Die Sprache in der Öffentlichkeit im heutigen Italien


Hausarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sprache in der Öffentlichkeit
2.1 Die Disposition der Sprachniveaus
2.2 Probleme der inneren Migration
2.3 Sprache in der Medienwelt
2.3.1 Die Printmedien
2.3.2 Die Werbung
2.3.3 Das Radio
2.3.4 Das Fernsehen
2.4 Die Verständigung im Militärdienst
2.5 Die Sprachnutzung in der Schule

3 Schlusswort

4 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Italien als Land vieler unterschiedlicher Sprachen und Dialekte kennzeichnet sich ebenfalls durch die Trennung der lingua parlata und lingua scritta sowie auch der unterschiedlichen Nutzung der Sprache innerhalb der Familie und in der Öffentlichkeit. Lepschy und Lepschy unterscheiden hier „zwischen einer spontanen, familiären und einer präzisen, formellen Sprechweise.“[1]

Der Dialekt trägt sowohl zum Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Gruppe bei als auch zur scharfen Abgrenzung gegenüber Bewohnern der anderen Regionen Italiens. Deshalb ist es vollkommen natürlich, dass der Dialekt vor allen anderen in der Familie genutzt wird, um die Identität und die Herkunft eines jeden einzelnen zu bewahren.

Doch wie sieht es in der öffentlichen Gesellschaft eines Landes aus, das sich immer noch auf dem Weg der Alphabetisierung zu befinden scheint? Dort treffen verschiedene Schichten und Gruppen aufeinander, die möglicherweise die unterschiedlichen Dialekte und auch die italienische Standardsprache nur wenig oder gar nicht beherrschen. Wie stellen sich Migranten diesem Problem? Welche Sprache nutzen die Medien? Welche Rolle spielt die Schule in dieser Bewegung?

Die vorliegende Arbeit untersucht die italienische Sprachkultur hinsichtlich dieser Fragen.

2. Sprache in der Öffentlichkeit

2.1 Die Disposition der Sprachniveaus

Italiens Sprachengebilde lässt sich nicht nur durch den Begriff der Standardsprache ausdrücken, sondern auch durch unterschiedliche Ebenen von regionalen Einteilungen und Dialekten.

Der Dialekt tritt als regionale Variante einer Sprache auf, wobei er sich vor allem in der Aussprache und im Wortschatz von der Standardsprache unterscheidet. Infolgedessen bewegen sie sich auf völlig verschiedenen sprachlichen Niveaus. Eine schriftliche Normierung der Orthographie und der Grammatik existiert im Bereich der Dialekte nicht. Jedoch kann es passieren, dass sich der schriftliche Standard einer Sprache aus einem gesprochenen Dialekt entwickelt. Der toskanische Dialekt dominierte zum Beispiel alle anderen damaligen Dialekte Italiens, so dass er sich mit Hilfe Dante Alighieris und Francesco Petrarcas zur italienischen Standardsprache entwickelte. Allerdings ist es schwierig, eine scharfe Grenze zwischen den einzelnen Dialekten oder zwischen Dialekt und Standardsprache zu ziehen. Allerdings kann man Dialekte derselben Sprache daran erkennen, dass die gesprochenen Varianten über eine gemeinsame Schriftsprache verfügen.

Die geschriebene Sprache entspricht in der Regel der Standardsprache. Sie genießt ein höheres Prestige als die gesprochene Form und verfügt über eine komplexere grammatische Struktur und einen spezielleren Wortschatz.

Die Unterteilung der italienischen Sprachniveaus und damit auch -formen erfolgte 1962 bei Pellegrini und lässt sich wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[2]

Als italiano standard (D) wird die italienische Hochsprache und zugleich auch Standardsprache bezeichnet, die zum Beispiel ausländischen Schülern gelehrt wird. Sie wird

hauptsächlich als Schriftsprache im distanzsprachlichen Bereich verwendet und ist sehr formal gehalten. Die italiani regionali (C), als tertiäre Dialekte, entwickelten sich neben den dialetti (A, B). Koch und Oesterreicher(1985) beziehen sich hier auf Coseriu und stellen fest, dass die tertiären Dialekte eine neue Varietät des italiano popolare in „diastratischer Hinsicht“[3], also hinsichtlich der soziokulturellen Schichten, darstellen. Die italiani regionali, als dialektal geprägtes System zwischen Standardsprache und Dialekt, unterscheiden sich von der Standardsprache insofern, als dass sie regionale Besonderheiten in der Aussprache aufweisen, allerdings nur selten in der Grammatik. Sie basieren auf soziokulturellen Parametern der Nutzer.[4] A, B und C sind regionale und lokale Varietäten und somit auch informelle Sprachen, im Gegensatz zu D, welches die nationale Varietät beschreibt. A und B werden von den classi popolari, das heißt der Arbeiterklasse, genutzt, während C und D im Bereich der classi istruite, also der gebildeten Schichten, Verwendung finden.

Als primäre Dialekte werden überdachte Idiome bezeichnet, die keine Dialekte der Dachsprache (hier: italienisch) sind, zum Beispiel sardisch, ladinisch und friaulisch. Sekundäre Dialekte entstanden dagegen durch „territoriale Expansionen der Sprachgemeinschaft durch Kolonialisierung“[5]. Sie sind entweder eine Verstärkung oder Abschwächung der diastratischen oder diatopischen Variation. Die tertiären Dialekte (hier die italiani regionali) existieren im nähesprachlichen Bereich im Gegensatz zum italiano standard. Sie werden unterteilt in vier Varietäten, die jeweils einen Großraum charakterisieren: die varietà settentrionale, die den gesamten oberitalienischen Raum umfasst, dementsprechend vom Piemont im Westen bis hin zur Venezia-Giulia im Osten und von den Alpen im Norden bis zur Spezia-Rimini-Linie im Süden; die varietà toscana; die varietà romana und die varietà meridionale, die im südlichen Teil Italiens, das heißt vom südlichsten Zipfel Lazios ausgehend bis einschließlich Sizilien, gesprochen wird. Die einzelnen dialetti regionali bzw. locali aufzuzählen würde hier zu weit führen.

Das italiano popolare wird separat betrachtet vom oben aufgeführten Schema, das mündliche Varietäten aufzeigt, die also nur als lingue parlate genutzt werden, während das italiano popolare nur schriftlich analysiert wurde. Diese besondere Varietät wurde zum Beispiel in Briefen von Soldaten aus dem 1. Weltkrieg entdeckt, aber auch in Fragebögen um das Jahr 1975. Seine Merkmale sind u.a. Elisionen und Pleonasmen.

[...]

1: Lepschy/Lepschy (1986): 9

2: Pellegrini zit. bei Valvaro 1978: 117

3: Koch 1985: 44

4: Sabatini: 1985: vgl. 177

5: Koch 1985: 131

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Sprache in der Öffentlichkeit im heutigen Italien
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Die „questione della lingua“ – von Dante bis Manzoni
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V141195
ISBN (eBook)
9783640483747
ISBN (Buch)
9783640483471
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Italien, Linguistik, Dialekt, lingua parlata, lingua scritta
Arbeit zitieren
Simone Mihm (Autor), 2008, Die Sprache in der Öffentlichkeit im heutigen Italien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141195

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Sprache in der Öffentlichkeit im heutigen Italien



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden