Urbanes Wassermanagement in ariden Regionen

Fallbeispiel Bahawalpur, Pakistan


Masterarbeit, 2009

119 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

Tabellen verzeichnis

Ziel der Arbeit und Problemstellung

Methodik

Ergebnisse

1. Aktuelle Problemlagen des Wassermanagements arider Gebiete im internationalen Vergleich — ein kurzer Abriss Ober die Entwicklung der Trinkwassersicherheit

2. Status quo in Forschung und Technik
2.1. Erschlielgung von Trinkwasser (unter BerOcksichtigung des Nachhaltigkeitsaspektes) 2.2. Aufbereitungssysteme
2.3. Verteilungssysteme
2.4. Transport und Aufbereitung von Abwasser

3. Zusammenfassung

4. Losungsansatze: Schonung bzw. Regeneration bestehender Ressourcen
4.1. Leckagen im Leitungsnetz
4.2. Ecological Sanitation
4.3. Aquifer recharge
4.4. Speicherung und Nutzung von Regenwasser
4.5. Demand Management

5. Zusammenfassung

6. Analyse der 1ST Situation in Bahawalpur/ Pakistan
6.1. EinfOhrung in die Region Bahawalpur/ Punjab/ Pakistan
6.2. Historische Stadtentwicklung
6.3. Beschreibung der Untersuchungsgebiete

7. Anwendung moderner Losungskonzepte zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser am Beispiel von Bahawalpur/ Pakistan
7.1. Erschlielgung von Trinkwasser (unter BerOcksichtigung des Nachhaltigkeit- saspektes)
7.2. Diskussion: Dezentrales Versorgungssystem und Aquifer recharge
7.3. Aufbereitungssysteme
7.4. Diskussion
7.5. Verteilungssysteme
7.6. Diskussion: Leckagen im Leitungsnetz und dezentrale Systeme
7.7. Transport und Aufbereitung von Abwasser
7.8. Diskussion: Ecological Sanitation als Lösungsansatz /p> 7.9. Speicherung und Nutzung von Regenwasser
7.10. Diskussion
7.11. Demand Management
7.12. Diskussion

8. Abschlielgende Diskussion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltweite Verteilung arider Regionen

Abbildung 2: Physikalische und ökonomische Wasserstress Gebiete

Abbildung 3: Verschiedene Varianten des Aufbaus von Entnahmestellen für Flusswasser

Abbildung 4: Hauptelemente eines vertikalen Grundwasserbrunnens

Abbildung 5: Uferfiltration und 1nfiltrationsanlagen zur künstlichen Anreicherung des Grundwassers

Abbildung 6: Grundwasservorkommen und deren natürliche Regenerationsrate in Pakistan

Abbildung 7: Typische Verfahren zur Oberflächen- und Grundwasseraufbereitung

Abbildung 8: Rohrnetzarten

Abbildung 9: Raketenpflugverfahren

Abbildung 10: Anteil der Wasserverluste im Verhältnis zur Gesamtproduktionsmenge in ausgewähltenStädten

Abbildung 11: Auswirkungen von hohen physikalischen Wasserverlusten im Versorgungsnetz

Abbildung 12: Trennung von Schwarzwasser

Abbildung 13: Schematische Darstellung der Komponenten eines Siedlungsabwassersystems

Abbildung 14: Beispiel für eine Fäkalien und Urin separierende Toilette mit Urinal

Abbildung 15: Systematische Darstellung des Soil Aquifer Treatment

Abbildung 16: 1nfiltrationsbecken (Grundriss und Querschnitt)

Abbildung 17: Darstellung des Aufbereitungsprozesses vor der Einleitung in den Grundwasserkörper

Abbildung 18: Schematische Darstellung eines Direct injection well

Abbildung 19: Traditionelle Bauweise eines Speichertanks

Abbildung 20: Moderne Bauweise eines Speichertanks

Abbildung 21: Minimum-. Maximumtemperatur und durchschnittlicher Niederschlag von Bahawalpur (Durchschnitt von 1971 — 2000)

Abbildung 22: Stadtentwicklung 1943 bis 2007

Abbildung 23: Untersuchungsgebiete in Bahawalpur

Abbildung 24: Model Town A

Abbildung 25: Model Town B

Abbildung 26: Model Town C

Abbildung 27: Satellite Town

Abbildung 28: Wall City

Abbildung 29: 1slamic Colony

Abbildung30: Shadra

Abbildung 31: Analysestruktur

Abbildung 32: Abwassergraben mit Anschluss an das Kanalnetz

Abbildung 33: Grobrechenanlage

Abbildung 34: Uberflutungen in der 1nnenstadt von Bahawalpur im Sommer 2008

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zu untersuchende Indikatoren

Tabelle 2: Neue Ansätze im Wassermanagement

Tabelle 3: Schutzzoneneinteilung bei Talsperren

Tabelle 4: Schutzzoneneinteilung bei Grundwasservorkommen

Tabelle 5: Erläuterungen zu Abbildung 7

Tabelle 6: Verfahren der Trinkwasseraufbereitung

Tabelle 7: Wasserverluste durch Leckagen und unkontrollierte Entnahme

Tabelle 8: Verschiedene Stufen eines Siedlungsabwassersystems im Vergleich zwischen kon ventionell und modern (EcoSan)

Tabelle 9: Auflistung der unterschiedlichen Kosten von VIP (ventilation improved pit) und Ecosan Trockentoilette

Tabelle 10: Aquifer recharge Methoden im Oberblick

Tabelle 11: Verschiedene Methoden der Filterung und Desinfektion von Regenwasser

Tabelle 12: Verschiedene Typen und Materialien für Speichertanks

Tabelle 13: Fläche der Untersuchungsgebiete

Tabelle 14: Grundwasserspiegelmessungen 2003 und 2008

Tabelle 15: Anzahl der Grundwasserpumpen im Verhältnis von in Betrieb zu Aufger Betrieb

Tabelle 16: Ausschnitt aus dem Fragebogen für das Town municipal office (TMO)

Tabelle 17: Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben der öffentlichen Wasserwirtschaft

Abstract

Water is supposed to be the source of any kind of life. It has an essential meaning for human beings and it is an ending good. Therefore it became a subject of challenges for the future within the last decades. Integrated Water Resource Management has become a key factor regarding a sustainable treatment of the resource water. Water management is not only a matter of providing potable water but it is a matter of integrating ecological, economical and social aspects. Clean potable water supports the efforts of containing Diarrhea (still cause of death to 1.5 Million people every year (cit. POPULATION REFERENCE BUREAU; 2008; p.8). If sewerage is treated before being used in agriculture, the occurrence of diseases related to toxic and bacteriological pollution can be reduced. Furthermore the consumption of potential drinking water decreases. This is just one example that shows how simple methods can improve the situation remarkably.

Many regions across the world suffer from acute water shortage. This situation will tighten even more due to climate change, an increased population growth, and along with this a significantly higher demand of potable water. The precipitation is especially in arid regions too low to countervail the extraction of groundwater. In these cases specific methods have to be implemented (on the supply side as well as on the demand side) to provide an ensured water supply for future generations. Therefore an Integrated Water Resource Management according to the UN Millennium Development Goals is indispensable.

Vorwort

Diese Masterarbeit behandelt das Thema „Urbanes Wassermanagement in ariden Regionen" mit dem Zusatz einer praktischen Erläuterung am Beispiel von Bahawalpur/ Pakistan. Es liegt ihr eine dreimonatige Projektarbeit im Rahmen des Projektes Urban Water Management in Arid Zones (kurz UrWaMAZ) a Case study of Bahawalpur/ Pakistan zu Grunde. Diese Projektarbeit ermöglichte eine umfangreiche Datensammlung zum Thema Wassermanagement in einem Gebiet, das als besonders bedeutend fijr die weitere Entwicklung im Bereich Wasser gesehen werden kann. Bedeutend deshalb, weil es sich hier um die Verknijpfung vielfältiger Faktoren handelt. Zum Einen handelt es sich um die Problematik einer rasant voranschreitenden Urbanisierung und den daraus resultierenden Anforderungen an die Stadtverwaltung in Bezug auf die nachhaltige (und finanzierbare) Erweiterung des Wasser- und Abwasserinfrastrukturnetzes. Weiters spielen kulturelle Faktoren im Umgang mit der Ressource Wasser eine zentrale Rolle. Hieraus können sich eine Reihe von Komplikationen ergeben, wenn es zum Beispiel um die Durchsetzung einer verbrauchsbezogenen Bepreisung geht. Ein weiterer Faktor ist die Lage am Rande der Wijste Thar. Es handelt sich um ein arides Klimat, das lediglich in den Sommermonaten und dann meist in Form von Extremereignissen, ijber erwähnenswerte Niederschläge verfijgt. Hieraus ergeben sich besondere Anforderungen an die Nutzung der Grund- und Oberflächenwasser, welche als einzige Ressource zu Verfijgung stehen und sowohl die Be völkerung als auch die Landwirtschaft versorgen mijssen. Im grölgeren Kontext gesehen ergibt sich der letzte und bei weitem nicht unbedeutendste Faktor: Wasser wird immer mehr zum Streitpunkt zwischen Nationen. Im Fall von Bahawalpur bezieht sich dieser auf die Einhaltung des Indus Water Treaty aus dem Jahr 1960. Immer wieder kommt es hier zu Uberschreitungen der Verfijgungsrechte.

Diese besondere, aber weitaus nicht einzigartige, Aneinanderreihung von Faktoren macht Bahawalpur zu einem besonders interessanten Untersuchungsgebiet, wenn gleich die Forschungsarbeit keine Leichte ist. Die vorhandenen Grundlagen, seien es statistische Daten, Kartenmaterial, Boden- oder Wasserproben oder schlicht und ergreifend ein Bewusstsein fijr die drängende Notwendigkeit der nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser sind nur in unzureichendem Malge vorhanden. Dies bedeutet zum Einen einen deutlichen Mehraufwand bei der Akquirierung von Daten, lässt andererseits aber auch sehr grolge Gestaltungsfreiräume bei der Erhebung und Auswahl offen.

Wie bereits erwähnt, wurden die Daten zu dieser Arbeit im Rahmen des Forschungsprojektes UrWaMAZ erhoben. Es handelt sich dabei um ein Partnerprojekt der Uni versitäten Salzburg (Osterreich) und Bahawalpur (Pakistan). Im Detail ist es eine Kooperation der beiden AG's Stadt- und Landschaftsökologie an den Fachbereichen Geographie. Die Leitung des Projektes obliegt Prof. Dr. Jürgen Breuste und Dr. Mushahid Anwar. Ihnen ist es zuzuschreiben, dass ein Projekt dieses umfassenden Ausmalges entstehen konnte. Die Finanzierung, und dies gilt es zu erwähnen, wird allein vom pakistanischen Staat übernommen, welcher über die Higher Education Comission (HEC) mit Sitz in Islamabad die Projektkosten übernimmt. Es handelt sich also um eine Kooperation zwischen Vertretern einer westlichen Industrienation und einem sogenannten Entwicklungsland, bei der die Finanzierung durch das letztere

Ziel der Arbeit und Problemstellung

Mit Blick auf das Hauptziel des Projektes Urban Water Management in Arid Zones, ein integriertes und nachhaltiges Wassermanagement zu entwickeln, welches den Erfordernissen und Herausforderungen der Zukunft gerecht wird, ohne die gewünschte und erwartete Entwicklung des urbanen Raumes zu beschränken, ist es Ziel dieser Arbeit, integrierte Lösungsansätze im Bereich des Angebots- und Nachfragemanagements im Wassersektor zu analysieren und hinsichtlich ihrer Eignung zur Umsetzung in ariden Gebieten (und hier im Speziellen in Bahawalpur/Pakistan) zu untersuchen.

Entsprechend ergeben sich folgende Fragestellungen:

- Welchen Problemen sieht sich aktuell das Wassermanagement in ariden Regionen gegenüber und was ist der derzeitige Standard in der Siedlungswasserwirtschaft?
- Welche Lösungen wurden erarbeitet, um den aufgezeigten Problemen zu begegnen?
- Welche der oben genannten Probleme treten in Bahawalpur auf und zu welchem Grad sind die erarbeiteten Lösungen in dieser Region anwendbar?

Methodik

Welchen Problemen sieht sich aktuell das Wassermanagement in ariden Regionen gegentiber?

Konkretisierung/ Erklärung: Welchen Problemen steht die Administration bei der Wahrnehmung ihrer Pflicht als Trinkwasseranbieter gegenijber? Daraus ergeben sich Fragen des Angebotsmanagements (Produktion, Behandlung, Verteilung, Rucktransport, Aufbereitung, Kosten und Ruckfuhrung in den Wasserkreislauf). Entsprechend konnen Probleme bzw. ein suboptimaler Ablauf an allen genannten Stellen auftreten.

Ziel ist es nun, einen allgemeinen Uberblick Ober immer wieder auftretende Problemlagen zu geben und diese anhand der Systemelemente der zentralen Siedlungswasserwirtschaft (kon ventionelles Paradigma) zu untersuchen.

Die Unterteilung der Wasserwirtschaft in ihre jeweiligen Bestandteile sowie die Auswahl von Indikatoren erfolgt in Anlehnung an RAPP-FIEGLE (2006), UNEP (1999) sowie durch die während des Projektes erkannten Defizite der Siedlungswasserwirtschaft der Stadt Bahawalpur.

1. Definition bzw. Einschränkung der als relevant erachteten Probleme

Die Aufschlüsselung der im Wassermanagement rele vanten Teilbereiche (auf lokaler bzw. regionaler Ebene) umfasst entsprechend dem Konzept des IWRM (integriertes Wasserressourcenmanagement) eine Vielzahl an Sektor ubergreifenden und daher integrati ven Ansätzen1. In dieser Arbeit soll dieses breite Feld auf die Siedlungswasserwirtscha ft bzw. den Siedlungswasserbau eingeschränkt werden.

- vorhandene Ressourcen und deren Zustand
- Aufbereitung des Wassers vor der Nutzung
- Verteilung (Versorgungsleitungssystem)
- Aufbereitung nach der Nutzung (Abwassersystem und Aufbereitungsanlagen)
- Preis/ Kosten
- Rückführung in den Wasserkreislauf sowie Aspekte des nachhaltigen Ressourcenschutzes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Anfertigung

3. Datenakquirierung

Die benotigten Informationen werden über Literaturrecherche und die Sichtung von Online-Dokumentationen laufender oder bereits abgeschlossener Projekte akquiriert.

4. Analyse

Die gesammelten Daten werden entsprechend ihrer Natur in Einzelfälle und allgemein/ häufig auftretende Fälle gegliedert. Die weitere Bearbeitung erfolgt nunmehr unter der Berücksichtigung allgemein auftretender Probleme.

5. Ergebnis

Ergebnis dieses Abschnittes soll ein Uberblick über Problemlagen sein, die in ihrer Natur modellhaften Charakter besitzen. Sie dienen als Grundlage für die folgende Fragestellung.

Welche Lösungen wurden erarbeitet, um den au fgezeigten Problemen zu begegnen?

1. Datenakquirierung

Die erforderlichen Daten entstammen der Literaturrecherche und der Untersuchung von Online-Dokumentationen laufender bzw. abgeschlossener Projekte.

2. Analyse

Die gesammelten Daten werden nach den Kriterien ihrer allgemeinen Anwendbarkeit hin untersucht. Spezielle Einzelfalllösungen, die nicht oder nur schwer übertragbar sind, sollen in diesem Schritt herausgefiltert werden.

3. Ergebnis

Als Ergebnis dieses Abschnittes soll eine Sammlung von profunden Lösungsansätzen stehen, die auf Problemlagen in anderen Gebieten als ihrem Entstehungsort anwendbar sind. Dies bildet zusammen mit dem ersten Abschnitt die Basis für die Analyse der Situation in Bahawalpur als praktisches Beispiel.

Welche deroben genannten Probleme treten in Bahawalpur au fund zu welchem Grad sind die erarbeiteten Losungen in dieser Regionanwendbar?

1. Analyse der IST Situation in Bahawalpur entsprechend der im ersten Abschnitt verwendeten Indikatoren und Identifikation der Problemlagen unter Berücksichtigung der sozioökonomischen Rahmenbedingungen

1.1 Datenakquirierung

Literaturrecherche, Ergebnisse aus der Projektarbeit (standardisierte Interviews (Auswertung mit SPSS), Leitfragen gestützte Interviews mit Experten, Kartenanalyse, persönliche in Augenscheinnahme)

1.2 Analyse

Auswertung der Daten entsprechend der im ersten Abschnitt genannten Indikatoren

1.3 Vergleich der Problemlagen in Bahawalpur mit jenen aus Abschnitt 1

1.4 Zwischenergebnis

Ziel soll es sein, gemeinsame Problemlagen zu identifizieren, denen im nächsten Schritt entsprechend Losungsansatze zugeordnet werden konnen

2. Oberprijfung der Anwendbarkeit verschiedener Losungsansatze in Bahawalpur unter Berucksichtigung der ortlichen Rahmenbedingungen

3. Ergebnis

GegeniTherstellung der Problemlagen und ihrer Losungsmoglichkeiten unter Berucksichtigung der soziookonomischen und kulturellen Rahmenbedingungen

1. Aktuelle Problemlagen des Wassermanagements arider Gebiete im internationalen Vergleich - ein kurzer Abriss fiber die Entwicklung der Trinkwassersicherheit

Die Trinkwassersicherheit ist mittlerweile seit langem eine drängende Frage und Gegenstand zahlreicher Untersuchungen. Eine Vielzahl von Organisationen beschäftigt sich mit der Frage des nachhaltigen Umgangs mit der Ressource Wasser. In diesem Zusammenhang wurde das wissenschaftlich anerkannte Paradigma des Integrated Water Resource Management (IWRM) entwickelt. Es soll als Leitgedanke der nachhaltigen und integrati ven Bewirtschaftung von Wasser dienen und Entscheidungsträgern einen entsprechenden Rahmen bieten (KUNDZEWICZ et. al., 2007).

Der Wasserverbrauch auf globalem Malgstab ist im Begriff weiter zu steigen. Die Wasserverteilung ist selbst innerhalb von Nationen oft stark unterschiedlich. Die globale Verteilung von Trinkwasser folgt dem Ungleichgewicht auf nationaler Ebene. Ein wesentlicher Faktor, der in Zukunft die Versorgungssicherheit beeinflussen wird, ist der globale Klimawandel. Entsprechend den vom IPCC2 vorgelegten Szenarien wird der Wasserverbrauch auf globaler Ebene stark zunehmen (treibende Faktoren sind hier die wachsende Be völkerung, eine Zunahme der Nahrungsmittelproduktion sowie Anderungen in der Nahrungsmittelzusammensetzung3, steigender Wohlstand, usw.). Gleichzeitig nimmt die Menge des verfügbaren Wassers ab. Dieses Phänomen ist unterschiedlich ausgeprägt. In ariden und semiariden Regionen wird der Rückgang von Oberflächenwasser und die verminderte Regeneration von Grundwasser4 weiter vorangehen. Dies führt besonders in Regionen mit grolger Be völkerungsdichte und einer starken Nachfrage nach Wasser zu einer sich verschärfenden Situation bzgl. des Trinkwasserangebots. Ursache ist hier der globale Anstieg der Temperaturen sowie eine Zunahme der Variabilität der Niederschläge. Während höhere Temperaturen dazu beitragen, dass Gletscher und Schneefelder5 abschmelzen (kurzfristig wird dies zu einem Anstieg der Abflussmenge führen, langfristig verringern sich die in Schnee und Eis gespeicherten Wassermengen, wodurch sich die Abflussmenge verringern wird) und sich die Hauptabflussregime vom Frühjahr in den Winter verlagern (bei gleichzeitig niedrigeren Abflüssen in Sommer und Herbst), führen Starkniederschläge zu kurzfristig hohen Abflüssen, die schlie6 lich von langen Trockenperioden unterbrochen werden. Ein Anstieg von Dürreperioden ist bereits jetzt zu verzeichnen. Durch den weltweit bis 2099 zu erwartenden Temperaturanstieg um etwa 2-4°C (abhängig vom gewählten Szenario) (KuNDZEWiCZ et. al., 2007, S.180) und dem damit verbundenen Meeresspiegelanstieg in Höhe von 14-44 cm (KUNDZEWICZ et. al., 2007, S.180) muss mit verstärkten Salzwasserintrusionen in den Grundwasserkörper in Küstengebieten gerechnet werden, wodurch sich der Bedarf an Trinkwasser weiter erhöht (KuNDZEWICZ et. al., 2007).

Höhere Wassertemperaturen, häufiger auftretende Starkniederschläge sowie längere Phasen niedrigeren Abflusses führen zu einer Erhöhung der Wasserverschmutzung in Form von Nährstoffen, Sedimentfracht, gelöstem organischem Kohlenstoff, Krankheitserregern, Pestiziden, Versalzung und Wärmeverschmutzung6. Dies wiederum hat Auswirkungen auf Ökosysteme, Gesundheit, Wasserversorgungssicherheit und die optimale Auslastung von Wasserwirtschaftsanlagen (KuNDZEWICZ et. al., 2007).

Für das Wassermanagement (nicht nur in ariden und semiariden Regionen) bedeutet dies, sich auf zunehmende Unsicherheiten in der Wasserverfügbarkeit einstellen zu müssen und entsprechend Akti vitäten und Reformen einzuleiten. Eine wesentliche Aufgabe hierbei ist es, ein Wasserversorgungssystem zu schaffen, das nicht den kontinuierlich gleichmä6igen Zulauf von Wasser voraussetzt (somit statisch ist), sondern der in Zukunft vermehrt auftretenden Variabilität der Niederschläge Rechnung trägt (also sich relati v flexibel anpassen lässt). Als wesentlich werden angepasste Praktiken in den Bereichen Wasserversorgungssicherheit, Flutrisiken, Gesundheit, Energie und Wasserökosysteme gesehen. Die Stärke der Auswirkungen des globalen Klimawandels hängt bedeutend von den angewandten Managementtechniken ab (KuNDZEWiCZ et. al., 2007).

Die sich abzeichnende Zunahme der Variabilität der Niederschläge steht in direktem Zusammenhang mit der Verwundbarkeit bestimmter Regionen. Besonders Regionen des semiariden und ariden Bereichs, deren Niederschlagsereignisse meist auf wenige Monate beschränkt sind, werden durch die hohe Variabilität und die Zunahme von Starkniederschlägen sehr stark betroffen sein. Dies gilt besonders dann, wenn ein gesicherter Zugang zu Grundwasserspeichern oder Reservoirs nicht oder unzureichend gegeben ist. Bezijglich der Verunreinigung der Gewässer (sowohl Oberflächen- als auch Grundwasser) gilt es anzumerken, dass in den Industrieländern mit einer zunehmenden Verschmutzung mit organischen Mikroschadstoffen zu rechnen ist (bedingt durch den steigenden Konsum von Chemikalien) und in den Entwicklungsländern der Eintrag von Nährstoffen, Schwermetallen und organischen Mikroschadstoffen zunehmen wird. Derzeit stehen, je nach Schätzung, etwa 1,4 bis 2,1 Mrd. Menschen unter Wasserstress7 (KuNDzEWIcz et. al., 2007, S.179). Hauptgebiete sind Afrika, die Mittelmeerregion, der Nahe Osten, Sijdasien, Nordchina, Australien, Mexiko, der Nordosten Brasiliens sowie die Westkijste Sijdamerikas (KuNDzEWIcz et. al., 2007). Ein Vergleich dieser eben aufgezeigten Regionen mit Abbildung 1 zeigt eine klare Ubereinstimmung mit ariden, semiariden bzw. hyperariden Regionen. Allgemein ist da von auszugehen, dass die Niederschläge in den höheren Breiten und in den feuchten Tropen zunehmen werden, hingegen in den Subtropen abnehmen. In semiariden und ariden Regionen kann jedoch z.B. die Nutzung von Abwasser und Entsalzungsanlagen zu einer Erhöhung des Angebots an Wasser fijhren (KuNDzEWIcz et. al., 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Weltweite Verteilung arider Regionen

Quelle: FAO, 2001

Abb. 1 zeigt die weltweite Verteilung der ariden Regionen. Vergleicht man deren Lage mit den Gebieten akuten Wassermangels in Abb. 2, so kann eine klare Uberschneidung festgestellt werden. Bei Betrachtung der Karte zeigt sich, dass ein grundlegender Unterschied zwischen Wassermangel aufgrund naturräumlicher Gegebenheiten und Wassermangel aufgrund mangelnder Erschlielgung vorhandener Vorkommen besteht. Ziel dieser Arbeit ist die Betrachtung der ariden und semiariden Regionen. Entsprechend kann aus einem Vergleich der beiden Karten erschlossen werden, dass sich die Wasserknappheit aufgrund naturräumlicher Bedingungen ergibt und somit im weiteren Verlauf nur eine nachhaltige Bewirtschaftung der vorhandenen Ressourcen zur Diskussion stehen kann, da eine Erhöhung der Bestände an SijEwasservorkommen ausgeschlossen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Physikalische und ökonomische Wasserstress Gebiete8

Quelle: INTERNATIONAL WATER MANAGEMENT INSTITUTE, 2006

Betrachtet man die Ausgangslage der Wassersituation in ariden Gebieten und geht weiters auf die zu erwartende Entwicklung des globalen Klimas ein, so wird deutlich, dass in Zukunft die Herausforderungen an das Management der Wasserressourcen erheblich sind. Problematisch sind immer die Fragen des Know how und der Kosten. Die technischen Losungen sind oftmals vorhanden, jedoch ist die Umsetzung nur in seltenen Fallen auch in ausreichendem Ma8 moglich. Ein simpler Transfer von Technologie und Know how macht nur dann Sinn, wenn sich diese als „appropriate technology" (GRAMBOW, 2007, S.93) versteht, als angepasste Technologie und somit an die naturraumlichen und sozialen Bedingungen am Ort ihres Einsatzes adaptiert wurden. Als Herausforderungen des modernen Wassermanagements konnen folgende Punkte (Tab.2) erachtet werden.

Urbanes Wassermanagement In arlden Reglonen

Tabelle 2: Neue Ansdtze 1m Wassermanagement

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: IWMI, 2036, S.18

2. Status quoin Forschung und Technik

2.1. Erschlie g ung von Trinkwasser (unter Ber d cksichtigung d es Nachhaltigkeitsaspektes)

Der Bearbeitung dieses Kapitels liegen folgende 0berlegungen/ Fragen zu Grunde:

- Welche Quellen für Trinkwasser stehen grundstitzlich zu Verfügung?
- Welche Techniken der Nutzbarmachung entsprechen dem derzeitigen Kenntnisstand und anerkannten Paradigma?
- Welche Kriterien sind zu berücksichtigen, um die Ressourcen nachhaltig zu bewirtschaften?

Grundsätzlich wird im Folgenden auf den Stand der Technik in dem als derzeit vorherrschend angesehenen Paradigma der zentralisierten Siedlungswasserwirtschaft eingegangen. Veraltete, dezentrale Lösungen, wie sie oft in Entwicklungsländern anzutreffen sind, werden aufgezeigt, jedoch nicht in gleichem Masse bearbeitet.

Be vor mit der Erschlielgung von Trinkwasser begonnen werden kann, gilt es zu klären, welche Arten von Trinkwasserressourcen grundsätzlich der Erschlielgung zugänglich sind.

Die verschiedenen Arten umfassen:

- Grundwasser
- Oberflächenwasser
- Quellwasser

In der weiteren Betrachtung werden Grund- und Quellwasser zusammengefasst. Im Folgenden sollen nunmehr lediglich die Begriffe Oberflächen- und Grundwasser verwendet werden. Diesem Schritt liegen zwei Uberlegungen zu Grunde. Zum Einen sind für viele Staaten keine ausreichend differenzierten Daten vorhanden, da oft nur eine Unterscheidung in Grund- und Oberflächenwasser vorgenommen wird. Zum Anderen handelt es sich bei Quellwasser der Definition nach um „zutage tretendes Grundwasser" (KARGER et al., 2008, S.78).

Beispiel: In der Bundesrepublik Deutschland setzte sich die Trinkwasserversorgung im Jahr 2005 zu 8% aus Quellwasser, 26% Oberflächen- und 66% Grundwasser (KARGER et al., 2008, S.27) zusammen. Durch die zunehmende Verschmutzung der Oberflächengewässer seit Mitte des 19. Jahrhunderts, bedingt durch die fortschreitende Industrialisierung, gewinnt die Nutzung des Grundwassers, vor allem in Bezug auf die Versorgung mit qualitati v hochwertigem Wasser, zunehmend an Bedeutung. Im EU Raum beträgt der Grundwasseranteil am Trinkwasser etwa 70%, weltweit werden circa 50% (ZEKTSER UND EVERETT, 2004, S.23) des Trinkwasserbedarfs aus Grundwasservorkommen gedeckt.

Oberflächenwasser)

Bei Oberflächenwasser, welches als Trinkwasser nutzbar gemacht werden soll, werden Flusswasser, See- und Talsperrenwasser sowie Regen-, Dünen- und Zisternenwasser unterschieden. Ferner besteht die Möglichkeit der indirekten Nutzung von Oberflächenwasser durch Uferfiltration und künstliche Grundwasseranreicherung (Abb.3) (KARGER et al., 2008).

Im Gegensatz zu Grundwasser kann es bei Oberflächenwasser sehr leicht zu Verunreinigungen kommen. Hauptfaktoren sind hier unzureichend gereinigtes Ab- und Regenwasser, Abschwemmungen und Lufteinträge. Bei Flüssen, die für die Schifffahrt genutzt werden, kann es (ebenso wie bei Industrieanlagen, die nahe des Flusses positioniert sind) zu plötzlichen Verunreinigungen durch Leckagen oder Unfälle kommen. Aus diesem Grund stellt die Trinkwasserversorgung aus Oberflächenwasser ein relati v hohes Risiko dar, welches durch alternative Versorgungsquellen gestützt werden muss, soll die Versorgung dauerhaft gewährleistet werden. Wie weiter oben bereits beschrieben, sind Oberflächenwässer seit Beginn der Industrialisierung einem vermehrten Eintrag an Schadstoffen ausgesetzt. Auch wenn diese, vor allem in den westlichen Industrienationen, durch hohe Umweltschutzauflagen stark reduziert werden konnten, sind Oberflächenwässer immer noch zu einem Grad verunreinigt, der eine aufwendige Aufbereitung voraussetzt. Aus diesem Grund wird häufig der Weg der indirekten Nutzung gewählt, um die Schadstoffbelastung zu beseitigen (KARGER et al., 2008).

Bei Flüssen gilt es zu beachten, dass durch unterschiedliche Pegelstände unterschiedliche Qualitäten des Wassers zu erwarten sind. Hochwasser führt entsprechend vermehrt Sedimentfracht mit sich, während Niedrigwasser vor allem aufgrund der verringerten Verdünnung zu Problemen führen kann. Grundsätzlich gilt, dass bereits bei der Positionierung der Entnahmestelle darauf zu achten ist, dass Kolke und Ablagerungen verhindert werden sowie durch bauliche Mal nahmen Treibgut von der Entnahmestelle ferngehalten wird (KARGER et al., 2008).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 : Versch i edene Var i anten des Au fbaus von Entnahmestellen fr Flusswasser

Quelle: KARGER et al., 2008, S. 73

Bei der Nutzbarmachung von See- und Talsperrenwasser muss darauf geachtet werden, dass es zu Eutrophierungserscheinungen kommen kann. Entsprechend muss hier dem Phosphorgehalt besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Weiters kann es vermehrt zum Eintrag von mineralischen Stoffen und Nahrstoffen kommen. In weiterer Folge kann ein gesteigertes Wachstum von Phyto- und Zooplankton zu einer vorzeitigen Filterverstopfung fuhren. Ebenso storen Algen die Flockung und Filtration. Es kann zur Freisetzung von Geruchs-und Geschmacksstoffen kommen, welche die Wasserqualitat herabsetzen. Bei stehenden Gewassern kommt es zudem zu Schichtungen innerhalb des Wasserkorpers. Mit den verschiedenen Schichtungen sind unterschiedliche Wasserqualitaten verbunden. Allerdings konnen die unterschiedlichen Schichten nicht als statisch angenommen werden. Durch Wind kann es zu lokalen Durchmischungen kommen, ebenso durch Einleitung von Regenwasser. Uberlagert wird dies durch eine jahreszeitlich bedingte Durchmischung. Die Entnahmestellen mussen so ausgerichtet sein, dass sie entsprechend den sich wandelnden Schichtungen in verschiedenen Tiefen Wasser entnehmen konnen um bereits bei diesem Schritt eine moglichst hohe Qualitatsstufe zu gewahrleisten (Karger et al., 2008).

Grundwasser)

Grundwasser ist, wie zu Be inn des Kapitels bereits angesprochen, die w ohlbedeutendste Quelle für Trinkwasser, vor al lem in ariden bzw. semiariden Gebieten (ScANL0 N et al., 2006).

Grundsätzlich wird das Grun Zeit- und anthropogene F chemisch-physikalische Bode Zeitfaktor berücksichtigt de Niederschlag, Verdunstun Einflussfaktoren sind typisch ganz grundsätzlich die Verän wasservorkommen von drei Hauptfaktoren bee influsst: Gebiets-, ktoren. Erstere umfassen die Bodenart, hy draulische sowie nkennwerte, das Relief, die Gewässerdichte un vieles mehr. Dern Aspekt biologischer Merkmale in Grundwa sser und Boden, g, Vegetation und Grundwasserstand. Anthropogene rweise Grundwasserentnahme, Einleitung von Fremdstoffen und erung der Landschaft (KARGER et al., 2008).

Um Grundwasser zugänglich zu machen werden Horizontal- und Vertikalbr unnen eingesetzt. Letztere (Abb.4) differenzi rt man in Bohr-, Ramm-, Schacht- und pülbrunnen. Die horizontalen Verfahren wie Horizontalfilterbrunnen und Sickerleitungen wrden vorwiegend bei geringmächtigen wasserf ührenden Schichten eingesetzt (KARGER et al., 20 08).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Hauptelemente eines vertikalen Grundwasserbrunnens

Quelle: KARGER et al., 2008, S. 57

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Uferfiltration und In filtrationsanlagen zur künstlichen Anreicherung des Grundwassers Quelle: KARGER et al.,2008, S.76

Eine Kombination der Entnahme von Grundwasser und der Nutzung von Oberflächenwasser stellt die Infiltration von Oberflächenwasser in das Grundwasser dar (Abb. 5). In dem hier beschriebenen Fall werden zwei verschiedene Techniken angewandt. Einerseits infiltriert Flusswasser durch das Ufersubstrat in den Grundwasserkörper, andererseits wird durch Infiltrationsbecken Oberflächenwasser dem Grundwasser zugeführt. In beiden Fällen wird das Bodensubstrat als natürlicher Filter verwendet, um das Oberflächenwasser von jenen Inhaltsstoffen zu befreien, die es als Trinkwasser ungeeignet machen (KARGER et al., 2008).

Der Nachhaltigkeitsaspekt)

„Alles was der Mensch benötigt, beruht auf der Nutzung der natürlichen Hilfsquellen der Erde. Diese sind die erschöpfbaren, wie Mineralien, Kohle und Erdöl, sowie die unter bestimmten Umständen sich erneuernden Hilfsquellen, wie Kulturboden, Wasser, Pflanzen- und Tierwelt. Die Begrenztheit der erschöpfbaren Mittel erfordert sparsamsten Verbrauch. Mit den sich erneuernden Hilfsquellen muss eine naturgemä6e Wirtschaft betrieben werden, so dass sie nach dem Grundsatz der Nachhaltigkeit auch noch von den kommenden Generationen für die Deckung des Bedarfs der zahlenmä6ig zunehmenden Menschheit herangezogen werden können. Nutzung und unzureichende Pflege verursachten bisher Schäden. Da die Hilfsquellen jedoch in unmittelbarem Wirkungszusammenhang stehen, kann schon die Schädigung eines Teiles das Gleichgewicht im Gesamthaushalt der Natur nachhaltig stören." (GRAMBOW, 2008, S.12f.)

Der Nachhaltigkeitsaspekt, so oft verwendet und umstritten er auch sein mag, ist ein essentieller Ansatz bei der Bewirtschaftung der Ressource Wasser. In Erweiterung an das oben aufgeführte Zitat wird Nachhaltigkeit als die Schnittfläche zwischen dem Okologischen, dem Sozialen und dem Okonomischen gesehen (GRAMBOW, 2008). Die Aufgabe muss demnach lauten, bei der Nutzung von Wasser sowohl den ökologischen Aspekt, also z.B. die Entnahme über die natürliche Regeneration hinaus, den sozialen Aspekt des Zugangs aller zu sauberem Trinkwasser als natürlich auch eine ökonomische Bewirtschaftung, bei der durch entsprechende Bepreisung des Gutes einerseits dafür gesorgt wird, dass die benötigten Infrastrukturen dauerhaft erhalten werden können und auf der anderen Seite bei der Be völkerung durch den entsprechenden Preis ein Wertgefühl für die Ware Wasser entsteht. Durch die geschaffene Wertschätzung kann ein verminderter bzw. sparsamer Verbrauch erreicht werden, wodurch die ökologische Nachhaltigkeit ihren Vorschub erhält. Uber allen differenzierten Strategien steht grundsätzlich diejenige, welche versucht, einen integrierten Ansatz zu schaffen. Im Bereich des Ressourcenmanagements wurde diesbezüglich das integrierte Wasser Ressourcen Management (IWRM) entwickelt. Hier wird der alles übergreifende Zugang vorgestellt, bei dem nicht sektorale Ansätze, wie etwa im Nachfragemanagement, der Okosystemforschung, der Produktionsseite etc. gesehen werden, sondern in dem in einem umfassenden Ansatz, bei dem z.B. auf Basis eines Flusseinzugsgebietes alle rele vanten Teilbereiche in einem integrierten Plan zusammengefasst werden. In diesem Ansatz werden die Flussanrainer selbst, wie auch nachgelagerte Anlieger oder Anlieger am Oberlauf in die Uberlegungen miteingebunden. Entsprechend umfassend ist dieser Ansatz und die Umsetzung auf nationaler Ebene sowie die Einarbeitung eines IWRM in einen nationalen Regierungsplan zur nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser stehen oft noch aus (UNESCO, 2006).

Nachstehend sollen die wichtigsten Ziele des IWRM kurz dargestellt werden (UNESCO, 2006, S.29):

- "Stakeholders having input in the planning and management of the resource, ensuring especially that the interests of women and the poor are fully represented
- the multiple uses of water and the range of peoples needs
- integrating water plans and strategies into the national planning process and water concerns into all government policies and priorities, as well as considering the water resource implications of these actions
- the compatibility of water-related decisions taken at a local level with a country's national objectives
- the water quantity and quality needs of essential ecosystems so that they are properly protected"

Abb. 6 zeigt im Zusammenh ang mit der nachhaltigen Nutzung von Grundw asservorkommen die natijrliche Regeneratio sgeschwindigkeit der Grundwasserkörper so wie Regionen, in denen das Grundwasser be reits nachweislich ijber seine natijrliche Rege nerationsfähigkeit hinaus beansprucht wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Grundwasserv orkommen und deren nattirliche Regeneration srate in Pakistan

Quelle: WHYMAP, 2008

Es handelt sich hierbei um die Region Afghanistan, Pakistan und den Nordwesten Indiens. Deutlich zu erkennen sind die sehr niedrigen Regenerationsraten in dem Gebiet südlich von Multan (Pakistan) sowie um Bhopal, Nagpur und Indore (Indien). Gleichzeitig wird in der Region um Delhi eine Uberbeanspruchung des Grundwasservorkommens angezeigt. Diese kann auch für andere Regionen angenommen werden, in denen grölgere Agglomerationen aufzufinden sind. Häufig wird in ariden Gebieten fast ausschlielglich der Grundwasserspeicher zur Deckung der Bedürfnisse herangezogen. Oft handelt es sich dabei um fossiles Grundwasser, das nur über unzureichende Regenerationsraten verfügt (BGR, 2007).

Als weiterer wichtiger Punkt ist der Schutz vorhandener Ressourcen zu sehen, wenn es um eine nachhaltige Bewirtschaftung derselben geht.

Diesbezüglich ist eines der effekti vsten Mittel das Trinkwasserschutzgebiet. Abhängig von der Art des zu schützenden Rohwassers werden unterschiedliche Schutzstrategien genannt. Grundsätzlich kann aber festgehalten werden, dass das Schutzgebiet den gesamten Einzugsbereich der Trinkwasserförderanlagen umfassen muss. Die Schutzgebiete (Tab.3 und 4) können entsprechend in einen Fassungsbereich (Zone 1), eine engere Schutzzone (Zone 2) sowie eine weitere Schutzzone (Zone 3) aufgeschlüsselt werden. Anhand des Beispiels von Talsperren sollen die einzelnen Zonen kurz erläutert werden (KARGER et al., 2008).

Tabelle 3 : Schutzzoneneinteilung bei Talsperren

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zu dieser Zone zählen die Talsperre, das Vorbecken, der Uferbereich und angrenzende Flächen mit etwa 100 Meter Ausdehnung. Es dürfen nur Arbeiten an den technischen Ein-richtungen und den dauerhaften Bestand der Talsperre sichernde Mal nahmen durchge-führt werden. Der Gewässerschutz ist bei diesen Handlungen zu beachten. Die Pflege der Landfläche, welche den Stausee umgibt, ist nur zulässig, wenn sie dem Schutz des-selben dienen. Sportakti vitäten sind auf dem See nicht gestattet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert nach KARGER et al., 2008, S. 81

Der Bodenaufbau kann von erheblicher Bedeutung für den Schutz des Grundwasserkörpers sein. Dennoch, auch wenn der Untergrund entsprechend guten Schutz gegen Kontamination bietet, können folgende Verunreinigungen auftreten:

- kurzzeitige punkt- oder linienförmige Verunreinigungen (z.B. auslaufende Flüssigkeiten nach einem Verkehrsunfall)
- dauerhafte punkt- oder linienförmige Verunreinigungen (undichte Leitungen etc.)
- sich wiederholende flächenhafte Einträge (Düngemittel, Pestizide, Klärschlamm etc.)
- kontinuierliche flächenhafte Kontamination (Stadtflächen) (KARGER et al., 2008)

Entsprechend den Verordnungen über Schutzgebietszonen bei Talsperren werden auch Zonen für den Grundwasserschutz ausgewiesen.

Tabelle 4: Schutzzoneneinteilung bei Grundwasservorkommen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert nach KARGER et al., 2008, S. 82

In den Schutzzonen 3A und B gelten spezielle Vorschriften und Verbote die Nutzung betreffend.

Auch bei noch so gründlichem Schutz der Trinkwasserressourcen können gewisse Verunreinigungen nicht verhindert werden. Zudem stellen viele Inhaltsstoffe für den Menschen dauerhaft eine potentielle Schädigung dar. Wasser muss zudem immer geruchs-und geschmacksneutral sein sowie es keine sichtbaren Verunreinigungen enthalten darf, also klar sein muss. Uberdies stellen industrielle Beriebe oft spezielle Anforderungen an das Wasser. Gleichwohl müssen Inhaltsstoffe, die für frühzeitige Korrosion in den Leitungssystemen und entsprechend für hohe Instandhaltungskosten sorgen, beseitigt werden. Um dies zu erreichen, sind, abhängig vom Rohwasser, mehr oder weniger aufwendige Aufbereitungsverfahren notwendig, be vor das Wasser an den End verbraucher weitergeleitet werden kann (KARGER et al., 2008).

2.2. Aulbereitungssystem

Das Aufbereitungsziel, also die gewünschte Güte des Trinkwassers, wird durch die Trinkwasserverordnung des entsprechenden Landes festgelegt. Wie weiter oben im Text schon angesprochen, ist oftmals die Unterschreitung bestimmter Werte wünschenswert, da dadurch die Funktionsdauer und -tüchtigkeit des Leitungsnetzes erhöht werden kann. In diesem Zusammenhang wird z.B. ein Mangan-Wert von weniger als 0,02 mg/l vorgeschlagen, um einer Riffelbildung entgegen zu wirken, die die Funktionstüchtigkeit des Fernnetzes beeinträchtigen kann (BERNHARDT, 1996; zit. in KARGER et al., 2008, S.106).

Zunächst gilt es festzustellen, dass die Aufbereitung von Wasser grundsätzlich (bedingt durch das damit verbundene Methodenbündel) in zwei verschiedene Kategorien eingeteilt werden kann. Hierbei handelt es sich um (KARGER et al., 2008, S.106):

- Oberflächenwasser
- Grundwasser

Oft werden verschiedene Verfahren der Aufbereitung in beiden Bereichen verwendet. Abb. 7 und Tab. 5 zeigen die bei der Aufbereitung von Oberflächen- und Grundwasser eingesetzten Methodenbündel am Beispiel des Wasserwerkes Hosterwitz (Deutschland). Auf die genauere Erläuterung der jeweiligen Methoden (Verfahren) wird an späterer Stelle eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Typische Verfa

Quelle: DREWAG, 2008, S.5f

Tabelle 5: Erläuterungen zu Abbildung 7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: verändert nach DREWAG, 2008

[...]


1 Felder des IWRM sind nach GRAMBOW (2008, S.30): SORwassermanagement, Kustenzonen, Land- und Wassermanagement, Grunwasser, Oberflächen- und Grundwasser, Quantität und Qualität der Ressource, Ober- und Unterliegerrelationen und Interessen, gesellschaftliche Etablierung der Ressource, nationale politische Entwicklung, makrookonomische Effekte, politische Grundprinzipien, Stakeholderintegration, Umweltpolitik etc.

2 IPCC = Intergovernmental Panel on Climate Change

3 bereits heute entfallen etwa 70% des Wasserverbrauchs auf die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen, dieser Wert wird durch den gesteigerten Nahrungsmittelbedarf und der zu erwartenden Verlagerung der Nahrungsmittelzusammensetzung (weniger Getreide und dafür mehr Fleisch) noch weiter zunehmen (KUNDZEWICZ ET. AL., 2007, S.175 und IWMI, 2006, S.1f.)

4 aufgrund fehlender Langzeitdaten kann keine gesicherte Aussage über die Auswirkungen des Klimawandels auf den Grundwasserkörper gemacht werden, Auswirkungen auf oberflächennahe Aquifere aufgrund steigender Lufttemperaturen sind jedoch anzunehmen (KUNDZEWICZ ET. AL., 2007, S.176ff.)

5 Derzeit lebt rund 1/6 der Weltbevölkerung in Flusseinzugsgebieten, die sich aus Gletschern oder Schneefeldern speisen (KUNDZEWICZ ET. AL., 2007, S.175).

6 Die Erhöhung der Wassertemperatur führt zu einer Verminderung des Sauerstoffgehalts und damit zu einer Verringerung des Redoxpotentials. Hieraus ergibt sich folglich eine verringerte Selbstreinigungsfähigkeit des Wassers (KuNDZEWiCZ ET. AL., 2007, S.178).

7 Definition: Wassermenge pro Person und Jahr weniger als 1000 m3 (KUNDZEWICZ ET. AL., 2007, S.179)

8 "Red: Physical Water Scarcity. More than 75% of the river flows are allocated to agriculture, industries or domestic purposes (accounting for recycling of return flows). This definition of scarcity—relating water availability to water demand—implies that dry areas are not necessarily water-scarce. For example, Mauritania is dry but not physically water-scarce because demand is low. Light Red: More than 60% of river flows are allocated. These basins will experience physical water scarcity in the near future. Orange: Economic Water Scarcity. Water resources are abundant relative to water use, with less than 25% of water from rivers withdrawn for human purposes, but malnutrition exists. These areas could benefit by development of additional blue and green water, but human and financial capacity are limiting. Blue: Abundant water resources relative to use: less than 25% of water from rivers is withdrawn for human purposes". (INTERNATIONAL WATER MANAGEMENT INSTITUTE, 2006, S.8)

Ende der Leseprobe aus 119 Seiten

Details

Titel
Urbanes Wassermanagement in ariden Regionen
Untertitel
Fallbeispiel Bahawalpur, Pakistan
Hochschule
Universität Salzburg  (Geographie und Geologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
119
Katalognummer
V141135
ISBN (eBook)
9783640530304
ISBN (Buch)
9783640529964
Dateigröße
13019 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Urbanes, Wassermanagement, Regionen, Fallbeispiel, Bahawalpur, Pakistan
Arbeit zitieren
Daniel Wurster (Autor:in), 2009, Urbanes Wassermanagement in ariden Regionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141135

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