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Die Vergangenheit als determinierender Faktor in ausgewählten Dramen Henrik Ibsens

Title: Die Vergangenheit als determinierender Faktor in ausgewählten Dramen Henrik Ibsens

Thesis (M.A.) , 2006 , 61 Pages

Autor:in: Matthias Linge (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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„Alles ist schon da, und es wird nur herausgewickelt.“ So schreibt Friedrich Schiller am 2. Oktober 1797 in einem Brief an Johann Wolfgang Goethe über den „Oedipus“ von Sophokles, und damit ist der Anfang gemacht, Enthüllungsdramen und deren Handlungsstrukturen literaturwissenschaftlich zu untersuchen. Allerdings gibt Schillers Brief noch keine ausreichende Auskunft darüber, was er für die Struktur des „Oedipus“ für entscheidender hält: die analytische Handlung, die die polare Spannung „Geheimnis-Auflösung des Geheimnisses“ bestimmt, oder das durch das Orakel gegebene mantische Geschehen, welches sich für die polare Spannung „Vorbestimmung - Erfüllung der Bestimmung“ zeichnet. Auch das Verhältnis zwischen Vorgeschichte und gegenwärtiger dramatischer Handlung, das für die vorliegende Untersuchung von besonderem Interesse sein wird, bleibt damit unberührt. So ist mit großer Wahrscheinlichkeit zutreffend, „daß Schiller diese zwei für die Struktur der sophokleischen Tragödie zentralen Komponenten, die kriminalistische und die mantische, nicht immer deutlich genug differenziert hat.“
Die Begründung für diese Annahme findet sich in Schillers abschließenden Anmerkungen über den Anteil des Orakels an der Tragödie, wo er nicht zwischen den zwei verschiedenen Arten von Orakeln unterscheidet: aus der Prophezeiung des einen Orakels geht hervor, dass die Stadt Theben erst dann von der Pest befreit wird, wenn der Mörder des Königs Laios gefunden und bestraft wird. Neben diesem hypothetischen „Wenn-dann“ prophezeit ein zweites Orakel, dass Oedipus seinen Vater Laios erschlagen und seine Mutter Iokaste ehelichen wird. „Kategorisch-rätselhaft“ nennt Sträßner dieses zweite Orakel, dessen Weissagungen längst eingetreten sind und so keine gegenwärtigen Aktivitäten veranlassen kann. Allein die hypothetische Prophezeiung konstituiert die analytische Handlungsstruktur und motiviert das tragische Geschehen, während die kategorisch-rätselhaften Prophezeiungen auf schicksalhafte Verknüpfungen verweisen, die für die dramatis personae zunächst in ihrem aktuellen Handeln ohne Bedeutung bleiben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Ausgangspunkt und Ziel der vorliegenden Untersuchung

III. Komponenten in Ibsens Dramen

1. Aufdeckungsbericht

2. Finalität

3. Dilemmata

4. Analogie

IV. Ibsens Enthüllungsdramen

1. „Stützen der Gesellschaft“

2. „Nora (Ein Puppenheim)“

3. „Gespenster“

V. Ergebnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Henrik Ibsen in seinen Enthüllungsdramen „Stützen der Gesellschaft“, „Nora (Ein Puppenheim)“ und „Gespenster“ die Vergangenheit als determinierenden Faktor gestaltet. Das primäre Ziel der Untersuchung ist es aufzuzeigen, dass Ibsen Skandal- und Fatalwert vergangener Ereignisse nicht um ihrer selbst willen thematisiert, sondern um eine subjektive Auseinandersetzung der dramatis personae mit ihrer persönlichen Verantwortung und deren Relevanz für die Gegenwart zu ermöglichen.

  • Die funktionale Verknüpfung von Skandalwert und Fatalwert in Ibsens Dramatik.
  • Die Entwicklung von einer gesellschaftlichen hin zu einer intimen, familiären Öffentlichkeit.
  • Die Analyse des dramaturgischen Prinzips der Analogie-Setzung.
  • Der Zusammenhang zwischen vergangenem Fehltritt und gegenwärtigem Erkenntnisprozess.

Auszug aus dem Buch

3. Dilemmata

Diese so genannten Prospektionszustände bzw. ihre Veränderungen durch den Rezipienten lassen sich an Dilemmata nachweisen, die sich in dem typischen Beispiel von Generalspannung-Spannung, die für alle tektonisch gebauten Dramen charakteristisch sind, wieder finden.

Mit der für das Enthüllungsdrama typischen Form des Dilemmas soll nun erstmals auf die besondere Dramatik Ibsens Bezug genommen werden:

In „Stützen der Gesellschaft“ muss Karsten Bernick den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ruin fürchten, wenn aufgedeckt wird, dass nicht wie vermutet Johann Tönnesen, sondern er selbst für bestimmte, in der Vergangenheit liegende Ereignisse verantwortlich ist. Wird der Sachverhalt nicht aufgedeckt, ist eine öffentlich legitimierte Verbindung zwischen Tönnesen und Dina Dorf nicht möglich, da Tönnesen für Dinas Vater gehalten wird.

In „Nora (Ein Puppenheim)“ zerstört Nora den häuslichen und ehelichen Frieden, wenn sie ihrem Mann eine vor Jahren begangene Unterschriftenfälschung gesteht. Verschweigt sie dahingegen weiterhin die Tat, ist die gesellschaftliche Stellung ihres Mannes in Gefahr.

In „Gespenster“ zerstört Frau Alving ihrem Sohn Osvald das von ihr mühevoll aufgebaute Vaterbild, wenn sie den tatsächlichen Lebenswandel ihres verstorbenen Mannes aufdeckt. Klärt sie ihren Sohn hingegen nicht auf, droht ein Inzest.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Untersuchung von Enthüllungsdramen ein und diskutiert die Bedeutung analytischer Handlungsstrukturen sowie das Verhältnis von Vorgeschichte und Gegenwart.

II. Ausgangspunkt und Ziel der vorliegenden Untersuchung: Es wird dargelegt, wie Ibsen Skandal- und Fatalwerte von Vergangenheit nutzt, um die subjektive Relevanz für die Figuren zu thematisieren und deren persönliche Auseinandersetzung zu rahmen.

III. Komponenten in Ibsens Dramen: Dieses Kapitel analysiert zentrale strukturelle Elemente wie den Aufdeckungsbericht, das Konzept der Finalität, Dilemmata und das Prinzip der Analogie-Setzung.

IV. Ibsens Enthüllungsdramen: Hier erfolgt eine detaillierte Einzelstudie der Dramen „Stützen der Gesellschaft“, „Nora (Ein Puppenheim)“ und „Gespenster“ hinsichtlich ihrer analytisch-finalen Handlungsführung.

V. Ergebnis: Das Kapitel resümiert die Entwicklung hin zum familiären Forum und die Bedeutung der Vergangenheit als sichtbares Symbol persönlichen Verschuldens durch die Subjektivierung des Erkenntnisprozesses.

Schlüsselwörter

Ibsen, Enthüllungsdrama, analytisches Drama, Vergangenheit, Skandalwert, Fatalwert, Analogie, Dilemma, Finalität, Konfrontation, Erkenntnisprozess, Verantwortung, Lebenslüge, familiäre Öffentlichkeit, Selbstverschulden.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht die analytische Dramentechnik von Henrik Ibsen und wie er die Vergangenheit als determinierenden Faktor in drei seiner wichtigsten Dramen einsetzt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Struktur des Enthüllungsdramas, der Umgang mit der eigenen Vergangenheit und die psychologische Entwicklung der Protagonisten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll nachgewiesen werden, dass Ibsen durch die Verknüpfung von Skandal- und Fatalwerten die subjektive Relevanz der Vergangenheit für das gegenwärtige Handeln der Figuren hervorhebt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse der Primärtexte unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur zum analytischen Drama.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der dramatischen Komponenten und anschließende Einzelstudien zu „Stützen der Gesellschaft“, „Nora (Ein Puppenheim)“ und „Gespenster“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Enthüllungsdrama, Analogie, Fatalwert, Skandalwert, Erkenntnisprozess und Verantwortung.

Warum spielt das „familiäre Forum“ eine so große Rolle bei Ibsen?

Laut der Untersuchung findet eine kontinuierliche Entwicklung weg von der breiten gesellschaftlichen Öffentlichkeit hin zur privaten Sphäre der Familie statt, da sich dort die Auswirkungen der Vergangenheit am intensivsten entfalten.

Wie unterscheidet sich die Rolle der Vergangenheit in „Gespenster“ von den anderen untersuchten Stücken?

In „Gespenster“ nimmt der Fatalwert der Vergangenheit die dominanteste Rolle ein, wobei die familiäre Vergangenheit so stark präsent ist, dass sie den Inzest als reale Gefahr für die Protagonisten heraufbeschwört.

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Details

Title
Die Vergangenheit als determinierender Faktor in ausgewählten Dramen Henrik Ibsens
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Author
Matthias Linge (Author)
Publication Year
2006
Pages
61
Catalog Number
V141042
ISBN (eBook)
9783640979295
ISBN (Book)
9783640979653
Language
German
Tags
Stützen der Gesellschaft Nora (Ein Puppenheim) Gespenster
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Linge (Author), 2006, Die Vergangenheit als determinierender Faktor in ausgewählten Dramen Henrik Ibsens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141042
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