In der vorliegenden Hausarbeit wird ein Konzept zum Besuch eines ökologischen Betriebes vorgestellt und dessen Durchführung beschrieben und evaluiert.
Die Hausarbeit gliedert sich in den allgemeinen Teil sowie in Vorbereitung, Durchführung und produktionsorientierte Nachbereitung des Hofbesuchs. In die Phase der Nachbereitung fällt auch die Teilnahme an einem bundesweiten Wettbewerb.
Ein Bauernhof als außerschulischer Lernort
Ein außerschulischer Lernort ermöglicht umfassende und unmittelbare Erlebnisse, die im zeitlich und räumlich reglementierten Unterrichtsgeschehen des Klassenzimmers häufig nicht möglich sind. Das Erlebnis wird hierbei folgendermaßen verstanden: Als Erlebnis gilt ein Ereignis im Leben von Menschen, das nicht dem Alltag entspricht und lange im Gedächtnis verbleibt. Die Erlebnispädagogik, geschichtlich fußend in der Reformpädagogik, nutzt das Erlebnis in einer handlungsorientierten Methode, um durch Gruppenerlebnisse oder Gemeinschaft in und mit der Natur Ziele der Umweltbildung zu erreichen.
Neben organisatorischer Vorbereitung erfordert es Aufwand, einen außerschulischen Ort für Schüler zu einem gelungenen Ort des Lernens werden zu lassen. Dieser Aufwand, der Absprachen im Kollegium und mit den außerschulischen Experten, Genehmigung seitens der Schulleitung genauso wie Einverständniseinholung bei den Erziehungsberechtigten, sowie das Auseinandersetzen mit Sicherheitsrichtlinien umfasst, wird jedoch vom möglichen Nutzen eines Unterrichts außerhalb des Klassenzimmers aufgewogen. „Die vielseitigen Eindrücke hinterlassen dabei Spuren im Fühlen, Denken und Handeln und können über die reine Vermittlung fachlicher Kenntnisse hinaus ein lebendiges Bewusstsein für den Wert der Natur hervorrufen. Dies ist ein wesentlicher Einflussfaktor für umweltgerechtes Verhalten.“ , ist in der Biologie-Fachdidaktik nach Eschenhagen, Kattmann und Rodi zu lesen, die hiermit den ganzheitlichen Aspekt einer solchen Maßnahme positiv herausstellen und mit der Entwicklung eines Umwelt-Bewusstseins verbinden.
Doch das pädagogische Prinzip von Naturerleben beim Aufsuchen eines außerschulischen Lernortes wird nicht nur positiv gewertet. In der Biologiedidaktik von Berck finden sich kritische Aussagen zu Naturerleben und zur Erlebnispädagogik.
Inhaltsverzeichnis
Problemstellung
Ziele und Gründe für „Ein Tag auf dem Bauernhof“
Ein Bauernhof als außerschulischer Lernort
Bauernhof ist nicht gleich Bauernhof
Der Demeter-Hof Sackern
Ökologische Landwirtschaft
Umsetzung des Konzepts „Ein Tag auf dem Bauernhof“
VORBEREITUNG des Hofbesuchs
Evaluation der Vorbereitung
DURCHFÜHRUNG des Hofbesuchs
Evaluation der Durchführung
NACHBEREITUNG des Hofbesuchs
Evaluation der Nachbereitung
Evaluation und Bewertung der Gesamtreihe – Ein Tag auf dem Bauernhof
Relevante Lehrerfunktionen
Reflexion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Etablierung des Bauernhofs als außerschulischen Lernort für den Biologie-Chemie-Differenzierungsbereich der Jahrgangsstufe 9. Die Forschungsfrage untersucht dabei, wie durch ein handlungsorientiertes und projektbezogenes Konzept Verständnis für ökologische Landwirtschaft, Produktionsketten und wirtschaftliche Zusammenhänge bei Schülern geweckt und gefördert werden kann.
- Vermittlung von Wissen über ökologische Kreislaufsysteme und Lebensmittelproduktion.
- Förderung eines verantwortungsbewussten Konsumverhaltens bei Jugendlichen.
- Erprobung handlungsorientierter Lernmethoden außerhalb des Klassenzimmers.
- Auseinandersetzung mit agrarwirtschaftlichen Aspekten und Vermarktungsstrategien von Bio-Betrieben.
Auszug aus dem Buch
Ziele und Gründe für „Ein Tag auf dem Bauernhof“
Der Besuch eines Bauernhofs wird häufig in der Primarstufe realisiert; im Gymnasium gibt es ab und an noch Klassen in der Unterstufe, die im Rahmen des Biologie-Unterrichts einen Bauernhof besuchen, in der Ausbildungsschule finden solche Besuche nur noch sehr selten statt, wie eine Nachfrage bei den Biologielehrern des Kollegiums ergab. Vielmehr wird das Thema Landwirtschaft bzw. Nutztiere und –pflanzen im Rahmen der schulinternen Curricula in Klasse 6 im Klassen- bzw. Biologieraum erarbeitet. Befragt man Mittelstufenschüler, was sie sich unter Landwirtschaft oder einem Bauernhof vorstellen, so ist man überrascht, wie wenig Wissen hier vorliegt. Eine Einführungs Fragerunde zum Thema Landwirtschaft im hier thematisierten Differenzierungskurs zeigte, dass die wenigsten der 26 Schüler zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft unterscheiden können oder triviale Fragen, wie etwa, ob für die Milcherzeugung Kälbchen geboren werden müssen, wie Käse hergestellt wird oder aus welchem Getreide das Frühstücksbrötchen gemacht ist, zutreffend beantworten können. Daher müssen, wie es das Curriculum der Differenzierungsstufe ja auch fordert, diese Grundlagen mit in den Fokus dieses Konzepts gerückt werden, wenn auch für eine Jahrgangsstufe 9 der Schwerpunkt nicht allein die ganzheitliche Vermittlung des Ursprungs von Lebensmitteln und das Herstellen eines Bezugs zur Landwirtschaft für die Schüler sein sollte.
Doch gerade hierfür bietet der Lernort Bauernhof vielfältige Möglichkeiten des Lernens mit Kopf, Herz und Hand, wie es schon der Pädagoge Pestalozzi propagiert hat, bzw. der Verwirklichung eines handlungsorientierten und erlebnispädagogischen Ansatzes. Hierzu werden in erster Linie Begegnungsmöglichkeiten mit Tieren, Pflanzen, aber auch Maschinen, typischen Arbeitsabläufen und den Menschen, die auf einem solchen Hof tätig sind, geschaffen. Diese Begegnungen dienen dazu, erzeugte Lebensmittel wertzuschätzen und Sozialkompetenzen durch den Kontakt und den Umgang mit Tieren und Menschen aufzubauen. Durch die aktive Teilnahme können darüber hinaus die ökologischen Zusammenhänge von Boden, Pflanzen und Tieren erlebbar gemacht und die Sinnhaftigkeit eines Einbettens aller Bereiche der Landwirtschaft in ökologische Kreisläufe begreifbar werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Problemstellung: Beleuchtet das Fehlen eines festen außerschulischen Lernortes für den Biologie-Chemie-Differenzierungsbereich in NRW und begründet die Auswahl eines ökologischen Bauernhofs.
Ziele und Gründe für „Ein Tag auf dem Bauernhof“: Erläutert die pädagogischen Motive hinter dem Konzept, insbesondere das handlungsorientierte Lernen und die Förderung eines bewussten Umgangs mit Lebensmitteln.
Ein Bauernhof als außerschulischer Lernort: Diskutiert die didaktische Bedeutung von außerschulischen Lernorten im Kontext der Erlebnispädagogik und deren Nutzen für das Umweltbewusstsein.
Bauernhof ist nicht gleich Bauernhof: Differenziert zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft unter Berücksichtigung der Kernlehrpläne.
Der Demeter-Hof Sackern: Beschreibt den ausgewählten Betrieb, seine Betriebsgemeinschaft, den ökologischen Kreislauf und die anthroposophische Ausrichtung.
Ökologische Landwirtschaft: Definiert die ökologischen Standards und gesetzlichen Regelungen, die für den ökologischen Landbau in der EU gelten.
Umsetzung des Konzepts „Ein Tag auf dem Bauernhof“: Detailliert die Vorbereitungsphase, die Exkursion selbst und die nachbereitende Auswertung durch die Schüler.
Evaluation und Bewertung der Gesamtreihe – Ein Tag auf dem Bauernhof: Führt eine Zusammenfassung der Schüler-Evaluationsergebnisse durch und reflektiert den Lernerfolg.
Relevante Lehrerfunktionen: Ordnet die unterrichtlichen Maßnahmen in die geforderten professionellen Kompetenzen von Lehrkräften ein.
Reflexion und Fazit: Zieht Bilanz über den Erfolg des Konzepts und gibt Empfehlungen für künftige Schuljahre.
Schlüsselwörter
Ökologische Landwirtschaft, Demeter, Bauernhof, Außerschulischer Lernort, Biologie-Chemie-Differenzierung, Landwirtschaft, Ernährung, Produktionskettenanalyse, Ökologischer Kreislauf, Handlungsorientiertes Lernen, Erlebnispädagogik, Nachhaltigkeit, Hof Sackern, Umweltbewusstsein, Projektunterricht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Staatsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Umsetzung eines eintägigen Hofbesuchs für einen Biologie-Chemie-Differenzierungskurs der Jahrgangsstufe 9, um theoretisches Wissen über ökologische Landwirtschaft praktisch erfahrbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit thematisiert den Vergleich zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft, das Verständnis für ökologische Kreisläufe sowie die Vermarktung von Agrarprodukten.
Was ist das primäre Ziel des Projekts?
Das Ziel ist die Vermittlung eines ganzheitlichen Verständnisses für die Herkunft von Lebensmitteln, die Förderung von Sozialkompetenzen durch den Kontakt mit Tieren und Pflanzen sowie der Aufbau einer verantwortungsvollen Konsumhaltung.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus fachdidaktischer Reflexion, der Analyse von Schülerprodukten (Plakate und Berichte) sowie einer systematischen Evaluation des Unterrichts durch Schüler-Feedbackbögen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Hofbesuchs auf dem Demeter-Hof Sackern sowie die theoretische Fundierung des Lernortes Bauernhof.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Ökologischer Kreislauf, Handlungsorientierung, Projektorientierung, Nachhaltigkeit und außerschulisches Lernen.
Warum wurde explizit ein Demeter-Hof ausgewählt?
Der Hof Sackern wurde gewählt, weil er das Prinzip eines geschlossenen ökologischen Kreislaufs ideal verkörpert und ein breites Spektrum an landwirtschaftlichen Bereichen bietet, die sich für eine Projektarbeit der 9. Klasse eignen.
Wie bewerten die Schüler den Einbezug der Plakatpräsentation?
Die Schüler bewerteten die Plakaterstellung mehrheitlich positiv, da sie durch die gestalterische Freiheit eine hohe Identifikation mit ihrem Thema entwickelten, obwohl der Zeitdruck vor der Facharbeitsphase als belastend empfunden wurde.
- Citar trabajo
- Eva Fuchs (Autor), 2009, Ein Tag auf dem Bauernhof – Agrarwirtschaftliche Aspekte und Produktionswege in der Landwirtschaft , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140830