Kinder psychisch robust machen - Zur Förderung der Resilienz durch Soziale Arbeit


Hausarbeit, 2009
17 Seiten, Note: gut (2.0)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1 Entwicklung und Charakteristika der Resilienzforschung
2.2 das Modell der Salutogenese nach Aaron Antonovsky

3. Positive Peer Culture (PPC)

4. Risiko- und Schutzfaktoren als zentrale Erklärungsansätze
4.1 Vulnerabilitäts- und Risikofaktoren
4.2 Schutzfaktoren (protektiv)

5. Förderung der Resilienz durch die Soziale Arbeit

6. Schlussbetrachtung

7. Quellenverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In Anlehnung an Hans Thiersch (Professor für Erziehungswissenschaften und Sozial- pädagogik) erfährt jedes Individuum im Leben eine von einer oder mehreren Krisen geprägte Zeit. Sogenannte Life Events sind besondere Situationen innerhalb der Nor- malität der Biographie, Übergänge zwischen Lebensphasen und - feldern, z.B.: bei der Geburt eines Kindes, beim Übergang des Kindes aus der Familie in den Kindergarten und auch unvorhergesehene Veränderungen im Lebensfeld z.B.: Arbeitslosigkeit, Scheidung, Überschuldung (vgl. Thiersch 1990, S. 85). Belastend für Kinder, kann nach Achterhold (vgl. 2006, S.1) das Aufwachsen in einem risikobelasteten sozialen Umfeld, das durch Armut, Drogenkonsum und Gewalt gekennzeichnet ist, sein. Dieser Stress kann dazu führen, dass sich einige Kinder nur mühsam „berappeln“, andere Kin- der jedoch wahre „Stehaufmännchen“ Qualitäten zeigen und sich dennoch zu erfolg- reich sozialisierten Erwachsenen entwickeln (ebd.). Krisen können also stark machen - aber wie?

Die vorliegende Arbeit knüpft an diesen Gedanken an und fragt, wie die Profession der sozialen Arbeit mit psychosozial belasteten Familien gestaltet sein muss, um Kindern trotz ihrer schwierigen Lebenslagen und Lebenswelten eine hoffnungsvolle Zukunfts- perspektive zu ermöglichen (vgl. Ramthun 2009, S.6). Hauptanliegen dieser Arbeit ist es, die praktische und handlungsleitende Bedeutung der Resilienzforschung im Bezug auf Kinder vorzustellen. Die Betrachtung erfolgt dabei auf der Grundlage von ein schlägiger Literatur und wird durch Praxis- und Forschungsbeispiele ergänzt.

2. Begriffsbestimmung

Unter Resilienz versteht man die psychische, also seelische Widerstandsfähigkeit eines Menschen. Zunächst kommt der Begriff aus dem Englischen und wurde ursprünglich in Naturwissenschaften genutzt und bedeutet Elastizität, Schwung oder auch Unverwüstlichkeit. (vgl. Achterhold 2006, S.1)

Um sich begrifflich weiter anzunähern, lässt sich durch die Fachliteratur, eine sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen, von einer „gesunden Entwicklung“ (Zander 2007, S.4) oder auch „guten Anpassungsfähigkeit“ (ebd.) an widrige Lebensumstände, sprich biologische, psychologische oder auch soziale Entwicklungsrisiken, erfolgreich geprägte Bewältigung resümieren. Fooken sagt dazu (2009, S.1):

Je früher ein Kind die Erfahrung macht, mit schwierigen Situationen fertig zu werden, desto größer ist seine Chance, auch später heikle Situationen unbeschadet zu überstehen. (…) Psychisch robuste Men- schen haben gelernt, sich zu vernetzen; sie halten Krisen für überwindbar und sie akzeptieren Verände rungen als elementaren Teil ihres Lebens.

In Relation zur Werkstoffkunde spricht man davon, dass resiliente Individuen sich ver- formen lassen und dennoch wieder in Ihre ursprüngliche Form zurückfinden (vgl. Ram- thun, S. 9). Der Begriff Resilienz hielt erst in den siebziger Jahren Einzug in den psy- chologischen und pädagogischen Sprachgebrauch, wurde jedoch durch die Psychologin Hildegard Hetzer bereits 1929 in Ihrer Studie „Kindheit und Armut“ auf den menschli- chen Bereich übertragen. Sie stellte fest und machte darauf aufmerksam, dass sich manche Kinder in großer Armut, relativ gesehen, gut entwickeln und plädierte damit für die präventive Bekämpfung von Armut. (vgl. Zander 2008, S. 97)

Im Bezug auf Lebensbewältigung und den Folgen von belastenden Lebensumständen, keinen erheblichen psychischen Schaden zu erleiden, in deviantes, also auffälliges bzw. abweichendes Verhalten abzudriften und / oder straffällig zu werden (vgl. Zander 2008, S.18), zeichnet das Phänomen und die Faszination Resilienz inklusive Ihrer noch jun- gen Forschung aus.

2.1 Entwicklung und Charakteristika der Resilienzforschung

Einen ersten wissenschaftlichen Hinweis lieferte eine Langzeitstudie 1955 in Hawaii. Die 1929 in Deutschland geborene Dr. Emmy Werner spezialisierte sich nach Ihrer Auswanderung in die USA und einem Studium der Psychologie als Kinderpsychologin. In Ihrer Studie dokumentierte Sie über 40 Jahre lang in Zusammenarbeit mit Kinder- ärzten, Psychologen, Pflegepersonal und Sozialarbeitern, die Entwicklung von 210 Jungen und Mädchen, deren Chancen mehr als schlecht standen: Armut, Vernachlässi- gung, Scheidung und Misshandlungen prägten ihre Kindheit. (vgl. Thimm 2009, S.65)

Für zwei Drittel der Teilnehmer musste zunächst die Frage auf ein erfülltes Leben negativ beantwortet werden. Trotz der hohen Belastung entwickelte sich aber ein Drittel der Teilnehmer zu zuversichtlichen, fürsorglichen Erwachsenen, bei denen zu keinem Zeitpunkt der Studie irgendwelche Verhaltensauffälligkeiten nachgewiesen werden konnten. Sie gründeten eine Familie, waren erfolgreich in der Schule, führten stabile Ehen und setzten sich realistische Ziele. (ebd.)

In Deutschland war und ist der Professor für Psychologie Friedrich Lösel federführend im Bezug auf das noch junge Resilienzkonzept. In einer Studie an der Uni Erlangen- Nürnberg zeigte er, dass sich eine große Zahl von Kindern aus 27 Heimen psychisch gesund entwickelte. Dazu sagt Lösel: „Zwar wird ein Drittel derjenigen, die selbst Ge- walt erfahren haben, später ebenfalls gewalttätig, aber das ist eben doch die Minder- heit.“¹

Diese Studien haben ihre Aufmerksamkeit auf ein Zusammenspiel gewisser Faktoren gelegt. Die sogenannten Risikokinder, deren Entwicklung gefährdet erscheint, sind zunächst vulnerabel, also verletzlich, entwickelten jedoch aufgrund von Schutzfaktoren unter riskanten Lebensbedingungen eine positive Entwicklung besonders im Bezug auf ihre Persönlichkeitsmerkmale. Auf Risiko und protektive Faktoren wird zu einem späteren Zeitpunkt näher eingegangen.

Wenn also, wie bereits festgestellt, Resilienz zumeist in der Bewältigung von Krisen sichtbar wird, so muss innerhalb der Resilienzforschung von einem prozessualen Ge schehen gesprochen werden. Zur Erklärung wird dabei das transaktionale Entwick lungsmodell der Entwicklungspsychopathologie hinzugezogen. In diesem Modell werden Prozesse, die sich durch Interaktion der beteiligten Faktoren (biologisch, psychologisch und sozial) gegenseitig beeinflussen, erklärt. (vgl. Ramthun 2009, S.12)

So beeinflusst zum Beispiel elterliches Verhalten das des Kindes und umgekehrt.

Wichtig ist, dass sich Persönlichkeitsmerkmale herausbilden, die sich in ihrer Qualität voneinander unterscheiden können und unabhängig sind. So können auch schulisch re- siliente Kinder emotionale oder schulische Probleme aufweisen. Resilienz stellt also eine dynamische Kapazität dar, die sich im Verlauf der Entwicklung im Kontext der Mensch-Umwelt Interaktion herausbildet und anpasst (Scheithauer et al. 2000, S. 81).

Aktuell setzt sich die Resilienzforschung mit zwei elementaren Komponenten ausei- nander. Zum einen das Zusammenspiel zwischen unserem Erbgut und dem entspre- chenden Botenstoff Serotonin und zum anderen mit der Erfahrung von Selbstwirksam- keit. Kein Genforscher geht davon aus, dass nur das Erbmaterial für eine psychische Robustheit verantwortlich ist, jedoch hat die Naturkatastrophe Hurrikan „Katrina“ im Jahre 2005 dazu geführt, das Säuglingsforscher, Neurowissenschaftler, Pädagogen und Genetiker untersucht haben, wie Menschen auf die Verwüstungen unmittelbar reagier ten. Dazu wurden Speichelproben genommen und entsprechende Hormonspiegel getes- tet. Signifikant war, dass die Verzweifelten meist mit einem weniger aktiven Serotonin Transporter ausgestattet waren (vgl. Thimm 2009, S.68). Serotonin ist ein Botenstoff im zentralen Nervensystem, welcher hauptsächlich gefäßverengend in Lunge und Niere wirkt. Jedoch weiß man heute, dass ein erhöhter Serotonin Spiegel das Risiko einer fortschreitenden Depression deutlich lindern kann, somit schützend für unsere Seele wirkt und eine kurze Gen-Variante diese Entstehung eher fördert. Dem Konzept der Selbstwirksamkeit liegt das in den siebziger Jahren entwickelte Modell der Salutogene- se (der Entstehung von Gesundheit) von Aaron Antonovsky zugrunde. Ging man bis dahin lediglich von krankmachenden Faktoren aus, so richtete Antonovsky den Fokus auf das, was uns gesund macht und sprach im Bezug darauf als erster von einem „Ko- härenzgefühl“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kinder psychisch robust machen - Zur Förderung der Resilienz durch Soziale Arbeit
Hochschule
Fachhochschule Kiel  (Soziale Arbeit & Gesundheit)
Veranstaltung
Gender- und interkulturelle Aspekte der lebensweltorientierten Sozialen Arbeit
Note
gut (2.0)
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V141386
ISBN (eBook)
9783640507191
ISBN (Buch)
9783640507061
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Psyche, Psychisch, Robust, Resilienz, Soziale Arbeit, Förderung, Stark, Erziehung, Ressourcen
Arbeit zitieren
Felix Carl (Autor), 2009, Kinder psychisch robust machen - Zur Förderung der Resilienz durch Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/141386

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