Ein Alptraum - Kurzgeschichte


Ausarbeitung, 2009
2 Seiten

Leseprobe

- Ein Alptraum -

Die Party meines Kumpels war immer noch in vollem Gange, als ich gegangen war. Nach fünf Tagen Montagearbeit pro Woche und zwölf bis vierzehn Arbeitsstunden täglich darf man auch mal müde sein. Aber die Party war gut, das musste ich zugeben. Viele alte Freundinnen und Freunde waren auch dort, unter anderem auch eine frühere Bekannte, mit der ich mal ein One-Night-Stand hatte. Sie fiel mir um den Hals und wir küssten uns auf die Wangen, als wir uns sahen. Wir unterhielten uns kurz, trennten uns wieder, und als wir uns später erneut begegneten, hatten wir uns diskret ins Gästezimmer zurückgezogen.

Es war schon fast früh am Morgen, als ich vor unserer Haustür betrunken aus dem Taxi kletterte, nachdem ich bezahlt hatte, und ging den Weg zum Hauseingang, der auf der Rückseite war, entlang. Ich bewohnte seit Jahren zusammen mit meiner Lebensgefährtin eine Wohnung, für die sie als Eigentümerin eingetragen war, ich hatte finanziell die Hälfte des Kaufpreises dabei gesteuert. Lediglich der Vollmond, der bereits über den Tannen stand, zeigte mir den Weg. Am linken Wegesrand befand sich die Hauswand, und auf der rechten Seite standen vorne, zur Straße hin, Sträucher, und nach hinten hin Tannen. Fast blind, aber wegen der Gewohnheit doch nicht orientierungslos, torkelte ich den Weg entlang bis zu unserer Haustür. Schwankend kramte ich in meiner Hosentasche nach dem Haustürschlüssel, es fiel mir schwer. Meine Lebensgefährtin hatte keine Lust, mich zu begleiten und war zu Hause geblieben, also versuchte ich so leise wie möglich zu sein, um sie nicht aufzuwecken. Leise schlich ich durch das Treppenhaus, vorsichtig drehte ich den Schlüssel im Schloss um. Zu Hause angekommen zog ich Jacke und Schuhe aus, putzte mir im Bad die Zähne, ging leise ins Schlafzimmer, zog dort meinen Pyjama an, und legte mich ins Bett. Erschöpft wie ich war, schlief ich auch sofort ein.

Und kaum hatte ich die Augen geschlossen, begann ich auch schon zu träumen. In meinem Traum stieg ich immer noch gut benebelt wieder aus dem Bett, zog meine Hausschuhe an, griff leise nach dem Haustürschlüssel, und ging nach draußen vor die Tür, um eine Zigarette zu rauchen und um Sauerstoff zu tanken. Es müsste Sommeranfang gewesen sein, denn es war in dieser Nacht nicht mehr kalt draußen. Zigaretten und Feuerzeug hatte ich ja noch in der Jackentasche. Ich lehnte mich an die Hauswand, steckte mir eine Zigarette an und zog genüsslich daran und schloss die Augen.

„Wird ja Zeit, dass du auch mal heim kommst“, sprach mich plötzlich eine mir fremde Frauenstimme unter den Tannen an. So benommen, wie ich vom Alkohol noch war, musste ich mit Blick in Richtung Tannen die Augen stark zusammenkneifen, trotzdem konnte ich aber niemanden sehen. Für einen Moment dachte ich, meine verflossene Sexpartnerin hätte hinter mir her spioniert. Doch dann trat unter den Tannen eine zierliche Frau hervor, etwa einen halben Kopf kleiner als ich, ich schätzte sie auf Ende zwanzig, Anfang dreizig Jahre alt. Sie trug schwarze Schuhe mit Absätzen, die bei jedem Schritt klackten, eine elegante, schwarze Hose, ihren schlanken Oberkörper mit weiblichen Rundungen versteckte sie unter einem hautengen und ein wenig bauchfreiem Oberteil, natürlich schwarzfarben. Ihre schulterlangen schwarzen Haare trug sie offen, und ihr schlanker Hals zierte ein schwarzes Halsband mit einem Amulett als Anhänger. Das Mondeslicht wirkte auf ihrem Hals wie UV-Licht, so dass die blauen Adern zu sehen waren, weshalb ich sie für eine Junkiebraut hielt und sie nicht weiter für voll nahm. „Wer bist du denn?“, fragte ich, mich immer noch in Partystimmung befindend, nachdem ich sie gemustert hatte.

„Das ist doch egal. Du treibst es doch gerne mit fremden Frauen. Stimmt` s?!“

„Davon träumst du vielleicht…!“, gab ich zynisch zurück, und lachte leise.

„Ich war vorhin auf der Party. Hast du mich denn nicht gesehen?“

Plötzlich wurde mir etwas mulmig zumute. Ich befürchtete eine Erpressung, so als wenn sie meine Lebensgefährtin kenne.

„Was willst du von mir?“, fragte ich streng, um Eindruck zu schinden. Doch sie schien meine Angst förmlich zu riechen. Statt darauf einzugehen, packte sie mir in den Schritt, und sagte: „Hättest dir wenigstens vorhin den Schwanz waschen können. Aber du kannst froh sein, dass ich auch auf Frauen stehe“. Dabei kniete sie vor mir nieder, zog mir die Hose runter und nahm ihn in den Mund. Im Mondenschein sahen ihre Zähne ja wunderschön aus, perfekt aneinander gereiht. Doch nun, als ich versuchte, sie abzuwehren, und das möglichst leise, spürte ich plötzlich, dass sie sehr dünne und spitze Zähne hatte, mit denen sie vorsichtig am Schaft rieb. Scheiße, ich hatte es mit einer Vampir-Frau zu tun. Nun saß ich in der Klemme: einerseits bekam ich Angst, dass Nachbarn uns sehen könnten, andererseits spürte ich, dass mein kleiner Freund sich regte. Wie hätte das wohl ausgesehen, wenn ich laut um Hilfe gerufen hätte – ich als Mann, wegen einer Frau? Einen schweren Gegenstand, mit dem ich sie hätte töten, oder zumindest ohnmächtig schlagen können, hatte ich zufälligerweise auch nicht zur Hand. Aus Angst vor einer falschen Bewegung ihrerseits schloss ich die Augen und genoss den Augenblick, mit der Hoffnung, nicht entdeckt zu werden. Es fiel mir schwer, so still wie nur möglich da zu stehen.

[...]

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Details

Titel
Ein Alptraum - Kurzgeschichte
Autor
Jahr
2009
Seiten
2
Katalognummer
V140988
ISBN (eBook)
9783640482610
Dateigröße
349 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alptraum, Kurzgeschichte
Arbeit zitieren
Ralf Ebersoldt (Autor), 2009, Ein Alptraum - Kurzgeschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140988

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