Spracharbeit im 17. Jahrhundert


Hausarbeit, 2009

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sprachsituation im 17. Jh

3. Begriffsklärungen

4. Die Ursachen der Fremdworteinlagerung in die dt. Sprache

5. Die Fruchtbringende Gesellschaft
a. Anliegen der Fruchtbringenden Gesellschaft
b. Wirken und Bedeutung der Fruchtbringenden Gesellschaft

6. Kaspar Stieler „Zeitungs Lust und Nutz“

7. kulturpatriotische vs. puristische prachkultivierung

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Sprachkultivie-rung bzw. Spracharbeit im 17. Jh. unter besonderer Berücksichtigung des Einflus-ses der Fruchtbringenden Gesellschaft auf diese.

Zunächst soll in einem ersten Abschnitt die Situation und der Status der dt. Spra-che zu Beginn des Jahrhunderts dargestellt werden, da hier der Ausgangspunkt für die Gründung der Fruchtbringenden Gesellschaft, im weiteren FG genannt, liegt. Hierbei soll insbesondere der starke Einfluss des Latein und Französisch auf die Entwicklung der Muttersprache dargelegt und die Ursache für die Fremdwort-übernahme aus diesen Sprachen untersucht werden. Vorweg werde ich eine kurze Erläuterung des Fremd- bzw. Lehnwortbegriffs geben.

Im folgenden Abschnitt werde ich mich dann der Entstehung der FG und ihrer Absichten zuwenden, die sich im Wesentlichen auf die Pflege der deutschen Spra-che und die Erhaltung der deutschen Tugend beziehen. Indem ich mich hernach mit dem konkreten Wirken, den Erfolgen, der Vielseitigkeit der Spracharbeit so-wie der Bedeutung der Fruchtbringenden für die dt. Sprache eingehender beschäf-tige, sollen die abstrakten Ziele verdeutlicht werden.

Daran anschließend werde ich auf Kaspar Stieler und seiner „Erklärung derer in den Zeitungen gemeiniglich vorkommenden fremden und tunklen Wörter“ aus seinem Werk „Zeitungs Lust und Nutz“ zu sprechen kommen und diese unter dem Gesichtspunkt der Stichwortauswahl näher analysieren.

Vor meiner Abschlussbetrachtung werde ich noch einen Blick auf die For-schungsdebatte über die Begrifflichkeiten Kulturpatriotismus, Sprachkultivierung und Sprachpurismus werfen, wobei ich mich insbesondere auf die Standpunkte von Peter von Polenz und Alan Kirkness beziehen werde, deren verschiedene ver-öffentlichte Bücher und Forschungsschriften ich für das Verfassen dieser Arbeit überwiegend genutzt habe.

2. Die Sprachsituation im 17. Jh.

Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation war seit dem frühen 17. Jh. eine aristokratisch-bildungsbürgerliche Bewegung zu beobachten, die sich eine be-wusste und gezielte Kultivierung der deutschen Sprache zum Ziel gesetzt hatte. Grund für diese Bewegung war die stetige Zunahme von Mehrsprachigkeit und Sprachmischung, der so genannten Sprachmengerey und die Variantenvielfalt in der geschriebenen und gesprochenen Sprache.

Die Epoche der absolutistischen Fürstenherrschaft war sehr hinderlich für die Ausprägung einer einheitlichen dt. Sprache, denn durch das stark zersplitterte Reich in souveräne Landesfürstentümer, existierte kein nationalstaatlicher Mittel-punkt, welcher Grundlage für die Vereinheitlichung gewesen wäre. Zudem war der Aufstieg der bildungsbürgerlichen Schicht - anders als in den übrigen westli-chen Staaten Europas – stärker beschränkt und der Kampf für die Kultivierung der Muttersprache zur angesehenen Literatursprache o. ä. konnte erst fast ein Jahr-hundert später einsetzen. Zum dritten erschwerte das Hinzukommen des Französi-schen, als prestigeträchtige Oberschichtensprache, zu dem alteingesessenen Bil-dungsmonopol des Lateins, die Ausprägung gesellschaftlichen und kulturellen Ansehens des Deutschen.1

Diese Situation hatte die bereits erwähnte Sprachkultivierungsbewegung zur Fol-ge. Träger dieser Auflehnung gegen den enormen Fremdspracheneinfluss auf die Volkssprache waren Gelehrte, Poeten, Grammatiker und kulturpatriotisch einge-stellte Sprachgesellschaften, auf welche ich im Folgenden noch näher eingehen werde.

3. Begriffsklärungen

Bevor ich die Frage aufgreifen werde, wie die Fremdwörter in die deutsche Spra-che gelangten, möchte ich die Termini Fremdwörter, Lehnwörter und Entlehnun-gen vorweg kurz unterscheiden. Unter Entlehnung versteht man

„Vorgang und Ergebnis der Übernahme eines sprachlichen Ausdrucks aus einer Fremd-sprache in die Muttersprache, meist in solchen Fällen, in denen es in der eigenen Sprache keine Bezeichnung für neu entstandene Sachen bzw. Sachverhalte gibt.“2

Die Forschung ist allg. der Annahme, dass von der prestigehöheren zur prestige-niedrigeren Sprache hin entlehnt wird. Dieses Phänomen kommt durch Sprach-und Kulturkontakt zustande, worauf ich im Punkt 3 näher eingehen werde.

Lehnwörter definiert H. Bußmann im weiteren Sinn als Oberbegriff für Fremd-wörter, bei denen keine oder nur eine geringe Sprachassimilierung vorgenommen wurde, im engeren Sinn als das Ergebnis einer sprachlichen Entlehnung, bei der ein Wort aus einer Gebersprache in eine Nehmersprache übernommen wird, wo-bei das übernommene Wort in seiner Flexion, Lautung und Schriftbild vollständig an den allg. Sprachgebrauch der Quellsprache angepasst wird. 3 Die Definition von Fremdwort lautet nach H. Bußmann wie folgt:

„aus einer fremden Sprache in die Muttersprache übernommener sprachlicher

Ausdruck (meist zugleich mit der durch ihn bezeichneten Sache), der [...] sich nach Lau-tung, Orthographie und Flexion (noch) nicht in das graphemische bzw. morphophonemi-sche System der Sprache eingepasst hat.“4

Die Begriffe fremd und heimisch werden bei A. Kirkness noch einmal verdeut-licht, wenn er als fremd alle Elemente bezeichnet, „die nicht zum heimischen Wortgut, zum Erbgut im Deutschen gerechnet werden“5 und als heimisch alle E-lemente gelten, die germanischen Ursprungs sind oder die

„entlehnt worden waren, bevor sich ein sprachlicher Begriff deutsch herausgebildet hatte, und die seit den ersten schriftlichen Zeugnissen des Deutschen in alt- und frühmittelhoch-deutscher Zeit – bis etwa 1150 – überliefert sind.“6

Nachdem die Begriffsklärung vollzogen ist, stellt sich nun die Frage nach den Ursachen des beträchtlichen Ausmaßes des Fremdsprachengebrauchs und den Auswirkungen in Deutschland im 17. Jahrhunderts, welche ich im Folgenden dar-legen möchte

4. Die Ursachen der Fremdworteinlagerung in die dt. Sprache

Warum hat es eine Sprache nötig, fremdes Wortgut aufzunehmen?

Die Hauptmotive hierbei sind wohl die Entlehnung eines Wortes mit der Sache, wegen dem Status, der einem bestimmten Sachbereich zugeordnet ist und auch aufgrund von großem wirtschaftlichen und politischen Einfluss bestimmter Län-der auf andere Länder und deren Sprachen.

[...]


1 Vgl. Polenz, Peter von: Deutsche Sprachgeschichte, , Bd. II, 1994. S. 1.

2 Bußmann, H.: Lexikon der Sprachwissenschaft, 1990, S. 213.

3 Bußmann, H.: Lexikon der Sprachwissenschaft, 1990, S. 444., vlg. http://www.uni-koeln.de/phil-fak/ifl/asw/studium/material/serzisko/FremdLehn.pdf

4 Ebd. S. 253.

5 http://www.ids-mannheim.de/ll/fremdwort/pdf/kirkness77lemm.pdf

6 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Spracharbeit im 17. Jahrhundert
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Geschichte der deutschen Sprache Teil II
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V140602
ISBN (eBook)
9783640476602
ISBN (Buch)
9783640476701
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spracharbeit, Fruchtbringende Gesellschaft
Arbeit zitieren
Sarah Böhme (Autor), 2009, Spracharbeit im 17. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140602

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