Das vorliegende Werk widmet sich der eingehenden Untersuchung eines faszinierenden historischen und soziokulturellen Phänomens: dem Verbot und der informellen Wirtschaft rund um den Absinth im Val-de-Travers, einer Region in der Schweiz. Das Ziel dieser Arbeit ist es, tiefgreifende Einblicke in die Entstehung und Entwicklung dieses Verbots sowie die dynamische informelle Wirtschaft, die daraus resultierte, zu gewinnen.
Diese Arbeit ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die zusammen ein umfassendes Verständnis für die Thematik bieten. Zunächst wird ein Blick auf die Situation vor dem Absinthverbot geworfen und der Alkoholismus als ein herausragendes Problem der damaligen Zeit beleuchtet. Hierbei werden die Einflüsse der Industrialisierung sowie die Rolle von Organisationen und Verbänden für Abstinenz betrachtet. Zudem wird sich mit dem tragischen Fall des "Absinth-Verbrechers" auseinandergesetzt, der die öffentliche Meinung und die politische Landschaft beeinflusste.
Anschließend wird die Volksinitiative "für ein Absinthverbot" und die politischen Entwicklungen, die schließlich zum Verbot des Absinths führten, beleuchtet. Dieser Abschnitt gibt Einblicke in die Hintergründe und Gründe für diese einschneidende Entscheidung.
Die Arbeit führt dann tiefer in das Konzept der informellen Wirtschaft ein, wobei der Fokus auf dem Val-de-Travers liegt. Hier werden die verschiedenen Facetten, die diese informelle Wirtschaft geprägt haben, analysiert. Dies umfasst die Rolle der Legitimität, die fehlende Durchsetzung des Rechts, den Widerstand gegen das Verbot, wirtschaftliche Abhängigkeit und die soziale Vernetzung innerhalb dieser informellen Strukturen. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Moral economy, den alternativen Bezahlungsmitteln, den Kommunikationsmustern und den Strategien, um der Polizei zu entgehen, gewidmet.
Schließlich wird ein Fazit präsentiert, das die wichtigsten Erkenntnisse und Schlussfolgerungen zusammenfasst, die aus dieser Untersuchung hervorgehen. Dabei wird reflektiert, welche Auswirkungen das Absinthverbot auf die Region Val-de-Travers hatte und welche historische Bedeutung dieses Kapitel hat.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
1. Situation vor dem Verbot
1.1 Problem Alkoholismus
1.1.1 Industrialisierung
1.1.2 Organisationen und Verbände für Abstinenz
1.1.3 Mord im Val-de-Travers oder „der Absinth-Verbrecher“
1.2 Volksinitiative „für ein Absinthverbot“
2. Begriff Informal Economy
3. Informal economy im Val-de-Travers
3.1 Die Rolle der Legitimität
3.2 Fehlende Durchsetzung des Rechts
3.3 Widerstand
3.4 Wirtschaftliche Abhängigkeit
3.5 Soziale Vernetzung
3.5.1 Moral economy
3.5.2 Alternative Bezahlungsmittel
3.5.3 Kommunikationsmuster
3.5.4 Warnung vor der Polizei
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der informellen Wirtschaft am Beispiel des Absinthverbots im Val-de-Travers. Dabei wird erforscht, wie die Diskrepanz zwischen staatlichen Verboten und lokalen Traditionen zu alternativen Überlebensstrategien und gemeinschaftlichem Widerstand führte, trotz der eigentlich hohen Integration der Region in den Schweizer Staat.
- Historische Aufarbeitung der Bedingungen, die zum Absinthverbot von 1908 führten.
- Anwendung theoretischer Konzepte der "informal economy" auf den lokalen Kontext.
- Analyse informeller Produktions- und Konsumpraktiken unter der Ägide des Verbotssystems.
- Untersuchung der Rolle von sozialem Vertrauen und kollektiven Wertvorstellungen als Schutzmechanismen gegen staatliche Eingriffe.
- Diskussion über die Bedeutung von Tourismus und Mythenbildung als spätere Transformation der informellen Vergangenheit.
Auszug aus dem Buch
3.2 Fehlende Durchsetzung des Rechts
Im konkreten Fall in der Praxis spielt die Durchsetzung des Rechts mittels staatlichen Organen der Aufsicht eine zentrale Rolle. In der Situation im Val-de-Travers wurde geschildert, dass die Gendarmerie die Rolle der Aufsicht und Kontrolle der Einhaltung von Gesetzen nicht vollzogen hat. Eine Angestellte des Museums Maison de l’absinthe in Môtiers sagte in einem Interview dazu:
„Amtspersonen arbeiteten alle unter einem Hut. Hier bei uns wissen wir von Zeugenaussagen, die das Museum besuchten und damals am Gendarmerie-Posten arbeiteten, dass sie um 10 Uhr erstmals Ovomaltine trinken gingen im Restaurant hier im Ort, also Deckname Ovomaltine, denn da war Absinth drin. Und nachmittags um 4 Uhr gingen sie dann wieder einen Tee aus Boveresse trinken, dem Nachbarort, was dann auch wieder ein Codewort war für Absinth.“
Ein berühmter Brenner im Val-de-Travers, Willy Bovet, der sich öffentlich als Schwarzbrenner bekannt hat, sagte dazu auch aus eigenen Erfahrungen: „Bern kündigte in Neuenburg Inspektoren an, die Kantonshauptstadt instruierte den Bezirkshauptmann in Môtiers, Gendarmen freizustellen. Und die Gendarmen? Die tranken ihren Absinth in den Küchen der Bistros. Sie standen auf unserer Seite.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Die Einleitung bettet das Thema in den historischen und regionalen Kontext des Val-de-Travers ein und beschreibt das Ziel, die Auswirkungen des Absinthverbots auf die informelle Wirtschaft zu hinterfragen.
1. Situation vor dem Verbot: Dieses Kapitel zeichnet die gesellschaftlichen Entwicklungen nach, die zu einer Stigmatisierung des Absinths und schließlich zum nationalen Verbot 1908 führten.
2. Begriff Informal Economy: Hier werden theoretische Grundlagen zur informellen Wirtschaft dargelegt, insbesondere durch die Ansätze von Hart, Polese und Scott.
3. Informal economy im Val-de-Travers: Dieses Kernkapitel analysiert konkret die informellen Praktiken, Netzwerke und Widerstandsstrategien der Bewohner des Val-de-Travers während der Verbotsphase.
Schlüsselwörter
Absinth, Val-de-Travers, Informal Economy, Schwarzbrennen, Volksinitiative, Verbot, Gendarmerie, Widerstand, Moral Economy, Soziale Netzwerke, Legitimationsverlust, Tradition, Identität, Stigmatisierung, Staatliche Regulierung, Klandestine Produktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich eine lokale Gemeinschaft im Val-de-Travers trotz eines nationalen staatlichen Absinthverbots informelle wirtschaftliche Strukturen bewahrte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Geschichte des Absinths, die Theorie der Informal Economy, Formen gesellschaftlicher Widerstände und soziale Kohärenz in einer spezifischen Region.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, wie Praktiken der informellen Wirtschaft infolge der Diskrepanz zwischen staatlichem Verbot und lokaler gesellschaftlicher Sichtweise im Val-de-Travers entstanden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturrecherche, der Analyse historischer Dokumente und der Auswertung von Zeitzeugeninterviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die historische Genese des Verbots, die soziologische Einordnung des Begriffs der informellen Wirtschaft sowie die konkrete Ausprägung dieser Wirtschaftsform im Val-de-Travers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Informal Economy, Val-de-Travers, Schwarzbrennerei, kollektiver Widerstand und das Spannungsfeld zwischen Staat und lokaler Moral.
Warum war die Gendarmerie im Val-de-Travers oft inaktiv bei der Verfolgung?
Die Gendarmerie war Teil der lokalen Gemeinschaft und empfand das Absinthverbot teilweise selbst als unbegründet, weshalb sie sich weigerte oder es versäumte, das Verbot streng durchzusetzen.
Welche Rolle spielten "Decknamen" wie "Ovomaltine" während der Verbotszeit?
Diese Begriffe dienten als verschlüsselte Kommunikationsmuster, um im öffentlichen Raum Absinth zu bestellen, ohne die Diskretion gegenüber Außenstehenden oder Ordnungshütern zu verletzen.
Inwiefern hat der Widerstand das heutige Image des Absinths geprägt?
Die historische Missachtung des Verbots wird heute als kulturelles Erbe zelebriert, was den Absinth tourismuswirksam mystifiziert und wirtschaftlich relevant macht.
- Arbeit zitieren
- Anna Lenzin (Autor:in), 2021, Das Absinthverbot und die damit verbundenen informellen Wirtschaftsstrukturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1405217