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Die Fahndung nach Radovan Karadzic 1996 bis 2008

Vom Daytoner-Friedensabkommen bis zur Auslieferung von Radovan Karadzic - Eine Wirkungsanalyse des ICTY als Fallstudie

Title: Die Fahndung nach Radovan Karadzic 1996 bis 2008

Swiss Diploma Thesis , 2009 , 164 Pages , Grade: 5.5

Autor:in: Daniel Caduff (Author)

Politics - Region: Eastern Europe
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Summary Excerpt Details

Mit der Bombardierung der damaligen serbischen Provinz Kosovo, setzten die westlichen alliier-ten Streitmächte unter der Führung der USA 1999 den Kriegen auf dem Staatsgebiet des ehemaligen Jugoslawien vordergründig ein Ende. Etwas, das bei vielen bewaffneten Konflikten eine Art „offizielles Ende“ markiert, fehlte hier jedoch gänzlich: Die Entmachtung der unterlegenen Kriegsgegner, sowie ihre meist öffentlichkeitswirksam inszenierte Verurteilung, die nicht selten mit einem Todesurteil endet. Im ehemaligen Jugoslawien war alles anders: Der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, sowie sein militärischer Oberbefehlshaber Ratko Mladić konnten lange Zeit trotz angeblich intensiver polizeilicher und nachrichtendienstlicher Fahndung nicht ausgeliefert werden.

Schon früh machten dagegen Gerüchte in internationalen Medien die Runde, denen zu Folge die beiden Hauptverdächtigen an den mutmasslichen Kriegsverbrechen bei den Belagerungen der Städte Sarajewo und Srebrenica weiterhin auf dem Gebiet von Serbien leben würden. Da lag die Schlussfolgerung nahe, dass beide wohl von ehemaligen politischen und / oder militärischen Weggefährten unterstützt und beschützt würden.
Als Radovan Karadžić 2008 zu einem für viele Beobachter überraschenden Zeitpunkt doch noch verhaftet und an den ICTY ausgeliefert wurde, platzierte dieser eine Behauptung von ungeheu-rer politischer Sprengkraft: Die USA, genauer gesagt ihr Sondergesandter Richard Holbrooke, sollen Karadžić angeblich im Rahmen des Friedensabkommens von Dayton Straffreiheit zugesichert haben. Im Gegenzug dafür sollte sich Karadžić komplett aus der Politik und dem Militär zurückziehen und auch den Parteivorsitz abgeben.
Gewiss: Die Aussage von Radovan Karadžić kann sehr schnell als simple Schutzbehauptung abgetan werden, mit der er darüber hinaus noch die moralische Reputation des ehemaligen Kriegsgegners schädigte. Slavica Vesić konnte zudem starke Verbindungen zwischen der militärischen und politischen Führung der Serben und kriminellen Subjekten und Organisationen nachweisen (Vesić, 2008).

Doch es dauert geschlagene 13 Jahre, bis Radovan Karadžić an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert wird. Wieso dauerte dies so lange?

Ein weiterer möglicher Erklärungsansatz wäre der Einsatz Karadžić‘ als Druckmittel, mit dessen Auslieferung sich politische Zugeständnisse seitens der EU erlangen liessen. Und nicht zuletzt sollte auch die Möglichkeit eines Versagens der Fahndungskräfte berücksichtigt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

2.2 Aufbau der Arbeit

3. Historischer Überblick

3.1 Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen

3.2 Jugoslawien während des 2. Weltkrieges

3.3 Das kommunistische Jugoslawien unter Tito

3.4 Die Unabhängigkeit von Slowenien, Kroatien und Mazedonien

3.5 Der Krieg in Bosnien

4. Das Verhalten der UNO und der NATO

5. Srebrenica

5.1 Potočari

5.2 Zusammenfassung über den historischen Überblick

6. Fallstudie

6.1 Die Fallstudie in der Sozialwissenschaft

6.2 Quellen von Fallstudien (allgemein)

6.3 Verfügbarkeit und Verlässlichkeit der Dokumente

6.4 Expertenbefragung

6.5 Konstruktion der Fragen

6.6 Theoretische Herleitung der Fragen

6.6.1 Geheimabkommen zwischen den USA und Radovan Karadžić

6.6.2 Two-Level-Game nach Robert Putnam

6.6.3 Das diplomatische Verhalten der EU

6.6.4 Die Qualität der Fahndungsmassnahmen

6.7 Zusammenfassung Fallstudie

7. Konstruktion des Fragebogens

8. Inhaltsanalyse

8.1 Definition der Inhaltsanalyse

8.2 Quantitative vs. qualitative Inhaltsanalyse

8.3 Allgemeines inhaltsanalytisches Modell (nach Mayring)

8.3.1 Festlegung des Materials

8.3.2 Analyse der Entstehungssituation

8.3.3 Formale Charakteristika des Materials

8.3.4 Richtung der Analyse

8.3.5 Theoretische Differenzierung der Fragestellung

8.3.6 Definition der Analysetechniken und Festlegung des konkreten Ablaufmodells

8.3.7 Definition der Analyseeinheiten

8.4.1 Analyse der Annual Reports: Definitionen

8.4.2 Analyse der Annual Reports: Vorgehen

8.4.3 Analyse der Annual Reports: Zusammenfassungen

8.4.4 Analyse der Completion strategies: Zusammenfassungen

9. Interviews

9.1 Interviewfragen und Verteilung der Antworten

9.2 Aussagen der Experten

10. Ergebnisse

10.1 Die Suche nach dem Geheimabkommen

10.2 Das Multi-Level-Game Oder: Wieso die Serben auf allen Ebenen falsch spielten

10.3 Das diplomatische Verhalten der EU: Zuckerbrot ohne Peitsche

10.4 Die Qualität der Fahndung des ICTY

10.5 Fazit

10.6 Hypothesen und Ausblick

11. Anhang

11.1 Für die Inhaltsanalyse extrahierte Textstellen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Gründe für die langjährige Erfolglosigkeit bei der Fahndung nach Radovan Karadžić zwischen 1996 und 2008. Der Autor geht der Forschungsfrage nach, welche Faktoren – insbesondere das Zusammenspiel zwischen internationalem Druck, internem politischen Widerstand und der Effizienz der internationalen Akteure – die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers verhinderten.

  • Historische Analyse des Balkans und des Zerfalls Jugoslawiens
  • Untersuchung der Rolle der UNO, der NATO und der EU
  • Kritische Aufarbeitung der Fahndungsqualität des ICTY
  • Theoretische Fundierung mittels "Two-Level-Game" nach Putnam
  • Auswertung von Annual Reports und Experteninterviews

Auszug aus dem Buch

2. EINLEITUNG

Mit der Bombardierung der damaligen serbischen Provinz Kosovo, setzten die westlichen alliierten Streitmächte unter der Führung der USA 1999 den Kriegen auf dem Staatsgebiet des ehemaligen Jugoslawien vordergründig ein Ende. Etwas, das bei vielen bewaffneten Konflikten eine Art „offizielles Ende“ markiert, fehlte hier jedoch gänzlich: Die Entmachtung der unterlegenen Kriegsgegner, sowie ihre meist öffentlichkeitswirksam inszenierte Verurteilung, die nicht selten mit einem Todesurteil endet. Im ehemaligen Jugoslawien war alles anders: Der politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadžić, sowie sein militärischer Oberbefehlshaber Ratko Mladić konnten lange Zeit trotz angeblich intensiver polizeilicher und nachrichtendienstlicher Fahndung nicht ausgeliefert werden.

Die damalige Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshof in Brüssel, die Schweizerin Carla Del Ponte, versicherte zwar mehrfach, man sei den zwei Gesuchten dicht auf den Fersen, zählbare Erfolge konnte sie hingegen während ihrer gesamten Amtszeit keine vorweisen.

Schon früh machten dagegen Gerüchte in internationalen Medien die Runde, denen zu Folge die beiden Hauptverdächtigen an mutmasslichen Kriegsverbrechen bei den Belagerungen der Städte Sarajevo und Srebrenica weiterhin auf dem Gebiet von Serbien leben würden. Da lag die Schlussfolgerung nahe, dass beide wohl von ehemaligen politischen und / oder militärischen Weggefährten unterstützt und beschützt würden.

Als Radovan Karadžić 2008 zu einem für viele Beobachter überraschenden Zeitpunkt doch noch verhaftet und an den ICTY ausgeliefert wurde, platzierte dieser eine Behauptung von ungeheurer politischer Sprengkraft: Die USA, genauer gesagt ihr Sondergesandter Richard Holbrooke, sollen Karadžić angeblich im Rahmen des Friedensabkommens von Dayton Straffreiheit zugesichert haben. Im Gegenzug dafür sollte sich Karadžić komplett aus der Politik und dem Militär zurückziehen und auch den Parteivorsitz abgeben.

Zusammenfassung der Kapitel

2. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige, erfolglose Fahndung nach den Kriegsverbrechern Radovan Karadžić und Ratko Mladić trotz internationalem Druck durch den ICTY.

3. Historischer Überblick: Dieses Kapitel liefert eine historische Kontextualisierung der Balkanregion, von der Entstehung des jugoslawischen Staates bis hin zum Zerfall und den Kriegen in den 1990er Jahren.

4. Das Verhalten der UNO und der NATO: Der Autor analysiert hier die Rolle der internationalen Organisationen und deren begrenzte Möglichkeiten sowie die Konflikte zwischen Frieden und Gerechtigkeit.

5. Srebrenica: Dieses Kapitel widmet sich dem Massaker von Srebrenica als zentralem Anklagepunkt gegen Radovan Karadžić und den damit verbundenen humanitären und politischen Versäumnissen.

6. Fallstudie: Hier wird das methodische Vorgehen der Arbeit dargelegt, welches auf Fallstudien, Dokumentenanalysen und Expertenbefragungen basiert.

7. Konstruktion des Fragebogens: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung und Anwendung des Leitfadens für die Experteninterviews zur wissenschaftlichen Fundierung der Arbeit.

8. Inhaltsanalyse: Der Autor erläutert hier die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring, die zur systematischen Auswertung der ICTY-Jahresberichte angewandt wurde.

9. Interviews: In diesem Kapitel werden die Aussagen und Perspektiven der befragten Experten zur Fahndungsarbeit und den politischen Hintergründen präsentiert.

10. Ergebnisse: Der Hauptteil der Arbeit fasst die Erkenntnisse zu den vier Forschungsfragen zusammen, einschließlich des Themas Geheimabkommen und des Multi-Level-Games.

11. Anhang: Dieser Teil enthält detaillierte Tabellen zu den extrahierten Textstellen, Abbildungsverzeichnisse sowie das Literaturverzeichnis.

Schlüsselwörter

Radovan Karadžić, ICTY, Jugoslawien-Krieg, Srebrenica, Inhaltsanalyse, Two-Level-Game, Internationale Politik, Strafverfolgung, Geopolitik, Richard Holbrooke, Experteninterviews, Kriegsverbrechen, Diplomatie, Geheimabkommen, Fahndung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die langjährige Fahndung nach Radovan Karadžić und untersucht, warum der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) trotz internationalem Druck erst nach 13 Jahren erfolgreich war.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die historische Genese des Jugoslawien-Konflikts, die Rolle von UNO und NATO, die Qualität der Fahndungsinstrumente des ICTY und der politische Einfluss auf die Strafverfolgung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Gründe für die verzögerte Auslieferung zu identifizieren und zu prüfen, ob politische Absprachen (Geheimabkommen) oder strukturelle Mängel der internationalen Gemeinschaft die Fahndung behinderten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine Kombination aus qualitativer Inhaltsanalyse (nach Mayring) von offiziellen ICTY-Dokumenten und empirischen Experteninterviews zur Gewinnung von Erkenntnissen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine methodische Fallstudie, die systematische Inhaltsanalyse der Annual Reports und die Auswertung der Expertenmeinungen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Radovan Karadžić, ICTY, Jugoslawien-Krieg, Srebrenica, Two-Level-Game, internationale Strafverfolgung und politische Diplomatie.

Inwiefern spielt das Konzept des "Two-Level-Games" eine Rolle?

Das Konzept wird genutzt, um das komplexe Taktieren serbischer Akteure zu erklären, die nach außen Kooperation mit dem ICTY vortäuschten, um innenpolitisch Stabilität und Unterstützung zu sichern.

Was bedeutet die Aussage "Zuckerbrot ohne Peitsche" im Kontext der EU?

Damit wird das diplomatische Verhalten der EU gegenüber Serbien beschrieben, das primär auf Anreize (Assoziierungsabkommen) setzte, anstatt effektive Sanktionen ("Peitsche") konsequent durchzusetzen.

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Details

Title
Die Fahndung nach Radovan Karadzic 1996 bis 2008
Subtitle
Vom Daytoner-Friedensabkommen bis zur Auslieferung von Radovan Karadzic - Eine Wirkungsanalyse des ICTY als Fallstudie
College
University of Zurich  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Master / Lizentiatsstudium
Grade
5.5
Author
Daniel Caduff (Author)
Publication Year
2009
Pages
164
Catalog Number
V140889
ISBN (eBook)
9783640481644
ISBN (Book)
9783640481804
Language
German
Tags
Jugoslawien Jugoslawienkrieg Radovan Karadzic ICTY Internationaler Strafgerichtshof Carla Del Ponte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Caduff (Author), 2009, Die Fahndung nach Radovan Karadzic 1996 bis 2008, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140889
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