Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Lehre und dem Verständnis des Heiligen Geistes bei Wilfried Härle. Er behandelt diese als Teil der Gotteslehre hauptsächlich im zehnten Kapitel (‚Die Gegenwart Gottes als Heiliger Geist‘) von Härles Dogmatik.
Die Darstellung der Pneumatologie erfolgt bei Härle zunächst auf der Basis einer Definition des Begriffs ‚Geist‘. Als Besonderheit des Heiligen Geistes wird daran anschließend dessen Einheit aus Gabe-und-Geber-Sein expliziert. Dabei ist die Orientierung an der Christologie Härles eine der Grundlagen seiner Pneumatologie. Der Frage nach der Zuordnung von Geistwirkungen wird unter den Kriterien von Wahrheit, Liebe und Leben nachgegangen. Das Wirken des Heiligen Geistes in Bezug auf den Menschen wird schließlich unter den Kategorien der heiligenden und der begabenden Wirkungen expliziert. Als innerer Vergleich des pneumatologischen Entwurfs wird die aktuelle Fassung des Kapitels punktuell mit der Erstausgabe der Dogmatik aus dem Jahr 1995 verglichen. Im Hauptteil werden neben der Dogmatik weitere Schriften Härles einbezogen, um einen möglichst umfassenden Überblick bieten zu können.
Der Leitgedanke dieser Arbeit ist, neben der Darstellung der Pneumatologie, die Anknüpfungspunkte der Lehre vom Heiligen Geist in den dogmatischen Teilbereichen der Trinitätslehre und der Eschatologie herauszuarbeiten. Weil dies im Horizont der Gliederung von Härles Dogmatik geschieht, wird deren Aufbau eingangs besprochen und kontextualisiert.
Der Hauptteil bindet als Exkurse Beiträge von Autoren ein, die auf den pneumatologischen Entwurf Härles eingehen. Diese Anmerkungen wie auch das dritte Kapitel dieser Arbeit sollen die besprochene Konzeption in den Kontext von gegenwärtigen Entwürfen und Herausforderungen der Pneumatologie stellen. Weil es sich bei dieser Ausarbeitung um die Darstellung der Pneumatologie Härles handelt, stehen allerdings dessen eigene Werke im Fokus dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil: Die Lehre vom Heiligen Geist bei Wilfried Härle
2.1. Aufbau und Gliederung der Dogmatik
2.2. Voraussetzungen, Begründung und Darstellung der Pneumatologie
2.2.1. Begründung und Begrenzung der Rede vom Heiligen Geist, Anknüpfung an die Christologie
2.2.2. Der Begriff ‚Geist‘ (in Verbindung mit Mensch und Gott)
2.2.3. Dualismus: Der Heilige Geist als Gabe und Geber zugleich
2.2.4. Drei Kriterien des Heiligen Geistes: Wahrheit, Liebe und Leben
2.2.5. Das Wirken des Heiligen Geistes: Heiligung und Begabung
2.2.5.1. Heiligende Wirkungen des Heiligen Geistes
2.2.5.2. Begabende Wirkungen des Heiligen Geistes
2.3. Vergleich der Kapitel der ersten und der sechsten Auflage
2.4. Stellung des Heiligen Geistes in der Trinitätslehre
2.5. Der Heilige Geist in der eschatischen Vollendung
3. Einordnung, Perspektiven und Grenzen des pneumatologischen Entwurfs von Wilfried Härle
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der systematischen Darstellung und theologischen Einordnung der Pneumatologie von Wilfried Härle, wie sie primär in dessen Dogmatik entfaltet wird. Das Ziel ist es, die spezifische Funktion und Einbindung der Lehre vom Heiligen Geist innerhalb von Härles Gesamtentwurf zu explorieren und ihr Potenzial für zeitgenössische theologische Diskurse aufzuzeigen.
- Systematische Analyse von Härles pneumatologischem Entwurf
- Vergleich aktueller dogmatischer Fassungen mit der Erstausgabe von 1995
- Untersuchung der Anknüpfungspunkte zur Trinitätslehre und Eschatologie
- Explikation des Wirkens des Geistes (Heiligung und Begabung)
- Reflexion der Verortung des Geistes als Gabe und Geber zugleich
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Dualismus: Der Heilige Geist als Gabe und Geber zugleich
Wenn ‚Geist‘ etwas ausdrückt, das einerseits dem Menschen durch Gott verliehen wird und ihn als solchen bestimmt, aber zugleich Gottes Sein-beim-Menschen darstellt, dann resultiert aus dieser Definition eine Doppeldeutigkeit bzw. eine Unklarheit darüber, was den Geist Gottes als solchen qualifiziert und ihn vom Geist des Menschen oder anderen Geistern unterscheidet. Die Dopplung in Bezug auf den Heiligen Geist kann Härle zufolge nicht aufgehoben werden, wenn nicht eine der beiden Aussagen auf die andere reduziert werden kann. Eine Aufhebung der Doppeldeutigkeit ist allerdings dann möglich, wenn die Aussagen „selbst als Einheit gedacht und zur Sprache gebracht […]“ werden können, da der Inhalt der Aussagen für sich jeweils unabdingbar ist. In Härles Entwurf wird dies in der Formel ‚Der Geber ist selbst die Gabe und die Gabe selbst der Geber‘ zusammengefasst. In Anlehnung an Walter Kardinal Kasper fügt Wilfried Härle hinzu, dass der Heilige Geist im Verständnis dieser Formel zur Selbstgabe wird, deren Anklang an die christologische Idee der Selbsthingabe die pneumatologische Entsprechung aufzeigen soll. Als Inhalt der Selbstgabe wird die Liebe betont, die ermöglicht, dass „eine Person so bei der anderen ist, daß sie sich ganz selbst gibt und dabei doch ganz sie selbst ist und bleibt – ja eigentlich dadurch erst sie selbst wird.“ Die Doppeldeutigkeit kann hier also nicht aufgehoben werden, da sonst bei der Konstitution und Bestimmung des Menschen in Bezug auf ihn selbst und in Anbetracht seiner Gottesbeziehung etwas Entscheidendes ausbleiben würde. Die kann nur in der Auffassung des Heiligen Geistes als Gabe und Geber zugleich als Einheit zum Ausdruck gebracht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Wilfried Härle die Pneumatologie in seiner Dogmatik als Teil der Gotteslehre und in Bezug auf Christologie, Trinitätslehre und Eschatologie konzipiert.
2. Hauptteil: Die Lehre vom Heiligen Geist bei Wilfried Härle: Dieser Kernbereich untersucht die dogmatischen Grundlagen, die Definition von Geist, die pneumatologische Trias Wahrheit, Liebe und Leben sowie das praxisorientierte Wirken des Geistes in Form von Heiligung und Charismen.
3. Einordnung, Perspektiven und Grenzen des pneumatologischen Entwurfs von Wilfried Härle: Dieses Kapitel verortet Härles Pneumatologie im lutherischen Kontext, diskutiert Anknüpfungspunkte zur Ekklesiologie und kritisiert den ausbleibenden Bezug zum Alten Testament.
4. Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit resümiert die wesentlichen Erkenntnisse über die Rolle des Heiligen Geistes als Lebensprinzip und Selbstgabe Gottes innerhalb einer vernetzten Dogmatik.
Schlüsselwörter
Wilfried Härle, Pneumatologie, Dogmatik, Heiliger Geist, Selbstgabe, Trinitätslehre, Geistwirkungen, Heiligung, Charismen, christologisches Kriterium, Gotteserkenntnis, Offenbarung, Glaubensgewissheit, Eschatologie, Liebe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser theologischen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Pneumatologie, also der Lehre vom Heiligen Geist, bei dem protestantischen Theologen Wilfried Härle, basierend auf dessen Dogmatik.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten gehören das Wesen des Geistes (Gabe und Geber), die Kriterien zur Geisterunterscheidung (Wahrheit, Liebe, Leben) sowie das Wirken des Geistes in der Kirche und am Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Untersuchung?
Das Ziel ist die systematische Darstellung und kontextuelle Einordnung von Härles pneumatologischem Entwurf, speziell um die Verbindungsstellen zur Trinitätslehre und Eschatologie herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine systematisch-theologische Analyse, die primär die Dogmatik von Wilfried Härle auswertet, durch dessen weitere Schriften kontextualisiert und kritisch mit anderen theologischen Entwürfen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche pneumatologische Lehre (Begründung, Definition, Kriterien, Wirken) sowie einen Vergleich zwischen der Erstauflage und der aktuellen sechsten Auflage der Dogmatik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Selbstgabe Gottes, Geistwirkungen, Heilsbedeutung, Trinitätslehre, christologische Fundierung und Charismen geprägt.
Inwiefern spielt der Vergleich zwischen den Auflagen der Dogmatik eine Rolle?
Der Vergleich verdeutlicht die Entwicklung von Härles Denken: Er zeigt, wie präzisere Formulierungen oder die Streichung bestimmter Abschnitte der dogmatischen Darstellung eine höhere Kohärenz und Offenheit verleihen.
Wie bewertet die Arbeit die Einordnung der Pneumatologie in Härles Dogmatik?
Die Arbeit würdigt die integrative Kraft des Entwurfs, weist jedoch kritisch auf die im Vergleich zu anderen pneumatologischen Werken eher knappe Bearbeitung sowie das Fehlen eines eigenständigen Bezugs zum Alten Testament hin.
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- Anonym (Autor), 2023, Die Lehre vom Heiligen Geist bei Wilfried Härle, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1406254