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Fremderfahrung und Selbstreflexion in "Zunge zeigen" von Günter Grass

Title: Fremderfahrung und Selbstreflexion in "Zunge zeigen" von Günter Grass

Intermediate Examination Paper , 2006 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anna-Maria Heinemann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Indien ist seit seiner Entdeckung durch den portugiesischen Seefahrer Vasco da Gama im Jahre 1498 beliebtes Reiseziel von Händlern, Abenteurern und Kolonialisten, aber auch Malern und Schriftstellern gewesen. Deutsche Autoren wie Hermann Hesse, Hubert Fichte und Josef Winkler bereisten und beschrieben Indien, nutzten Land und Leute als Inspirationsquelle und veröffentlichten sowohl realistische als auch ideal-mythische Texte.
Besonders viel Aufmerksamkeit wurde den Indienreisen von Günter Grass zuteil, der erstmals 1975 auf Einladung des „Indian Council for Cultural Relations“ in Neu Delhi, Calcutta und Kerala zu Besuch war. Drei Jahre später fuhr Grass erneut, diesmal im Auftrag des Goethe-Instituts und zusammen mit seiner Frau Ute, nach Asien und verbrachte zehn Tage in Bombay. Vom August 1986 bis Januar 1987 schließlich lebte das Ehepaar Grass in Calcutta – der längste und künstlerisch ertragreichste Aufenthalt.

Eine literarische Verarbeitung der Indien-Erlebnisse erfolgte erstmals im Kapitel „Vasco kehrt wieder“ aus „Der Butt“ (1977). In „Kopfgeburten oder Die Deutschen sterben aus“ (1980) lässt Grass das fiktive Lehrerehepaar Harm & Dörte Peters nach Ostasien reisen, um dort ihre deutsche Identität zu reflektieren. „Zunge zeigen“ (1988) schließlich ist das literarische und graphische Resümee des sechsmonatigen Aufenthalts in Calcutta; ein Reisetagebuch, das für große Resonanz sorgte, die Zeitungen mit positiven wie negativen Kritiken füllte und das den Schwerpunkt für die vorliegende Arbeit bilden soll.
Die grundlegende Fragestellung lautet, ob und wie Günter Grass die Annäherung an das „fremde“ Calcutta gelingt, auf welche Weise er dort das „eigene“ Europa reflektiert und unter welchen Vorzeichen diese Begegnung zweier Kulturen steht. Die literarische Essenz wird in Form und Inhalt nach Hinweisen für obige Fragen untersucht, und auch die Reaktionen deutscher und indischer Literaturkritiker werden im kulturellen Diskurs berücksichtigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Vorzeichen: Was brachte Grass nach Indien mit?

a) Die Aufklärung

b) Das sozial-politische Engagement

c) Die Kritiker

d) Das Vorwissen

e) Die Erwartungen

2 Calcutta – Die Stadt der Göttin Kali

a) Entstehung und Entwicklung

b) Die Schutzgöttin Kali

c) Das Zungen-Motiv

3 Begegnungen und Erfahrungen

a) Konfrontation mit dem Elend

b) Freunde und Feinde

c) Kunst und Kultur

d) Indische und deutsche Literatur

4 Die Wirkung der Reise

a) Erste Reaktionen

b) Blick auf die Heimat

c) Das Verhältnis zum Fremden

5 Die künstlerische Essenz

a) Die Graphiken

b) Der Prosateil „Im Norden Calcuttas“

c) Das Stadtgedicht

6 Einige Reaktionen

a) Resonanz in Deutschland

b) Indische Rezeption

Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische und graphische Werk „Zunge zeigen“ von Günter Grass, welches als Resümee seines sechsmonatigen Aufenthalts in Calcutta entstand. Dabei wird analysiert, ob und wie Grass die Annäherung an das „fremde“ Indien gelingt, wie er sein eigenes europäisches Identitätsverständnis daran reflektiert und welche Bedeutung die Begegnung der Kulturen im Werk einnimmt.

  • Kulturelle Reflexion und Selbstwahrnehmung bei Günter Grass
  • Konfrontation mit indischer Lebenswirklichkeit und gesellschaftlicher Armut
  • Die Funktion des Zungen-Motivs und die Rolle der Göttin Kali
  • Die literarische und künstlerische Gestaltung des „Reisetagebuchs“
  • Resonanz und Kritik in Deutschland sowie aus indischer Sicht

Auszug aus dem Buch

c) Die Schutzgöttin Kali

In Indien sind die mythologischen Figuren des Hinduismus bis heute lebendig und werden im Alltag als absolute Leitbilder begriffen. Kali repräsentiert den Aspekt des Todes und der vollständigen Vernichtung, aber auch der Erneuerung. Meistens wird sie schwarz dargestellt, hat mehrere Hände, in denen sie abwechselnd abgeschlagene Köpfe, eine Sichel oder Blutschale hält. Als Schmuck trägt sie eine Halskette aus Menschenschädeln, einen Rock aus abgeschlagenen Armen, manchmal hängt auch ein totes Kind an ihrem Ohr.

Gläubige Hinduisten sehen in ihr jedoch nicht nur den destruktiven Charakter, sondern gehen davon aus, dass sich ihre Wut gegen Ungerechtigkeit richtet, dass sie mit ihrer Sichel Verwirrung und Unwissenheit durchschneidet und somit den Weg zur Erlösung frei macht. Jedes Jahr von Ende September bis Anfang Oktober wird in Calcutta zu Ehren der Göttin das „Kali Pujah“ gefeiert, wobei im Kalighat-Tempel ihre Statue (ein schwarzer Gesteinsblock) geschmückt und verehrt wird und Tieropfer gebracht werden – bis Mitte des 19. Jahrhunderts kamen auch religiös motivierte Enthauptungen von Jungen und Männern vor.

Das hinduistische Weltbild schreibt Kali einen wichtigen Platz zu: demnach herrscht seit Krishnas Tod 3102 v.Chr. das 432.000 Jahre währende Endzeitalter des Kali-Yuga, welches die letzte und furchtbarste von insgesamt vier, etwa vier Millionen Jahre umfassenden, Epochen darstellt. Das Kali-Yuga steht im Zeichen von Sünde, Krankheit und Irrlehre und erreicht seinen Höhepunkt in der Zerstörung allen irdischen Lebens durch Feuer und einer Flut, die von Kali herbeigeführt wird.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in den kulturellen Kontext von Günter Grass' Indienreisen ein und definiert die Fragestellung bezüglich seiner literarischen Identitätsreflexion in „Zunge zeigen“.

1 Vorzeichen: Was brachte Grass nach Indien mit?: Dieses Kapitel beleuchtet den intellektuellen und persönlichen Hintergrund von Grass, einschließlich seiner aufklärerischen Prägung, seines politischen Engagements und seiner kritischen Haltung gegenüber dem deutschen Literaturbetrieb.

2 Calcutta – Die Stadt der Göttin Kali: Hier werden die historische Entwicklung der Stadt sowie die mythologische Bedeutung der Schutzgöttin Kali und das zentrale Zungen-Motiv für das Werk analysiert.

3 Begegnungen und Erfahrungen: Das Kapitel widmet sich den konkreten Beobachtungen von Grass vor Ort, insbesondere dem sozialen Elend, der Rolle von Begegnungen mit Einheimischen sowie der Bedeutung von Kunst und Literatur.

4 Die Wirkung der Reise: Hier liegt der Fokus auf den physischen und psychischen Auswirkungen der Reise auf das Ehepaar Grass und wie der Blick auf Indien die eigene Wahrnehmung von Deutschland verändert.

5 Die künstlerische Essenz: Dieses Kapitel untersucht die ästhetische Gestaltung des Werkes, die Symbiose aus Graphik und Text sowie die stilistische Beschaffenheit des Prosateils und des Stadtgedichts.

6 Einige Reaktionen: Die Arbeit schließt mit einer Betrachtung der unterschiedlichen Rezeptionsweisen durch deutsche Literaturkritiker und intellektuelle indische Stimmen.

Schlüsselwörter

Günter Grass, Zunge zeigen, Calcutta, Indien, Identitätsreflexion, Kali, Interkulturalität, Reiseliteratur, Soziopolitische Analyse, Postkolonialismus, Literaturkritik, Selbstreflexion, Hinduismus, Schreibgraphik, Kulturbegegnung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische und künstlerische Auseinandersetzung von Günter Grass mit seinem Indien-Aufenthalt in „Zunge zeigen“ und untersucht, wie er dabei die eigene europäische Identität hinterfragt.

Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Konfrontation mit der indischen Lebensrealität, die Rolle von Mythen wie der Göttin Kali, die Verbindung von Text und Graphik sowie die gegenseitige kulturelle Wahrnehmung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, ob und wie die Annäherung an das „fremde“ Calcutta gelingt und in welcher Weise Grass das „eigene“ Europa durch diesen außereuropäischen Kontext reflektiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die sowohl den Inhalt als auch stilistische Mittel untersucht und durch einen Diskurs über die Literaturkritik ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Voraussetzungen der Reise, die mythologischen Bezüge, die praktischen Erfahrungen vor Ort sowie die künstlerische Verarbeitung und die öffentliche Rezeption detailliert dargelegt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Günter Grass, „Zunge zeigen“, Calcutta, kulturelle Identität, Postkolonialismus und interkulturelle Reflexion.

Welche Rolle spielt die Göttin Kali in der Analyse?

Kali dient nicht nur als mythologisches Leitmotiv, sondern wird von Grass zur Personifikation der totalen Anarchie und als Werkzeug zur Dekonstruktion erstarrter gesellschaftlicher Konventionen genutzt.

Warum wird das Verhältnis von Grass zu seinen Kritikern thematisiert?

Dies ist relevant, um zu verstehen, warum Grass das Bedürfnis hatte, die deutsche Öffentlichkeit hinter sich zu lassen, und wie diese innere Distanz seine Sicht auf Indien beeinflusste.

Wie unterscheidet sich die indische von der deutschen Rezeption?

Während deutsche Kritiker oft auf ästhetische Formfragen oder politische Haltungen von Grass fixiert waren, reagierten indische Intellektuelle oft empfindlich auf die seiner Meinung nach herablassende Darstellung der indischen Kultur.

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Details

Title
Fremderfahrung und Selbstreflexion in "Zunge zeigen" von Günter Grass
College
University of Hannover  (Deutsches Seminar)
Course
Forschungslernseminar: „Das Eigene und das Fremde. Funktionalisierung und Literarisierung des 'Anderen' in der deutschsprachigen Literatur“
Grade
1,0
Author
Anna-Maria Heinemann (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V140871
ISBN (eBook)
9783640479191
ISBN (Book)
9783640479139
Language
German
Tags
Fremderfahrung Selbstreflexion Zunge Günter Grass
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anna-Maria Heinemann (Author), 2006, Fremderfahrung und Selbstreflexion in "Zunge zeigen" von Günter Grass, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140871
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