Im Zentrum der auszuarbeitenden Doppelstunde („Der Kreuzestod aus historischer und biblischer Perspektive“) für eine zehnte Klasse des Gymnasiums sollen die historischen Umstände und Facetten der Kreuzigung stehen und mit der biblischen Darstellung verglichen werden.
Das Leiden und Sterben von Jesus Christus ist ein breiter Themenkomplex, der konstitutiv für die Rede von Jesus Christus als Gott und Mensch ist. In seinem Zusammenhang stellt sich die Frage nach dem (historischen) Leben Jesu bis zur Kreuzigung und der theologischen Wirkmacht der Auferstehung. Die Passion Jesu Christi kann als Bündelungspunkt verschiedener theologischer Anfragen, zum Beispiel der Christologie und der Soteriologie oder auch der exegetischen Frage nach der Bedeutung der verschiedenen Deutungen des Todes Jesu im Neuen Testament verstanden werden. Aber auch im Bereich der Forschung zum historischen Jesus stellen sich verschiedene Anfragen, zum Beispiel an die Bedingungen des Prozesses und die Umstände der Kreuzigung Jesu.
Als Texte kommen aufgrund der historischen Ausrichtung der Doppelstunde neben den Evangelientexten auch Texte aus der Umwelt des Neuen Testaments (Flavius Josephus und Tacitus) infrage. Mit den Schüler:innen soll erarbeitet werden, welche Intention die jeweiligen Texte verfolgen und der Wahrheitsanspruch der Quellen diskutiert werden. Die für den Religionsunterricht relevante existenzielle Frageperspektive (z. B. „Was bedeutet der Tod Jesu für mich?“) soll im Horizont der zu vermittelnden Unterscheidung von historischen Aussagen und Glaubensaussagen angedeutet werden. Diese Ausrichtung der Unterrichtseinheit eröffnet m. E. die Möglichkeit, über heikle Themen wie z. B. die antijüdischen Tendenzen in den Passionserzählungen der Evangelien in einen Dialog zu treten und Perspektiven für den sorgfältigen, historisch-kritisch informierten Umgang mit den biblischen Schriften aufzuzeigen. Grundlegend soll dabei auch der Unterschied des historischen Jesus vom kerygmatischen Christus bedacht werden.
Inhaltsverzeichnis des Unterrichtsentwurfs
I. Orientierung
1. Zum Thema des Unterrichtsentwurfes
2. Skizze der Unterrichtseinheit (4 Doppelstunden)
3. Ausrichtung des Unterrichts
4. Unterrichtseinheit im Kontext des Bildungsplans 2016 (BaWü)
II. Theologische Entfaltung
1. Die Forschung zum historischen Jesus und dessen Todesumständen
2. Die Passion und Kreuzigung Jesu Christi aus systematisch-theologischer Perspektive
3. Religionspädagogische Bündelung
III. Didaktischer Übergang
1. Ausführliche narrative Entfaltung der Unterrichtseinheit
1.1. Erste Doppelstunde
1.2. Zweite Doppelstunde
1.3. Dritte Doppelstunde
1.4. Vierte Doppelstunde
2. Konzeption einer Unterrichtsstunde (2. Doppelstunde zum Thema „Der Kreuzestod aus biblischer und historischer Perspektive“)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel des Unterrichtsentwurfs ist es, Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse an eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Passion Jesu Christi heranzuführen. Dabei sollen sie lernen, zwischen den historischen Fakten zur Person und zum Tod Jesu und den theologischen Glaubensaussagen zu differenzieren, um die Bedeutung dieser Ereignisse für den christlichen Glauben in einem kritischen Dialog zu erschließen.
- Historische Erforschung Jesu von Nazareth und die Umstände seines Todes
- Systematisch-theologische Deutung des Kreuzestodes als Heilsereignis
- Kritische Analyse von Passionserzählungen im Hinblick auf antijüdische Tendenzen
- Verhältnisbestimmung von historischem Jesus und kerygmatischem Christus
- Existenzielle Relevanzfrage der Passion und Auferstehung für die eigene Lebenswelt
Auszug aus dem Buch
Die Historizität der Kreuzigung
Angelika Strotmann hält fest, dass „[n]ichts […] historisch so gesichert [ist] wie die Kreuzigung Jesu auf Veranlassung des römischen Präfekten Pontius Pilatus.“ Auf Grundlage dieser Erkenntnis ist für den Umgang mit den neutestamentlichen Quellen zu beachten, dass diese zwar vom konkreten Menschen Jesus sprechen, aber aus einer Glaubensüberzeugung heraus über diesen erzählen. Von dort ausgehend lassen sich zunächst zwei Fragerichtungen ausmachen: zum einen, welche (historischen) Ereignisse hinter den Texten stehen und zum anderen, welche unterschiedlichen Glaubensaussagen in den Texten auszumachen sind. Die Verschränkung zwischen historischen Aussagen und Glaubensaussagen kann aber nicht so aufgefasst werden, als dass Glaubensaussagen durch historische Argumente entschieden werden können – sie lassen sich allerdings auch nicht gänzlich voneinander trennen. Kraft/Roose halten daher fest, dass „[…] der Christus des Glaubens nicht ohne den historischen Jesus von Nazareth zu haben [ist] und umgekehrt.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Orientierung: Dieses Kapitel erläutert die Grundintention des Unterrichtsentwurfs und bettet das Thema Passion in den Lehrplan sowie die kognitive Entwicklungsstufe der Lernenden ein.
II. Theologische Entfaltung: Hier werden die wissenschaftlichen Grundlagen zur historischen Jesusforschung und die systematisch-theologische Deutung des Kreuzestodes sowie deren religionspädagogische Relevanz dargelegt.
III. Didaktischer Übergang: Dieses Kapitel beschreibt die narrative Umsetzung der Unterrichtsinhalte in den vier Doppelstunden sowie die konkrete Konzeption einer beispielhaften Unterrichtseinheit.
Schlüsselwörter
Passion, Jesus Christus, Kreuzigung, historischer Jesus, kerygmatischer Christus, Religionsunterricht, Heilstod, Antijudaismus, Evangelien, Auferstehung, Theologie, Soteriologie, biblische Exegese, Kreuzestheologie, Glaubensaussagen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Der Unterrichtsentwurf thematisiert die Passion und den Kreuzestod Jesu Christi für den Religionsunterricht der zehnten Klasse am Gymnasium.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Forschung zu Jesus, die systematisch-theologische Deutung des Kreuzes und die religionspädagogische Aufarbeitung für den Unterricht.
Was ist das Ziel des Unterrichtsentwurfs?
Das Ziel ist, Schülern die Zusammengehörigkeit von historischem Jesus und kerygmatischem Christus plausibel aufzuzeigen und sie zu eigenem theologischen Nachdenken anzuregen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz, der historische Exegese mit systematisch-theologischen Reflexionen verbindet und diese in den Kontext der kindlichen/jugendlichen Lebenswelt stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Forschung zum historischen Jesus die Bedeutung des Kreuzes bei Paulus und Luther sowie die Problematik des Antijudaismus in Passionsberichten diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Prägende Begriffe sind Passion, historischer Jesus, Heilstod, kerygmatischer Christus und religionspädagogische Bündelung.
Wie geht der Entwurf mit antijüdischen Tendenzen in der Bibel um?
Das Dokument schlägt eine kritische Auseinandersetzung vor, bei der Schüler die Intentionen der biblischen Texte vor ihrem historischen Hintergrund erforschen und antijüdische Narrative identifizieren.
Welchen Stellenwert nimmt die "Auferstehung" ein?
Die Auferstehung wird als untrennbar mit dem Kreuzestod verbundenes Heilsereignis wahrgenommen, das liturgisch im Kirchenjahr verankert ist.
Warum spielt der "historische Jesus" eine Rolle?
Die Rückfrage nach dem historischen Jesus dient dazu, einer theologischen Entfremdung entgegenzuwirken und die Plausibilität des christlichen Glaubens als historisch verankerte Tradition kritisch zu prüfen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2023, Die Passion Jesu Christi (Unterrichtsentwurf, 10. Klasse, Gymnasium), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1406271