Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem psychologischen Konstrukt der Ungewissheitsorientierung in Bezug auf die Anwendung im Unterrichtsgeschehen, welches sich so benannt, erstmals bei Sorrentino, Short und Raynor (1984) findet. Es soll gezeigt werden, dass dem Orientierungsstil einer Person, also jenem „interindividuellen variablen Merkmal von Personen, das für die Reaktion auf Ungewissheit von Situationen verantwortlich ist“(Schmidt, 1997, S.24), eine wesentliche Bedeutung für die Gestaltung von Unterricht zukommt.
Die Notwendigkeit schlägt sich in der Verwendung bestimmter Unterrichtsformen nieder, da die Schüler, je nach ihrem unterschiedlichen Orientierungsstil, verschiedene Methoden präferieren. Diese Erkenntnis korreliert mit der Forderung nach Methodenvielfalt innerhalb der Planung und Durchführung von Unterricht. In diesem Zusammenhang soll an einer kurzen Unterrichtsreihe von 4 Stunden gezeigt werden wie unterschiedliche Methoden unter der Berücksichtigung des Orientierungsstils durchzuführen sind und in welcher Weise die Schüler durch diese zum Lernen angeregt werden können. Abschließend folgt ein Resümee der wichtigsten Punkte. Dazu möchte ich im Vorfeld auf die Verhaltensweisen von ungewissheits- und gewissheitsorientierten Lernern und Lehrpersonen eingehen, und an Beispielen kooperativer und konventioneller Lehrmethoden die Folgen für den Unterricht darlegen. Zu diesem Zweck komme ich nun zu einer genaueren Definition der Begriffe Ungewissheitsorientierung und Gewissheitsorientierung. Wobei zuerst noch eine genauere Bestimmung ungewisser Situationen vorangestellt werden muss.
Mit diesen Ausführungen werde ich meine Arbeit beginnen und sie dieser damit zu Grunde legen.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1
1.1 Der ungewissheitsorientierte Schüler
1.2 Der gewissheitsorientierte Schüler
Kapitel 2
2.1 Die ungewissheitsorientierte Lehrperson
2.2 Die gewissheitsorientierte Lehrperson
3. Kapitel
3.1 Wie wirkt sich Ungewissheitsorientierung auf das Lernverhalten von Schülern und das Lehrverhalten von Lehrern aus?
1.2.1 Kooperative Lernformen für sowohl ungewissheitsorientierte als auch gewissheitsorientierte Schüler
3.2.1 Lehr- Lerntechniken zur Aktivierung in stark strukturierten Lernsituationen
3.2.2 Möglichkeiten zur Strukturierung offener Lernsituationen
4. Kapitel
4.1 I.Stunde
4.2 II. Stunde
4.3 III. Stunde
4.4 IV.Stunde
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das psychologische Konstrukt der Ungewissheitsorientierung und dessen Relevanz für die Gestaltung von schulischem Unterricht. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lehrkräfte durch methodische Vielfalt und die Berücksichtigung der unterschiedlichen Orientierungsstile von Schülern eine förderliche Lernumgebung schaffen können, die sowohl ungewissheits- als auch gewissheitsorientierte Lerner gleichermaßen anspricht und zur Teilnahme am Unterricht motiviert.
- Grundlagen der Ungewissheits- und Gewissheitsorientierung bei Schülern und Lehrern
- Einfluss des Orientierungsstils auf das Lernverhalten und die bevorzugten Unterrichtsmethoden
- Konkrete didaktische Strategien zur Strukturierung von Unterricht für verschiedene Lerntypen
- Entwurf einer beispielhaften Unterrichtsreihe zum Thema "Fabeln" zur Veranschaulichung der theoretischen Ansätze
Auszug aus dem Buch
1.1 Der ungewissheitsorientierte Schüler
Von Rokeach (1960, zitiert nach Schmidt, 1997) werden Personen die ungewissheitsorientiert sind als „open minded“(Schmidt, 1997, S.20), also geistig offen, bezeichnet. Damit bezieht Rokeach (1960, zitiert nach Schmidt, 1997) sich auf ein Merkmal, welches er für diesen Orientierungsstil als typisch ansieht, nämlich die Ausrichtung des individuellen Wertesystems auf neue Ansichten und Informationen. Dies bedeutet, dass ungewissheitsorientierte Lerner bestrebt sind neue Lösungswege zu finden und dabei auch bereit sind unkonventionelle und kreative Alternativen mit in Betracht zu ziehen. Eine These von Kagan (1972, zitiert nach Schmidt, 1997), dass für beide Orientierungsstile primär die Beseitigung von Ungewissheit im Vordergrund stehe, wird durch Sorrentino und Hewitt (1984, zitiert nach Schmidt, 1997) angezweifelt, und durch eine Studie widerlegt. Nach der Durchführung von Leistungstests wurde überprüft ob die Teilnehmer mehr über ihre eigenes Leistungsvermögen wissen wollten oder nicht und es wurde die Möglichkeit einer Präzisierung der vorherigen Leistung angeboten.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Dieses Kapitel erläutert die Verhaltensweisen von ungewissheitsorientierten und gewissheitsorientierten Schülern und zeigt auf, wie der jeweilige Orientierungsstil das Lernverhalten sowie die Präferenz für bestimmte Lernmethoden beeinflusst.
Kapitel 2: Dieses Kapitel untersucht, wie sich die Ungewissheitsorientierung bei Lehrpersonen auf die Planung und Gestaltung von Unterricht auswirkt und welche Konsequenzen dies für die Lernenden hat.
3. Kapitel: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle von Ungewissheit im Schulalltag und erarbeitet konkrete methodische Prinzipien, um sowohl ungewissheits- als auch gewissheitsorientierte Schüler gleichermaßen in kooperativen Lernformen zu fördern.
4. Kapitel: Dieses Kapitel präsentiert ein konkretes Beispiel für eine vierstündige Unterrichtsreihe zum Thema Fabeln, die unter den Prämissen eines ausgewogenen, methodisch vielfältigen Unterrichts konzipiert ist.
Schlüsselwörter
Ungewissheitsorientierung, Gewissheitsorientierung, Lernverhalten, Unterrichtsplanung, Methodenvielfalt, kooperatives Lernen, Lehrperson, Schüler, Fabeln, Unterrichtsgestaltung, Motivation, kognitive Konsistenz, offener Unterricht, lehrerzentrierter Unterricht, Orientierungsstil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem psychologischen Konstrukt der Ungewissheitsorientierung und dessen Anwendung im schulischen Unterrichtsgeschehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Unterschiede im Lern- und Lehrverhalten basierend auf der Ausprägung der Ungewissheitsorientierung sowie Möglichkeiten zur Gestaltung eines methodisch ausgewogenen Unterrichts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es zu zeigen, wie eine Lehrperson durch Berücksichtigung der unterschiedlichen Orientierungsstile die Motivation und Leistung aller Schüler durch Methodenvielfalt verbessern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung genutzt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse psychologischer Konstrukte und verknüpft diese mit didaktischen Prinzipien, um eine konkrete Unterrichtsplanung (am Beispiel von Fabeln) zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Unterschiede zwischen ungewissheits- und gewissheitsorientierten Personen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung und -planung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ungewissheitsorientierung, Gewissheitsorientierung, Unterrichtsplanung, Methodenvielfalt, kooperatives Lernen und Fabeln.
Warum ist die Unterscheidung der Orientierungsstile für Lehrkräfte wichtig?
Die Unterscheidung ist wichtig, da Schüler je nach ihrem Orientierungsstil unterschiedliche Lehr- und Lernmethoden präferieren und bei Nichtbeachtung des Stils eine geringere Motivation oder ein Leistungsabfall drohen kann.
Wie soll eine Lehrkraft mit gewissheitsorientierten Schülern umgehen?
Die Lehrkraft sollte für eine verlässliche Struktur und hohe Transparenz im Unterricht sorgen, da gewissheitsorientierte Schüler ungewisse Situationen vermeiden möchten.
Wie wird in der Arbeit das Beispiel "Fabeln" genutzt?
Die Unterrichtsreihe zum Thema "Fabeln" dient als praktisches Anwendungsbeispiel, um zu demonstrieren, wie durch Methodenwechsel kooperative und strukturierte Elemente kombiniert werden können.
- Citation du texte
- Julia Dagmar Didie (Auteur), 2007, Ungewissheitsorientierung im schulischen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140590