Nibelungenlied - Brünhilds Identitätsveränderungen vor dem Hintergrund der Täuschung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Definition von Täuschung
1.1.1 Täuschung durch Gestik
1.1.2 Bedeutungsvolle Gegenstände (Memorialzeichen)

2. Hauptteil
2.1 Die Ankunft der Werber auf Isenstein und ihre Täuschung
2.2 Der gefälschte Dreikampf
2.3 Der Betrug in der Brautnacht
2.4 Brünhilds Einladung
2.5 Der Streit der Königinnen

3.Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Täuschung im Nibelungenlied und dem damit verbundenen Identitätswandel der Brünhild. Die Täuschungsthematik ist in der mittelalterlichen Heldenepik oft mit dem Thema der Brautwerbung verknüpft. Das Nibelungenlied, welches ein Meisterwerk der mittelalterlichen Heldenepik ist, bietet sich auf Grund, der in vielfältigen Variationen vorkommenden, Täuschungen besonders für diese Untersuchung an. Nachdem eine terminologische Basis geschaffen ist, sollen anschließend die Täuschungshandlungen im Nibelungenlied nach ihren
handlungsauslösenden Motivationen und der Realisierungsart klassifiziert werden.

1.1 Definition von Täuschung

Die Täuschung ist ein eigenständiges Darstellungs- und Gestaltungsmittel der mittelalterlichen Literatur1. Grundsätzlich zu unterscheiden, bei der Durchführung von Täuschungshandlungen, sind non verbal und verbal realisierte Täuschungen. Mischformen, wie zum Beispiel verbale Täuschungen, die durch den Einsatz von Gestik unterstützt werden, kommen häufig vor und führen zu einer erhöhten Komplexität des gesamten Täuschungsgeschehens. Im Folgenden sollen die häufig zu Erläuterung der Täuschungsthematik verwendeten Begriffe Täuschung, Betrug und List nach dem Verständnis von Bettina Geier vereinfacht erläutert und abgegrenzt werden.

In allen drei Begriffen ist ein gewisser Planungscharakter und eine Absicht enthalten. Dazu wird bewusst und zielgerichtet ein Informationsvorsprung bei allen drei Handlungsweisen genutzt. Anzumerken ist zu dem, dass sowohl in allen Definitionen von List als auch in denen von Betrug der Begriff Täuschung vorkommt. Der Begriff Täuschung kann daher als eine Art Sammel- oder

Oberbegriff verstanden werden. Die gebräuchlichen Definitionen der Täuschung stellen darauf ab, einen falschen Eindruck entstehen zu lassen bzw. jemanden irre zu führen. Weitergehende Definitionen unterstellen eine Absicht dabei bzw. ein Handeln zum eigenen Vorteil.

Betrug wird als die bewusste Täuschung eines anderen definiert, weitergehend um sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen, bis hin zur Verschaffung eines Vermögensvorteils (arglistige Täuschung). Unter List werden die Mittel, mit deren Hilfe andere getäuscht werden sollen, verstanden. Eine andere Definition spricht von geschickter Täuschung und eine dritte Definition stellt die List als einen schlauen, hinterlistig ausgeklügelten Plan und das entsprechende Vorgehen zur Täuschung dar um sich aus gefährlichen Situationen zu retten oder die Oberhand über jemanden zu gewinnen um etwas bestimmtes zu erreichen.

1.1.1 Täuschung durch Gestik

Die Zeichenhaftigkeit von Mimik und Habitus besitzt im stark audiovisuell geprägten Mittelalter eine hohe Relevanz2. An dieser Stelle soll kurz geklärt werden, was unter Gestik genau zu verstehen ist, da dieser Begriff nicht einheitlich definiert ist.

1.1.2. Bedeutungstragende Gegenstände (Memorialzeichen)

Zeichen, welche symbolisch hoch besetzt sind, werden Memorialzeichen3 genannt. Ihr Symbolgehalt transportiert zwar nur wenig Informationen, dafür aber eine assoziative Funktion besitzen und oft Auslöser für einen Konflikt sein können. Memorialzeichen lassen sich beispielsweise in Form von Wunden oder Narben am Körper oder als Siegel finden.

2. Hauptteil

In dem nachfolgenden Teil sollen die Kernszenen des Nibelungenliedes auf ihre Täuschungshandlungen hin untersucht werden. Die Analyse der im Bezug auf Brünhilds Identitätsveränderungen relevanten Szenen erfolgt in chronologischer Folge.

2.1. Die Ankunft der Werber auf Isenstein und ihre Täuschung

Die Ankunft der Werber auf Isenstein markiert die erste konkrete Täuschungshandlung4 im Nibelungenlied, was durch die Textbemerkung er warp mit grôzen listen daz vil hêrliche wîp (337,4) eindeutig bezeichnet. Die Vortäuschung Siegfrieds ständischer Inferiorität ist ein geschickt ausgedachter Plan. Verwirrend in diesem Zusammenhang ist auch die Farbsymbolik der Kleidung, denn die Farbe Weiß steht für Reinheit und Unschuld5. Die Gleichfarbigkeit der Tracht, welche von Kriemhild gefertigt wurde, demonstriert ständische Ebenbürtigkeit und ist im Prinzip eine wahrheitsgemäße Aussage, wirkt aber der Gesinnung bzw. den Absichten Gunthers und Siegfrieds entgegen. Die Kleidung der Beiden fungiert als optische Desinformation.6

Brünhild, welche von Gunther als eine wunderschöne, anmutige Frau beschrieben wird, trägt ebenfalls ein weißes Gewand, allerdings sind der Symbolgehalt und die Zeichenkraft hier noch intakt, denn Brünhild ist eine reine, ehrliche Königin. Ihr Kleid verleiht ihr, durch Zauberkraft, eine besondere Stärke. Diese Tatsache ist Siegfried und Gunther bekannt.

Ergänzend zur Kleidung erfolgt bei der Ankunft auf Isenstein eine zweite, visuelle Täuschung. Sichtbar für alle leistet Siegfried, wie in Vers 396-398 geplant, Gunther den Stratordienst und zeigt durch diese Geste öffentlich, dass er Gunther unterlegen ist.

[...]


1 Vgl. Geier, Bettina: Täuschungshandlungen im Nibelungenlied. Ein Beitrag zur Differenzierung von List und Betrug. In: Göppinger Arbeiten zur Germanistik Nr. 659 herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer. Göppingen, 1999, S. 7f (im Folgenden abgekürzt als: Geier, Bettina:)

2 Vgl. Geier, Bettina S. 38.

3 Vgl. Geier, Bettina S. 36f.

4 Vgl. Geier, Bettina: S. 56.

5 Vgl. ebd. S. 57.

6 Vgl. ebd. S. 57.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Nibelungenlied - Brünhilds Identitätsveränderungen vor dem Hintergrund der Täuschung
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (für deutsche Philologie )
Veranstaltung
Das Nibelungenlied
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V140665
ISBN (eBook)
9783640480517
ISBN (Buch)
9783640480371
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nibelungenlied, Brünhilds, Identitätsveränderungen, Hintergrund, Täuschung
Arbeit zitieren
Linda Dressler (Autor), 2008, Nibelungenlied - Brünhilds Identitätsveränderungen vor dem Hintergrund der Täuschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140665

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