Im folgenden verschriftlichten Referat wird es um Erinnerung, anhand des „Fallbeispiels 1945-1995“ gehen. Hierzu wurden zum einem ein Aufsatz von Aleida Assmann mit dem Titel „Wendepunkte der deutschen Erinnerungsgeschichte“ und zum anderen die Monographie „Krieg als Text“ von Klaus Naumann untersucht. Es soll hierbei zuerst auf den Text von Aleida Assmann eingegangen werden, da dieser einen Gesamtüberblick über die Erinnerungskultur der Deutschen im Zeitraum 1945 bis 1995 offeriert. Wo hingegen sich Klaus Naumann hauptsächlich auf das Jahr 1995 bezieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
2. Aleida Assmann: Wendepunkte der deutschen Erinnerungsgeschichte
3. Klaus Naumann: Krieg als Text
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die deutsche Erinnerungskultur im Zeitraum von 1945 bis 1995 anhand der theoretischen Einordnung von Aleida Assmann und der Analyse von Klaus Naumann, um zu verstehen, wie sich der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und dem Krieg über fünf Jahrzehnte hinweg gewandelt hat.
- Phasen der deutschen Vergangenheitspolitik und Erinnerungskultur
- Mechanismen des Schweigens und der kollektiven Entlastung
- Das Schwellenjahr 1995 als Wendepunkt des gesellschaftlichen Gedenkens
- Ausdifferenzierung der Erinnerungsgemeinschaften und Opferrollen
- Der Übergang von rituellen Gedenkformen zu diskursiven Reflexionsprozessen
Auszug aus dem Buch
3. Klaus Naumann: Krieg als Text
Das Ziel seiner Monographie war das, wie er es bezeichnet, Schwellenjahr der Erinnerungskultur 1995. Naumann hat anhand der verschiedensten Presseartikel- und Berichte, die zu sämtlichen Gedenk- und Erinnerungstagen verfasst wurden, versucht die Prozeduren des Gedenkjahres herauszufiltern. Er wollte eine „[…] Syntax des Gedenkens an das Ende von Vernichtungskrieg und NS – Regime […]“ herausfinden. Er gibt einen Eindruck über die stetige Präsenz des Krieges, auch 50 Jahre nach seiner Beendigung. Sein Werk kann als eine Art Collage einer subjektiven Presseberichterstattung gesehen werden.
Zuerst musste er jedoch generell feststellen, dass sich die deutsche Bevölkerung immer noch in einer floating gap, der Unterschied zwischen der Generation, die den Krieg noch selbst erlebt hat und somit selbst erinnert und der symbolisch sich erinnernden Nachwelt, befand. Seine These des Schwellenjahres 1995 konnte er anhand mehrerer Veränderungen allgemeiner Art ableiten. Zum ersten wurde 1995 der Mythos der sauber gebliebenen Wehrmacht widerlegt, zum zweiten wurde in einem wahren Erinnerungsmarathon den Opfern wie noch nie zuvor gedacht und schließlich wurden drittens aber auch die deutschen Zivilverluste in hohem Maße gewürdigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeines: Einführung in das Thema der deutschen Erinnerungskultur zwischen 1945 und 1995 unter Verwendung der Arbeiten von Aleida Assmann und Klaus Naumann.
2. Aleida Assmann: Wendepunkte der deutschen Erinnerungsgeschichte: Darstellung der drei Phasen der Erinnerungsgeschichte und Erläuterung der psychologischen Mechanismen wie Schweigen und Opfer-Syndrom.
3. Klaus Naumann: Krieg als Text: Analyse des Gedenkjahres 1995 als Zäsur, gekennzeichnet durch den Wandel von rituellen Gedenkformen hin zu einer differenzierten Auseinandersetzung mit Täterschaft und Opferrollen.
Schlüsselwörter
Erinnerungskultur, Vergangenheitspolitik, NS-Regime, Gedenkjahr 1995, Klaus Naumann, Aleida Assmann, Krieg als Text, Erinnerungsgemeinschaften, Vergangenheitsbewältigung, Wehrmacht, Opfer-Syndrom, Diskurs, Geschichtsbewusstsein, Zivilverluste, Kollektivunschuld
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der deutschen Erinnerungskultur an den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg im Zeitraum von 1945 bis 1995.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Phasen der Vergangenheitspolitik, der Umgang mit dem "Kommunikativen Beschweigen", die Rolle des Gedenkens 50 Jahre nach Kriegsende sowie die Dynamiken verschiedener Erinnerungsgemeinschaften.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Wandlungsprozesse im kollektiven Gedächtnis der Deutschen, insbesondere im Hinblick auf das "Schwellenjahr 1995" und die Veränderung von der rituellen zur diskursiven Erinnerung.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Diskursanalyse, wobei der Aufsatz von Aleida Assmann theoretisch und die Monographie von Klaus Naumann als empirische Grundlage (basierend auf Presseberichten des Jahres 1995) herangezogen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei Phasen nach Assmann (Vergangenheitspolitik, Kritik der Bewältigung, Phase der Erinnerung) und die Analyse von Naumanns Beobachtungen zu Akteursgruppen und Gedenkformen des Jahres 1995.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Erinnerungskultur, Vergangenheitspolitik, Gedenkjahr 1995, Opfer-Syndrom, Wehrmacht und der Übergang vom Rituellen zum Diskursiven.
Was bedeutet der Begriff "floating gap" bei Klaus Naumann?
Der Begriff beschreibt den Unterschied zwischen der Generation, die den Krieg noch selbst erlebt hat, und der nachfolgenden Generation, die nur noch symbolisch erinnert.
Warum wird 1995 als "Schwellenjahr" der Erinnerungskultur bezeichnet?
Weil 1995 einen Wendepunkt markierte, an dem unter anderem der Mythos der "sauberen Wehrmacht" widerlegt wurde und eine neue Intensität sowie eine diskursive Qualität in das Gedenken an Opfer und Täter trat.
- Quote paper
- Michael Gamperl (Author), 2007, Erinnerungskultur in Deutschland 1945-1995, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141107