Deutungsmuster Winter

Durch individuelle Vorstellungen ein Versuch, das Muster Winter im deutschsprachigen Raum zu rekonstruieren


Hausarbeit, 2009
29 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Theoretischer Rahmen
1.1 Kultur und Landeskunde als Kulturwissenschaft
1.2 Deutungsmuster, Wahrnehmung und die Selbstverständlichkeit

2. Zur Begründung der Themen- und Methodenauswahl

3. Deutungsmuster Winter
3.1 Individuelle Bilder
3.2 Analyse des Deutungsmusters Winter
3.3 Winter in der Grundschule – Entstehung des Musters?

Schlussfolgerung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang
1. Lehrwerke
2. Interviewen
3. Schulbücher

Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit ist im Grunde genommen ein Versuch zunächst eine Methode auszuprobieren, durch die bewusste oder unbewusste Merkmale eines Musters hervorgerufen werden können, um, zweitens, durch individuelle Vorstellungen das Muster Winter im deutschsprachigen Raum zu rekonstruieren. Damit ist nicht gemeint ein „typisches Deutsch“, eine nationale Vorstellung oder Deutungsmuster herauszufinden, weil es so etwas laut Altmayer (2002, S.6) nie gegeben hat. Mich interessiert der deutschsprachige Raum öffentlich, weil da die deutsche Sprache gesprochen und gedeutet wird, wodurch kulturelle deutsche Deutungsmuster aufgebaut werden. Hier stellt sich die Frage: Wie kommt das Muster Winter zustande und wie kann man es erlernbar machen und im DaF-Unterricht vermitteln? Wie sieht dieses Muster überhaupt aus?

Im ersten Kapitel (1.1 und 1.2) stelle ich kurz vor, wie Kultur, Landeskunde, Deutungsmuster, Wahrnehmung und Selbstverständlichkeit in dieser Arbeit verstanden werden. Im zweiten Kapitel begründe ich, weswegen das Thema Winter ausgewählt wurde, seine Wichtigkeit, die Vielfalt der mit dem zusammenhängenden Themen und auch warum die entsprechende Methode bevorzugt wurde.

Im dritten Kapitel komme ich zu Analyse und Ergebnis der realisierten Interviews und zur Vorstellung dieses Themas in der Schule. Wird die Entstehung bestimmter Muster in der Schule aufgebaut?

Zum Schluss schlage ich vor, wie man mit diesem Thema noch weiter arbeiten kann.

1. Theoretischer Rahmen

1.1 Kultur und Landeskunde als Kulturwissenschaft

Ich teile die Meinung von Breidenbach/Zukrig. (2002, S.24, zit. in Altmayer, 2007, S.184), dass Kultur „ein Prozess ist, durch den Menschen der Welt, in der sie leben, einen Sinn geben“, denn sie betrachten und deuten ihre Welt und ihre Wirklichkeit durch ihre Kultur, durch das, was sie erleben, erfahren und gelernt haben. Was ein Mensch sieht, ist, was er kennt. In diesem Sinne beinhaltet Kultur sowohl Geschichte als auch Verhaltensweise. Darüber hinaus ist die Kultur, was uns anderen Menschen näher bringt und das Gefühl der Angehörigkeit vermittelt, denn ‚Kultur‘ versieht uns vor allem mit einem Repertoire an gemeinsamem Wissen, das dazu dient, uns selbst, unserer Umwelt und unserem Handeln Sinn zu geben (Altmayer, 2007, S.184). Damit hängt zusammen, dass die Wirklichkeit das Ergebnis eines permanenten Konstruktions- und Deutungsprozesses ist, das sich mittels sozialer Begegnung mit Menschen ergibt und

nur aufgrund dieser Deutungs- und Sinnzuschreibungsprozesse sind wir in der Lage, Situationen und Erfahrungen einzuordnen und zu verstehen, uns in unserer Umgebung zu orientieren und situationsangemessen zu handeln, nicht primär für die individuellen Sinnzuschreibungen selbst, sondern für den Bestand an kollektivem Wissen. (...) Die Herstellung einer gemeinsamen Wirklichkeit besteht aus einer Vielzahl einzelner Elemente zusammengesetzt musterhaftes, typisiertes, generisches Wissen zu einem bestimmten Erfahrungsbereich.“ (Altmayer, 2007, S.185-186).

Damit zusammenhängend erfordert die Aufgabe der Landeskunde spezifische Forschungen im Bereich der Kulturwissenschaft, um Lernmaterialien und Methoden für DaF zu entwickeln, ohne dass man in die Pauschalisierung der Landeskunde verfällt und Stereotypen vermittelt und aufbaut. Das Ziel des Landeskundeunterrichts ist in erster Linie nicht nur Stereotypen abzubauen oder ein Bild von Deutschland zu geben, noch weniger nur faktische Inhalte zu vermitteln. Meiner Ansicht nach ist die Aufgabe der Landeskunde vielmehr, Deutungsmuster erlernbar zu machen, damit die DaF-Lernenden in der Lage sind, Diskurse im deutschsprachigen Raum zu verstehen und zu interagieren – nicht nur passiv oder rezeptiv, sondern auch um aktiv und kritisch zu sein und sich damit auseinandersetzen zu können. Damit dies ermöglicht werden kann, ist in den Mittelpunkt zu rücken, dass sich die Recherche auf die im deutschsprachigen Raum wichtigen kulturellen Deutungsmuster konzentriert und dafür arbeitet, diese Muster zu rekonstruieren. Sie versucht, das Unbewusste bewusst zu machen, um es im DaF-Unterricht vermittel- und erlernbar machen zu können.

Wichtig ist der Hinweis von Altmayer (2007, S.187), dass

„wenn demnach im Kontext der Kulturwissenschaft beispielsweise von ‚deutschen‘ kulturellen Deutungsmustern die Rede ist, dann bezieht sich dies nicht auf die Ebene der ‚Nation‘, sondern vor allem auf die Ebene der Sprache. Es handelt sich demnach um Muster, die in deutschsprachiger Kommunikation oder in deutschsprachigen Diskursen verwendet werden.“

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Vorkenntnisse des Lernenden berücksichtigt werden sollen. Dadurch kann sich seine Perspektive erweitern, insofern die Gelegenheit besteht, dass er nicht nur mit den deutschen kulturellen Deutungsmustern Kontakt aufnimmt, sondern auch über die kulturellen Deutungsmuster seiner eigenen sozialen Umgebung reflektieren kann.

1.2 Deutungsmuster, Wahrnehmung und die Selbstverständlichkeit

In dieser Arbeit wird Deutungsmuster als ein Setting von Erlebnissen und Erfahrungen verstanden, womit man seine Welt deute. Ein Deutungsmuster ist ein implizites Wissen, das jeder im Laufe des Lebens durch Erfahrungen und Erlebnisse aufbaut und das in bestimmten Situationen, die eine Handlung, Diskurse oder Symbole sein können, zuwege gebracht wird, damit diese Situationen vom Individuum gedeutet und in ihre Welt eingeordnet werden können.

Dazu kommt, dass man seine Wirklichkeit, je nach dem Muster einer bestimmten Situation, anders wahrnimmt. Deswegen geht es um Individuen, individuelle Wahrnehmungen. Wie ich die Welt sehe ist anders als wie die Anderen die Welt sehen. Hier gibt es aber Ähnlichkeiten, die mir helfen, mit anderen Verständnis zu schaffen – oder nicht – und das wäre eine Facette der Kultur eines Individuums oder einer Gruppe. Befinde ich mich mit einer Person in einer bestimmten Situation und wir verstehen einander sofort, haben wir dafür dasselbe oder sehr ähnliche Muster. Was daraus folgt, ist, dass es in dieser Situation zu erwartende Verhältnisse oder Diskurse geben kann, die für zwei Personen mit gleichen Mustern selbstverständlich sind, was für ein Individuum, der das Muster nicht kennt, fremd oder komisch empfunden werden kann.

Selbstverständlichkeit bezieht sich auf eine Gruppe, in der die betroffenen Mitglieder dieser Gruppe gemeinsame Deutungsmuster hinsichtlich einer Situation haben. Dadurch, dass diese Personen gemeinsame Deutungsmuster haben, deuten sie die entsprechende Situation ähnlich und daraus folgen ähnliche Handlungen, Verhaltungsweisen und Interpretationen, die für die Gruppe selbstverständlich sind, da das Verstehen ähnlich ist. Zum Beispiel gibt es in einer Gruppe die Regel, dass man im Winter die Heizung mindestens auf Stufe eins stellen soll, damit die Rohre nicht einfrieren. Die Mitglieder diese Gruppe wissen es schon und wenn der Winter kommt, tun sie es, ohne dass man die entstrechende Handlung erklärt. Ein anderes Beispiel: wenn man im Radio den Wetterbericht hört, dass die Gefahr auf Glatteis besteht, wird man auf der Straße vorsichtiger fahren oder laufen und hoffen, dass zeitig Salz gestreut wird. Diese Selbstverständlichkeit entsteht aus der Erfahrung und Sozialisierung der Personen dieser Gruppe. Wenn eine Person, die dieselben Erfahrungen, die diese Gruppe teilt, nicht erlebt hat, Kontakt mit dieser Gruppe aufnimmt, kann es sein, dass die Person Handlungen, Verhaltensweise, Diskurse oder Symbole nicht deuten kann oder missversteht. Weil es sein kann, dass die neue Person in der Gruppe entweder solche Handlungen, Verhaltensweisen, Diskurse oder Symbole überhaupt nie gesehen hatte oder doch gesehen, aber mit anderer Bedeutung, wie Handsignale, die für eine Gruppe OK bedeuten und für eine andere Gruppe ein Schimpfsignal sein können. Deswegen ist es wichtig, klar zu machen, wie bestimmte Muster im deutschsprachigen Raum gedeutet werden und sie vielleicht zu begründen versuchen, d.h. die Muster zu erkennen und sie zu rekonstruieren.

2. Zur Begründung der Themen- und Methodenauswahl

Wetter ist ein beliebtes Thema in den DaF-Lehrwerken und es wird zu verschiedenen Zwecken genutzt.

a. neuen Wortschatz einführen, sei es auf Wetter (Abb.1)[1], Bekleidung (Abb.2) oder Monate bezogen (Abb.3)[2]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Abb. 2 - Themen Aktuell A1, S.78

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Abb. 3 – Tangram Aktuell A1, Lektion 5, S. 10

b. Wetterbericht verstehen (Abb. 4)[3]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

c. Grammatik, wie in den folgenden Beispielen mit Imperativ (Abb.5), oder Superlativ (Abb.6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 – Berliner Platz B1, Lektion 9, S. 20

Wo die Jahreszeiten vorkommen, bleiben die Informationen auf der fachlichen Ebene, z.B. wann jede Jahreszeit anfängt und endet (Abb. 7), wo die Autoren davon ausgehen, dass sich die Lernenden im deutschsprachigen Raum gut zurecht finden und Bescheid wissen, welche Jahreszeit welchen Monaten entspricht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] weitere Beispiele im Anhang Abb. 1.1 – 1.5

[2] weitere Beispiele im Anhang Abb. 3.1 – 3.4

[3] weitere Beispiele im Anhang Abb. 4.1 – 4.4

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Deutungsmuster Winter
Untertitel
Durch individuelle Vorstellungen ein Versuch, das Muster Winter im deutschsprachigen Raum zu rekonstruieren
Hochschule
Universität Leipzig  (Herder Institut)
Veranstaltung
Kulturwissenschafliche Forschung
Note
2.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V140961
ISBN (eBook)
9783640489091
ISBN (Buch)
9783640488896
Dateigröße
1309 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutungsmuster, Winter, Durch, Vorstellungen, Versuch, Muster, Raum
Arbeit zitieren
Katia Aiko Murata Arend (Autor), 2009, Deutungsmuster Winter , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140961

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