Erinnerungskultur in Deutschland 1945-1995


Referat (Ausarbeitung), 2007

7 Seiten


Leseprobe

1. Allgemeines

Im folgenden verschriftlichten Referat wird es um Erinnerung, anhand des „Fallbeispiels 1945-1995“ gehen. Hierzu wurden zum einem ein Aufsatz von Aleida Assmann mit dem Titel „Wendepunkte der deutschen Erinnerungsgeschichte“[1] und zum anderen die Monographie „Krieg als Text“[2] von Klaus Naumann untersucht. Es soll hierbei zuerst auf den Text von Aleida Assmann eingegangen werden, da dieser einen Gesamtüberblick über die Erinnerungskultur der Deutschen im Zeitraum 1945 bis 1995 offeriert. Wo hingegen sich Klaus Naumann hauptsächlich auf das Jahr 1995 bezieht.

2. Aleida Assmann: Wendepunkte der deutschen Erinnerungsgeschichte

Aleida Assmann ist eine promovierte Anglistin und der Aufsatz ist der Monographie „Geschichtsvergessenheit – Geschichtsversessenheit“, welches sie zusammen mit Ute Frevert verfasste, entnommen.

Die deutsche Erinnerungsgeschichte lässt sich in drei Phasen aufsplitten. Die erste bezeichnet Assmann als Phase der Vergangenheitspolitik.[3] Der Zeitraum kann hierfür für die Jahre von 1945 bis 1957 angesetzt werden. Charakterisiert wird diese Zeit durch den Ausdruck „Kommunikatives Beschweigen“, welcher von dem deutschen Soziologen Hermann Lübbe geprägt wurde.[4] Wichtig waren für die damalige Politik zwei Themen, nämlich erstens eine Politik der Wiedergutmachung und zweitens eine Politik der Amnestie. Während sich die Wiedergutmachung als schwer zu gestaltende Aufgabe erwies, verlief die Amnesierung, das heißt die Wiedereingliederung der ehemaligen Nationalsozialisten weitgehend mühelos. Der spätere Bundeskanzler Kurt-Georg Kiesinger bezeichnete dies euphemistisch als „innere Integration“. Das wohl bekannteste Beispiel für diese Phase stellt der Staatssekretär Hans Globke da. Er arbeitete im Bundeskanzleramt in den Legislaturperioden Adenauers, hatte jedoch zu Zeiten des Nationalsozialismus eine nicht unerhebliche Rolle bei der Ausarbeitung der Nürnberger Rassegesetze gespielt.

Die zweite Phase ist bestimmt von der Kritik der Vergangenheitsbewältigung.[5] Sie kann von 1957 bis 1984 datiert werden. Diese Zeit wird durch eine verschärfte Verfolgung von Verbrechen der Nationalsozialisten bestimmt. Beispielsweise wird 1958 eine Arbeitsstelle für die Erforschung von NS – Verbrechen eingerichtet. Symbolisiert werden diese verschärften Strafverfolgungsbemühungen durch die Auschwitz – Prozesse in Frankfurt. Diese Phase findet ihren Höhepunkt mit dem Engagement der Studentenbewegung von 1968.

Die letzte Phase welche 1985 beginnt und noch immer andauert, wird von Assmann als Phase der Erinnerung bezeichnet.[6] Diese kann wiederum in zwei Teilbereiche untergliedert werden: Vergangenheitsbewältigung und Vergangenheitsbewahrung.[7] Der erste Teilbereich wird durch Helmut Kohl symbolisiert. Unvergessen dürfte unter anderem seine Versöhnungsgeste mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand über den Gräbern von Verdun sein. Hier wurde zwischen einst verfeindeten Staaten Versöhnung zelebriert. Richard von Weizsäcker steht jedoch für den zweiten Teilbereich, der Vergangenheitsbewahrung. Anstelle von Versöhnungsgesten tritt nun das ewigliche Versprechen der Täter an die Opfer, sich der begangenen Untaten stets zu erinnern. Nun wird auch die Schwäche des ersten Teilbereichs deutlich: Versöhnungsgesten sind vielleicht zwischen Staaten möglich, zwischen Opfern und Tätern jedoch nur bedingt. Für die Irreparabilität des Schadens kann es nur eine Solidarität in der Erinnerung geben.[8]

Gerade die Phase der Nachkriegszeit war verstärkt durch sogenannte Selbst – Entlastungsmechanismen geprägt.[9] Assmann nennt hier zuerst den Mechanismus des Schweigens. Schweigen als eine bewusste Reduktion von Kommunikation ist hiermit gemeint, und nicht eine Art Verdrängen, das eher unterbewusst abläuft. In der Praxis wurden also konkrete biographische Erfahrungen der Zeit des Nationalsozialismus überhaupt nicht debattiert. Die Reaktion des Schweigens ist somit bezeichnend für die Gründungsphase der Bundesrepublik. Als zweiten Mechanismus führt Assmann das Opfer – Syndrom an.[10] Insofern dann doch über die Zeit des Dritten Reiches gesprochen wurde, ist strikt darauf geachtet worden den Unterschied zwischen Regime und Volk herauszustellen. Man konnte sich in der Kollektivunschuld üben. Dieser Mechanismus war jedoch nicht nur Sinnbild der Gründungsjahre, er ist vielmehr bis in die jüngste Vergangenheit anzutreffen. Der letzte von Assmann benannte Mechanismus betrifft den Anti – Kommunismus.[11] Gerade am Beginn und Wiederaufbau des neuen Staates konnte es man sich nicht leisten dem Krieg zu gedenken, da ja zuerst der ideologische Gegner im Osten eingedämmt werden musste. Man ist sogar dazu übergegangen das eigene historische Erbe von sich selbst abzuspalten indem das jeweilige Staatsverständnis des Nachbarstaates mit der NS – Ideologie gleichgesetzt wurde. Dieser Mechanismus ist mit dem Ende des kalten Krieges obsolet geworden.

[...]


[1] Aleida Assmann: Wendepunkte der deutschen Erinnerungsgeschichte, in: Geschichtsvergessenheit – Geschichtsversessenheit: vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, hrsg. v. Aleida Assmann u. Ute Frevert, Stuttgart 1999, S. 140-147.

[2] Klaus Naumann: Krieg als Text. Hamburg 1998.

[3] Assmann 1999, S. 143.

[4] Ebenda, S. 141.

[5] Assmann 1999, S. 144.

[6] Ebenda, S. 144.

[7] Ebenda, S. 145.

[8] Ebenda, S. 146.

[9] Ebenda, S. 140

[10] Ebenda, S. 141.

[11] Assmann 1999, S. 141.

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Erinnerungskultur in Deutschland 1945-1995
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Autor
Jahr
2007
Seiten
7
Katalognummer
V141107
ISBN (eBook)
9783640513383
ISBN (Buch)
9783640514946
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erinnerungskultur, Deutschland
Arbeit zitieren
Michael Gamperl (Autor), 2007, Erinnerungskultur in Deutschland 1945-1995, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141107

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Erinnerungskultur in Deutschland 1945-1995



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden