In unserer Gesellschaft gelten Verhaltensweisen als konform, wenn sich Menschen an aufgestellte Regeln, Werte und Normen halten. Ein abweichendes Verhalten wird kritisch betrachtet und häufig sogar abgelehnt.
Die meisten Bürger glauben, dass falsches Verhalten vor allem durch Erziehungsprobleme hervorgerufen wird. Vernachlässigung des Kindes, zu hoher Medienkonsum und ein rasantes Lebenstempo werden als Gründe für eventuelle Auffälligkeiten angegeben.
In den letzten Jahren ist die Zahl der Eltern, die mit ihren Kindern einen Psychologen aufsuchen, sprunghaft angestiegen. Oftmals wird bei vermeintlichen Symptomen der Begriff der Aufmerksamkeitsstörung vorschnell verwendet. Das liegt vor allem an einer Überforderung der Eltern, dem Einfluss der Gesellschaft und der Medien, die mit schnellen Diagnosen locken. Selbst im Internet gibt es mittlerweile Tests, bei denen man angeblich glaubhaft herausfinden kann, ob sein Kind an einer Störung leidet.
Natürlich ist es für betroffene Eltern ein tröstlicher Gedanke zu wissen, warum ihr Kind sich nicht an Regeln hält und in der Schule keine Einser schreibt. Doch häufig sind es andere Gründe, die Kinder zu diesem Verhalten bewegen.
Nur weil ein Kind lebhaft und bewegungsfreudig ist, muss es noch nicht an AD(H)S leiden. Momentan könnte man die Störung als eine Modekrankheit bezeichnen. Überforderte Eltern, die sich das Verhalten ihrer Kinder nicht erklären können, nutzen diese oftmals als Ausrede. Andere Ursachen, wie beispielsweise Faktoren aus dem familiären Alltag werden konsequent ausgeschlossen. Ein Beispiel hierfür wäre der kleine Max, den ich in einem Praktikum vor zwei Jahren kennen lernte. Er war frech, unruhig und unkonzentriert. Äußerlich deutete alles auf das AD(H)S hin. Seine Mutter besuchte mit ihm einen Psychologen, um ihre Vorahnung bestätigen zu lassen. Sie war sehr überrascht, als dieser ihr mitteilte, dass das Verhalten von Max ganz normal sei. Der kleine Junge verhielt sich so, weil seine Eltern sich ein paar Monate zuvor getrennt hatten.
Natürlich gibt es viele Kinder, die tatsächlich an einer Aufmerksamkeitsstörung leiden. Um eine Abgrenzung aufzuzeigen möchte ich in meiner Vordiplomarbeit einen Einblick in die Welt der hyperaktiven Kinder ermöglichen. Hierbei werde ich vor allem auf die Ursachen der Störung eingehen und Diagnose sowie medikamentöse Behandlung näher beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2 ADS und ADHS
2.1 Definitionen
2.2 Erscheinungsformen
Die Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (ADS)
Die Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität (ADHS)
Hyperaktivität ohne Aufmerksamkeitsstörung
2.3 Symptome
2.4 Häufigkeit des AD(H)S
3 Geschichtlicher Aspekte
4 Ursachen des AD(H)S
4.1 Biologische Ursachen
Vererbung
Veränderte Hirnaufnahmen
Funktionsstörung des Gehirns
Neurotransmitterstörungen
4.2 Ernährung und Allergien
4.3 Psychosoziale Faktoren
5 Verhaltensauffälligkeiten von Kindern mit AD(H)S
5.1 Der tägliche Umgang im Elternhaus
5.2 Verhalten in der Schule
5.3 Spezielle Hilfen im Umgang mit AD(H)S
In der Schule
Im Elternhaus
5.4 Verlauf und Folgeprobleme der Aufmerksamkeitsstörung
Verlauf der Verhaltensstörung
Folgeprobleme
6. Diagnostik
Anamnese
Untersuchungen und Tests
Internationale Diagnosekriterien
7. Medikamentöse Behandlung
Vorgeschichte
Stimulanzien
Andere Medikamente
Die Schritte der Medikamentenabgabe
Pro und Contra zu Ritalin
8. Lebhaftes Verhalten oder Störung?
9 Fallbeispiele
Das Aufmerksamkeitsdefizit- Syndrom ohne Hyperaktivität (ADS)
Das Aufmerksamkeitsdefizit- Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS)
10. Schlussfolgerung
Die Geschichte vom Zappelphilipp
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) bei Kindern, um eine wissenschaftliche Einordnung zwischen realer medizinischer Diagnose und gesellschaftlicher Stigmatisierung als „Modekrankheit“ vorzunehmen. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die Identifikation ursächlicher Faktoren sowie die kritische Beleuchtung der gängigen Diagnose- und Behandlungsmethoden.
- Differenzierung der Erscheinungsformen (ADS vs. ADHS)
- Analyse biologischer und psychosozialer Ursachen
- Bewertung der medikamentösen Therapie (insbesondere Ritalin)
- Auswirkungen der Verhaltensstörung auf Schule und Elternhaus
- Kritische Reflexion der gesellschaftlichen Diagnosepraxis
Auszug aus dem Buch
Die Aufmerksamkeitsstörung mit Hyperaktivität (ADHS)
Die in der Gesellschaft wohl bekannteste Form des Aufmerksamkeitsdefizit- Syndroms ist die, bei welcher auch Hyperaktivität auftritt. Als Symptom versteht man die körperliche Unruhe, welche der Verhaltensstörung zunächst den Namen gegeben hat. Bei Kindern kann man Hyperaktivität vor allem durch das Zappeln oder Herumlaufen, eine gewisse Getriebenheit und Redseligkeit sowie das Aufstehen in unpassenden Situationen beobachten.
Betroffene Menschen haben eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne, also eine Unfähigkeit, sich auch nur kurzzeitig zu konzentrieren. Vor allem in der Schule zeigt sich dies durch Leichtsinnsfehler, unordentliche Heftführung und das unpünktliche Fertigstellen vorgeschriebener Aufgaben. Oft werden solche Kinder als faul bezeichnet. Sie sind jedoch nicht unwillig oder trotzig, sondern meist einfach hilflos, obwohl sie oftmals sehr intelligent sind. Ein weiteres Kennzeichnen des ADHS ist die Impulsivität, bei welcher die Kinder etwas tun, ohne vorher darüber nachzudenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gesellschaftliche Wahrnehmung von ADHS und die Problematik vorschneller Diagnosen bei lebhaften Kindern.
2 ADS und ADHS: Dieses Kapitel definiert die verschiedenen Ausprägungen des Syndroms und erläutert die gängigen Klassifikationssysteme DSM-IV und ICD-10.
3 Geschichtlicher Aspekte: Hier wird die historische Entwicklung der Diagnose, beginnend bei frühen Beschreibungen bis hin zur modernen psychologischen Betrachtung, dargestellt.
4 Ursachen des AD(H)S: Das Kapitel analysiert biologische Faktoren, genetische Vererbung sowie den Einfluss von Ernährung und psychosozialem Umfeld auf die Entstehung der Störung.
5 Verhaltensauffälligkeiten von Kindern mit AD(H)S: Hier werden die Herausforderungen für betroffene Kinder in Schule und Elternhaus sowie Strategien zur Hilfestellung beschrieben.
6. Diagnostik: Dieser Teil befasst sich mit dem klinischen Prozess der Diagnose, von der Anamnese bis hin zu internationalen Kriterien und standardisierten Tests.
7. Medikamentöse Behandlung: Dieses Kapitel untersucht die medikamentöse Therapie, insbesondere den Einsatz von Stimulanzien wie Ritalin, und diskutiert deren Vor- und Nachteile.
8. Lebhaftes Verhalten oder Störung?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Etikettierung von Kindern und dem Trend zur „Modekrankheit“.
9 Fallbeispiele: Anhand zweier konkreter Fallbeispiele wird der Alltag und Leidensdruck von Kindern mit ADS bzw. ADHS verdeutlicht.
10. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer differenzierten Diagnostik zusammen und warnt vor der Stigmatisierung durch medikamentöse Übertherapie.
Schlüsselwörter
ADHS, ADS, Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, Hyperaktivität, Impulsivität, Ritalin, Methylphenidat, Verhaltensstörung, Diagnostik, Erziehung, Lernschwierigkeiten, Kindesentwicklung, Stimulanzien, Modekrankheit, Frühförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verhaltensstörung ADHS bei Kindern, hinterfragt den gesellschaftlichen Umgang damit und prüft, ob es sich um ein medizinisches Krankheitsbild oder eine zunehmende „Modekrankheit“ handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der medizinischen Definition, den vielfältigen Ursachen, der schulischen und häuslichen Problematik sowie der medikamentösen und therapeutischen Behandlung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild der Störung zu zeichnen und zu klären, warum die Diagnosehäufigkeit in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, medizinische Fachpublikationen sowie auf Fallbeispiele aus der pädagogischen Praxis.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Definition, Ursachenforschung, Symptomatik, Diagnostik sowie die Darstellung der medikamentösen Behandlung und ihrer kritischen Auswirkungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie ADHS, Verhaltensstörung, Diagnostik, Ritalin, Impulsivität und Erziehung definieren.
Wie wirkt sich der Einsatz von Ritalin auf die Kinder aus?
Ritalin kann laut der Arbeit kurzfristig Konzentration und Impulskontrolle verbessern, komplexe soziale Fähigkeiten oder seelische Probleme löst es jedoch nicht und kann zudem Nebenwirkungen wie Schlafstörungen verursachen.
Warum ist die Diagnose laut der Autorin oft problematisch?
Die Autorin kritisiert, dass viele Mediziner und Psychologen Diagnosekriterien bei weitem nicht ausführlich genug anwenden, was zu Fehlbehandlungen und unnötiger Stigmatisierung führt.
Was unterscheidet ADS von ADHS in der Beschreibung der Arbeit?
Während bei ADHS die Hyperaktivität im Vordergrund steht, ist das ADS häufig durch ein ruhiges, verträumtes Verhalten gekennzeichnet, was oft dazu führt, dass die Störung erst spät erkannt wird.
Welchen Einfluss hat das soziale Umfeld auf die Störung?
Psychosoziale Faktoren wie Scheidung, familiäre Instabilität oder Reizüberflutung durch Medienkonsum können Symptome verstärken, sind aber laut Arbeit nicht die alleinige Ursache für das Entstehen von ADHS.
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- Annekatrin Mannel (Author), 2008, AD(H)S: Verhaltensstörung oder Modekrankheit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140587