene Wachsamkeit.

Auszug aus dem Buch

2. 3. 1 Formkritik

In der Formkritik „geht es darum, das individuelle, persönliche Gesicht eines bestimmten Textes zu erfassen. Sie ist synchronisch eingestellt.“40 Hierzu ist es sinnvoll, den Text zunächst auf seine sprachlichen Eigenarten zu untersuchen41 und dann inhaltlich zu gliedern. Somit ist die Grundlage für eine Gattungszuordnung und die Klärung der Textintention geschaffen.

In unserer Geschichte lassen sich folgende sprachliche Besonderheiten beobachten: In V. 1 verlagert die bei Mt singuläre futurische Verbform „ομοιωθήσεται“ den „Schwerpunkt [der Geschichte; M. K.] auf das Ende, auf das verschiedene Schicksal der beiden Gruppen [...] bei der Ankunft des Bräutigams.“42 Die Zehnzahl der Jungfrauen, der die meisten Exegeten allerdings keine Bedeutung beimessen, „könnte die Gesamtheit der Menschheit andeuten.“43

Die Charakterisierung der Jungfrauen als „dumm“ bzw. „klug“44 und die nähere Bestimmung dieser Eigenschaften in V. 2-4, durch die von vornherein der Aufbau von Spannung verhindert wird, ist Mittel der Leserlenkung: Sie lenkt deren „Aufmerksamkeit [...] auf das Gegenüber der beiden Frauengruppen, und sie verhindert, daß sie [sc. die Leser; M. K.] sich mit den ‚dummen’ Frauen identifizieren.“45 In V. 6 wird das Verb ausgelassen, was die Plötzlichkeit der Ankunft des Bräutigams hervorhebt.46

Der Rat der klugen Jungfrauen an die törichten in V. 9, zu den Händlern zu gehen und Öl zu kaufen, der oft als erzählerische Ironie verstanden wurde47, scheint nach heutiger exegetischer Meinung jedoch durchaus in den Rahmen der Geschichte zu passen, „weil bei einer solchen Hochzeitsfeier die Händler sicherlich noch zu erreichen waren.“48 Weiterhin auffällig ist, daß in V. 10 die klugen Jungfrauen mit maskulinischer Adjektiv-Endung, nämlich „αι έτοιμαι“, die törichten in V. 11 hingegen mit femininer, nämlich „αι λοιπαί“, versehen werden – die Bedeutung dieser Beobachtung ist allerdings fraglich.49

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die historisch-kritische Methode und Darstellung der Zielsetzung der Exegese von Mt 25, 1-13.

2. Hauptteil: Detaillierte exegetische Untersuchung durch Textkritik, Literarkritik, Form- und Gattungskritik, Traditionskritik und Redaktionskritik.

2. 1 Textkritik: Diskussion der unterschiedlichen Lesarten der Handschriften und Identifizierung der ursprünglichen Fassung.

2. 2 Literarkritik: Analyse der Struktur und Einheitlichkeit des Textes sowie seine Einbettung in die eschatologische Rede des Matthäus-Evangeliums.

2. 3 Form- und Gattungskritik (Formgeschichte): Einordnung des Textes in die Gattung der Gleichnisse und Untersuchung der individuellen sprachlichen Form.

2. 3. 1 Formkritik: Untersuchung der sprachlichen Besonderheiten und der Leserlenkung innerhalb des Textes.

2. 3. 2 Gattungskritik: Bestimmung der gattungsmäßigen Einordnung und des "Sitz im Leben" der Perikope.

2. 4 Traditionskritik: Erforschung der mündlichen Vorgeschichte und der drei Auffassungen zur Herkunft des Gleichnisses.

2. 5 Redaktionskritik: Identifizierung redaktioneller Elemente, die den theologischen Standpunkt des Matthäus-Evangelisten verdeutlichen.

3. Schluß: Fazit der Analyse mit dem Ergebnis, dass die Hauptintention des Textes in der Aufforderung zur Bereitschaft und zur Umsetzung des Glaubens in Taten liegt.

Schlüsselwörter

Matthäus-Evangelium, Gleichnis, zehn Jungfrauen, historisch-kritische Methode, Exegese, Parusie, Eschatologie, Redaktionskritik, Formgeschichte, Traditionskritik, Wachsamkeit, Bergpredigt, Jesus Christus, biblische Hermeneutik, Textkritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine fundierte exegetische Analyse des Gleichnisses von den zehn Jungfrauen aus dem 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Anwendung der historisch-kritischen Methode, die Frage nach dem ursprünglichen Kern des Gleichnisses und die spezifische theologische Akzentuierung durch den Evangelisten Matthäus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Text methodisch korrekt zu durchleuchten, um seine Bedeutung im Kontext der eschatologischen Rede Jesu und der matthäischen Theologie zu präzisieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Verwendet wird die historisch-kritische Methode, unterteilt in die Teilschritte Textkritik, Literarkritik, Form- und Gattungskritik, Traditionskritik sowie Redaktionskritik.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in fünf methodische Schritte, die von der Textrekonstruktion über die strukturelle Analyse bis hin zur Erforschung der redaktionellen Bearbeitung durch Matthäus reichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Gleichnisexegese, matthäische Redaktion, Parusieverzögerung und eschatologische Wachsamkeit geprägt.

Warum ist die Unterscheidung zwischen Parabel und Allegorie für diese Untersuchung so wichtig?

Die Klärung ist entscheidend, um zu bewerten, ob das Gleichnis primär auf Jesus zurückgeht oder ob es sich um eine spätere, allegorisch überformte Gemeindebildung handelt.

Welche Rolle spielt die Bergpredigt für das Verständnis des Gleichnisses?

Die Bergpredigt liefert wichtige Analogien, um den Begriff der "Klugheit" und die Forderung nach guten Werken als notwendigen Ausdruck christlicher Bereitschaft zu deuten.

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Details

Titel
Exegese von Mt 25, 1-13: Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen
Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen  (Lehrstuhl für neutestamentl. Exegese)
Veranstaltung
Hauptseminar: Die großen Reden des Matthäus-Evangeliums
Note
gut
Autor
Magnus Kerkloh (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2002
Seiten
20
Katalognummer
V14050
ISBN (eBook)
9783638195539
ISBN (Buch)
9783638781510
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Exegese Gleichnis Jungfrauen Hauptseminar Reden Matthäus-Evangeliums
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Magnus Kerkloh (Autor:in), 2002, Exegese von Mt 25, 1-13: Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14050
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