Die Talkshowisierung der Politik am Beispiel der Sendung: „Vorsicht! Friedman“


Seminararbeit, 2003

27 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Talkshowisierung der Politik
1.1. Talkshowisierung als Element moderner Politikvermittlung
1.2. Quantität und Qualität der politischen Berichterstattung
1.3. Politikformate im Fernsehen
1.4. Politiker als Talkshowgäste; Chancen und Risiken

2. Die Kriegsberichterstattung im medialen Zeitalter
2.1. Die Kriegsberichterstattung seit dem Zweiten Weltkrieg
2.2. Die mediale Kriegsberichterstattung des Irakkonfliktes
2.3. Die Kriegspropaganda der Bush-Administration

3 Die Sendung „Vorsicht! Friedman“
3.1. Geschichte Sendung:
3.2. persönliche Eckdaten von Friedman:
3.3. Das Format „Vorsicht! Friedman“
3.4. Rolle des Moderators:
3.5. Verhalten der Talkshowgäste:
3.6. Informationsgehalt
3.7. Meinungsbildung
3.8. Inhalte der zu beobachteten Sendungen

4. Literaturverzeichnis

1. Die Talkshowisierung der Politik:

1.1. Talkshowisierung als Element moderner Politikvermittlung:

Seit der legendären Fernsehkonfrontation zwischen dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Kennedy und seinem republikanischen Kontrahenten Richard Nixon sind Politik und Fernsehen untrennbar miteinander verbunden. Der damals noch unbekannte Kennedy konnte einen schier aussichtslos erscheinenden Präsidentschaftswahlkampf noch in letzter Minute für sich entscheiden, da er im Medium Fernsehen ein viel jugendlich-dynamischeres Auftreten vorexerzierte als der schlecht vorbereitete Nixon.

Angesichts dieser TV-Debatte erkannten nun auch zusehends die westeuropäisch-demokratischen Staaten die Bedeutung des Fernsehens. In Deutschland erfreuten sich die so genannten „Elefantenrunden“ in den Jahren 1972-1987 zunehmender Beliebtheit, der Marktanteil der damals öffentlich- rechtlichen Fernsehstationen belief sich auf circa 84 Prozent.1 Am Ende des letzten Bundestagswahlkampfes fanden erstmals in der deutschen Fernsehgeschichte zwei TV-Duelle der Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber und Gerhard Schröder statt. Die zwei Konfrontationen wurden alternierend von den Privatsendern Sat 1 und RTL beziehungsweise den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF ausgestrahlt. Die Einschaltquoten lagen deutschlandweit zwischen 15-17 Millionen Zusehern, was einem Marktanteil von weit über 50 Prozent entspricht. Wobei festzuhalten ist, dass gerade das erste Duell sehr stark kritisiert wurde. Das lag wohl einerseits am sehr straffen, amerikanisierten Konzept, bei dem die Moderatoren wenig Spielraum und wenig Gelegenheiten zum Nachfragen hatten, andererseits aber auch daran, dass die Kandidaten kaum von ihren standardisierten und vorbereiteten Antworten abwichen. Natürlich gab es im Zuge des Bundestagwahlkampfes noch eine erkleckliche Anzahl von Sendungen, bei denen sich Politiker medial in Szene zu setzen versuchten. Den Reigen der Fernsehauftritte eröffnete der Edmund Stoiber im Januar bei der Polit-Talkshow Sabine Christiansen. Die Fernsehperformance Stoibers wurde allgemein negativ bewertet, da dem Kandidaten von CSU und CDU ein folgenschwerer Lapsus unterlief, indem er die Moderatorin Christiansen mit Frau Merkel ansprach. Sein Kontrahent Schröder, der allgemein als der Medienkanzler bezeichnet wurde, konnte hingegen bei einer vergleichsweise ähnlichen Sendung Pluspunkte für sich sammeln, indem er sehr jovial und unangestrengt im Fernsehen wirkte.2

Angesichts dessen wird seit den neunziger Jahren zunehmend von der personenbezogenen Politikvermittlung gesprochen, die sich augenscheinlich zu einer Talkshowisierung der Politik entwickelt hat. Der Terminus Talkshowisierung lässt sich auf zwei Trends zurückführen, nämlich 1. die zusätzliche Möglichkeit für Politiker auch außerhalb der Wahlkampfzeiten präsent zu seien beziehungsweise

2. die Bereitschaft der Politiker ihre Kompetenz und ihre offenbar eintrainierte Eloquenz vor laufenden Kameras zum Besten zu geben. Im Zuge der Dualisierung des Fernsehwesens, das heißt, neben den öffentlich-rechtlichen Anstalten gibt es in fast allen europäischen Staaten private Fernsehstation, letztere haben zweifelsohne dazu beigetragen, dass politische Talkshows sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Die Politiker standen den neu entstanden Sendungsformaten zunächst skeptisch gegenüber, bis sie letztlich erkannten, dass diese Formate eine neue Chance der Darstellung und Selbstinszenierung bieten. Einen wesentlichen Beitrag leistete der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton, der im Zuge seiner Wählkämpfe durch seine bedeutenden Auftritte bei Polittalkshows neue Wählermärkte erschließen konnte, wobei hier es nicht ausschließlich um Informationsvermittlung ging, sondern eher darum, dem Zuschauer ein unterhaltsames Bild des Kandidaten zu vermitteln.

Klarerweise versuchte man mittels dieser Formate auch die zunehmend politikverdrossenen Wähler zu erreichen. In diesen TV-Magazinen ist eine deutliche Entwicklung auszumachen, und zwar in jener Hinsicht, dass die früher klaren Konturen zwischen Unterhaltung und Information nun in Auflösung begriffen sind. Selbst bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehstationen übernehmen eingeladene Politiker die Rolle von Alleinunterhaltern, die Politik in einer lockeren und amüsanten Form aufbereiten und präsentieren. Politiker, die sich diesem Trend zu widersetzen versuchen, werden auch bei TV-Wahlkämpfen kaum bestehen können.

Die Meinungen hinsichtlich dieser tief greifenden Veränderung der Politikvermittlung sind gespalten. Während die einen kulturkritisch den Untergang klassisch rationaler und demokratischer Politik befürchten, heben die Befürworter die partizipative Hoffnung und zuschauerorientierte Argumente hervor.3

1.2. Qualität und Quantität der politischen Berichterstattung

Die elektronischen Medien als auch die Printmedien sind rechtlich dazu verpflichtet, genügend Informationen über politische relevante Ereignisse zu präsentieren. Dabei ist zwischen dem quantitativen Programmangebot und den tatsächlich der Politik gewidmeten Sendungen zu unterscheiden. In diesem Zusammenhang lässt sich festzustellen, dass bestimmte Formate, die sich nach außen hin als politische Sendungen verkaufen, tatsächlich nur unterhaltsame „soft News“ präsentieren. Rund drei Viertel der Sendezeit im Fernsehen bestehen aus unterhaltenden Produktionen, während reine Informationssendungen zunehmend in den Hintergrund geraten.4 Es liegt auf der Hand, dass die öffentlich- rechtlichen Sender mehr Informationsprogrammen anbieten als ihre privaten Konkurrenten, deren Nachrichtenanteil verschwindend gering ist, und dies sich manchmal auch als reine Musik- und Sportkanäle bezeichnen, um möglichst wenig Informationssendungen ausstrahlen zu müssen. In Anbetracht dieses Trends ist auch bei den öffentlich- rechtlichen Fernsehanstalten zu beobachten, dass aufgrund des mangelnden Zuschauerinteresses die Zahl der reinen Informationssendungen zurückgegangen ist. Die Programmgestalter versuchen nun angesichts dieser Entwicklung ihre politischen Nachrichten und Magazine unterhaltsamer zu gestalten. Weiss und Trebbe untersuchten die Programmstrukturen deutscher Fernsehprogramme in den Jahren 1998 und 1999.5 Die privaten Fernsehstationen haben ihren Politikanteil und das Korrespondentennetz ausgebaut, während die öffentlich-rechtlichen Anbieter ihre Magazine denen der Privaten angeglichen haben. Der Anteil politischer Informationen ist aber bei ARD und ZDF ungleich höher als bei RTL oder PRO 7. In einer Langzeitstudie von Wegener konnte eine Zunahme an Unterhaltung und Personalisierung festgestellt werden. Politische Nachrichten büßen aufgrund ihrer Kürze zunehmend an Qualität und Information ein. Hintergrundinformationen, die zumeist sehr komplex sind, werden bei der Berichterstattung zusehends vernachlässigt oder gänzlich aus den Programmen verdrängt. Es zeichnet sich im Allgemeinen ein Trend, der sich in Richtung Personalisierung bewegt, ab. Wobei noch zu ergänzen ist, dass Politik in den Nachrichten vermehrt konfliktträchtiger dargestellt wird. Ob das schon die Entwicklung hin zum reinen Infotainment ist, kann aufgrund fehlender Untersuchungen nicht belegt werden. Hinsichtlich der politischen Berichterstattung wird zusehends auf Ereignisse mit Aufmerksamkeits- und Reizwert geachtet, was dazu führt, dass Geschehnissen mit wenig spektakulärem Inhalt, wie zum Beispiel der Routinepolitik, weniger Bedeutung beigemessen wird.6

1.3. Politikformate im Fernsehen

Falls man in diesem Zusammenhang von der Talkshowisierung der Politik spricht, sind damit nicht nur die Auftritte von Politikern in unterhaltsamen Talkshows gemeint, sondern darunter versteht man auch, dass eben Genannte nicht nur in Wahlkampfzeiten medial präsent sind, sondern auch in den Perioden, die frei von Wahlkämpfen sind. Zunehmend zeigt sich auch die Bereitschaft der Politiker, sich dauerhaft im TV sei es streitend, diskutierend oder plaudernd darzustellen. In diesem Kontext ist auch eine Differenzierung der einzelnen Sendungsformate nicht unerheblich, diese lassen sich in drei Grundtypen gliedern.

1. Politische Diskussions- und Interviewsendungen, wie beispielsweise „ Was

nun?“( ZDF ), „Offen gesagt“ (ORF), „ Gabi Bauer“ (ARD). Diese Formate finden grundsätzlich ohne Studiopublikum statt und behandeln nur eingegrenzte politische Themenkomplexe. Die Moderatoren sind zumeist engagierte, etablierte und prominente Fernsehjournalisten beziehungsweise Politikkorrespondenten. Die Gäste kommen aus politischen und politiknahen Branchen.

2. Politische Talkshows wie z. B. „Vorsicht! Friedman“(HR), „Sabine Christiansen“, „Berlin Mitte (ZDF),. Diese Formate charakterisieren sich erstens durch eine Vermischung sachlich-rationaler beziehungsweise emotional-unterhaltsamer Auseinadersetzungen über aktuelle, politische gesellschaftliche Themen, zweitens durch eine heterogene Teilnehmerstruktur7, die neben Gästen aus dem Bereich der Politik und des Journalismus auch Prominente, Normalbürger oder so genannte Exoten umfasst.

Weitere nennenswerte Charakteristika dieser Formate betreffen z.B. den Ausstrahlungsort, der als Markenzeichen gilt, wie beispielsweise bei „Vorsicht! Friedman“ der Maintower in Frankfurt, oder die Anwesenheit eines Studiopublikums, sowie die Schlüsselposition des identitätsstiftenden Moderators.

3. Nicht politische Talk - und Unterhaltungsshows wie z.B. „Boulevard Bio“(ARD) oder die Harald Schmidtshow“ (SAT. 1). Diese Formate finden ausschließlich vor einem Publikum statt und befassen sich hauptsächlich mit Prominenten aus sämtlichen Bereichen der Unterhaltungsbranche. Die Art der Gesprächsführung zielt vorrangig auf die Unterhaltung der Zuseher und des Publikums ab, wobei auch bei diesen Sendungen der Moderator eine identitätsstiftende Funktion innehat. Abschließend sei noch erwähnt, dass sich diese Formate in Wahlkampfzeiten durchaus mit politischen Themen und Akteuren befassen.

Für die politischen Akteure und deren Medienberater gilt es nun herauszufinden, welche dieser vorhin definierten Formate sich am besten dafür eignen, bestimmte Themen, Positionen oder Botschaften medial zu präsentieren. Letztlich ist für den einzelnen Politiker die Einschätzung des jeweiligen Talkshowformats - nach Abwägung der eigenen individuellen Kompetenzen und Erwartungen-
entscheidend.8 In Anbetracht dessen sollte sich der Akteur auch bewusst werden, welche Zielgruppe er mit seinem Auftritt erreichen will. Für welche Sendung sich ein Politiker schlussendlich entscheidet, hängt auch unter anderem von den so genannten „ weichen Faktoren“ ab, zu diesen zählen vor allem, das Renommee einer Sendung, die zwischenmenschliche Relation von Moderator und Akteur und das Amt des betroffenen Politikers. Natürlich sind TV- Auftritte bei solchen Formaten gleichermaßen mit Chancen und Risken verbunden, diese sind von den Positionen, den individuellen Neigungen und Fähigkeiten abhängig. Dem zufolge hat sich in den letzten Jahren ein Ausleseprozess entwickelt, der Politiker in „Talkshow-Meister“ ( Guido Westerwelle, Franz Müntefering, Gregor Gysi...) sowie „Talkshow Meider“ 9 gliedert. Er wird auch zusehends bei der Rekrutierung und Ausbildung von neuen Akteuren darauf Wert gelegt, dass diese über genügend mediale Kompetenzen verfügen, um in bestimmten Formaten bestehen zu können.

Von diesem seit Anfang der neunziger einsetzenden Talkshowboom haben vor allem jene politischen Akteure profitiert, die fähig sind sich auf die Spielregeln des jeweiligen Formates einzulassen und die bei den Sendungsverantwortlichen über eine gewisse Popularität und Akzeptanz verfügen. Die Zahl der Politiker, die sich diesen Sendungen verweigert, ist im Sinken begriffen, weil mediale Präsenz und Aufmerksamkeit von immer entscheidender Bedeutung sind.

1.4. Politiker als Talkshowgäste:

Der frühere amerikanische Präsident, Ronald Reagan, ließ sich einmal zur Aussage „Politics is just like show business.“ verleiten 10 Politik - und Kommunikationswissenschaftler bestätigen im Großen und Ganzen diese Einschätzung, die besagt, dass Personalisierung und Entertainment eine immer größere Rolle in der Politik spielen. Wie bereits in vorigem Kapitel erwähnt, treten politische Akteure zunehmend in Unterhaltungsformaten auf, um sich in der Öffentlichkeit auch von einer anderen Seite zu präsentieren. Sie bemühen sich witzig, spontan und unterhaltsam zu wirken. Des Öfteren lässt der Akteur auch Einblicke in sein Privatleben und in seine persönlichen Emotionen zu, um beim Rezipienten möglichst sympathisch und volksnah zu wirken. Besonders in Wahlkampfzeiten zeigen sich Politiker von der vorhin beschriebenen Seite, dabei ist vermehrt zu beobachten, dass Spitzenkandidaten ihr familiäres Umfeld und ihre Entertainment Qualitäten in den Vordergrund stellen. Einer der sich dieser Qualitäten in jüngerer Vergangenheit des Öfteren bediente ist Joschka Fischer. An seinem Beispiel wird deutlich, wie sich eine gut gelungene Medienpräsenz positiv auf die Popularität eines Politikers auswirkt. Allerdings können mediale Auftritte auch ins Gegenteilige umschlagen, wie z.B. bei Rudolf Scharping, der lange Zeit des Image eines biederen Politikers inne hatte. Im Zuge des 1994 stattfindenden Bundestagswahlkampfes versuchte Scharping, der als Spitzenkandidat der SPD antrat, sein Image durch mediale Auftritte in Unterhaltungsformaten zu korrigieren. Allerdings stellte sich sehr bald heraus, dass Scharping bei diesen Talkshows, auf sein Äußeres angesprochen, sehr oft in Verlegenheit geriet und folglich mit dieser

Art von Sendungen alles andere als zurecht kam. Um sein Bild in der Öffentlichkeit als hölzerner Mensch11 zu korrigieren, versuchte Scharping wenige Jahre später erneut eine Korrektur seines Images, in dem es seine Liaison mit einer Aristokratin in die Öffentlichkeit trug. Nach dieser Offenbarung wurde ihm vorgeworfen, er kümmere sich zu wenig um die Probleme der Bundeswehr.

Angesichts dessen wird deutlich, wie rapide die Grenzen zwischen Politischem und Unpolitischem, zwischen Privatem und Öffentlichem sowie zwischen Unterhaltendem und Informativem verschwinden. Gerade am Beispiel Scharping wird die Zwiespältigkeit solcher Politikerauftritte deutlich. Einerseits haben politische Akteure die Möglichkeit, in nicht politikzentrierten Formaten Wähler und Zuschauer zu erreichen, die nicht politikinteressiert sind. Andererseits können auch nur jene Politiker das Politainment12 profitabel nutzen, die sowohl in Bezug auf ihre Eloquenz, Kompetenz und Spontaneität den Erwartungen der Zuschauer entsprechen können. Die Grenzen einer erfolgreichen Selbstinszenierung sind davon abhängig, welches Image der Akteur in der Öffentlichkeit besitzt. Dem zufolge ist für politische Talk- Meister entscheidend, ob sie die richtige Balance zwischen Bürgernähe und Anbiederung einerseits und demonstrativer Zurschaustellung von Kompetenz und abgehobener Fachsimpelei anderseits finden.13

2. Kriegsberichterstattung im medialen Zeitalter

2.1. Die Kriegsberichterstattung seit dem Zweiten Weltkrieg:

Im Zweiten Weltkrieg rückten zwei Medien verstärkt in das Interesse der Rezipienten, nämlich der Film und der Rundfunk. Diese neuen Medien wurden vor allem von den Nationalsozialisten zum Zwecke der eigenen Kriegspropaganda missbraucht. Bereits 1933 ging die Verantwortung über die Presse, des Films, des Rundfunks und des Theaters auf das Propagandaministerium von Joseph Goebbels über. Auch die ab 1939 stattfindende Kriegsberichterstattung befand sich fest in den Händen der damaligen Machthaber. So wurde am Beginn des Krieges beschlossen, dass über militärische Angelegenheiten nur militärisch Denkende berichten durften. Die Wehrmachtsführung setzte zu diesem Zwecke so genannte Propagandakompanien ein, die sich aus Journalisten, Redakteuren und Fotoreportern rekrutierten. Allesamt hatten zudem eine Waffenausbildung bekommen, um im schlimmsten Fall selbst ins Kriegsgeschehen eingreifen zu können. Dieses System der Propagandakompanien ermöglichte den nationalsozialistischen Machthabern eine lückenlose Kontrolle und eine entscheidende Beeinflussung der Kriegsberichterstattung.

Als 1945 die Massenheere des Zweiten Weltkrieges zum Stillstand kamen, wurde eine neue Ära aufgrund zweier entscheidender Entwicklungen eingeleitet. Einerseits durch den Beginn des Kalten Krieges, andererseits aber durch den rasanten Aufstieg des Mediums Fernsehen. Insbesondere die amerikanischen Medien übernahmen die Logik des Kalten Krieges und begannen schon in den fünfziger Jahren damit, die weltweiten militärischen Interventionen der USA als notwendige ideologische Handlungen und Kriege zur Eindämmung der kommunistischen Gefahr zu rechtfertigen.14

Gerade der Vietnamkrieg stellt einen weiteren bedeutenden Einschnitt in der Geschichte der Kriegsberichterstattung dar. Bei dieser militärischen Auseinandersetzung kam erstmalig das Medium Fernsehen zum Kriegseinsatz und die Berichterstattung unterlag zum ersten aber auch zum letzten Mal keiner Zensur. Dieser Krieg entwickelte sich aufgrund der permanenten Berichterstattung zum ersten Wohnzimmerkrieg der Geschichte. Obwohl dieser Krieg von Beginn an mit großer Brutalität geführt wurde, hatte man vorderhand nur Interesse an den amerikanischen Erfolgen. Erst das Massaker von My Lai brachte den Umschwung: Im September 1969 wurde bekannt, dass US -Soldaten am 16.3. 1968 alle 130 Einwohner des Ortes massakriert hatten. Zum erwähnenswerten Ereignis in den Medien wurde My Lai erst einige Monate später, im November 1969. Die darauf folgenden Fernsehbilder vom Schrecken des Krieges erzeugten bei der amerikanischen Bevölkerung eine zunehmende Anti-Kriegshaltung. Diese Haltung vieler Amerikaner war ein Mitgrund, weshalb sich die USA aus Vietnam zurückzogen.

Die Militärs erlangten dadurch zur Erkenntnis, dass Kriege zwar an der Front ausgefochten werden, aber teilweise auch in der eigenen Heimat entschieden werden. Als amerikanische Truppen 1983 die Karibikinsel Granada besetzten, wurden Journalisten aufgrund der Erfahrungen in Vietnam kurzerhand ausgesperrt.

[...]


1 Vgl. Teschner, Jens: Talkshowisierung als Element moderner Politikvermittlung. S.55

2 vgl. Ebd. S.56

3 Vgl.Schicha, Christian/ Brosda Carsten: Politikvermittlung zwischen Information und Unterhaltung.S.7

4 Vgl.Schicha, Christian/ Brosda Carsten: Politikvermittlung zwischen Information und Unterhaltung.S.7

5 Vgl. Ebd. S.9

6 Vgl. Ebd. S.10

7 Vgl. Teschner, Jens: Talkshowisierung als Element moderner Politikvermittlung. S.62

8 Vgl. Ebd. S.64

9 Vgl. Ebd. S. 65

10 Vgl. Michalek, Franz/ Schütz Astrid: Politiker als Talkshowstars. S 290

11 Vgl. Ebd.S.291

12 Vgl. Teschner, Jens/ Geisler, Alexander: Politiker kommen ins Gespräch. S. 174

13 Vgl. Ebd. S. 175

14 Vgl. Beham, Mira: Kriegstrommeln . Medien, Krieg und Politik.S.55

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Die Talkshowisierung der Politik am Beispiel der Sendung: „Vorsicht! Friedman“
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Politik im Unterhaltungsformat
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V141207
ISBN (eBook)
9783640484867
ISBN (Buch)
9783640484614
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Talkshowisierung, Politik, Beispiel, Sendung, Friedman“, Sehr
Arbeit zitieren
Mag. Wolfgang Bilewicz (Autor), 2003, Die Talkshowisierung der Politik am Beispiel der Sendung: „Vorsicht! Friedman“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141207

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