Es wäre nicht vermessen zu sagen, dass die Frage, was ist Schönheit, bereits
Generationen von Denkern verschiedenster Strömungen beschäftigt hat. Vor allem in der philosophischen Disziplin, der Ästhetik, ist über Jahrhunderte versucht worden, Erklärungen und Regeln aufzubringen, um dem Phänomen des Schönen auf den Grund zu gehen.
Mit welcher Systematik können beispielsweise Aussagen bewertet werden wie: „Ich finde dieses Gemälde, anders als jene Skulptur, schön“. Eine vielversprechende Lösungsmöglichkeit bieten die erst seit einiger Zeit vielseitig betriebenen Diskussionen innerhalb des neuen wissenschaftlichen Forschungszweiges, der Neuroästhetik.
Der interdisziplinäre Zusammenschluss von Neurobiologie und Ästhetik verfolgt das Ziel, Erkenntnisse der Geisteswissenschaften für die Erforschung des menschlichen Gehirns zu nutzen. Bisher gestaltete sich die Basis neurobiologischer Literatur zum Thema Kunst und Schönheit sehr
übersichtlich.
Inzwischen jedoch ist das Interesse gewachsen, die Beziehung zwischen Kunst und Gehirn genauer zu studieren, herauszufinden, wie sich ideale Schönheit in den Hirnaktivitäten darstellt, welches Verhältnis zwischen Schönheit und Belohnung oder Lust besteht und schließlich wie sich Kreativität im Gehirn niederschlägt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Ramachandran und Hirnstein: „The Science of Art. A neurological theory of aethetic experience, in: Journal of Cousciousness“
Einführung, Konzept und Vorgehensweise
Die Suche nach dem Wesen in den Dingen
Peak-Shift-Effect
Essenzen lassen nicht erkennen!
„Art and the Brain“ – Semir Zeki
Künstler sind Neurobiologen
Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die neuroästhetischen Ansätze von Semir Zeki sowie Ramachandran und Hirnstein, um den Stellenwert der Kunst im Austausch mit der Neurobiologie zu evaluieren und die zugrundeliegenden Kunstdefinitionen kritisch zu hinterfragen.
- Interdisziplinäre Schnittstelle zwischen Neurobiologie und Ästhetik
- Analyse der neuroästhetischen Konzepte von Zeki sowie Ramachandran und Hirnstein
- Kritische Untersuchung des Essenzbegriffs in der Kunsttheorie
- Bedeutung der Wahrnehmungstheorie für die neuroästhetische Forschung
- Vergleich funktionalistischer Kunstauffassungen mit philosophischen Positionen
Auszug aus dem Buch
Die Suche nach dem Wesen in den Dingen
Die Frage, was ist Kunst, beantworten Ramachandran und Hirnstein mit einem aus der hinduistischen Kunsttradition entlehnten Gedanken, dass die Aufgabe eines Künstler vorrangig darin besteht, das Essentielle eines Gegenstandes widerzuspiegeln, um den Beobachter emotional zu berühren. „Hindu artists often speak of conveying the rasa, or ‚essence’, of something in order to evoke a specific mood in the observer.“ Und weiter schreiben sie: „Indeed, as we shall see, what the artist tries to do (either consciously or unconsciously) is to not only capture the essence of something but also to amplifiy it in order to more powerfully activate the same neuronal mechanisms that would be activated by the original object.“
Ramachandran und Hirnstein schlagen also vor, dass jeder Künstler zunächst mit der Suche nach der Essenz in den Dingen befasst ist und sich schließlich darum bemüht, dieser [der Essenz] in ihren Kunstwerken unbewusst oder bewusst mehr Ausdruck zu verleihen. Der zweite Teil ihrer Behauptung besagt, dass durch die Betonung der Essenz die im menschlichen Gehirn auftretende neuronale Aktivität verstärkt werden könne, was für gewöhnlich bei bloßer Betrachtung nicht möglich wäre. Was aber heisst es, einen Gegenstand nach seiner Essenz zu untersuchen? Was bedeutet Essenz?
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Neuroästhetik ein und formuliert das Ziel, die Kunstdefinitionen von Ramachandran, Hirnstein und Zeki zu vergleichen und kritisch zu prüfen.
Ramachandran und Hirnstein: „The Science of Art. A neurological theory of aethetic experience, in: Journal of Cousciousness“: Dieses Kapitel analysiert den neuroästhetischen Ansatz von Ramachandran und Hirnstein, wobei insbesondere das Konzept der Essenz und der Peak-Shift-Effect im Zentrum stehen.
„Art and the Brain“ – Semir Zeki: Hier wird die These von Semir Zeki untersucht, dass Künstler neurobiologisch agieren, indem sie wesentliche Eigenschaften von Objekten herausarbeiten.
Schlussfolgerungen: Das Fazit stellt die Übereinstimmungen der Autoren in einer funktionalistischen Kunstbetrachtung heraus und problematisiert die unkritische Übernahme des Essenzbegriffs.
Schlüsselwörter
Neuroästhetik, Kunst, Gehirn, Schönheit, Essenz, Wahrnehmung, Ramachandran, Hirnstein, Semir Zeki, Funktionalismus, Essentialismus, neuronale Mechanismen, Ästhetik, Peak-Shift-Effect, Bildende Kunst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Kunst im Forschungsfeld der Neuroästhetik und untersucht die theoretischen Ansätze führender Wissenschaftler auf diesem Gebiet.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit thematisiert den interdisziplinären Zusammenhang zwischen Ästhetik, Neurobiologie und Wahrnehmungstheorien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist ein Vergleich der Kunstkonzepte von Ramachandran, Hirnstein und Zeki, um zu prüfen, welchen Stellenwert diese Autoren der Kunst im Dialog mit der Neurobiologie einräumen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse der neuroästhetischen Literatur und hinterfragt diese kritisch unter Einbeziehung philosophischer Positionen, etwa von John Locke oder Aristoteles.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die von den genannten Autoren postulierten Kunstdefinitionen, ihre Auffassung von „Essenz“ und die Bedeutung von Wahrnehmungsprozessen für die Kunst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Zentrale Begriffe sind Neuroästhetik, Essentialismus, neuronale Mechanismen, Wahrnehmung, Schönheit und der Vergleich zwischen künstlerischem Schaffen und Gehirnfunktion.
Welche Rolle spielt der Essenzbegriff für Ramachandran und Hirnstein?
Sie sehen die Aufgabe des Künstlers darin, das Essentielle eines Gegenstandes zu erfassen und zu verstärken, um spezifische neuronale Areale im Gehirn zu aktivieren.
Wie argumentiert Semir Zeki in Bezug auf die Verbindung von Kunst und Neurobiologie?
Zeki behauptet, Künstler seien Neurobiologen, da beide Disziplinen das Ziel verfolgen, die wesentlichen Eigenschaften von Dingen aus einer komplexen Realität zu isolieren.
- Arbeit zitieren
- André Schmiljun (Autor:in), 2008, Die Rolle der Kunst im Spiegel der Neuroästhetik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141070