Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität


Diplomarbeit, 2009

64 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

IV. Glossar

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung

2 Was bedeutet Mobbing
2.1 Ursprung und Geschichte von Mobbing
2.2 Definition von Mobbing
2.3 Abgrenzungen

3 Mobbing am Arbeitsplatz
3.1 Mobbingbehandlung
3.1.1 Die 45 Mobbing-Handlungen in fünf folgenden Gruppen
3.1.2 Katalog der 100+… Mobbingbehandlungen
3.2 Verlaufsformen und Verbreitung
3.3 Ursachen
3.4 Folgen von Mobbing
3.4.1 Folgen für Mobbing-Betroffene
3.4.2 Folgen für die Unternehmen
3.4.3 Folgen für die Arbeitsgruppe
3.4.4 Wie Mobbing endet
3.5 Fallbeispiele
3.5.1 Ove aus Norwegen
3.5.2 Ingrid aus den Niederlanden
3.6 Prävention und Intervention

4 Arbeitszufriedenheit
4.1 Definition von Arbeitszufriedenheit
4.2 Einflussfaktoren auf die Arbeitszufriedenheit
4.2.1 Arbeitszufriedenheit nach Bruggeman
4.2.2 Arbeitszufriedenheit nach Herzberg
4.3 Der Bezug zur Motivation und Einstellung
4.4 Messung der Arbeitszufriedenheit
4.5 Korrelate und Folgen der Arbeitszufriedenheit
4.5.1 Arbeitszufriedenheit und Arbeitsleistung
4.5.2 Arbeitszufriedenheit und Fluktuation
4.5.3 Arbeitszufriedenheit und Fehlzeitenrate
4.5.4 Fluktuationsrate und Abwesenheitsrate
4.5.5 Arbeitszufriedenheit und Unfallrate
4.5.6 Arbeitszufriedenheit und Lebenszufriedenheit
4.6 Beeinflussung der Arbeits(un)zufriedenheit im Unternehmen

5 Motivation
5.1 Motivationsbegriff
5.2 Motivationstheorien
5.2.1 Maslow´s Bedürfnishierachie
5.2.2 X-Y-Theorie von McGregor
5.2.3 Equity-Theorie von Adams

6 Arbeitsproduktivität
6.1 Einordnung und Berechnung
6.2 Arbeitsproduktivitätsindex
6.3 Gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität
6.4 Durchschnittliche Arbeitsproduktivität
6.5 Nationale und internationale Vergleiche
6.6 Lohnpolitik
6.7 Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitsproduktivität
6.7.1 Mitarbeitergespräche
6.7.2 Führen durch Zielvereinbarung

7 Schlussbetrachtung

V. Literaturverzeichnis & Internetquellen

II. Abbildungsverzeichnis

Abb. I Verlaufsformen von Mobbing

Abb. II Phasen von Mobbing

Abb. III Aktuelle, jährliche und gesamte Mobbingquote von Erwerbstätigen in Deutschland

Abb. IV Gesundheitliche Folgen im Verlauf eines Mobbingprozesses

Abb. V Mobbing als individuelles und als betriebliches Problem

Abb. VI Wie Mobbing endet

Abb. VII Arbeitszufriedenheit in Deutschland

Abb. VIII Arbeitszufriedenheit nach Berufsklassen

Abb. IX Darstellung über die Gründe der Arbeits(un)zufriedenheit

Abb. X Darstellung der 2-Faktoren-Theorie

Abb. XI Bedürfnispyramide nach Maslow

Abb. XII Darstellung der Theorie X von McGregor

Abb. XIII Darstellung der Theorie Y von McGregor

Abb. XIV Gleichgewichtsdarstellung nach Equity-Theorie von Adams

Abb. XV Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen (2006) zu laufenden Wechselkursen und zu Kaufkraftparitäten

Abb. XVI Jährliche Wachstumsrate der Arbeitsproduktivität (%)

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV. Glossar

Appetenz

Als Appetenz bezeichnet man in der Verhaltensforschung das Vorhandensein primärer, angeborener und nicht von außen veranlasster Triebe, die dem Erreichen eines bestimmten Ziels dienen. Im übertragenen Sinn steht Appetenz für jede Form des Verlangens.

Aversion

Unter Aversion versteht man „Abneigung, Vermeidung [oder] Widerwille“ und stellt das Gegenteil zu Appetenz dar.

Bossing

Mobbing kann von Mitarbeitern als auch von Vorgesetzen ausgehen. In dem Fall geht Mobbing vom Vorgesetzten aus

Bullying (horizental)

Aggressionen unter Kollegen, ereignen sich über einen längeren Zeitraum, als systematische und wiederholte Aggressionen gegenüber Schwächeren. Man kann körperliches (z.B. schlagen, stoßen, treten), verbales (z.B. indirektes Bullying (Gerüchte verbreiten oder jemanden ausschließen) unterscheiden.

Empirisch

Empirie ist Erfahrung im Sinne von sinnlicher Wahrnehmung, Erhebung von Daten, gezielten Beobachtungen und Wissenschaftlichen Experimenten.

Extrinsische Motivation

bezieht sich auf einen Zustand, bei dem wegen äußerer Gründe, d.h. wegen der Konsequenzen der Handlungsergebnisse.

Intrinsische Motivation

bezieht sich auf einen Zustand, bei dem wegen eines inneren Anreizes, der in der Tätigkeit selbst liegt.

Korrelation

in der Statistik Bezeichnung für einen mehr oder minder intensiven Zusammenhang zweier quantitativer Merkmale bzw. Zufallsvariablen

Pluralistisch

Pluralistisch oder auch Pluralität beschreibt die Koexistenz verschiedener Interessen, Ansichten und Lebensstile.

Staffing

Von Staffing wird davon gesprochen wenn Mitarbeiter/-innen den die Vorgesetzte/-n mobben.

Stalking

Stalking bezeichnet ein obsessives Verfolgen. Die Täter sind meistens männlich und die Opfer sind hauptsächlich weiblich. Es kann sich bis zur körperlichen Gewalt hin entwickeln.

Stressoren

Als Stressoren, zu Deutsch Stressfaktoren, werden alle inneren und äußeren Reizereignisse bezeichnet, die eine adaptive Reaktion erfordern. Der Organismus teilt die auf ihn einwirkenden Reize in positive und negative ein. Alles, was nützlich, angenehm, befriedigend ist, wird positiv gewertet.

1 Einleitung

Die vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität. Mobbing hat sich über die Jahre sehr schnell in den Unternehmen verbreitet und hat sehr große Auswirkungen auf den Arbeitsplatz und dessen Arbeitsproduktivität. Es existieren verschiedene Mobbingarten mit unterschiedlichen Mobbingbehandlungen. In folgendem sollen die Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität untersucht werden.

1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit

Um Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität in Unternehmen zu definieren, sind viele Faktoren ausschlaggebend. Die Arbeitszufriedenheit am Arbeitsplatz und die Motivation der Mitarbeiter sind nur zwei Aspekte, die Unternehmen vor besondere Herausforderungen stellen. Um in einem ständig wachsenden und sich wandelnden Markt dem immerwährenden Erfolgsdruck gewachsen zu sein, benötigen Unternehmen qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Die Kundenzufriedenheit muss zugleich als eines der wichtigsten Unternehmensziele berücksichtigt werden. Mobbing stellt eine immense Gefahr sowohl für das Erreichen optimaler Unternehmensproduktivität und Gewinnoptimierung als auch für die Gesundheit des Individuums und somit der Solidargemeinschaft dar. Es ist also von existentieller Wichtigkeit von Seiten der Unternehmer, gegen Mobbing Strategien zu entwickeln, was sich aber aus unterschiedlichen zu berücksichtigenden Faktoren, die noch näher erläutert werden, als ausgesprochen kompliziert darstellt.

Dabei sollten meiner Ansicht nach zwei Hauptfaktoren besonders ins Auge gefasst werden: Die Arbeitszufriedenheit und die Motivation!

Die Arbeitszufriedenheit und die Motivation sind das Glied zwischen Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität und Unternehmen. Gut durchdachte Strategien gegen Mobbing helfen sie im Keim zu ersticken oder entsprechende Gegenmaßnahmen zu treffen, falls eine gewisse Mobbingkultur bereits vorhanden ist. Aber bevor man das erreichen kann, muss das Problem identifiziert werden. Das heißt, Mobbing greift zerstörend in die Motivation und Arbeitszufriedenheit ein und bestimmt somit die Arbeits(un)produktivität der Unternehmung.

Also wird das Bestreben des Unternehmens oder der verschiedenen Abteilungen die Mitarbeiter zu motivieren und ein angenehmes betriebliches Umfeld zu schaffen, sabotiert. Die Unternehmensführung oder Vorgesetzten der Abteilungen sind hier gefordert schädliche Einflüsse im Ansatz zu erkennen und dem entgegenzuwirken im Hinblick auf wirtschaftlichen Erfolg und Sicherung der Arbeitsplätze, die das Ziel einer jeden gesunden Unternehmung ist.

1.2 Gang der Untersuchung

Die Diplomarbeit soll die Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität durchleuchten und eine Verknüpfung herstellen. Als erstes werden die Faktoren und die prägenden Elemente näher beschrieben. Dabei werden wesentliche Punkte der Faktoren Mobbing am Arbeitsplatz, Arbeitszufriedenheit, Motivation und Arbeitsproduktivität näher beschrieben und untersucht.

2 Was bedeutet Mobbing

Es bezeichnet einen Prozess der systematischen Ausgrenzung und Erniedrigung eines anderen Menschen, die von einer oder mehreren Personen betrieben werden. Diese feindseligen Handlungen geschehen mit einer gewissen Regelmäßigkeit, also mindestens einmal pro Woche und über eine bestimmte Dauer, d.h. mindestens ein halbes Jahr.

2.1 Ursprung und Geschichte von Mobbing

Der Begriff Mobbing wurde von dem Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) 1963 geprägt. „Er bezeichnete mit ihm Gruppenangriffe von unterlegenen Tieren, um einen an sich überlegenen Gegner zu verscheuchen“ . Mobbing bekam erst seine besondere Bedeutung durch den aus Deutschland ausgewanderten schwedischen Arzt und Psychologen Heinz Leymann (1932-1999). Laut seiner Erkenntnis sind die Ursachen der psychischen Belastungen in den Arbeitsbedingungen des betrieblichen Umfeldes zu suchen, anstelle in der Persönlichkeit des Arbeitnehmers. „Seine Ergebnisse haben Diskussionen über dieses Erscheinungsbild psychosozialer Belastungen Arbeitsplatz geprägt.“

Gegen Ende der siebziger Jahre begannen seine Forschungen über indirekte und direkte Angriffe in der Arbeitswelt. Seine erste Arbeit mit den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen veröffentlichte er Anfang der neunziger Jahre. Zunächst weckten die Berichte nur Interesse in den nordeuropäischen Staaten. Die Berichte fanden erst später im mitteleuropäischen Raum Beachtung. Öffentliche Diskussionen, Unternehmensberater, Veröffentlichungen, eindringliche Fallbesprechungen, die Aufnahme der Thematik durch Gewerkschaften, Arbeitgeber und andere Verbände, sowie in der Medizin, machten da Thema Mobbing in der breiten Öffentlichkeit zunehmend bekannt.

In englischsprachigen Ländern wird der Begriff „bullying“ verwendet. Anstelle „Mobbing“ in den skandinavischen Ländern und im deutschsprachigen Raum.

2.2 Definition von Mobbing

In der Arbeitswelt ist Mobbing ein Geschehensprozess in dem eine Reihe von negativen kommunikativen Handlungen vorkommen, die während einer längeren Zeit (mindestens jedoch während eines halben Jahres mindestens einmal in der Woche) von mehreren oder einer Einzelperson gegen eine bestimmte Person gerichtet sind. So dass die psychische Befindlichkeit und Gesundheit der Betroffenen zunehmend beeinträchtigt wird.

„Bei dem Wort Mobbing handelt es sich um ein Kunstwort, das dem englischen Verb >to mob< entlehnt ist und mit den Worten >über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren< letztendlich auf die lateinische Sprache - >mobile vulgus< bedeutet >wankelmütige Masse, aufgewiegelte Volksmenge<.“

Es gibt verschiedene Begriffe für die Form der Attacken:

Bossing, Staffing, Stalking, Bullying

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. I Verlaufsformen von Mobbing

2.3 Abgrenzungen

Eine klare Abgrenzung ist unverzichtbar, gerade um einfühlsam und qualifiziert beraten zu können. Oft verbergen sich persönliche und private Probleme hinter beruflichen Konflikten der einzelner Mitarbeiter, die es zu „analysieren“ gilt. Eine noch so gute Hilfestellung und Beratung gemobbter Mitarbeiter bringt es nichts, wenn der Hintergrund des Konfliktes gar nichts mit dem betrieblichen Alltag und seinen Bedingungen zu tun hat.

3 Mobbing am Arbeitsplatz

3.1 Mobbingbehandlung

Heinz Leymann stellte 45 Mobbingbehandlungen in einer qualitativen Interviewuntersuchungen fest, die er als relevant ansah.

3.1.1 Die 45 Mobbing-Handlungen in fünf folgenden Gruppen

1. Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen:

- Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
- Man wird ständig unterbrochen.
- Kollegen schränken die Möglichkeiten ein, sich zu äußern.
- Anschreien oder lautes Schimpfen.
- Ständige Kritik an der Arbeit.
- Ständige Kritik am Privatleben.
- Telefonterror.
- Mündliche Drohungen.
- Schriftliche Drohungen.
- Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
- Kontaktverweigerung durch Andeutungen, ohne dass man etwas direkt ausspricht.

2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen:

- Man spricht nicht mehr mit dem Betroffenen.
- Man lässt sich nicht ansprechen.
- Versetzung in einen Raum weitab von den Kollegen.
- Den Arbeitskollegen/innen wird verboten, den/die Betroffenen anzusprechen.
- Man wird "wie Luft" behandelt.

3. Auswirkungen auf das soziale Ansehen:

- Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen.
- Man verbreitet Gerüchte.
- Man macht jemanden lächerlich.
- Man verdächtigt jemanden, psychisch krank zu sein.
- Man will jemanden zu einer psychiatrischen Untersuchung zwingen.
- Man macht sich über eine Behinderung lustig.
- Man imitiert den Gang, die Stimme, oder Gesten, um jemanden lächerlich zu machen.
- Man greift die politische oder religiöse Einstellung an.
- Man macht sich über das Privatleben lustig.
- Man macht sich über die Nationalität lustig.
- Man zwingt jemanden, Arbeiten auszuführen, die das Selbstbewusstsein verletzen.
- Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher od. kränkender Weise.
- Man stellt die Entscheidungen des Betroffenen in Frage.
- Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte o.ä. entwürdigende Ausdrücke nach.
- Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote.

4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation:

- Man weist dem Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu.
- Man nimmt ihm jede Beschäftigung am Arbeitsplatz, so dass er sich nicht einmal selbst Aufgaben ausdenken kann.
- Man gibt ihm sinnlose Arbeitsaufgaben.
- Man gibt ihm Aufgaben weit unter eigentlichem Können.
- Man gibt ihm ständig neue Aufgaben.
- Man gibt ihm "kränkende" Arbeitsaufgaben.
- Man gibt dem Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seine Qualifikation übersteigen, um ihn zu diskreditieren.

5.Angriffe auf die Gesundheit:

- Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten.
- Androhung körperlicher Gewalt.
- Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen "Denkzettel" zu verpassen.
- Körperliche Misshandlung.
- Man verursacht Kosten für den/die Betroffene, um ihm/ihr zu schaden.
- Man richtet physischen Schaden im Heim oder am Arbeitsplatz des/der Betroffenen an.
- Sexuelle Handgreiflichkeiten.

Über 100 verschiedene Mobbingbehandlungen identifizierten Axel Esser und Martin Wolmerath ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Typische Mobbingbehandlungen betreffen etwa soziale Isolierung (z.B. Ausgrenzen und meiden der Person), Angriffe auf die Person und ihre Privatsphäre (etwa Lächerlich machen der Person), organisationale Maßnahmen (z.B. Zuteilung sinnloser Arbeitsaufgaben oder Kompetenzentzug), verbale Gewalt (z.B. Demütigung oder mündliche Drohung), Ausführung und Androhung körperlicher Gewalt und Gerüchte.

3.1.2 Katalog der 100+… Mobbingbehandlungen

1. Angriffe gegen die Arbeitsleistung und das Leistungsvermögen

- Sabotage: Beschädigung, Diebstahl, Manipulation von Arbeitsmitteln
- „Unterschlagung“ von Arbeitsergebnissen (z.B. Unterlagen, Dateien sind „weg“)
- Manipulation von Arbeitsergebnissen (z.B. gezielt Fehler einfügen)
- Erzeugen von Störungen (z.B. unsinnige Telefonate, Unterbrechungen)
- Vorenthalten und/oder Fälschen von arbeitsrelevanten Informationen
- Gezielte Unterdrückung von Informationen über Besprechungen, (End-) Terminen
- Anordnung von sinnlosen Tätigkeiten (z.B. ausgemusterte Ordner sortieren)
- Anordnung, keine Tätigkeit während der Arbeitszeit auszuüben
- Anordnung von systematisch überfordernden Tätigkeiten
- Zuweisung von Arbeiten, die der Betroffene nicht mag oder die ihm nicht „liegen“
- Zuweisung von objektiv zu viel Arbeit („Zuschütten“)
- Willkürlich auf liegengebliebener Arbeit (z.B. wegen Urlaub, Betriebsratstätigkeit) sitzen lassen
- Ungünstige Lage des Arbeitsplatzes (z.B. laut, Störungen, ungeschützt, exponiert)
- Anordnung von systematisch unterfordernden Tätigkeiten
- Anordnungen so gestalten, dass unvermeidlich Fehler gemacht werden
- Manipulierte Arbeitszuweisung (z.B. nur unbeliebteste, schlechteste, schmutzigste)
- Kappen üblicher Informationskanäle (z.B. kein Telefon, kein Fax, keine E-Mail)
- Blockade von gemeinsamer Tätigkeit („Mit dem nicht!“)
- Verweigerung von Hilfe, Unterstützung, Rat (obwohl es möglich wäre)
- Überraschendes Zurückziehen von verbindlich zugesagter Unterstützung
- Geistiger Diebstahl, Aneignung von Arbeitsergebnissen
- Beschneidung der Zuständigkeit (z.B. fachlich unberechtigt, willkürlich)
- Dienst nach Vorschrift (z.B. gezieltes Nicht-Mitdenken, gezielte Unflexibilität)
- Entscheidungen oder Kompetenzen werden permanent angezweifelt
- Anweisungen werden (offen oder verdeckt) nicht ausgeführt oder sabotiert
- Anweisungen werden wortwörtlich ausgeführt (offensichtliche Fehler einbezogen)
- Willkürlich erzeugter Zeitdruck
- Überraschungsangriffe (z.B. plötzliche Änderungen der Arbeitsaufträge, Termine)
- Ständige Entmutigung

2. Angriffe gegen den Bestand des Beschäftigungsverhältnisses

- Behaupten von Fehlverhalten (z.B. Urlaubszettel „verschwindet“)
- Fehler und negative Vorfälle werden Betroffenem in die Schuhe geschoben
- Willkürliche Abmahnungen (d.h. die Gründe werden „an den Haaren herbeigezogen“)
- Willkürliche Umsetzung und/oder Versetzung (sowie Versuche dazu)
- Willkürliche Kündigung(en) (d.h. die Gründe werden „an den Haaren“ herbeigezogen)
- Manipulation der Arbeitszeiterfassung
- Strafbare Handlungen werden unterstellt (z.B. Diebesgut wird untergeschoben)
- Berufliche Qualifikation wird ständig in Frage gestellt
- Willkürliches Zurückhalten des Entgelts (z.B. Urlaubsgeld, Spesen)
- Absichtlich schlechte berufliche Beurteilung; Behauptung von Schlechtleistungen
- Betrieblich übliche Beförderungen, angestrebte Position werden blockiert
- Fort- und Weiterbildungsvorhaben werden gezielt behindert

3. Destruktive Kritik

- Demütigende, unsachliche, überzogene, gnadenlose Kritik
- Aufbauschen einzelner Vorfälle oder Fehler („Maus zum Elefanten machen“)
- Generalisierung von Fehlern; pauschale Kritik (z.B.: „Sie machen alles falsch!“)
- Kritik von Fehlern, die durch Anweisungen des Mobbers provoziert wurden
- Ständige (harsche) Kritik
- Unterdrückung von Verbesserungsvorschlägen und -bemühungen
- Ständige Entmutigung; Ausbremsen der Motivation

(z.B.: „Das schaffen Sie nie!“)

4. Angriffe gegen die soziale Integration am Arbeitsplatz

- Räumliche Isolation (z.B. abgelegener Arbeitsplatz)
- Unterdrückung von Meinungsäußerungen des Betroffenen

(z.B. „Mund verbieten“)

- Gespräche hinter dem Rücken (z.B. Tuscheln, Tratschen, Gerüchte verbreiten)
- Anspielungen, zweideutige Bemerkungen
- Engagement des Betroffenen wird als getarnter Egoismus diffamiert
- Mögliche Bündnispartner, Freunde des Betroffenen werden versetzt
- Mögliche Bündnispartner, Freunde des Betroffenen werden eingeschüchtert
- Ausschließen aus der Alltagskommunikation („Wie Luft behandeln“)
- Ausschließen aus informellen/geselligen Treffen („Tür-Zu-Methode“)
- Ausschließen aus üblichen gegenseitigen Freundlichkeiten im Kollegenkreis

(z.B. Brötchen oder Süßigkeiten mitbringen, Kaffee kochen, Blumen gießen)

- Demonstratives Schweigen im Beisein des Betroffenen
- Ignorieren von Fragen, Gesprächswünschen, Hilfeersuchen, Kooperationsangeboten
- Demonstrativ aus dem Weg gehen, nicht an einem Tisch sitzen, in einem Raum sein

5. Angriffe gegen das soziale Ansehen im Beruf

- Gezielte Verleumdung, Rufmord in der betrieblichen Öffentlichkeit
- Gerüchte verbreiten oder gezielt weiterleiten
- Dem Betroffenen wider besseren Wissens Böswilligkeit/Fahrlässigkeit unterstellen
- Provokation, um die emotionale Reaktion des Mobbingbetroffenen auszuschlachten
- Beleidigung und Demütigung im Beisein Dritter
- Verraten von persönlichen Informationen („Geheimnisse“ an Dritte)
- Lächerlich machen (z.B. verbal, mit Mimik, mit Gestik, durch Karikatur)
- In der betrieblichen Öffentlichkeit unglaubwürdig machen, blamieren, bloßstellen
- Gezielte negative Sonderbehandlung („nur der Mobbingbetroffene wird so behandelt“)
- Demonstrative scheinbar positive Sonderbehandlung (z.B. „Tot-Loben“)
- Psychische Erkrankung wird unterstellt
- Beschwerden durch Dritte werden erfunden (z.B. gefälschte Briefe, Anrufe, E-Mails)
- Fingierte Schreiben des oder an den Betroffenen werden öffentlich gemacht

6. Angriffe gegen das Selbstwertgefühl

- Demütigung, Erniedrigung, Blamage, Häme, Abwertung (verbal - noverbal)
- Unterdrückung durch verbale Dominanz (z.B. Anschreien)
- Ruppige Redeweise mit dem Betroffenen
- Menschliche Qualifikation („Charakter“) wird bestritten
- Unterstellung böser Absichten, Dummheit, Unehrenhaftigkeit etc.
- Verunsicherung, Kränkung, Beleidigung, Schmähung
- Gezieltes Attackieren und Ausnutzen von persönlichen Unsicherheiten
- Persönliche Schwächen werden publik gemacht
- Aufbauschen von Fehlern und Unzulänglichkeiten („Herumreiten“)
- Gezielte Ungleichbehandlung (z.B. negative Sonderrolle, Ungerechtigkeiten)
- Dauerkontrolle, übertriebene Kontrolle, berufliche Entmündigung

7. Angst, Schreck und Ekel erzeugen

- Angst und Schrecken erzeugen (z.B. Einsperren des Betroffenen, Spinnen in den
- Schreibtisch legen, tote Tiere im Büro ablegen, elektrischen Kurzschluss herbeiführen)
- Ekel erzeugen (z.B. Stinkbomben sowie verdorbene Lebensmittel werden im Büro versteckt)
- Einschüchtern, Bedrohen, Nötigen (z.B. Drohen mit dem Arbeitsplatzverlust,
- körperliche Gewaltandrohung)
- Anordnung, zum Arzt zu gehen, um psychische Gesundheit prüfen zu lassen

8. Angriffe gegen die Privatsphäre

- (Nächtlicher) Telefonterror
- Anrufe oder Besuche zur Kontrolle
- Bedrängende Aufforderungen, aus dem Urlaub und/oder aus der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit zurück zu kommen
- Schlechtmachen des Betroffenen bei Familienangehörigen, Freunden etc.
- Familienangehörige ängstigen, angreifen, belästigen
- Sachbeschädigung an privaten oder beruflich genutzten Gegenständen, Kleidung etc.
- Zuweisung schlechter Urlaubstermine
- Kurzfristige Zurücknahme zugesagten Urlaubs oder Freizeitausgleichs
- Unterschlagung von Anträgen (z.B. wegen Urlaub, Bildung)
- Ständiges Abwerten privater Vorlieben, Interessen und Tätigkeiten
- Ständiges Abwerten religiöser, politischer, weltanschaulicher Überzeugungen

9. Angriffe gegen die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit

- Offene körperliche Übergriffe, Gewaltanwendung
- Als Zufall oder Missgeschick getarnte Verletzungen beifügen
- Gezielte Anordnung von gesundheitsschädlichen Tätigkeiten
- Sabotage von Sicherheitsmaßnahmen; Verschwinden lassen von Schutzmitteln
- bad word Belästigung
- Heimliche Verabreichung von Medikamenten und/oder Suchtmitteln

(z. B. Alkohol bei einem abstinenten Alkoholiker)

- Ungenießbarmachung oder Verunreinigung von Lebensmitteln
- Herbeiführen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen (z.B. Zugluft, Kälte, Hitze, Lautstärke, Vibration, Tabakqualm, Sprays, Stinkbomben)
- Ausnutzen von gesundheitlichen Handikaps und Krankheiten gegen Betroffene
- Betroffenen zum Suizid auffordern

10. Versagen von Hilfe

- Ignorieren von Mobbingsituationen (z.B. Wegschauen, Weggehen)
- Verharmlosen, Lächerlich machen von Beschwerden
- Vorwürfe, Schuldzuweisung gegenüber dem Betroffenen
- Dulden von Mobbingvorgängen
- Unterlassene Hilfeleistung

3.2 Verlaufsformen und Verbreitung

Mobbing verläuft in den meisten Fällen schematisch in vier Phasen ab. Je später es erkannt wird, desto schlimmer sind die physischen und psychischen Folgen für die Betroffenen. Kenntnisse des Verlaufes sind für eine Betriebsvereinbarung wichtig, um mit entsprechenden Maßnahmen agieren zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. II Phasen von Mobbing

Phase I (Auslösephase):

- Hier entsteht ein Konflikt mit einem Vorgesetzten und/oder einem Mitarbeiter. Dieser Konflikt wird nicht gelöst und besteht im Stillen weiter. In dieser ersten Phase kann man schon einzelne Angriffe (wie gehässige Bemerkungen o.ä.) beobachten, es fehlt jedoch die Systematik und Häufigkeit der Angriffe.

Phase II (eigentliche Mobbingphase):

- Die Angriffe beider Fronten verdichten sich. Es werden direkte Angriffe auf die Konfliktperson gemacht. Der eigentliche Konflikt tritt in den Hintergrund. Die Häufigkeit der Angriffe nimmt zu. Es kommt zu einen Täter-Opfer Verhältnis zwischen Mobber und Betroffenen.

Phase III (Phase der Rechts- und Machtübergriffe):

- Der Konflikt zwischen den beiden Parteien wird öffentlich. Bislang unbeteiligte Kollegen und Vorgesetzte schließen sich in den meisten Fällen der Position des/der Mobber an und kommen dann zu dem Schluss, dass der Betroffene für die Abteilung und schließlich auch nicht mehr für den Betrieb tragbar ist. Isolation und Sanktionen nehmen hier stark zu. Die zunehmend schlechte Befindlichkeit des Betroffenen wird als Begründung für derartige Maßnahmen angeführt, die genau genommen erst Folge der Mobbingphasen I und II sind. Der Betroffene ist massiven Angriffen der Kollegen und Vorgesetzten ausgesetzt und reagiert nicht selten mit gehäuften Fehlzeiten und psychosomatischen Beschwerden.

Phase IV (Ausstoßphase):

- Hier erfolgt für den Betroffenen der Ausschluss aus der Arbeitswelt. Kündigung oder Aufhebungsvertrag mit Abfindung, Frühverrentung oder langfristige Krankschreibungen führen zum Ausscheiden des Betroffenen aus dem Unternehmen. Der Betroffene leidet in den meisten Fällen unter den Folgen des Arbeitsplatzverlustes und an dem langfristigen zerstörerischen Prozess des Selbstwertgefühls.

In allen Punkten lässt sich das Phasenmodell nicht empirisch bestätigen, ist aber für Interventionsstrategien eine wichtige Grundlage.

Aktuelle, jährliche und gesamte Mobbingquote

„Der Psychoterror, der von in der betrieblichen Hierarchie höher platzierten Personen ausgeübt wird, kommt in Deutschland in 40 Prozent der Fälle vor, während in nur zwei Prozent aller Fälle ein Vorgesetzter von seinen Untergebenen gemobbt wird. Hinzu kommt horizontales Mobbing (engl. horizontal bullying); das heißt, der Betroffene wird von hierarchisch gleichgestellten Kollegen gemobbt. Mehr als 20 Prozent aller Mobbingopfer bezeichnen einen Kollegen als Täter. Etwa gleich viele Betroffene geben an, dass das Mobbing von einer Gruppe von Kollegen ausgeht. Etwas weniger als 15 Prozent aller Mobbingopfer in Deutschland sind davon überzeugt, dass sie sowohl von ihrem Vorgesetzten als auch von Kollegen gemobbt werden.“

„Es wurde folgende Häufigkeitsverteilung festgestellt

- 44 %: Kollegen
- 37 %: Vorgesetzte
- 10 %: Kollegen und Vorgesetzte gemeinsam
- 9 %: Untergebene“

„Die Schätzungen für die momentane Zahl der Mobbingbetroffenen in Deutschland belaufen sich auf über 1.000.000 Erwerbstätige (2,7%).“ „In der Schweiz sind es knapp 100.000 Erwerbstätige, die sich als Mobbingopfer deklarieren (4,4%).“ Für Österreich gibt es keine repräsentativen Zahlen. Bei einer Befragung in oberösterreichischen zufällig ausgewählten Groß- und Mittelbetrieben mit Betriebsrat (30 Betriebe und 249 Arbeitnehmer) fühlten sich 5,3% der Befragten momentan von Mobbing betroffen.

[...]

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Details

Titel
Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Frankfurt
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
64
Katalognummer
V141244
ISBN (eBook)
9783640505203
ISBN (Buch)
9783640505449
Dateigröße
949 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auswirkungen, Mobbing, Arbeitsproduktivität
Arbeit zitieren
Nico Schumann (Autor), 2009, Auswirkungen von Mobbing auf die Arbeitsproduktivität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141244

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