Im Rahmen des Proseminars „Das Französische in Québec: Herkunft, Besonderheiten und Dynamik dieser Varietät“ beschäftige ich mich mit den gesellschaftlichen Umwälzungsvorgängen von der Besiedlung bis in die Gegenwart. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht dabei die Sprache der Québecer, das „français québecois“, weil sie eng mit den Umwälzungsprozessen verbunden ist. Ich stelle dabei dar, wie sich die Sprache von der ersten Besiedlung durch die Franzosen bis in unsere heutige Zeit verändert hat und welche Rolle sie für das Bewusstsein der Frankokanadier spielt in Bezug auf die ständige Bedrohung der Sprache durch den dominanten anglophonen Sprachraum.
Im zweiten Kapitel dieser Arbeit beleuchte ich die Geschichte Québecs näher. Zuerst erkläre ich wie es zur Entdeckung Québecs kommt und warum die Entdeckung lange Zeit für Frankreich von geringer Bedeutung bleibt. Es folgt die genauere Betrachtung der Kolonialisierungsgeschichte. Warum kommen erst einhundert Jahre nach der Entdeckung Siedler in die neue Welt? Woher kommen diese Siedler und wie sind ihre sozialen Hintergründe? Welchen Bildungsgrad weisen diese auf. Dann komm ich auf eine Zäsur in der Geschichte Québecs zu sprechen, der Eroberung Québecs durch die Engländer. Um diesen Einschnitt, welcher noch heute von Aktualität ist, da die Québecer den Franzosen vorwerfen sie damals allein gelassen zu haben, verstehen zu können, erläutere ich die entstehenden Folgen des Endes des französischen Regimes, die sich bis ins 20. Jahrhundert bemerkbar machten. An diesem Punkt knüpft das nächste Unterkapitel an, welches vom Verhältnis zwischen Engländern und Franzosen in der Zeit nach der Eroberung handelt. Was passiert mit den Franzosen unter der englischen Vorherrschaft und was passiert mit deren Sprache? Erste soziale Ungleichgewichtungen zwischen Engländern und Franzosen deuten sich bereits an. Am Ende des Kapitels bearbeite ich die nächste große Zäsur der Québecer Geschichte, die „Révolution tranquille“. In ihr entsteht ein sozialer Umwälzungsprozess, welcher die sozialen Ungleichgewichtungen zwischen beiden Kulturgemeinschaften zugunsten der Frankokanadier beseitigt. Ich kläre zunächst, welche Bevölkerungsteile Antriebsmotor dieser Bewegung sind und wie die Regierung der Liberalen versucht gegen die Ungleichgewichtungen vorzugehen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte Québecs
2.1. Die Entdeckung
2.2. Die Kolonialisierung
2.3. Die Eroberung durch die Engländer
2.4. Das Verhältnis Engländer-Franzosen nach der Eroberung
2.5. „La Révolution tranquille“
3. Sprachliche Besonderheiten des „français québecois“
3.1. Kontinuität der Sprache während der Französischen Revolution
3.2. „Joual“ und „bon usage“
3.3. Phonologische Merkmale des „français québecois“
3.4. Lexikalische Besonderheiten „français québecois“
4. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse in Québec von der ersten Besiedlung bis in die Gegenwart, wobei der Fokus auf der engen Wechselwirkung zwischen der sozio-politischen Entwicklung und der Sprachentwicklung des „français québecois“ liegt.
- Historische Entwicklung der Besiedlung und Kolonialisierung Québecs.
- Folgen der Eroberung durch die Engländer für die frankokanadische Gesellschaft.
- Soziale und politische Transformation durch die „Révolution tranquille“.
- Entwicklung des „français québecois“ als eigenständige, archaische Varietät.
- Einfluss von Archaismen, Dialektalismen und Anglizismen auf den Wortschatz.
Auszug aus dem Buch
3.4. Lexikalische Besonderheiten „français québecois“
Da das „français québecois“ auf der Koiné des Pariser „usage“ des 16. und 17. Jahrhunderts beruht, besitz der Wortschatz der Québecer einen archaischen Charakter. Obwohl der Wortschatz der Québecer im Großen und Ganzen deckungsgleich mit dem der Franzosen ist, werden in Québec auch viele Wörter gebraucht, die in Frankreich als veraltet gelten. Weiterhin verbergen sich hinter gleichen Worten oft unterschiedliche Bedeutungen, weil „Wortfelder nicht identisch sind und/ oder unterschiedliche Verwendungshäufigkeiten vorliegen“.
Ein Bespiel für die unterschiedliche Bedeutung gleicher Wörter ist die Bezeichnung der drei Hauptmahlzeiten. Während man in Frankreich von „petit-déjeuner“, „déjeuner“ und „dîner“ spricht, heißt es in Québec „déjeuner“, „dîner“ und „souper“, was bis ins 18. Jahrhundert in Frankreich gängig war.
Nicht nur Archaismen haben die französische Sprache in Kanada zu dem gemacht, was wir heute als „français québecois“ bezeichnen. Um diese lexikalischen Unterschiede den Faktoren, die die Veränderung verursacht haben, genau zuordnen zu können, hat sie Poirier (1980) in fünf Gruppen unterteilt: Archaismen, Dialektalismen, amerindianisches Adstrat, anglo-amerikanisches Adstrat und Innovation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der gesellschaftlichen Umwälzungen in Québec ein und definiert die zentrale Rolle der Sprache „français québecois“ in diesem Kontext.
2. Geschichte Québecs: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der Entdeckung über die Kolonialisierung und die englische Eroberung bis hin zur „Révolution tranquille“ nach.
3. Sprachliche Besonderheiten des „français québecois“: Hier werden die sprachlichen Entwicklungen, Einflüsse und die soziolinguistische Struktur des in Québec gesprochenen Französisch analysiert.
4. Schluss: Der Schluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die gesellschaftliche Emanzipation der Frankokanadier und die Entwicklung ihrer eigenständigen Sprache zusammen.
Schlüsselwörter
Québec, Révolution tranquille, français québecois, Kolonialisierung, Frankokanadier, Sprachentwicklung, Anglizismen, Archaismen, Identität, Soziale Umwälzung, Sprachbewusstsein, Joual, bon usage, Gesellschaftsstruktur, Minderheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse in Québec und deren Einfluss auf die französische Sprache vor Ort.
Welche zentralen Themenfelder werden untersucht?
Die Hauptfelder sind die Geschichte der Besiedlung, die Auswirkungen der englischen Eroberung und die sprachlichen Eigenheiten des „français québecois“.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Wie hat sich die Sprache von der Besiedlung bis heute verändert und welche Rolle spielt sie für das frankokanadische Identitätsbewusstsein gegenüber der anglophonen Dominanz?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive historische Analyse sowie eine sprachwissenschaftliche Untersuchung von Varietäten des Französischen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung Québecs und eine detaillierte Analyse der sprachlichen Besonderheiten wie Archaismen und Anglizismen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Québec, Révolution tranquille, Identität, frankokanadische Gesellschaft und Sprachwandel.
Was unterscheidet den „bon usage“ vom „joual“?
Der „bon usage“ repräsentiert die von der Elite geschätzte Hochsprache, während das „joual“ als mündliche, oft abgewertete Umgangssprache gilt.
Welchen Einfluss hatte die „Révolution tranquille“ auf die Sprache?
Im Zuge der „Stillen Revolution“ begannen die Québecer, angloamerikanische Einflüsse aus der Sprache zu verbannen, um ihr sprachliches Selbstbewusstsein zu stärken.
Warum wird das „français québecois“ als archaisch bezeichnet?
Da Québec vom Mutterland isoliert war, haben sich ältere Sprachformen bewahrt, die in Frankreich durch die Französische Revolution und nachfolgende Sprachwandelprozesse verloren gingen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2007, Québec und die „Révolution tranquille“: die frankokanadische Gesellschaft und ihre Sprache auf dem Weg zur Emanzipation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140714