Der Horrorfilm als eskapistisches Medium


Hausarbeit, 2007

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Medienrezeption
2.1 Mood-Management, sozialer Vergleich und Uses-&-Gratifications Ansatz
2.2 Die Eskapismusthese

3. Der Film als eskapistisches Medium
3.1 Verschiedene theoretische Erklärungsansätze
3.2 Die aktuelle These der Narration
3.3 Die Flucht in den Schrecken

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Angst ist jedem Mensch von der Wiege an mit ins Leben gegeben. Als ureigener Instinkt schützte sie unsere Urahnen vor tödlichen Bedrohungen und rettete ihnen so das Leben. Heutzutage müssen wir nur sehr selten fürchten, dass ein Raubtier im Dunkeln unserer Wohnung auf uns lauert, trotzdem ist die Angst vor der Dunkelheit nach wie vor bei sehr vielen präsent. Es ist allerdings weniger eine Angst vor aktuellen Gefahren als vielmehr die vor dem Unbekannten. Was wir nicht kennen oder uns fremd ist, hat das Potenzial dazu uns zu erschrecken. Doch wie kommen wir überhaupt auf die Idee, dass es irgendetwas gibt das uns nach dem Leben trachtet sobald das Licht aus ist?

Schon in frühesten Märchen ging es um Hexen, Kobolde und dunkle Wesen, die mit Vorliebe Kinder verspeisten und dadurch eben diese in der realen Welt das Fürchten Lehrten. Die modernen Märchenerzähler sind Filmemacher, die neben Geschichten von Liebe, Heldenmut oder Freude auch mit den Urängsten ihres Publikums spielen und diese in sogenannte Horrorfilme verpacken.

Ein Publikum ist entstanden, welches nicht mehr aus Kindern besteht, da es durch die visuellen und auditiven Möglichkeiten des Films nun möglich ist das Grauen sichtbarer und damit realer zu machen. So real, dass die Gesetzgeber es für nötig erachten den Zugang zu diesen Inhalten nur Volljährigen zu gewähren, die dann selbst entscheiden können ob sie sich dem aussetzen wollen oder nicht. Die Bandbreite der Erzählungen reicht dabei von psychopathischen Serienmördern (John Carpenters Halloween, 1978) über menschenfressende Monster, (Ridley Scotts Alien Reihe, 1979 – 1997) bis hin zu lebenden Toten (George A. Romeros Dawn of the Dead, 1978) und tödlicher Bedrohung durch Tiere (Steven Spielbergs Jaws, 1975 ). Und jährlich spielen eben diese Filme weltweit Milliarden in die Kinokassen, ganz zu schweigen von einer riesen Zahl von Independent Filmen, die nur auf DVD erscheinen und von Fans geliebt werden. Die mediatisierte Angst fasziniert Millionen und das, obwohl sie nachweislich dazu führen kann, dass wir tatsächlich hinter jeder Ecke etwas Schreckliches vermuten (Vgl. Vitouch S.128). Die Frage die sich dabei aufdrängt ist: „Warum lässt jemand, der in vollem Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ist, sich freiwillig auf dieses mediatisierte Grauen ein?“ Ich werde in dieser Hausarbeit die wichtigsten Befunde zur Motivation von Medienrezeption mit besonderem Augenmerk auf die Eskapismusthese vorstellen. Daraufhin werde ich anhand der bestehenden Ansätze und meiner eigenen Einschätzung versuchen die vorrangegangene Fragestellung zu klären.

2. Medienrezeption

Die ersten Forschungen im Bereich der Medienwirkung begannen kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges, angetrieben durch den wachsenden Einfluss des Radios vor allem in Amerika, aber auch in Europa (Vgl. Giles S.3-8).

Seither hat sich das Medienangebot und vor allem auch der Medienkonsum drastisch gesteigert. Besonders das Fernsehen hat sich zum beliebtesten Medium der Menschheit entwickelt. 2005 hat jeder Deutsche ab 14 Jahren im Schnitt 191 Minuten seiner Freizeit pro Tag vor dem Fernseher verbracht. Mit dem Zeitunglesen dagegen nur dreizehn Minuten. (Vgl. Reitze & Ridder). Zu der Frage, warum wir uns bestimmten Inhalten, besonders denen der Unterhaltungsmedien, zuwenden, haben sich im Laufe der Jahre verschiedene Ansätze und Theorien entwickelt.

2.1 Mood-Management, sozialer Vergleich und Uses-&-Gratifications Ansatz

Eine davon ist die Moodmanagement-Theorie nach Zillmann. Er nimmt darin an, dass die Motivation zur Mediennutzung vor allem darin liegt, einen positiven Gemütszustand herbeizuführen oder beizubehalten. In mehreren empirischen Untersuchungen konnte er nachweisen, dass dies tatsächlich ein entscheidender Faktor ist und dass die Inhalte dabei nicht zwangsweise belustigend sind, sondern stark vom Rezipienten und verschiedenen Umgebungsfaktoren abhängen. Unter anderem hat Vitouch in seinen Studien herausgearbeitet, dass zum Beispiel ein anstrengender Arbeitstag die Präferenz zu seichter Unterhaltung am Abend, etwa in Form eines Actionfilms, steigern kann. Der erzielte Effekt ist hierbei eine allgemeine Entspannung und damit einhergehend auch eine positivere Grundstimmung beim Rezipienten (Vgl. Vitouch).

Weniger psychologisch, sondern eher sozial orientiert, ist Festingers Theorie der sozialen Vergleichsprozesse. Demnach steht der Vergleich mit den im Fernsehen und Film gezeigten Personen und deren Schicksalen bei der Wahl bestimmter Inhalte im Vordergrund. Dieser Vergleich kann mit Personen stattfinden, die sozial besser dastehen um aus ihrem Verhalten zu lernen, das sogenannte „upward comparison“. Der Nachteil dabei ist, dass man sich durch das Bewusstwerden der eigenen, schlechteren Situation, auch persönlich schlechter fühl kann. Im Gegensatz dazu wirkt das „downward comparison“, also der Vergleich mit einer schlechter gestellten Person. Hier setzt der gegenteilige Effekt durch das Bewusstsein ein, dass es anderen Personen schlechter geht als einem selbst. (Vgl. Vorderer & Schramm). Moodmanagement- und soziale Vergleichstheorie lassen sich nicht strickt voneinander trennen, denn auch der oben genannte Vergleich und die dadurch eintretende Veränderung der Stimmung ist eine Form des Moodmanagements.

Menschen ziehen also mit der Veränderung ihres Gemütszustandes oder dem Lernfaktor im sozialen Vergleich einen bestimmten Nutzen aus der Medienrezeption. Genau darauf baut der seit den 40ern immer weiterentwickelte „Uses-and-Gratifications-Ansatz“ auf und stellt mit seinen Annahmen einen der elementarsten Ansätze der Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung dar. Er setzt sich mit der Frage auseinander, warum Menschen sich aktiv und freiwillig bestimmten Medien und ihren Inhalten aussetzen und geht dabei davon aus, dass diese Entscheidung durch den individuellen Nutzen, also die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse, beeinflusst wird. Demnach ist das Rezeptionsverhalten keinesfalls willkürlich sondern ein aktiver Prozess, bei dem der Mensch gezielt selektiert und die Medien zu seinem persönlichen Vorteil nutzt. Da der Uses-and-Gratifications-Ansatz allein schon genug Stoff für eine gesamte Hausarbeit bietet, verweise ich für genauere Informationen auf die „Theorien der Mediennutzung“ von Schweiger und erwähne ihn hier jetzt nur kurz, für den Fall dass ich mich später noch einmal auf ihn beziehen werde.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Horrorfilm als eskapistisches Medium
Autor
Jahr
2007
Seiten
14
Katalognummer
V140639
ISBN (eBook)
9783640492381
ISBN (Buch)
9783640492350
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Horrorfilm, Eskapismus, Publizistik, Rezeptionsforschung, Medienrezeption, Angst
Arbeit zitieren
Dustin Schmidt (Autor), 2007, Der Horrorfilm als eskapistisches Medium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140639

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