Augustus und die Problematik seiner Nachfolge


Essay, 2007

10 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Marcellus als Nachfolger und die Krise um 23 v. Chr

III. Agrippa, die „Caesares“ und Tiberius

IV. Die „Caesares“ contra Tiberius

V. Tiberius´ Rückkehr und die Begründung der Erbmonarchie

VI. Fazit

VII. Anhang (Quellen Tacitus und Cassius Dio)

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im diesem Aufsatz soll die Problematik der Nachfolgerfindung durch Augustus näher beschrieben werden. Die Frage ist in welcher Hinsicht die Nachfolgerfrage eine besonders schwierige darstellte. Der zeitgenössische Betrachter (d.h. von 63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) konnte die Stellung des Augustus nicht prägnant, vor allem noch nicht als Kaiser, zusammenfassen; es gab keine Bezeichnung für seine Macht, seine politischen Möglichkeiten und seine gleichzeitig legale, republikanische Position. Seine Macht beruhte in erster Linie auf verschiedenen Amtsgewalten, die ihm, wie er immer wieder betonte, von Senat und Volk von Rom angetragen wurden, seinem unermesslichem Reichtum und seiner zahlreichen Bindungen an Gruppen und Einzelpersonen im ganzen Reich, also das, was man als „auctoritas“ bezeichnen mochte[1]. Aufgrund, dass diese „auctoritas“, also diejenige Machtquelle, die nicht durch Ämter oder Reichtum, sondern nur durch Beziehungen, Einfluss und Anerkennung durch andere greifbar war, einen erheblichen Teil Augustus´ Macht ausmachte, konnte man diese auch nicht einfach vererben. Eine direkte „Amtsvererbung“ (von einem institutionalisiertem Amt kann wahrlich noch keine Rede sein) konnte natürlich auch nicht stattfinden, da sich Augustus die jahrelange formale Wahrung der republikanischen Gegebenheiten sonst hätte sparen können; es sollte ja gerade nicht so aussehen, als ob er über den Staat verfügte. Also mussten vielmehr der Senat und das Volk von Rom bestimmen, wer die Führung des Gemeinwesens in Händen halten sollte. In diesem Punkt erwies sich Augustus als gekonnter Manipulator, ohne dabei aber die republikanischen Bestimmungen zu verletzen. Mit Hilfe von, durch den Senat immer wieder bewilligter, Privilegien und Ämtern für die Nachfolgekandidaten und der auch öfter durchgeführten öffentlichen Zurschaustellung potentieller Nachfolger, trieb er die Weitervererbung seiner Position in die von ihm angestrebte Richtung. Er war nämlich nicht gewillt seine Stellung im Staat mit seinem Tod enden zu lassen, sondern sie, wie jeder römische Aristokrat, in seiner Familie zu erhalten. Aufgrund dessen ist sein frühzeitiges Bemühen zu erkennen seine Position faktisch weiterzugeben. Doch dieses Bemühen hatte ein garvierendes Problem: Denn Augustus besaß selber keinen leiblichen Sohn, auf den er politische Kompetenzen und familiäre Macht hätte übertragen können. So musste er sich in anderen Richtungen nach einem männlichen Nachfolger umschauen1.

II. Marcellus als Nachfolger und die Krise um 23 v. Chr.

Zunächst ist zu erwähnen, dass Augustus lediglich ein leibliches Kind hatte, nämlich seine Tochter Julia, aus zweiter Ehe mit Scribonia, die zu einer dynastischen Schlüsselfigur[2] wurde. Im Jahre 23 v. Chr. kam es zu einer erheblichen Krise in Rom, denn zum einen befand sich Augustus in einem labilen gesundheitlichen Zustand (siehe Anhang Quelle 1) und zum zweiten sorgte die Verheiratung seiner Tochter Julia mit ihrem Vetter Marcellus

Claudius[3] und die in diesem Zeitraum erfolgte Primus Affäre[4] für Aufsehen. Das Ungewöhnliche an dieser Ehe war die Tatsache, dass beide Partner jünger als 18 Jahre alt waren und es sich somit um eine Kinderehe handelte. Weiterhin erschien die Art und Weise seltsam, wie diese Ehe zustande kam. Augustus befand sich nämlich zum Zeitpunkt der Eheschließung in Spanien. Er konnte also seine Rückkehr nicht abwarten, um sein einziges Kind zu verheiraten und berief an seiner statt Agrippa zum Brautvater. Dieses überschnelle Handeln konnte zwei Triebkräfte gehabt haben; zum einen die Sorge Augustus´ um seinen eigenen gesundheitlichen Zustand und die damit verbundene Möglichkeit nach seinem Tod ohne Nachfolger dazustehen3 (wobei seine Stellung als Princeps zu diesem Zeitpunkt noch nicht hundertprozentig gesichert war). Die Zukunft des Prinzipats wäre wohl vollkommen unklar gewesen. Zum anderen lässt diese Ehe Augustus´ Absicht erkennen, seine Stellung innerhalb der eigenen Familie, d.h. innerhalb der Julier; weiterzugeben.3 Somit wurde der Öffentlichkeit schon mal vor Augen geführt, wo es hin gehen sollte. Somit sollte der nächste private und politische Erbe Marcellus sein, der aber wohl nur einen Platzhalter für einen Sohn aus der Ehe mit Julia darstellte. Augustus´ Absicht Marcellus als Nachfolger zu nehmen, bestätigte sich nach Augustus´ Rückkehr aus Spanien. Er verlieh dem erst 17-Jährigen etliche Privilegien wie die Position eines Senators, die zehn Jahre frühere Bewerbung als Konsul und die Position des Ädils[5]. In diesem Zusammenhang war die sog. Primus Affäre interessant, denn der Prokonsul M. Primus berief sich auf Augustus´ und Marcellus´ Befehl einen Krieg außerhalb seiner Provinz Macedonia begonnen zu haben. Ob die Aussage des Prokonsuln richtig oder falsch war ist zweitrangig, denn sie zeigt, welchen politischen Einfluss man schon Marcellus zuerkannte, weil dieser der engste männliche Verwandte Augustus´ war. Doch der Plan Augustus´ ging nicht auf, denn Marcellus verstarb noch im selben Jahr 23 v. Chr. an einer Seuche in Rom4.

III. Agrippa, die „Caesares“ und Tiberius

Im Jahre 17 v. Chr. feierte man in Rom das Säkularfest; prinzipiell eine Demonstration des geordneten und nach außen gesicherten Reiches mit dem nun gefestigten monarchischen Prinzipats an dessen Spitze. Marcus Vipsanius Agrippa, ein langjähriger Weggefährte und treuer Freund des Augustus, hatte sich bis 17 v. Chr. zum zweiten Mann Roms hinter Augustus aufgeschwungen. Er tat sich besonders durch sein militärisches Talent als Feldherr hervor. Er hatte 18 v. Chr. von Augustus eine der tribunizischen Amtsgewalten, die sog. „tribunicia potestas“ auf fünf Jahre erhalten und bekam vor seiner Ostreise 17 v. Chr. auch die andere durch den Senat auf fünf Jahre verliehen, das sog. „imperium proconsulare“[6](siehe Quelle 2). Somit besaß Agrippa die gleichen Gewalten wie Augustus und konnte prinzipiell als gleichrangiger Kollege des Augustus gelten. Wiederum bediente sich Augustus seiner Tochter Julia, um die Bande zwischen ihm und Agrippa fester werden zu lassen. Augustus verheiratet Julia mit Agrippa und übertrug Agrippa somit die Aufgabe für den lang ersehnten männlichen und zugleich julischen Nachwuchs zu sorgen. Agrippa erfüllte diese Aufgabe und Julia gebar zwei Söhne, Gaius Caesar 20 v. Chr. und Lucius Caesar 17 v. Chr.; die sog. „Caesares“. Diese beiden wurden unmittelbar nach ihrer Geburt von Augustus adoptiert.

[...]


[1] ECK, Werner: Augustus und seine Zeit; S. 106 ff

[2] HERZ, Peter: Die römische Kaiserzeit (30 v. Chr. bis 284 n. Chr.) aus GEHRKE, Hans-Joachim, SCHNEIDER, Helmuth (Hrsg.): Geschichte der Antike – Ein Studienbuch; S.341

[3] BLEICKEN, Jochen: Augustus. Eine Biographie; S. 339

[4] ECK, Werner: Augustus und seine Zeit; S. 106 ff

[5] BLEICKEN, Jochen: Augustus. Eine Biographie; S. 340

[6] BLEICKEN, Jochen: Augustus. Eine Biographie; S. 619

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Augustus und die Problematik seiner Nachfolge
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Augustus und sein Image
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
10
Katalognummer
V141118
ISBN (eBook)
9783640510405
ISBN (Buch)
9783640510580
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Augustus, Problematik, Nachfolge
Arbeit zitieren
Mario Kulbach (Autor), 2007, Augustus und die Problematik seiner Nachfolge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141118

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