Anderthalb Jahrzehnte nach dem politischen Umbruch in Osteuropa und dem erfolgten EU-Anschluss der ersten Transformationsgesellschaften der postkommunistischen Welt zwingen die unterschiedlichsten Entwicklungswege dieser Länder immer wieder einen indirekten oder direkten Vergleich auf.
In der Erforschung des demokratischen Massenbewusstseins in der Bevölkerung Russlands soll diese Studie dazu einen Beitrag leisten. Hierzu ist nicht nur die Verankerung demokratischen Grundempfindens im Volk sondern insbesondere auch die Einstellung zu demokratischen Elementen und Formen, welche im Transitionsprozess der letzten Jahre errungen wurden, zu beleuchten. Hierfür wurde eine Betrachtung von tatsächlich empfundenen Demokratisierungsgrad und öffentlich gewünschtem Demokratisierungsgrad erstellt.
Definitorisch geht diese Studie von der Annahme eines Transformationsprozess aus, der in der weiteren Entwicklung in einen Transitionsprozess von gleichzeitig laufender und sich gegenseitiger bedingender politischer und ökonomischer Transformation mündet.
Im Ergebnis kommt der Autor zu der Feststellung, dass
diese gesellschaftliche Transformation zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht realisiert und somit ein vollständiger Systemwechsel noch nicht vollzogen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Abgrenzung theoretischer Begrifflichkeiten für die Analyse
2.2. Zur sozioökonomischen und gesellschaftspolitischen Lage
2.3. Demokratie und Demokratisierung
3. Schlussbetrachtung
4. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das demokratische Massenbewusstsein der Bevölkerung im postmodernen Russland, um die Diskrepanz zwischen dem tatsächlich empfundenen und dem öffentlich gewünschten Demokratisierungsgrad vor dem Hintergrund der sozioökonomischen Transformation zu analysieren.
- Transformation des politischen Systems in Russland
- Einstellung der Bevölkerung zu demokratischen Werten
- Einfluss der wirtschaftlichen Lage auf das Demokratieverständnis
- Rolle staatlicher Institutionen und des Präsidenten
- Wahrnehmung von Rechten, Freiheiten und sozialer Gerechtigkeit
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Anderthalb Jahrzehnte nach dem politischen Umbruch in Osteuropa und dem erfolgten EU-Anschluss der ersten Transformationsgesellschaften der postkommunistischen Welt zwingen die unterschiedlichsten Entwicklungswege dieser Länder immer wieder einen indirekten oder direkten Vergleich auf. Insbesondere die neue Stellung kleinerer Transformationsländer in Bündnissystemen, wirtschaftlichen Verflechtungen und Entwicklungen sowie gesellschaftspolitischen Prozessen gegenüber den parallel ablaufenden Entwicklungen beim ehemaligen großen Bruder Russland, geben hierbei Interpretationsversuche auf.
Bei der Betrachtung des ‚russischen Bären’ fällt immer wieder, nicht zuletzt aufgrund der aktuellsten Entwicklungen in Russland selbst als auch derer in den Schwesterstaaten Weißrussland und Ukraine, der Focus auf die Evolution des politischen Systems. Der Grad der Demokratisierung wird hierbei oft vom westlichen Demokratieverständnis aus gemessen und anhand von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturell-politischen Zuständen empirisch überprüfbar gemacht. Der Umstand der über siebzigjährigen kommunistischen Vergangenheit Russlands sowie der wirtschaftlichen und machtpolitischen Besonderheiten des größten Landes der Erde nötigen dem Betrachter dabei auf den ersten Blick die Berücksichtigung eines Sonderfalles im Gefüge der Transformationsstaaten auf.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der postkommunistischen Transformation in Russland ein und skizziert das Forschungsinteresse am demokratischen Massenbewusstsein der Bevölkerung.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert theoretische Grundlagen der Demokratie und Transformation, analysiert die sozioökonomische Lage sowie die Einstellung der russischen Bevölkerung zu politischen Institutionen und demokratischen Werten.
3. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz einer positiven Einstellung zur Demokratie eine bruchstückhafte politische Kultur eine Stagnation und den Ruf nach einem starken Lenker begünstigt.
4. Literatur- und Quellenverzeichnis: Dieses Kapitel listet die verwendeten wissenschaftlichen Fachpublikationen sowie die genutzten Online-Datenquellen für die empirische Analyse auf.
Schlüsselwörter
Demokratisierung, Transformationsprozess, Russland, Massenbewusstsein, politische Kultur, sozioökonomische Lage, Systemwechsel, öffentliche Meinung, Demokratiekonzepte, Rechtsstaatlichkeit, Zivilgesellschaft, Wladimir Putin, soziale Gerechtigkeit, Marktwirtschaft, gesellschaftliche Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einstellung der russischen Bevölkerung zum demokratischen System und den Grad des demokratischen Bewusstseins im Kontext der Transformationsprozesse seit dem Ende der Sowjetunion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen sozioökonomischer Transformation, dem russischen Verständnis von Demokratie und der Rolle politischer Institutionen in der öffentlichen Wahrnehmung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Darstellung des demokratischen Massenbewusstseins unter Berücksichtigung der Diskrepanz zwischen tatsächlich empfundenen und öffentlich gewünschten Demokratisierungsgraden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine vergleichende Analyse empirischer Daten, Umfrageergebnisse (u.a. vom Lewada-Zentrum) und politikwissenschaftliche Definitionen von Transformationsprozessen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsabgrenzung, die Analyse der sozioökonomischen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie die Untersuchung von Demokratieverständnis und Demokratisierung in Russland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transformationsprozess, Demokratisierung, politische Kultur, soziale Gerechtigkeit und den spezifischen russischen Entwicklungspfad geprägt.
Wie unterscheidet sich das russische Demokratieverständnis vom westlichen Modell?
Das russische Verständnis priorisiert rechtliche und soziale Gleichheit sowie materielle Sicherheit, während westliche Konzepte stärker auf Machtbeteiligung und individuelle Freiheitsrechte fokussieren.
Warum spielt die Person Wladimir Putins eine zentrale Rolle im Dokument?
Die Daten zeigen, dass die Bevölkerung kaum Vertrauen in staatliche Institutionen hat, jedoch dem Präsidenten eine Hoffnungsträgerfunktion zuschreibt, was die Grundlage für die sogenannte "gelenkte Demokratie" bildet.
Wie bewertet die russische Bevölkerung den Übergang zur Marktwirtschaft?
Ein Großteil der Bevölkerung fühlt sich als Verlierer der ökonomischen Umwälzungen, was zu einer Entpolitisierung führt und die Priorisierung von sozialem Schutz gegenüber politischen Freiheiten erklärt.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Zukunft Russlands?
Der Autor konstatiert, dass die gesellschaftliche Transformation noch nicht abgeschlossen ist und aufgrund einer bruchstückhaften politischen Kultur eher eine Stagnation der Demokratisierung zu erwarten ist.
- Arbeit zitieren
- Thomas M. Scholz (Autor:in), 2005, Zur Frage des demokratischen Massenbewusstseins der Bevölkerung im postmodernen Russland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141142